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Textdaten
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Autor: Alfred Brehm
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Titel: Aus dem Norden - 1. Wie man in Norwegen reist
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aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 811–814
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[811]
Aus dem Norden.
Von Dr. A. E. Brehm.
I.  Wie man in Norwegen reist.

Wer im alten überbildeten Europa noch reisen will, muß nach Norwegen gehen. Wir Binnenländer reisen schon lange nicht mehr: – wir rasen blos noch. Unsere lauteste Reisefröhlichkeit wird von dem Gerassel der Wagen, welche auf den eisernen Wegen dahinbrausen, übertönt und vernichtet, unsere Reisebehaglichkeit durch den tausendfältigen Jammer der Reise zerstört, unser freier selbstständiger Wille dem Wollen der Masse untergeordnet; wir gehören uns selbst nicht mehr an, wenn wir reisen, denn wir sind Spielball der Andern geworden; wir werden geknechtet und gepeinigt von Dem und Denen, welchen wir zu entfliehen vermeinten. Mit einem Worte: wir wollen nicht mehr, sondern wir müssen. Es ist ganz prächtig, daß man jetzt dieselben Strecken in Stunden durchfliegen kann, durch welche die alte Postschnecke ihr vollgepfropftes Gehäus in langen Tagfahrten schleppte: aber die eigentliche Reiselust, die Reisedichtung hat mit dem Erleben der Eisenbahnen aufgehört, und nur zu tief begründet ist der Stoßseufzer des Dichters:

„O Eisenbahn, was bist Du kommen,
Hast unser Posthorn uns genommen?“

In unseren Tagen muß man es sich schon ein besonderes Trinkgeld kosten lassen, – und ich habe ein solches oft genug gegeben! – wenn man will, daß das alte liebe Posthorn in einer stillen Sommernacht im dunklen Walde wiedertönt und damit jene wohlige Träumerei in der Seele erweckt, welche aus dem Klange im Walde die lieblichsten Bilder zusammen zu weben und den ganzen Menschen so hoch zu beglücken versteht. Und selbst da, wo wir Eisenbahnen und Post zurücklassen und auf schmalen gewundenen Fußpfaden über blumige Wiesen wandeln oder uns in das Dunkel der Wälder versenken, begegnen uns überall die widerwärtigsten Gestalten jener überbildeten Reisemenschen, welche eben nur die große Kunst verstehen, den Rest angeborner Gutmüthigkeit des Landbewohners vollends zu rauben und die Gewinnsucht wach zu rufen.

Kurz, alles gemüthliche Reisen, im Süden und Westen und in der Mitte Europa’s hat geendet. Doch was rede ich noch länger von dem, was ein Jeder schon hundertmal selbst gefühlt hat!

Im Norden Europa’s und vor allem in Norwegen reist man noch. Hier gehört man sich selbst an; hier fühlt man sich selbstständig. Man ist aus allen alten Verhältnissen herausgetreten und frei geworden, so wie man die grüne Halbinsel betritt. Das ist ein Genuß, welchen ich Allen wünschen möchte, welche durch die Verhältnisse an die Scholle gekettet sind und den Kreislauf im Triebrade der Geschäfte jeden Morgen neu beginnen müssen; das [812] ist ein Genuß, den man sich niemals zu theuer erkaufen kann. Eine Reise in Norwegen stärkt Leib und Seele und bleibt ein Gewinn für das ganze Leben. Zwar hat man auch in Norwegen Eisenbahn und Dampfschiff, aber glücklicher Weise noch nicht in den schönsten Gegenden: dort hat man vielmehr die liebe, liebe Landstraße, von welcher mein alter Freund Balduin stets behauptet hat, daß sie für jeden vernünftigen Menschen der schönste Aufenthalt auf dieser Erde sei.

