Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Japelli, Joseph
Band: 10 (1863), ab Seite: 92. (Quelle)
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Japel, Georg (Theolog und slavischer Philolog, geb. zu Stein in Krain 11. April 1744, gest. zu Klagenfurt 11. October 1807). Der Sohn eines Bäckers in Stein, dessen Verhältnisse [93] es gestatteten, seinen Sohn, der Talent und Lust zu den Studien zeigte, die lateinischen Schulen besuchen zu lassen. J. besuchte die unteren Classen bei den Franziscanern seines Geburtsortes und beendete die Studien bei den Jesuiten in Laibach, wo Sigmund von Hohenwart [Bd. IX, S. 206], der nachmalige Bischof von Linz, sein Studiengenosse und Freund und für seine spätere Stellung im Leben einflußreich wurde. Während seiner Berufsstudien bekleidete J. die Hofmeisterstelle bei mehreren angesehenen Familien; nach deren Beendung und empfangenen Weihen wurde er an der Nationalkirche bei St. Anton in Triest angestellt. Auf diesem Posten, der ihm übrigens auch die nöthige Muße ließ, betrieb J. das Studium der Sprachen, und zwar neben jenem der italienischen, französischen und englischen das der verschiedenen slavischen Dialecte Illyriens und des Küstenlandes. In Triest, wo J. bereits seit 12 Jahren thätig war, hatte ihn der Fürstbischof von Laibach, Johann Karl Graf von Herberstein [Bd. VIII, S. 344], kennen gelernt und als Hofcaplan und Secretär mit sich nach Laibach genommen. Darauf wurde J. Beneficiat an der Vorstadtpfarre von St. Peter in Laibach, zugleich Verwalter der Schilling’schen Stiftung und in Anerkennung seiner dem Ordinariate geleisteten Dienste mit dem Titel eines Consistorialrathes ausgezeichnet. Erst aber, als er 1787 die Dechantei und Pfarrei von St. Kanzian zu Ježca an der Savebrücke bei Černuč erhielt, wurde ihm Muße zu seinen begonnenen, aber bisher nur langsam fortgesetzten, ja vielfach unterbrochenen literarischen Arbeiten. Im Jahre 1795 erhielt J. die Dechantei Naklas, von wo er seinen alten Freund, den Domherrn und Generalvicar Hohenwart in Klagenfurt besuchte und die Erinnerungen einer Beiden unvergeßlich gebliebenen Jugendzeit auffrischte. Da traf es sich in Klagenfurt, daß der Domherr und damalige Priesterhausdirector von Wucherer starb und der Fürstbischof Altgraf von Salm sich mit seinem Generalvicar über die Wahl eines Nachfolgers berieth. Hohenwart konnte keinen tauglicheren Mann in Vorschlag bringen, als seinen Jugendfreund Japel, und in der That erhielt J. am 14. September 1799 in höchst ehrenvoller Weise seine Berufung als Director des Priesterhauses nach Klagenfurt. Nur Ein Jahr versah J. diesen Posten; blieb aber, nach den mit dem Directorate vorgenommenen Aenderungen, Domherr, Diöcesanschulenoberaufseher und Referent in Schulsachen, von welchem mit aller Umsicht und Energie versehenen Amte ihn plötzlich im Alter von 63 Jahren der Tod zu einer Zeit abrief, als ihm eben die Nachricht wurde, daß er zum Bischof von Triest ausersehen sei. Diese wechselnden Aemter seines Berufes hinderten J. nicht in seiner literarischen Thätigkeit, wenn sie ihn auch in der Entfaltung derselben zeitweise hemmten. Schon zur Zeit, als er an der bischöflichen Curie in Laibach weilte, war J. als Mitglied der Academia operosorum, einer in Laibach gestifteten gelehrten Gesellschaft, an deren Spitze der gelehrte Slavist Pochlin stand und dessen Aufgabe war, die slovenische Literatur zu pflegen, thätig, insbesondere für die Bearbeitung der slovenischen Bibel, deren Herausgabe dieser Verein beschlossen hatte und welche J. mit dem Veldeser Blasius Kumerdaj besorgte. J.’s Schriften sind in chronologischer Folge: „Sveto pismo novega zakona“. 