Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H16

Heft 15 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 16 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 17 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Kürbitz
  2. Kloschwiz
  3. Schönbrunn
  4. Bösenbrunn



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Kürbitz.


11/4 Stunde südwestlich von Plauen in dem schönen Elsterthale gelegen.

Kürbitz ist sorbischen Ursprungs und seine Entstehung fällt in die Mitte des 6. bis 7. Jahrhunderts. In den frühesten Zeiten bestand hier kein Rittergut, sondern es existirten blos adliche Freihöfe. Von dem Orte entlehnte ein Adelsgeschlecht seinen Namen. Die Herren von Kürbitz waren angesehene, mächtige Edelleute und wurden zu den grössten Ehrenstellen, Aemtern und Würden berufen. Doch müssen sie selbst, da sie später in den geistlichen Stand getreten sind, frühzeitig ihre Besitzungen in Kürbitz aufgegeben haben. Nach ihnen finden wir hier im Besitze von 3 einzelnen adlichen Freihöfen, die Schlegeler, Magwiz, Langenberg und Feilitzsch, aus dem Gute Feilitzsch bei Hof (jetzt unmittelbar an der sächs.-bayerischen Eisenbahn gelegen) stammend, ein Gut, welches die von Feilitzsch ursprünglich als Reichssassen besasen. Jobst von Feilitzsch, welcher diese obberegten drei adeligen Freihöfe zusammen kaufte, gründete im Jahre 1300 das jetzige Rittergut Kürbitz. Dieser Herr von Feilitzsch wurde im Jahre 1300 zum Ritter des heiligen Grabes geschlagen und besass ausserdem noch Weischlitz, Rosenberg, Tobertiz u. s. w.

Im Jahre 1624 war der Besitzer von Kürbitz der bekannte Staatsmann Urban Heinrich von Feilitzsch, welcher zugleich Förbau, Schwarzenbach an der Saale, Isar, Weischlitz und Tobertiz besass.

Vom Herzoglichen Weimarischen Kammerjunker, Herrn Lazarus von Feilitzsch auf Heinersgrün, Münchenreuth, Hartmannsreuth u. s. w. kam Kürbitz an dessen Sohn den Königl. Preuss. Premier Lieutenant ausser Diensten Herrn Louis Heinrich Lazarus von Feilizsch, der noch 6 Brüder hatte, von welchen der eine Misslareuth, der andere Taltiz, besass, der dritte mit Heinersgrün beliehen ist, der vierte ist vor längerer Zeit als früherer Oberforstmeister in Olbernau verstorben, der fünfte als Rentamtmann in Plauen vor zwei Jahren mit Tode abgegangen ist und der sechste als Königl. Sächs. Kammerjunker in Hof lebt.

Herr Louis Heinrich Lazarus von Feilitzsch als Besitzer von Kürbitz hat Letzteres seinem Sohn Oskar überlassen, während ein Bruder desselben, Herr Advokat Levin von Feilitzsch jetzt Hartmannsreuth und Münchenreuth in Bayern im Besitze hat.

Eine andere Linie dieser von Feilitzsch’schen Familie lebt in Bayern und ist daselbst mit der von Seckendorf’schen, von Wenz’schen Familie verzweigt und hat solche bezüglich ihres ehrenwerthen, ritterlichen Wesens einen guten Klang im Volk.

Das Schloss zu Kürbitz hat ein altes ritterliches Ansehen und seine Bauart beurkundet das hohe Alter desselben. Es war früher mit einem Wallgraben umgeben, welcher theils ausgefüllt und in Gartenanlagen verwandelt worden ist.

Unmittelbar bei demselben fliesst die Elster vorüber und bildet das schöne herrliche Thal, welches von hier abwärts nach Strassberg und Plauen führt, aufwärts nach Weischlitz.

Die Einwohner von Kürbitz besitzen ein Areal von 1222 Acker und 85 □Ruthen mit 15,471,32 Steuereinheiten und leben theils von Ackerbau, theils giebt ausser dem Rittergute, auch das nahe Plauen mancher Hand Beschäftigung.

Als altschriftsässiges Rittergut hatte Kürbitz früher seine eigenen Gerichte, zu welchem ein Antheil des Dorfes, die hiessige Mühle von zwei Gängen, das sogenante Döhler’sche Haus, ein Antheil von Kröstau [122] gehörten, wogegen ein anderer Theil des Ortes dem Rittergutte Kemniz, und ein dritter dem Amte Plauen unterworfen war.

Jetzt gehört Kürbitz im Ganzen mit 59 bewohnten Gebäuden, 70 Familienhaushaltungen und 424 Einwohnern zum Bezirksgericht und zum Gerichtsamte Plauen, zur Amtshauptmannschaft des letztern Ortes und zum Regierungsbezirk Zwickau. –

Durch Kürbitz führte bekanntlich in den frühesten Zeiten die alte Heerstrasse von Hof hindurch nach Strassberg und Plauen, wo her es auch kommen mag, dass daselbst sonst ein Beigeleite von Plauen war.

Der dasige Rittergutsbesitzer hat zugleich das Collaturrecht über Kirche und Schule, welches im Jahre 1623 durch Kauf erworben und vorher von den Deutschrittern, wie über viele andere Kirchen in der Umgebung von Plauen ausgeübt wurde.

Bis zum Jahre 1538 bestand das schon oft in diesem Album erwähnte Tossen als Frühmesse von Kürbitz. Von diesem Jahre an ward es eine Filia von Rodersdorf.

