Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 449. (Quelle)
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Pendl, Johann (Bildhauer, geb. auf dem Gallerhofe in der Gemeinde Aschau im Unterinnthale Tirols 22. Juni 1791, gest. zu Meran im Jahre 1859). Die Kindheit verlebte er in seiner Heimat und schon als Knabe versuchte er die Gegenstände der Natur, die ihn umgaben, wie Blumen und Thiere, nachzuschnitzen. Bauer zu werden, hatte er wenig Lust, und so ließ ihn denn der Vater, der seine großen Fähigkeiten im Bilderschnitzen gewahr worden, die Bildhauerei lernen. Er führte ihn zunächst zu dem berühmten Franz Xaver Nißl [Bd. XX, S. 372]. Aber der Meister zählte damals schon 73 Jahre, fing bald an zu kränkeln und starb auch 1804, und so wurde denn, da sich in der Bildhauerei gar schlechte Aussichten zeigten, dieser Plan aufgegeben und Pendl sollte nun studiren. Zu diesem Zwecke schickte ihn der Vater zu den Benedictinern im Stifte Viecht, aber auch da sollte es nicht glücken, denn ein Jahr später wurden die Patres ausgetrieben und P. kehrte in’s Elternhaus zurück. Nun kam man denn wieder auf das verlassene Feld der Kunst zurück. P. kam 1806 zu Nißl dem Jüngeren [Bd. XX, S. 371], einem Neffen [450] des Frühergenannten, und hier lag er seinem selbstgewählten Berufe auf das Eifrigste ob, aber in den sturm- und drangvollen Zeiten gab es wenig Bestellungen und somit auch wenig Arbeit, was für ein sich bildendes Talent eben nicht zuträglich ist. Der mittlerweile in Tirol ausgebrochene Aufstand brachte nebstdem schweres Weh über das Land, dessen Jugend sich gegen den Druck der fremden Zwingherrn auflehnte und von diesen wieder zur Verantwortung gezogen wurde. P. entzog sich durch Flucht all diesem Jammer, es war ihm gelungen, nach Oesterreich zu entkommen, aber es war eine schwere Zeit des Kummers und unsäglicher Entbehrungen, denn wo er hinkam. waren die Nachwehen des Krieges sichtbar und fühlbar, und Arbeit gab es nur sehr wenig. Nach mannigfachen Beschwernissen und großen Drangsalen kam P. endlich 1811 nach Wien, wo die Aussichten auch nicht besser waren: die großen Herrschaften hatten die Residenz verlassen; tüchtige Künstler, wie Kießling [Bd. XI, S. 256] und Klieber [Bd. XII, S. 92] hatten keine Bestellungen und die Akademie der Künste war geschlossen. Nach vieler Mühe gelang es ihm, ein paar Künstler aufzufinden, die sich seiner annahmen, ihm Privatunterricht ertheilten, wie ihm denn auch durch deren Vermittelung der Antikensaal der Kunstakademie geöffnet wurde. So arbeitete nun P. zwei Jahre und etwas darüber unter mancherlei Entbehrungen auf das Fleißigste in Wien, und als im Jahre 1813 der Rückkehr in sein Vaterland nichts mehr im Wege stand, begab er sich nach Tirol zurück. Von seinem Geburtsorte, wo er sich nur kurze Zeit aufgehalten, ging er, durch einen Brief eingeladen, nach Meran, wo er gute Aufnahme und bald auch hinlängliches Einkommen fand. Wohl mußte er sich im Anbeginn mit Nebendingen beschäftigen, die ebenso seines Talentes unwürdig, als ihm nichts weniger als willkommen waren. Aber um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, bestand er auch diese Prüfung und begann Fässer zu malen, Modelle zu stechen, Zierathen zu schnitzen und Bildnisse in Wachs und Gyps auszuführen. Letzteres bildete seine Haupterwerbsquelle. Bald jedoch, nachdem sein Talent erkannt und gewürdigt worden, erhielt er auch ansehnlichere Bestellungen. So hatte er größere Crucifixe mit Nebenstatuen für die Mariahilfkirche in Lana und für das Kapuzinerkloster in Meran auszuführen. Für die Kapuziner in Botzen mußte er 38 Figuren zur Weihnachtskrippe und Passionsvorstellung schnitzen. Die Aufträge mehrten sich und so kamen viele Kirchen von Nord- und Südtirol in den Besitz eines und des anderen Kunstwerkes aus Pendl’s Hand. Den meisten Anwerth fanden seine Crucifixe, die bald außer Landes, nach Deutschland und selbst nach England, Rußland, ja nach Nordamerika gingen. Man lernte die Kunstwerke des bescheidenen, sonst ganz zurückgezogen lebenden Künstlers immer höher schätzen, und in der That verdienten sie diese Anerkennung um so mehr, als er, nur sich selbst überlassen, ferne allen Kunstsammlungen und Kunstausstellungen, nur die Natur, freilich aber in ihr die richtigste Lehrmeisterin