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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lehmann, Norbert
Band: 14 (1865), ab Seite: 314. (Quelle)
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4. Moriz L., geb. 1819 zu Dresden, wo sein noch lebender Vater Baumeister und Hausinhaber ist. L. besuchte die Malerschule in seiner Vaterstadt und arbeitete dann, sich der Decorationsmalerei widmend, an der Dresdener Hofbühne. Von Dresden ging er nach Breslau, wo er die Stelle eines Theatermalers angenommen hatte. Im Jahre 1843 berief ihn Theaterdirector Carl, der seine Leistungen kennen gelernt hatte, nach Wien und daselbst war L. zuerst im Leopoldstädter Theater thätig. Seine Arbeiten im genannten Theater und später in jenem an der Wien lenkten bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf den tüchtigen Künstler, und im Jahre 1850 wurde L. zum k. k. Hoftheatermaler ernannt. Im Jahre 1862 gerieth er auf den keineswegs glücklichen Gedanken, die Direction des Carl-Theaters in der Leopoldstadt zu übernehmen, wodurch er nicht nur sein ganzes bisher durch seine Kunst erworbenes Vermögen einbüßte, sondern bald in solche finanzielle Bedrängniß gerieth, daß er Wien plötzlich verlassen mußte. Dabei muß jedoch bemerkt werden, daß er die Absicht, die tief gesunkene Volksbühne Wiens zu heben, mit einem so großen Opfer bezahlte; denn er brachte das Herz und Gemüth eines Künstlers in ein Geschäft, in welchem man in der Regel nur mit der Natur eines Harpagon und mit vollendeter Herz- und Gemüthlosigkeit es zu Etwas zu bringen pflegt. Nach seiner Entfernung aus Wien blieb L. lange verschollen, bis es im Herbste 1863 mit einem Male verlautete, er sei als polnischer Spion von den Russen aufgehoben worden. In der That war der Künstler, wenngleich nur kurze Zeit, schwer bedroht; er war einer Bestellung des Theater-Comité’s in Riga gefolgt und sollte für die Eröffnung des dortigen Theaters die Decoration zu „Wallenstein’s Lager“ malen. Um zu diesem Zwecke Naturstudien zu machen, fuhr der nichts Arges denkende Künstler in das etliche Werste von Riga befindliche russische Lager. Dort vor dem Lager angelangt, fand er bald einen malerischen Punct und machte sich an die Arbeit. Die Russen, als sie den kleinen Mann so ohne weiteres dort sitzen und zeichnen sahen, zogen bald einen Kreis um ihn, schlossen ihn ein und nahmen ihn gefangen. Die Scene, die sich nun abspielte, als der harmlose Künstler plötzlich festgenommen, ganz erschreckt ausrief: „Ich bin ja der kleine Lehmann aus Wien, kennen sie mich denn nicht“, welche naive Entschuldigung mit: Nichtsda, Spion, Rebeller, Insurgentenhund u. s. w. beantwortet wurde, möchte selbst eines Hogarthschen Pinsels würdig sein. Später, da sich Jemand fand, der ihn in Riga gesehen und kannte, löste sich das Mißverständniß und nach zwölfstündiger schärfster Haft wurde der kleine Lehmann frei. In den letzten Jahren führte L. ein unstätes Leben, so arbeitete er längere Zeit in Berlin, wo er mit seinen glänzenden Leistungen im neuen Wallner-Theater großes Aufsehen erregte. Anfangs 1865 begab er sich nach Ischl, um den decorativen Theil des dortigen ganz neu renovirten Theaters herzustellen. In neuester Zeit verlautete es, L. habe Leipzig zu seinem bleibenden Aufenthalte genommen, um dort unter den günstigsten Bedingungen die Ausführung sämmtlicher Decorationen für den neuen Theaterprachtbau zu übernehmen. Dann wieder wollte ihn ein Agent aus New York, der eigens deßhalb nach Berlin gekommen war, für das neue große Theater in New-York gewinnen und jetzt wieder verlautet es, L. habe Anträge nach Paris, wo er die großartigen Räume eines neuen Belustigungsortes decoriren soll, angenommen. Gewiß ist es, daß er in letzter Zeit (22. Juli 1865) in Pesth für den neuen Director Landvogt die Decorationen zu Weilen’s „Edda“ malte. Als Decorationsmaler ist L. einer der ersten Künstler der Gegenwart, den ganzen Zauber des Effectes beherrschend, verbindet er mit seltenem Geschmack eine wunderbare Kenntniß der Perspective und großen Erfindungsgeist. L. arbeitete auch in Oel, aber nur sehr selten, so z. B. war in der Ausstellung der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (1858) von ihm eine Oellandschaft: „Partie in Gmunden“ zu sehen, aber es war dieß das einzige Mal. Seine Frau, [315] Katinka L. [S. 313, Nr. 2], von der er geschieden lebt, ist auch Malerin. [Bohemia (Prager Unterh. Blatt) 1863, Nr. 244, S. 951. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1863, Nr. 282; 1865, Nr. 73 u. 84 (unter den Kunstnotizen). – Presse (Wiener politisches Journal) 1862, Nr. 247); 1863, Nr. 283. – Neue freie Presse (Wiener polit. Journal) 1864, Nr. 108; 1865, Nr. 180 u. 305 [unter den Theater-Nachrichten]. – Porträt. Unterschrift. Facsimilie des Namenszuges: Moriz Lehmann. Canon (lithogr.). Druck von Reiffenstein und Rösch in Wien, Halb-Folio (Lehmann in ganzer Figur, mit dem Decorationspinsel in der Rechten). –