Mit der Post reist man allerdings nicht; und deshalb kann das Reisen in Norwegen Philisterseelen, nervenschwache Frauenzimmer und andere begehrliche Menschenkinder wohl zuweilen zu dem sehnsüchtigen Ausruf verleiten, daß es doch in der Heimath

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Im Karrjol, – frische Fahrt.

am schönsten sei. Allein für einen Menschen, welcher Wanderlust im Herzen, Kraft und Saft in den Gliedern, einen hellen Blick und vor allen die Eigenschaft hat, etwas Reiseunbequemlichkeit als Würze des Wanderns zu betrachten, ist Norwegen der geeignetste Ort zum Reisen, den man sich denken kann. Und so sehr unbequem ist das Reisen wirklich nicht. Die Post nimmt Einen freilich nicht mit; denn sie befördert nur den Gedankenaustausch des Menschen, nicht aber den Menschen selbst: dafür aber gibt es in ganz Norwegen die beste Reiseanstalt, die man sich denken kann, nämlich den „Skyds“ (sprich Schyß). Im ganzen Lande findet man Leute, denen die Verpflichtung obliegt, die Reisenden zu befördern, und Höfe, in denen ein Raum für dieselben hergerichtet ist. Für eine fest bestimmte, überall gleich hohe Summe erhält man in diesen Gehöften, Skiften genannt, Pferde und Wagen bis zur nächsten Wechselstelle, entweder sogleich oder auf Bestellung innerhalb einer Frist von 1 bis 3 Stunden, je nachdem die Wechselstelle eine sogenannte feste oder unfeste, d. h. eine solche ist, in welcher der Reisende vorher angesagt werden muß. Dank dieser Anstalt ist man im Stande, in Norwegen in der allergemüthlichsten und lustigsten Weise zu reisen, und zwar zugleich so rasch, als man eben verlangen kann.

Es wird wohl kaum einen Fremden geben, welcher sich mit der herrschenden Einrichtung nicht in der kürzesten Zeit befreunden sollte. Die Unabhängigkeit, die Selbststäneigkeit des Einzelnen wird durch sie gewahrt, wie durch keine andere Verkehrsanstalt. Man ist auf der norwegischen Landstraße frei wie der Vogel, welcher ohne bestimmte Landstraße durch die Bläue zieht, frei wie der Wanderbursch, welcher auf gut Glück, aber mit vollem Beutel in die schöne Welt hinaussteuert, ohne sich einen jener unglückseligen Pläne zu machen, mit welchen uns jetzt sogar unsere Reisehandbücher maßregeln und im Lande herum hetzen. Will man rasch reisen: man kann es; will man schlendern, gemächlich fahren, sich der herrlichen Natur nach Herzenslust freuen: man kann es auch; braucht man Obdach vor etwa hereinbrechenden Regengüssen: man findet es; will man reisen und jagen zugleich: ein ewig dienstbarer, stets gegenwärtiger Gefährte führt das Rößlein, während man dem edlen Waidwerk obliegt. Die Hauptwege sind gut, stellenweise sogar sehr gut, weil besser als manche Landstraße im glücklichen Deutschland, welche zum Besten der Rittergüter großer Herren die steilsten Berge hinauf sich schlängelt, anstatt im Thale hinzugehen; der Weg ist immer unterhaltend, bietet bei aller Aehnlichkeit des ganzen Landes immer etwas Neues und Schönes. Das Tosen eines Wasserfalls fesselt unser Ohr: wir halten unser Rößlein an und weiden uns nach Herzenslust an dem prachtvollen Schauspiel und Getön; ein freundlich Gehöft am Wege lockt uns an: wir lenken unser Gefährt durch sein Thor und verplaudern [813] ein Stündchen mit dem Wirthe; ein schattiges Plätzchen fesselt uns: wir haben keine Eile. Oder aber wir stürmen, und das kleine Thier vor unserm Gefährt durchmißt mit uns eine Strecke von 1½ deutschen Meilen in weniger, als einer Stunde Zeit. Kurz, was man thun will, kann man thun; wenn man frei sein will, kann man es in der vollsten Bedeutung des Wortes sein. Dies alles vereinigen die Verkehrsanstalten Norwegens.

