BLKÖ:Liechtenreiter, Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 108. (Quelle)
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Liechtenreiter, Franz (Maler, geb. zu Passau im Jahre 1701, gest. zu Prag 14. Juli 1775). Die Malerkunst erlernte er in seiner Vaterstadt Passau. Später ging er nach Venedig, wo er sich bei Vicentini weiter bildete und von wo er mit einer reichen Mappe von Copien der besten Gemälde, die er dort in Kirchen und Sammlungen antraf, nach Deutschland zurückkehrte. Er wählte nun Prag zu bleibendem Aufenthalte. Daselbst wurde er im Jahre 1741 zum Oberältesten der Neustädter Maler-Confraternität gewählt, welche Wahl im Jahre 1763 wiederholt wurde. L. malte Porträte und Altarblätter. Von seinen Arbeiten sind bekannt: „Die HH. Augustin“, – „Gottfried“, – „Siard“,– „Milo“, – „Gerlak“, – „Norbert“ – und „Die H. Gertrude“, sämmtlich im Strahover Capitel; – „Die HH. Peter und Paul“, zweimal, eines befand sich im J. 1803 im Strahower Pfarrgebäude, das zweite im Besitze des Prämonstratensers Dlabacz;– „Der H. Augustin“, – und „Der H. Norbert“, in der dem Stifte Strahow gehörigen Residenz zu Hradischt; – das Hochaltarblatt in der seit Jahren gesperrten St. Karl Borromäuskirche in Prag; – „Der H. Johann“, Seitenaltarblatt in der italienischen Capelle zu Prag; – Porträte mehrerer Aebte von Strahow, welche sich im Stifte, in mehreren demselben gehörigen Residenzen und in Pfarrhäusern [109] auf dem Lande befinden; – „Die vier Jahreszeiten“, auf dem Strahower Priorate; – vier Bildnisse berüchtigter Räuber, darunter auch jenes von Cartouche. Auch L. mochte das traurige Loos so vieler Künstler an sich erfahren haben, da Dlabacz von seinem „kummervollen Alter“ spricht. Seine Gewohnheit, sich bloß Francesco, ohne weitere Beifügung seines eigentlichen Namens, zu schreiben, gab zu dem Irrthume Veranlassung, daß man zwei Maler, deren einer Francesco, der andere aber Liechtenreiter heißt, hie und da aufgeführt findet. L. hatte zwei Söhne, die er selbst zu Malern herangebildet und von denen einer noch im Jahre 1808 in Prag lebte. Jedoch ist über Beide nichts Näheres bekannt.

Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen ... (Prag 1815, Gottlieb Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 202. – Schaller (Jarosl.), Beschreibung der Stadt Prag (Prag, 8°.) Bd. I, S. 122 u. 123. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, Fleischmann, 8°.) Bd. VII, S. 506. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S 374. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 592. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen und New-York, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Erste Auflage, Bd. XIX, Abtheilung 2, S. 302.