BLKÖ:Paumgartten, Johann Baptist Freiherr von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 372. (Quelle)
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Paumgartten, Johann Baptist Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Grieshof in der Steiermark 26. Juli 1770, n. A. 1772, gest. zu Prag 24. September 1849). Ein Sohn des Gutsbesitzers Maximilian Sigismund von Paumgartten auf Siegersdorf und Wetzelsdorf aus dessen zweiter Ehe mit Barbara Freiin von Metzburg. Johann Baptist war Frequentant der Wiener-Neustädter Militär-Akademie und trat 1787 bei Beginn des Türkenkrieges als Fähnrich in das Infanterie-Regiment Wenzel Colloredo. Im Jahre 1788 wurde P. zum Lieutenant, 1789 zum Oberlieutenant, 1800 zum Capitän, 1801 zum wirklichen Hauptmann und 1805 zum Major befördert. Als solcher und zugleich Generalcommando-Adjutant rettete P. im genannten Jahre bei dem Abmarsche der verbündeten Armee von Brünn 18 Kanonen und eine große Menge Artilleriegut auf Gebirgswegen nach Olmütz. Im Kriege des Jahres 1809 kam P. als Corps-Adjutant zum Feldmarschall-Lieutenant Baron Hiller. Das Corps Hiller’s war in den ersten Tagen des Mai durch die Hauptmacht der Franzosen zum Rückzuge über die Traun gedrängt worden. Unsere Arrièregarde hatte am 3. Mai die Brücke bei Ebersberg überschritten. Auf Befehl des Armeecommandanten hätte die Brücke verbrannt werden sollen, das war aber nicht geschehen und so war sie denn auch von den feindlichen Truppen passirt worden, die nun Ebersberg besetzten und von da aus auf die Unseren vordrangen. Die Lage unserer Truppen, die sich solcher Nähe des Feindes nicht versahen, war eine um so gefährlichere, weil nächst Ebersberg eben die oberösterreichischen Landwehr-Bataillone gelagert waren, die noch gar nicht im Feuer gestanden [373] und bei einem plötzlichen Angriffe des Feindes, vom panischen Schrecken befallen, sich leicht auflösen konnten. Dabei war noch unmittelbar hinter der-Position ein Defilée zu passiren. Paumgartten als Corps-Adjutant hatte nun bald die ganze Sachlage und die drohende Gefahr überblickt, als er entschlossen war, dem ferneren Vorrücken des Feindes Einhalt zu thun. Im Namen des Armeecommandanten forderte er das Infanterie-Regiment Lindenau zum Angriffe auf, stellte sich – obgleich als Adjutant dazu gar nicht verpflichtet – an die Spitze eines Bataillons dieses Regiments, dem sich noch ein Bataillon Wiener Freiwillige anschloß, und schritt zum Sturme. Dieser unvermuthete und mit solcher Entschlossenheit ausgeführte Angriff hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Der Feind ergriff unter Zurücklassung von 740 Gefangenen durch den Hohlweg eilig die Flucht. Indessen hatte P. rasch noch eine Kanone an geeigneter Stelle placiren lassen, die eine so mörderische Wirkung übte, daß der Verlust der Franzosen an Todten und Verwundeten mehr als Tausend Mann betrug. Bei dieser Gelegenheit wurde P. durch einen Kartätschenschuß der linke Arm zerschmettert. Durch diese ebenso muthige als tapfere That P.’s war unser Armeecorps wieder vollkommen in der Lage, seine weiteren Bewegungen vom Feinde unbehelligt fortzusetzen. Im Capitel des Jahres 1810 wurde P. für seine Waffenthat mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Bald darauf rückte er auch zum Oberstlieutenant vor. Die Befreiungskriege 1813–1815 focht P. als Oberst und Commandant des Infanterie-Regiments Chasteler Nr. 27 bei der niederösterreichischen und italienischen[WS 1] Armee mit. Im Jahre 1813 bei der letzteren trieb er in Gemeinschaft mit Oberstlieutenant Göldlin und dem neunten Jäger-Bataillon, mit dem er sich am 30. August vor Krainburg vereinigt hatte, die französische Brigade Bellotti, die sich in Krainburg festgesetzt, aus der von ihnen hartnäckig vertheidigten Stadt. Im Gefechte bei Caldiero, am 13. November, hatte P. mit seinem Regimente das Schloß von Soave besetzt und in dieser Stellung alle Versuche der Franzosen, den Uebergang über die Alponbrücke bei Villanuova zu erzwingen, mit seinem Regimente auf das Tapferste zurückgewiesen. Mit der Waffenthat bei Tolentino, 3. Mai 1814, besiegelte er seinen bisher in 4 Belagerungen, 11 Hauptschlachten und – verschiedene Scharmützel und Vorpostengefechte abgerechnet – 14 Gefechten erworbenen Ruhm. Bei Tolentino stand P. mit seinem Regimente auf der Höhe von Madia. Das neapolitanische Armeecorps ihm gegenüber. Als das Regiment ungeachtet des feindlichen Feuers Stand hielt, stutzten die Neapolitaner über solche Haltung und stellten ihr Feuer ein, unentschlossen, was fürder zu thun. Der Commandirende, Feldmarschall-Lieutenant Baron Bianchi, gewahrte diese Unentschlossenheit des Gegners, auf den überdieß das Feuer der auf den für unzugänglich gehaltenen Höhen von Madia aufgeführten Geschütze, seine Wirkung nicht verfehlte. Bianchi ordnete sofort den Sturm an. Von allen Seiten wirbelte der Sturmstreich. Paumgartten rückte mit seinem Regimente unter klingendem Spiele, ohne nur einen Schuß zu thun, vor. Diese muthvolle Haltung des Regiments machte die feindlichen Quarré’s stutzen, eines derselben löste sich auf und floh und die übrigen folgten seinem Beispiele; der Befehle, Bitten, Drohungen [374] ihrer Generale und Officiere nicht achtend, flohen sie nach Gallioso, das sie in völliger Auflösung erreichten. Im Jahre 1821 wurde P. in Neapel zum General-Major befördert, kam im Jahre 1827 als Festungscommandant nach Capua, dann als Brigadier nach Mantua und im Jahre 1828 nach Klagenfurt, im Jahre 1830 wieder nach Italien, wurde 1832 Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär des Reservecorps in Verona, im Jahre 1834 Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 21 und 1839 Stadt- und Festungscommandant zu Prag, wo er ein Decennium später, 79 Jahre alt, starb. Für sein ausgezeichnetes Verhalten bei Tolentino war P. mit dem Leopold-Orden geschmückt worden. Im März 1813 erfolgte den Statuten des Maria Theresien-Ordens gemäß seine Erhebung in den Freiherrnstand. Ueber seine Nachkommenschaft aus der Ehe mit Therese von Beck siehe die Stammtafel.

Freiherrnstands-Diplom vom 23. März 1813. – ’’Neuer Nekrolog’’ der Deutschen (Weimar, Bernh. Fr. Voigt, 8°.) 27. Jahrg. (1849), S. 782. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1849, S. 541. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 944 u. 1746. – Gratzer Zeitung 1850, Nr. 26 u. 27. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Bd., S. 1305 [nach diesem geb. am 26. Juli 1770, nach dem „Genealogischen Taschenbuche der freiherrlichen Häuser“ im Jahre 1772].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: italienichen.