Es ist wohl nothwendig, daß wir sie etwas schärfer in’s Auge fassen. Betrachten wir zuerst Roß und Wagen. Das Zugthier Norwegens ist ein kleines ponyartiges, aber munteres, rasches und kräftiges Pferd, welches Ermüdung kaum kennt und dabei fromm und sanft ist, wie ein Lamm. Isabellgelb ist die Hauptfarbe der norwegischen

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Auf der Stolkjärre, – etwas in Verlegenheit.

Pferde; doch kommen auch Braune und Rappen vor. Nur auf den sehr stark befahrenen Wegen erhält man abgetriebene Miethgäule. Gewöhnlich sind die Thiere gut genährt und dem entsprechend frisch und lustig. Verwöhnte Pferde gibt es in Norwegen nicht. Der Hafer ist ihnen eine Speise, welche sie nur dann zu sehen bekommen, wenn es kein grünes Futter mehr gibt (so lange dieses vorhanden ist, ernähren die Pferde sich auf freier Weide selbst, oder bekommen im Stalle Heu vorgelegt); der Aufenthalt im Freien stählt sie gegen die Einflüsse der Witterung und macht sie vertraut mit der Natur. Sie schrecken nicht, sie fürchten sich nicht vor Wind, vor Regen, sie erzittern vor keinem Donner, sie prallen nicht zurück, wenn ein Wasserfall plötzlich vor ihnen herabbraust, sie gehen so sicher wie ein Saumthier bergauf und bergab.

Das dem Lande ureigene Reisegefährt ist diesen Pferden ganz angepaßt. Es ist ein merkwürdiger Wagen, das Karrjol, wie der Norweger es nennt; jeder Fremde bedachtet es zuerst mit Lachen und gewinnt es später so lieb, daß er es oft herbei sehnt, wenn er statt seiner die böse Stolkjärre geliefert bekommt und sich auf ihr Stunden ja Tage lang herum schütteln lassen muß, daß ihm fast die Reiselust und Reisefröhlichkeit vergeht. Kein anderer Reisewagen kann so leicht, so zweckmäßig, so bequem sein, wie eben das Karrjol. Auf einer Achse oder eigentlich auf der Gabeldeichsel, ruht ein Sitz, halb Stuhl, halb Kutschkasten, in welchem eben nur ein Reisender Platz hat, und wenn er Mann ist, kaum genug für seine Beine, welche deshalb außen in besonderen eisernen Austritten eingestellt werden. Hinter ihm liegt ein Bret quer über die verlängerten Deichselhölzer, und auf dieses Bret kommt der unvermeidliche Begleiter zu sitzen, wenn der Weg Dies gestattet. Die Deichsel selbst federt und läßt die Unebenheiten des Weges sehr verschwinden; man sitzt leicht und bequem, wenn auch etwas sonderbar und ungewöhnlich darin, so ungewöhnlich, daß ein deutscher Reisender, welcher dies Gefährt in Bewegung, aber nur von fern gesehen hatte, sich zu dem Ausspruch veranlaßt fand: „Die Norweger haben die merkwürdigsten Wagen von der Welt; ich sah einen fahren, der hatte zwei Räder unter sich und das Pferd zwischen den Beinen und fuhr wie der Blitz davon.“ Der Mann hat Recht, von fern gesehen erscheint ein reisender Normann auf seinem Wagen genau in der Lage, welche jener Berichterstatter wahrzunehmen glaubte. Noch eigenthümlicher aber, als er, nimmt sich das schöne Geschlecht im Karrjol aus. Schon der jetzt auch in Norwegen allgemein übliche Reisrock macht Schwierigkeiten, der Sonnen- oder Regenschirm erschwert das Fahren, und das weibliche Ungeschick im Lenken des Wägleins thut häufig genug das Seinige, um einen Schreckensschrei aus dem schönen Mund zu rechtfertigen. Eigentlich muß auch jede Dame selbst ihr Roß lenken, so lange es der dienstbare Begleiter hieran kommen läßt; bei großen Steilungen aber ist das eigenhändige Fahren für Damen eine mißliche Sache, und es ist nur ein Wunder, daß so wenig Unglück dabei geschieht. Gegenwärtig ziehen übrigens die reisenden Damen meistens einen Gesellschaftswagen vor, und man liest deshalb in den Blättern, daß eine Gesellschafterin für irgend eine Reisestrecke gesucht wird, weil ja doch der Weg durch angenehme Unterhaltung möglichst verkürzt und durch eine Gefährtin auch der Kostenpunkt bedeutend ermäßigt wird.