2 Theile (Laibach 1784); – „Sveto pismo starega zakona“, d. i. Die h. Schrift neuen und alten Testaments [94] (Laibach 1791–1802); das neue Testament hat J. fast allein bearbeitet, das alte hingegen besorgten zugleich mit ihm, da J. vom Druckorte Laibach als Pfarrer in Naklas zu entfernt war, der obenerwähnte Kumerdaj und die Pfarrer Jos. Richter[WS 1], Jos. Skriner, Modest Schraj, Anton Traun, Matthäus Wolf. Es ist dieß jedenfalls J.’s Hauptwerk, denn in die ältere slovenische Bibelübersetzung von Dalmatin[WS 2] waren Versionen nach Luther’s Lehre aufgenommen worden und das Bedürfniß einer rein katholischen Uebersetzung für das slovenische Landvolk war von der Geistlichkeit längst gefühlt worden; – „Veliki katekizem v prasanjih in odgovorih“, d. i. Großer Katechismus in Fragen und Antworten (Laibach 1779, 2. Aufl. 1787, 3. Aufl. 1793 und 4. Aufl. 1809); – „Zbrane molitve“, d. i. Ausgewählte Gebete (Laibach 1786); – „Listi in evangelji“, d. i. Episteln und Evangelien (Laibach 1787, 2. Aufl. 1802, 3. Aufl. 1806); – „Cerkvene pesmi, litanije in molitve“, d. i. Kirchenlieder, Litaneien und Gebete (ebd. 1788); – „Pridige za vse nedelje“, d. i. Predigten auf alle Sonntage. 2 Theile (ebd. 1794); – „Ribici ljudi“, d. i. Die Menschenfischer (Klagenfurt 1803, Leon), eine Uebersetzung der lateinischen Schrift: Piscatores hominum. Die letzte Zeit seines Lebens arbeitete er noch an einer Art slavischer Universal-Grammatik und stellte zu diesem Zwecke die lateinische Sprache, dann die Hauptdialecte der slavischen Sprache im größten Formate tabellarisch nebeneinander, um so die Verwandtschaft derselben und ihre Wurzelworte nachzuweisen. Der Tod unterbrach diese Riesenarbeit, von der es nicht bekannt ist, in wessen Hände sie nach seinem Tode gekommen, da der Curator seiner Erben, Sigmund Baron Zois, den ganzen Nachlaß zum Vortheile derselben hatte versteigern lassen. In seinem Berufe als Seelsorger war er der Vater seiner Gemeinde, und originelle Züge aus seinem Leben, über seine Einfachheit und Schlichtheit lebten lange im Munde des Volkes. Ueberdieß war J. ein tüchtiger Pomolog und Mechaniker. Als Ersterer legte er in den seiner Seelsorge anvertrauten Gemeinden zu Jezča und Naklas Obstgärten an, welche noch vorhanden sind, und die in Naklas aufbewahrten Bruchstücke eines sich selbst bewegenden Wagens sind Belege für seine mechanischen Arbeiten. Sein Tod war das Signal zu tiefgefühlten Trauerliedern seiner gelehrten und ungelehrten Landsleute, welche sein Andenken verherrlichten. Er ist zu St. Ruprecht in Klagenfurt beigesetzt.

Koledarček slovenski za prestopno leto 1856. Na svetlo dal Dr. Janez Bleiweis, d. i. Kleiner slovenischer Kalender für das Jahr 1856 (Laibach, bei Blasnik, 12°.) S. 27. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt) 1852, Nr. 34. – Mittheilungen des historischen Vereins für Krain (Laibach, 4°.) VII. Jahrgang (1852), S. 39–47. – Neue Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Doll, 4°.) II. Jahrg. (1808), Bd. I, Intelligenzblatt März, Sp. 120. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 669 [nach diesem gest. 10. October 1807]. – Der Biograph. Darstellung der merkwürd. Menschen der drei letzten Jahrhunderte (Halle 1802 u. f., Waisenhaus, gr. 8°.) Bd. VII, S. 513. – Hermann (Heinrich), Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern (Klagenfurt 1860, Leon, 8°.) Bd. II, S. 133. – Drobtince (slovenische Zeitschrift), Jahrg. 1852, S. 121. – „Abriß der neuslovenischen Literaturgeschichte von Franz Zakrajšek“ im Ersten Jahres-Bericht über die k. k. Oberrealschule [95] in Görz, 1861 (Görz 1861, J. B. Seitz, 8°.) S. 14 [nach diesem geboren 1744]. – Porträt. Mit dem Facsimile der Unterschrift: Juri Japel [Auch in dem von Bleiweis herausgegebenen „Koledarčik“.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jos. Richer.
  2. Jurij Dalmatin (Wikipedia).