BLKÖ:Hartenschneider, Udalrich

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 391. (Quelle)
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Hartenschneider, Udalrich (Geschichtsforscher, Benedictiner des Stiftes Kremsmünster, geb. zu Linz 21. Jänner 1781, gest. zu Kremsmünster 21. Mai 1846). Erhielt in der Taufe den Namen Joseph, besuchte in Linz 1790 bis 1795 das Gymnasium, 1796 und 1797 das Lyceum und trat dann zu Kremsmünster in den Benedictiner-Orden, wo er am 2. October 1802 das feierliche Ordensgelübde ablegte und den Klosternamen Ulrich (Udalrich) erhielt. Zuerst versah er an der Hauptschule in Kremsmünster die Stelle eines Katecheten, dann von 1803 bis 1813 im Stifte die eines Professors der Theologie, trug zugleich ander philosophischen Lehranstalt des Stiftes von 1805 bis 1829 die allgemeine Geschichte, von 1825 bis 1830 die Naturgeschichte vor und versah mehrere Jahre hindurch die Seelsorge der Pfarreien Thalheim, Steinhaus und Sippachzell; übernahm 1830 die Administration der Pfarre Ried, noch immer im Lehrfache als Supplent der Naturgeschichte mitwirkend. Außerdem bekleidete er die Stellen eines Bibliothekars und Gastmeisters. Ueberhäufte Beschäftigung nöthigte ihn bald die Administration der genannten Pfarren aufzugeben, wofür er aber aushilfsweise den sonn- und feiertägigen Gottesdienst [392] der Marktpfarre Hall übernahm. Als im Jahre 1835 Bayern, zum Zwecke der Wiederherstellung des Benedictiner-Ordens im Lande, sich an die Abteien Oesterreichs wandte, schickte auch Abt Joseph (Altwirth) zwei Priester seines Stiftes nach Augsburg zu St. Stephan, darunter Pater Ulrich, welcher die Stelle eines Priors versah, aber 1838 in sein Mutterstift zurückkehrte und Pfarrvicar von Pfarrkirchen wurde. Körperliches Leiden nöthigte ihn 1843 sich von der Seelsorge in’s Stift zurückzuziehen. Mit dieser Thätigkeit eines hochverdienten Seelsorgers und Lehrers, dessen Verdienste sein Kaiser mit der großen goldenen und der König von Bayern mit der goldenen Civil-Verdienstmedaille belohnten, verband H. auch die erfolgreiche eines Geschichtsforschers. Außer mehreren gehaltvollen Beiträgen in Hormayr’s „Archiv“ bearbeitete er den 10. und 14. Band der „historisch-topographischen Darstellung der Pfarren, Stifte und Klöster im Erzherzogthume Oesterreich“, wovon der 10. Band die „Darstellung des Stiftes Kremsmünster im Oesterreich ob der Enns. Aus Stiftsquellen gezogen, geordnet, berichtiget u. s. w.“ (Wien 1830, mit 2 Stammtaf., gr. 8°.), und der 14. Bd.: „Das Decanat Altmünster mit den Pfarren des Stiftes Kremsmünster“ (ebd. 1835, mit 2 ill. Abbild. u. 1 Karte) enthält; diesen letzteren bearbeitete er in Gemeinschaft mit dem Dechant Weißbacher. Das erstere Werk, die Darstellung des Stiftes Kremsmünster, ist vorzugsweise eine deutsche Bearbeitung von Pachmeier’s: „Historico-Chronologica Series Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis“ (Styriae 1777 bis 1782, 4 Fol. Bde.), und eine Fortsetzung desselben bis 1830 nach Beda Plank’s Annalen. Im Gegensatze einer in neuester Zeit das Studium der Natur vom religiösen Gesichtspuncte perhorrescirenden Partei veröffentlichte H., der übrigens als Priester ein Muster war, die kleine gehaltvolle Schrift: „Ueber den vorzüglichen Werth des Stadiums der Natur, insbesondere von Seite der Religion und Sittlichkeit betrachtet“ (Augsburg 1835); zugleich war es H., welcher den Grund zu der noch bestehenden ornithologischen Sammlung im Stifte legte. H.’s Bibliothek, welche mehrere Tausend Werke aus allen Gebieten der Literatur zählte, fiel nach seinem Tode der Stiftsbibliothek anheim.

Hagn (Theoderich), Das Wirken der Benedictiner-Abtei Kremsmünster für Wissenschaft, Kunst und Jugendbildung (Linz 1848, Quirin Haslinger, 8°.) 89, 91, 96, 97, 219, 222, 228, 230, 279, 308. – Theologische Zeitschrift von Pletz, 1836, I, 274. – Pillwein (Benedict), Linz, einst und jetzt (Linz 1846). Bd. II, S. 39. – Oesterr. National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835). Bd. II, S. 514 und Bd. VI, Supplement, S. 472. – Handschriftliche Ergänzungen des hochwürdigen P. Amand Baumgarten aus dem Stifte Kremsmünster.