In gleicher Lage, wie eine Dame auf dem Karrjol, befindet sich oft der männliche Reisende, wenn ihm das Schicksal die Stolkjärre bescheert. Dies ist eine Art Wagen, welche mit dein Karrjol die eine Aehnlichkeit hat, daß sie eben auch auf zwei Rädern läuft; im Uebrigen aber ist es ein wahres Ungeheuer von Reisekutsche, eine Marteranstalt für jedes Muttersöhnchen und auch für den Nichtverwöhnten jedenfalls ein höchst unangenehmes Beförderungsmittel. Auf einer Art von Kasten, welche sonst auch zum Einfahren von Früchten benutzt wird, ruht ein bankartiger Sitz, welcher in den meisten Fällen gleich auf dem Kasten angelegt ist, der seinerseits wieder ohne Federn auf der strafferen Deichsel und bezüglich der Achse liegt. Da gelangt denn jeder Stoß unvermindert bis zu dem Körper des Reisenden, und dieser wird so gründlich durchgeschüttelt und durchgewalkt, als man es nur wünschen oder vielmehr nicht wünschen kann. Die bessere, veredelte Stolkjärre ist allerdings bequemer: ihr Sitz hängt in hölzernen oder eisernen Federn, und deshalb empfinden blos die auf den Kasten gestellten Beine das Gerumpele vom Wagen. Allein dieser Federsitz hat auch seine Schattenseiten. Seine Befestigung läßt oft sehr viel zu wünschen übrig, ja sie macht die Fahrt auf der Stolkjärre oft geradezu [814] lebensgefährlich. Dazu kommt, daß der Karren, der niemals gehemmt werden kann, bei Steilungen leicht in Schuß geräth und an dem Geschirr des Pferdes irgend etwas in Unordnung bringt, wodurch dieses trotz seiner Sanftmuth oft in große Aufregung versetzt werden kann. Unter solchen Umständen ist dann die Fahrt mit der Stolkjärre eben nicht erbaulich und, wie bemerkt, wirklich gefährlich. Ein Freund von mir brach sich das Schlüsselbein, indem er plötzlich mit sammt seinem Sitze auf der Erde lag, während der Untertheil des Karrens mit dem Pferde lustig weiter fuhr. Nur einen Vortheil dürfte die Stolkjärre vor dem Karrjol besitzen: sie gewährt eine leichtere, bis auf das durch die Stöße erregte Zähneklappern nicht so oft unterbrochene Unterhaltung mit dem Skydsgut oder dem Begleiter, welcher jedem Reisenden von der Wechselstelle mitgegeben wird, damit er Pferd und Wagen nach ihr zurückbringe.

