Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 35. (Quelle)
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Gung’l, Joseph (Compositeur, geb. zu Zsámbék im Pesther Comitate Ungarns 1. Dec. 1810). Sohn eines Strumpfwirkers. Der Schullehrer des Geburtsortes war auch Gung’ls erster Musiklehrer. Die Eltern bestimmten den Knaben dem Schulfache und, 15 Jahre alt, fungirte G. als Schulgehilfe in einigen um Zsámbék gelegenen Dörfern, später in Pesth bei der Franzens-Vorstadtschule. In Ofen, während er das Lehrer-Examen ablegte, erhielt er von dem dortigen Regens chori Saemann Unterricht im Generalbasse. Das Schullehrerleben behagte aber dem lebhaften Jünglinge nicht; am 2. April 1828 trat er in das 5. Feld-Artillerie-Regiment zu Pesth als Kanonier ein. 7 Jahre diente er im Regimente, ohne Zeit oder Gelegenheit zu haben, sich der Musik zu widmen. 1835 erbat er sich die Versetzung in das 4. Feld-Artillerie-Regiment zu Gratz und am 17. Juli 1835 trat er als Hautboist beim Musikcorps ein. Als der Capellmeister dieses Musikcorps seinen Abschied nahm, erhielt Gung’l diese Stelle und diente bis zum 26. April 1843 als Capellmeister im 4. Artillerie-Regimente zu Gratz. Er war der Erste, der in Gratz Orchestermusik – Saiteninstrumente – für öffentliche Vergnügungsorte benützend, einführte. Schon als Hautboist nannte man ihn allgemein den „Gratzer Strauß“. Nachdem G. seine Capellmeisterstelle in Gratz niedergelegt, bildete er eine Capelle von steirischen Musikern und unternahm eine Kunstreise durch Oberösterreich, Baiern nach Frankfurt a. M. Von Frankfurt folgte er einem Rufe nach Berlin, wo er im October 1843 seine Concerte begann. Daselbst wurde er bald der Liebling des Publikums. Außer einer 1846 unternommenen Kunstreise nach Wien, Pesth und dann nach dem Norden Deutschlands, blieb er bis 1848 in Berlin. Im October desselben Jahres begab er sich nach Amerika; trat auf in New-York, Boston, Philadelphia, Baltimore und wurde von der Regierung zur Inaugurationsfeier des Präsidenten Taylor engagirt. Uebrigens war sein Zug in Amerika nicht von jenem Erfolge begleitet, den er erwartet hatte; er kehrte auch schon im Juni 1849 nach Berlin zurück und blieb dort bis Mitte 1850. Die Zarskojeselo-Eisenbahngesellschaft in St. Petersburg engagirte ihn durch 6 Sommer (1850–1855); im Winter spielte er in Moskau. In der letzten Zeit befand er sich in Wien. G. ist nicht nur ein trefflicher Orchester-Director, sondern auch ein beliebter Compositeur, namentlich von Tanzmusik. Seine Capelle, 50 Mann stark, und zwar: 4 Contrabässe, 16 Violinen und eine dem entsprechende Besetzung, spielt Tänze, [36] Märsche, Potpourri’s, aber auch Symphonien von Haydn, Beethoven, Mendelssohn, Mozart. Ein besonderes Verdienst erwarb sich G. dadurch, daß er durch sein trefflich geschultes Orchester jungem Instrumental-Componisten Gelegenheit bot zur öffentlichen Aufführung ihrer Werke; was insbesondere in Berlin öfter der Fall war. Von seinen Compositionen erschien bisher das 127. Opus im Stich. Das erste Opus gab er in Berlin 1841 bei Bock und Bote unter dem Titel: „Erster Ungarmarsch“, heraus. Seither erschienen in diesem Verlage viele seiner Märsche, Polka’s, Quadrillen u. dgl. m. Mehrere seiner Märsche wurden im preußischen Heere zu Armeemärschen benützt. Außerdem weisen seine Compositionen Verlagsorte in Rußland, England, Italien, Deutschland, Amerika und Australien auf. Von seinen zahlreichen Compositionen nennen wir: „Ungarischer Zigeunermarsch“, Op. 9; – „Abschieds-Polka“, Op. 11; – „Alpenklänge. Steirische Tänze“, Op. 13; – „Tanz-Locomotive. Walzer“, Op. 23; – „Kriegers Lust. Festmarsch“, Op. 26, in der preußischen Armee allgemein verbreitet, und beliebt; – „Murlieder ohne Worte. Steirische Ländler“, Op. 28; – „Steyrer’s Heimweh. Marsch“, Op. 38; – „Parademarsch“, Op. 51; – „Wiedersehen. Walzer“, Op. 52; – „Grazien-Polka“, Op. 61; – „Elite -Quadrille“, Op. 62; – „Osmanenmarsch nach türkischen Melodien“, Op. 76; – „Träume auf dem Ozean. Walzer“, Op. 80; – „Immortellen zur Erinnerung an J. Strauss“, Op. 82; – „Klänge vom Delaware. Walzer“, Op. 89; – „Sophia Catharina, oder die Grossfürstin-Quadrille“, Op. 95; – „Erinnerung an Peterhof. Walzer“, Op. 96; – „Giralda-Quadrille“, Op. 97; – „Fleurs de fantasie“, Op. 98; – „Klänge aus der Alpenwelt. Steirische Tänze“, Op. 100; – „Marien-Walzer“, Op. 102; – „Tanz-Perlen. Walzer“, Op. 111. Viele dieser Compositionen sind für das ganze Orchester arrangirt. – Mit ihm nicht zu verwechseln ist sein Neffe Johann[WS 1] (geb. in Ungarn 1819), auch ein talentvoller Tanzcomponist. Trat 1843 ebenfalls in Berlin mit einem gut eingerichteten Orchester auf, und ging von da nach Petersburg (1845), später nach Wien.

Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig, J. J. Weber, Fol. [1855 u. f.]) Sp. 118 und auf Blatt 125 sein Porträt. – Illustrirte Zeitung 1847, im October [daselbst sein in Holz geschnittenes Porträt]. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Jul. Schladebach, fortges. von Eduard Bernsdorf (Dresden [1856], R. Schaefer, gr. 8°.) Bd. II, S. 282. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1849, Bibliogr. Institut, 8°.) Bd. XIV, S. 368 und Supplement-Band III (1853), S. 1236.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Johann Gungl (Wikipedia).