BLKÖ:Kressel von Gualtenberg, Franz Karl Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 13 (1865), ab Seite: 201. (Quelle)
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Franz Karl von Kressel von Gualtenberg (der Jüngere) in der Wikipedia
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Kressel von Gualtenberg, Franz Karl Freiherr (Humanist, geb. in Böhmen um das Jahr 1720, gest. zu Prag 7. Mai 1801). Einem alten böhmischen Adelsgeschlechte entstammend, beendete er die Studien auf heimischen und ausländischen Universitäten und trat, in’s Vaterland zurückgekehrt, in den Staatsdienst. Schon im Jahre 1754 war er der erste Referent der juridischen Facultät in Prag. Seine Talente richteten bald die Aufmerksamkeit der Kaiserin Maria Theresia auf ihn; sie berief ihn nach Wien, wo ihn seine Tüchtigkeit in den Geschäften und seine rücksichtslose Vaterlandsliebe bald Stufe um Stufe ersteigen ließen. K. wurde Hofrath bei der böhmischen Hofkanzlei, dann wirklicher geheimer Rath und Präses der geistlichen Hofcommission, und nach des Grafen Rudolph Chotek Tode böhmischer Hofkanzler in Wien. Besonders war ihm Kaiser Joseph II. zugethan, über dessen Auftrag er die wichtigsten Veränderungen im Religionsfache betrieb und an der Aufhebung der Klöster, den neuen Pfarreinrichtungen, an der Anstellung tüchtiger, würdiger, dem Geiste der Zeit [202] nicht abholden Seelenhirten, an der Abschaffung mancher äußerlicher Ceremonien, welche eben nicht im Stande waren, die Würde des Gottesdienstes zu heben, und an der Ausrottung verjährter Mißbräuche u. dgl. m. wesentlichen Antheil hatte. Vornehmlich seinen Einsichten und seiner Klugheit ist es zuzuschreiben, daß diese wichtigen, aber für die blöde Masse der Bevölkerung anstößigen und von den Gegnern in das gehässigste Licht gestellten Anordnungen alles Widerstrebens ungeachtet in Ausübung gesetzt wurden. Uebrigens war K. kein Freiheitsstürmer und oberflächlicher Neuerer. Er besaß vielmehr eine umfassende und gründliche Bildung, schrieb ein classisches Latein und dichtete selbst manche schwungvolle Ode im horazischen Idiom. Der neueren Literatur folgte er mit gespannter Theilnahme und, den Geist der Zeit beachtend und prüfend, ging nichts von Bedeutung an seinem denkenden Geiste unbemerkt vorüber. Bereits 40 Jahre alt, begann er eifrigst das Studium der griechischen Sprache und las den Homer im Urtext. Man schreibt ihm auch die Autorschaft der Schrift: „Handlungsgrundsätze zur wahren Aufnahme der Länder und zur Beförderung der Glückseligkeit ihrer Inwohner“ (Bremen 1774, 8°.) zu. Auch war K. ein Kunstfreund und tüchtiger Kunstkenner, wie es die Sammlung von Gemälden beweist, welche er besaß. Seine Verdienste belohnte Kaiser Joseph II. durch Verleihung des Commandeurkreuzes des St. Stephan-Ordens. Den Statuten desselben gemäß wurde er zugleich mit seinem Bruder Johann – der zu jener Zeit Rittmeister im Dragoner-Regimente Löwenstein war – mit Diplom vom 15. September 1760 in den Freiherrnstand erhoben.

Neuer deutscher Merkur, Jahrgang 1802, Bd. I, S. 199–209. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 766. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) Erster (und einziger) Theil, S. 125. – Josephinische Curiosa (von Frz. Gräffer) (Wien 1848, Ign. Klang, 8°.) Bd. II, S. 292: „Joseph’s Bestimmungen bei der Klosteraufhebung“. – Porträt. J. E. Mansfeld fec. (8°.). –