Auch diesen Mann, oder vielmehr diesen Knaben, müssen wir uns etwas genauer ansehen. Jeder Beruf erzeugt seine eignen Leute, und so auch der, welcher diesen Edlen obliegt, welche den Verkehr der Menschen so wesentlich vermitteln helfen. Der vielfache Umgang mit allerlei Volk hat sie gebildet oder wenigstens gewitzigt; mancher Reisende hat ihnen aus reiner Langweile seine Reiseanekdoten erzählt, die er sonst wegen ihrer vormeidingerschen Beschaffenheit nicht mehr gut anbringen konnte; ein anderer hat sich mit ihnen in ernstere Gespräche eingelassen, und der oder jener Professor hat ihnen wohl gar ein Stück Weltweisheit oder andere Wissenschaften mitgetheilt: kurz, die Leute haben Erziehung genossen und sind als Gebildete zu betrachten und auch darnach zu behandeln. Damit ist noch nicht gesagt, daß sich ihre geistigen Fähigkeiten weit über die ihrer Mitbürger erheben. Sie haben eben einen gewissen Schliff erlangt und verstehen es, sich in die Laune der Reisenden vortrefflich zu schicken, weil sie gelernt haben, daß ihnen doch nur Derjenige ein Trinkgeld verabreicht, dessen Wohlwollen sie sich erworben haben. Hierin beruht wesentlich der Zauber, welcher ihr Betragen gegen den Reisenden regelt. Sie sind sehr artig, dienstfertig, unterhaltend und zuvorkommend gegen Den, welcher ihnen freigebig erscheint; sie sind liebenswürdig gegen das schöne Geschlecht und wissen den tausend Bedürfnissen desselben billig Rechnung zu tragen, ohne jemals die Geduld zu verlieren; sie sind aber auch grob und unverschämt, sobald sie merken, daß ihnen kein Trinkgeld zuerkannt werden wird, und verstehen es dann meisterhaft, den Reisenden zu ärgern und zu plagen. Was natürlicher, als daß man sich mit ihnen auf den möglichst guten Fuß zu stellen und sich ihre Freundschaft vermittelst eines in Aussicht gestellten Silbergroschens zu erkaufen sucht?! Dann erfährt man von ihnen, was man erfahren will, und hat einen flinken und geweckten, dabei auch wohlerfahrnen Begleiter sich erworben, welcher in allen Lagen und Fährlichkeiten entschieden besseren Bescheid weiß, als der Reisende selbst, und dabei durch seine geistigen wie leiblichen Fähigkeiten von großem Nutzen sein kann. Ein solcher Skydsgut verkürzt den Weg oft in angenehmer Weise und hilft Einem glücklich über manche langweilige Stelle hinweg.

Mit solchem Roß und Wagen und mit solcher Begleitung durchzieht man nun nach Belieben das schöne herrliche Land. Obdach und Nahrung gewährt die Wechselstelle selbst; das Zimmer, welches für den Reisenden bestimmt ist, enthält die nothwendigen Bequemlichkeiten und vor Allem regelmäßig gute und reinliche Betten; die Bedienung läßt Nichts zu wünschen übrig, und die Zeche wird so billig berechnet, als man verlangen kann. An Nahrungsmitteln ist freilich manchmal einiger Mangel: aber die Freundlichkeit des Wirths ersetzt ja viel, und für den Genügsamen ist immer genug vorhanden. Man bricht gewöhnlich mit Tagesanbruch auf und durcheilt rasch einige Meilen, dann wird ein kleiner Halt gemacht und die Reise nach Belieben fortgesetzt bis gegen Abend, wo man dann die Hauptmahlzeit zu sich nimmt, um durch das Warten auf dieselbe nicht viel Zeit zu verlieren. In den höheren Gebirgen, über welche Hochstraßen führen, sind diese Wechselstellen oft die einzigen Gebäude weit und breit, und die Bewohner leben wie die Einsiedler, da sie blos mit den eilig Vorüberziehenden und ihren beiden stetigen Nachbarn an der Straße in Berührung kommen.

Die Skydsbeförderung gilt auch für das Wasser. Dort erhält man Boote anstatt Pferd und Wagen und wenigstens zwei Ruderer anstatt des Skydsgut. Diese Leute sind gewöhnlich eben so rasch bei der Hand, wie Pferde und Wagen auf den Wechselstellen zu Lande, und erfüllen das ihnen auferlegte Amt regelmäßig zu großer Zufriedenheit des Reisenden. Eine unschätzbare Eigenschaft haben überhaupt alle diese norwegischen Reisegefährten mit einander gemein: sie sind in jeder Beziehung ehrlich und gewissenhaft.

Dies Alles sind Dinge, welche das Reisen in Norwegen höchst angenehm machen: – was solch’ eine Reise aber dem Geiste und Herzen bringen kann, will ich nächstens schildern und dann ein Reisebild nachzuzeichnen versuchen, so gut es eben die stumpfe Feder erlaubt.