hatte. Wie dornenvoll aber dieser Pfad der Autodidaktik für P. war, erfahren wir aus einem seiner Briefe, den er schon im höheren Alter an einen Freund geschrieben und worin er das Bekenntniß macht: „Je weniger ich noch Einsicht und Praxis hatte, desto mehr mußte ich mich plagen, um, fern aller Hilfe, ein neues Werk in’s Dasein zu [451] rufen. Ich mußte viel kämpfen und ringen, mußte vieles leiden – jedoch leiden ist ja nicht Sünde“. Wie schon bemerkt worden, waren Crucifixe, dann aber auch Madonnenbilder seine Hauptwerke, sowohl in ersteren wie in letzteren leistete er das Vollendetste, was die Kunst zu leisten vermag. Von anfänglichen Versuchen, nach dem Modell zu arbeiten, kam er bald ab. Seine Phantasie fühlte sich durch das Modell befangen, mit den darnach ausgeführten Arbeiten war er immer unzufrieden, deßhalb bildete er seine Gestalten in der Folge streng nach dem Canon der hergebrachten bildnerischen Proportionslehre, ließ aber dabei seine Phantasie innerhalb der dadurch gegebenen Grenzen frei walten und schuf so Meisterwerke von einer Schönheit und Wahrheit sonder Gleichen. Seine Sehnsucht, nach Rom zu pilgern, bekämpfte er leichter, als er gehofft, als ihm von einem aus Rom zurückgekehrten Künstler bemerkt wurde, daß es dort – es war zur Zeit der Napoleon’schen Herrschaft – um die Kunst schlecht stünde. Wie schon erwähnt worden, besitzen viele, sehr viele Kirchen Tirols Werke dieses Meisters; außer den bereits genannten sind noch anzuführen: ein Crucifix in einer der Hauptkirchen von Triest, ein zweites zu Motgendorf in Mecklenburg, einem Gute des Herrn von der Kettenburg, dessen Uebertritt zum Katholicismus Gegenstand von Bundestagsverhandlungen war; zwei Statuen aus Holz, der h. Petrus und der h. Paulus, in der Pfarrkirche zu Meran, und ein Crucifix auf dem Kirchhofe daselbst, welches die größte Meisterschaft des Künstlers im Nackten darthut; außerdem viele Grabmonumente aus Stein, die jedoch nur in seinem Vaterlande Vorkommen, während seine Holzarbeiten häufig in die Fremde wanderten. Noch sei hier bemerkt, daß ein bedeutender Kunstkenner und Sammler unserer Zeit, Sulpiz Boisserée, große Stücke auf Pendl und seine Werke hielt und in seiner Sammlung zwei Crucifixe von des Künstlers Hand besaß, von denen er immer mit Bewunderung sprach. Die unten angegebenen Quellen geben ein treues Bild seines rührigen Schaffens in der einfachsten, ja fast primitivsten Umgebung. Wir erfahren aus diesen mit großer Begeisterung für den Künstler geschriebenen Lebensskizzen, wie der Preis von zehn Gulden für ein Crucifix oder sonst eine kleinere Arbeit den Leuten anfänglich viel zu hoch schien, weil man für dergleichen anderen Schnitzern 2 bis 3 fl. zu geben pflegte, wie aber dann später die Leute, als sie die Schönheit der Pendl’schen Arbeiten inne wurden, diese Summe und noch mehr gern und mit Freude zahlten, wenn sie nur ein Werk von seiner Hand erlangen konnten. Pendl hat bis an sein Lebensende Meran, wo er nahezu ein halbes Jahrhundert seine Kunstwerke geschnitzt, nicht verlassen. – Sein ältester Sohn Franz[WS 1] übt die Kunst des Vaters aus, für welche er sich an der Wiener Kunstakademie bildete, wo er auch zwei Preise gewonnen hat. Auch dieser ist in Meran ansässig, wo er vorzugsweise mit Grabdenkmälern beschäftigt ist und sonst noch manche werthvolle Arbeit geliefert hat.

Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, kl. 4°.) 1858, Nr. 69, S. 397: „Bildhauer Pendl in Meran“. – Vereinsgabe des Meraner Lesevereins, 4. Jahrg. (1862), S. 12–34; „Biographische Notizen aus dem Leben des berühmten Bildhauers J. B. Pendl in Meran“, von Pfarrer P. Leodegar Kretz. – Staffler (Johann Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. I, S. 725. – Botzner [452] Zeitung 1856, Nr. 66. – Bote für Tirol und Vorarlberg 1860, Nr. 269, S. 1223: „Kunst“. – Tiroler Stimmen (Innsbruck, 4°.) 1862, Beilage Nr. 1, S. 8. – Tirolisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, Felician Rauch, 8°.) S. 177. – Deutsches Kunst-Blatt 1858, S. 99 u. f. [nach diesem geb. zu Flüggen im Zillerthale, welche Angabe unrichtig ist]. – Sein Bildniß befindet sich in der oberwähnten „Neujahrsgabe des Meraner Lesevereins“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Franz Xaver Pendl (Wikipedia).