Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Klobucharich, Karl
Band: 12 (1864), ab Seite: 107. (Quelle)
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Klischnigg, ... (der berühmte Thiermimiker, geb. zu London 12. October 1813). Die Verhältnisse seiner Jugend, die er in London und Paris verlebte, werden in so romanhafter Weise dargestellt, daß es schwer fällt, das eigentlich Wahre herauszufinden. Frühzeitig war er in London auf dem Drurylane-Theater, später als Clown in dialogisirten Weihnachtspantomimen aufgetreten. Auch hatte er in früher Jugend die Gelenkigkeit seiner Glieder auf jene Stufe gebracht, welche später die Bewunderung von Hunderttausenden erregte. Eine seiner merkwürdigsten Metamorphosen, womit er lange zuvor als er Thierdarsteller wurde, so große Wirkung hervorbrachte, war jene, wenn er als steinaltes Mütterchen, das Haupt perpendiculär zwischen die Füße herabsenkend, mit aufgesetztem falschen Kopfe auftrat und sich dann blitzgeschwind zur natürlichen Größe entwickelte. Seine Frau, eine Tochter des Thierbändigers Van Aken, soll K. durch seine Kunst gewonnen haben. Van Aken’ herrlicher Urang-Utang, zu dem halb Paris strömte, war mit einem Male krank geworden, verschmähte bereits die Speise und die Menagerie blieb unbesucht. Van Aken war außer sich, und seine Lage verschlimmerte sich als das Publicum beharrlich ausblieb. Eines Tages meldete ihm der Menageriediener, der Affe sei lustig wie zuvor und mache tollere Späße denn je. Es war wirklich so. Die Genesung des Urang-Utang wird öffentlich verkündet, und wieder strömen die Pariser in Massen herbei, das merkwürdige Thier zu sehen. Als eines Tages Van Aken in seiner Freude über diese Wendung der Dinge in der Nähe seines Affen frühstückte, öffnete dieser den Käfig, trat hervor, verneigte sich in gratiöser Weise und bat um die Hand von Van Aken’s Tochter, die ihm einige Wochen früher in etwas unsanfter Weise verweigert wurde. Der Affe war Klischnigg, der, nachdem der wirkliche Affe verendet und heimlich beseitigt worden war, im Einverständniß mit dem Affenwärter diese Metamorphose gewählt, um seinen früheren Gebieter umzustimmen, was ihm auch gelang. Klischnigg’s Name tritt aber erst seit seinem Erscheinen in Wien in den Vordergrund und von da erst wurde dieser Affen- und Thierdarsteller im übrigen Deutschland bekannt. Im Jahre 1836 trat ein Herr in das Arbeitszimmer des Theaterdirectors Carl und ersuchte Gastvorstellungen geben zu dürfen. Was wollen sie spielen? fragte Carl den Fremden; „Affen“, entgegnete dieser. O deren haben wir in Wien ohnehin genug, rief Carl und wollte den Dialog abbrechen. Der Fremde schwieg und als er die Thürklinke fassen wollte, kratzte er sich mit dem Fuße hinter den Ohren. Die Wirkung dieser spaßhaften Attitude auf Carl läßt sich kaum beschreiben. Aber das Gastspiel des Fremden wurde angenommen. Nestroy mußte zu diesem Zwecke ein Stück schreiben. Er schrieb: „Der Affe und der Bräutigam“, worin Klischnigg den Affen spielte. Es wurde am 27. Juni 1836 zum ersten Male und in ununterbrochener Folge 40 Male gegeben. Carl’s Cassier Held hatte an Klischnigg allein 29.000 fl. Honorar ausgezahlt. Das Stück wurde dann noch oft gegeben. Eine dramatische Affenliteratur [108] tauchte auf, denn man schrieb nur Stücke für Klischnigg; Monate hindurch war der Affe Klischnigg in Wien der Löwe des Tages, und von Wien machte er seine Runde über die Bühnen Oesterreichs und Deutschlands, was einige Jahre währte. Später war Klischnigg verschollen und blieb es viele Jahre, bis er in neuerer Zeit wieder auf einer kleineren Bühne im Kaiserstaate und erst 1862 abermals in Wien auftauchte; aber das Interesse für Affensprünge hat sich merklich abgeschwächt. Die Sprünge der Zeit nehmen jetzt die Aufmerksamkeit der Menschen zu stark in Anspruch.

Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, kl. Fol.) 1856, Nr. 85 [im Roman Bäuerle’s: „Director Carl“]. – Gämmerler (Franz), Theaterdirector Carl, sein Leben und sein Wirken (Wien 1854, J. B. Wallishausser) [in dieser Schrift wird Klischnigg’s erstes Zusammentreffen mit Carl erzählt]. – Der Zwischen-Akt (Wiener Theaterblatt) 1858, Nr. 45: „Wie Klischnigg Affendarsteller wurde“; Nr. 46: „Director Carl und Klischnigg“. – Banater Telegraph (Temesvár, 4°.) 1852, Nr. 26: „Aus Klischnigg’s Leben. Von ihm selbst erzählt“. – Noch sind zwei – jetzt schon sehr seltene – Blätter vorhanden, welche Klischnigg in seinen sämmtlichen Darstellungen im Theater an der Wien als Affe und Frosch zeigen, und zwar das eine in gr. 4°. nach Originalzeichnung von Kaiser; dieses ist als besondere Bilderbeilage zur Theater-Zeitung 1836 erschienen. Es zeigt K. in 22 meist halsbrecherischen Attituden; das andere in gr. 8°. zeigt Stellungen und komische Scenen K.’s als Affe Mamock in Nestroy’s Posse: „Affe und Bräutigam“, 22 Stellungen (Wien, bei C. Seipp, Kupferstecher und Verleger). – Ein anderes Bild befindet sich in der Suite der Costumebilder zur „Theater-Zeitung“ unter Nr. 42, wahrscheinlich von Schöller, aber nicht gelungen.