Der letzte Frühmesser von Kürbitz war Johann Weigolt, nach dessen Tode der Churfürst Johann Friedrich auf Anrathen des Superintendenten Raute zu Plauen und Spalatins dem Pfarrer zu Rodersdorf die Decem und Geldeinkünfte der Kaplanei, dem Pfarrer zu Kürbitz aber die Feldgüter davon zutheilte. Wenn durch diese Schenkung die Oekonomie des hiesigen Pfarrleins zu einer der bedeutendsten im ganzen Lande wurde, so ist nicht unerwähnt zu lassen dass im 30jährigen Kriege auf Ansuchen des Pfarrers das ganze Feldgut bis auf einige 30 Scheffel an Feld und Wiese zu dem hiesigen Rittergute gegen eine jährliche Rente geschlagen wurde.

Die hiesige Kirche, zu den schönsten und bequemsten des Landes gehörend, ist in den Jahren 1624–1626 von dem obenerwähnten Staatsmann Urban Heinrich von Feilitzsch mit einem Kostenaufwand von 28,000 fl. erbaut.

Ein von einem Unbekannten auf die Thüre der herrschaftlichen Winter-Empore geschriebenes Distichon bezeichnet diese Kirche folgender Weise:

„Pulchrius hoc in te non est, Voigtlandia templum;
Hoc urbs, hoc pagus, vicus et omnis ait.“

Ueber dem Haupteingange stehen folgende 3 Hexameter:

Nobilis urbanus Caspar de stemmate Feilitzsch
Hoc templum exstruxit gratus Christoque vicavit
Ut gratis habeat coelestis gaudia templi.

Der Altar ist noch aus der alten Kirche. Die Kanzel ist aus einem einzigen Sandstein gehauen, ein Geschenk des Sächs. Kriegscommissärs im Voigtländ’schen Kreise, Herrn Adam Wolfs von Feilitzsch.

Unter der Kanzel sieht das Auge mit Wohlgefallen einen Moses, in Stein gehauen, die Gesetzestafeln haltend. Der Taufstein von schwarzem Marmor ist ein Geschenk des Herrn von Posseck auf Unterweischlitz.

Ausserdem findet man noch 7 Gemälde, die 4 Männer und 3 Frauen aus der Familie von Feilitzsch, nebst dem Erbauer der Kirche in Lebensgrösse darstellend. Eine Gedenktafel von schwarzem Marmor befindet sich im Erbbegräbnisse, welche von den Lebensverhältnissen und Verdiensten des Erbauers der Kirche Kunde giebt.

Die vasa sacra sind von Silber und vergoldet und ein Geschenk vom Jahre 1696 des Urban Heinrich von Feilitzsch.

Die Kirche in Kürbitz besitzt auch eine Bibliothek, worunter sich

a) Luthers Werke,
b) eine biblia sacra qua divi linquia accurante Reineccio in 3 Bänden, Leipzig 1787,
c) Luthers Bibel von Culor

befinden.

Eingepfarrt nach Kürbitz sind Oberweischlitz, Rosenberg und Unterweischlitz. Das erstere hat mit Rosenberg ein Areal von 853 Ackern und und 15□ Ruthen mit 9829,83 Steuereinheiten; Unterweischlitz dagegen besitzt einen Flächenraum von 562 Ackern und 276□ Ruthen mit 8496,40 Steuereinheiten.

Der jetzige Pfarrer von Kürbitz ist Herr Franz Julius Kunze, welcher mit einer geb. von Feilitzsch aus dem Hause Kürbitz verheirathet ist.

M. G.     



[123]
Kloschwiz


11/2 Stunde westlich von Plauen entfernt gelegen, bietet ein herrliches Bild. Die Erhöhungen um das Dorf herum, bilden im Verhältniss der entfernteren Berge nur ein offenes Hügelthal, in welchen der Ort tiefer, als die benachbarten Dörfer gelegen ist. Beim Orte fliessen der Rosenbach östlich und der Goldbach südlich vorbei. Der letztere theilt vorn Orte 9 Häuser, die Rittergutsschäferei nebst der Schäferwohnung ab.

Das neuschriftsässige Rittergut hat zwar ein nicht grosses, aber doch geräumiges Wohnhaus. Durch die Wirthschaftsgebäude, welche neu errichtet sind, durch die Pfarrwohnung und die mit derselben vom früheren Pastor Grundmann verbundenen Instituts-Häuser, durch die neue Schulwohnung und mehrere neue Bauernhäuser, welche meist mit Obstbäumen, auch zum Theil mit Linden, italienischen Pappeln und Kastanienbäumen umgeben sind, hat das Dorf ein sehr freundliches Ansehen erhalten.

Der Boden ist hier gar nicht unfruchtbar; Weizen, Korn und Gerste gedeihen vortrefflich. In den Niederungen ist ein sehr guter Wiesenwachs und die Bauern besitzen zum Theil ihre eigenen Holzungen.

Dem Rittergute standen vor der neuen Gerichtsorganisation die Ober- und Untergerichte über zwei Viertelshöfe und 16 Häusler des Dorfes zu. Es besass aber auch Antheile der Dörfer Dehles, Thossen und Tobertiz. Zu Dehles hatte es 8, zu Thossen 1 Unterthan und zu Tobertiz deren 5.

Ein zweiter Antheil des Dorfes Kloschwiz vom 1/2 Hofe und 1 Häusler gehörte zum Rittergute Schneckengrün, ein dritter vom 1 ganzen, 5 halben, 2 Höfen, 2 Häuslern nebst der Schenke und Schmiede mit Ober- und Untergerichten, mit den früheren Spann- und Frohndiensten zu dem Rittergute Rössniz; ein vierter, bestehend aus dem sogenannten Hollgebäude, welches seit mehreren Jahren zerschlagen worden ist und aus 33/4 Höfen bestand, so wie der Mühle von Hofe mit ansehnlichen Erbstücken, 2 Mahlgängen, einer Schneide- und Oehlmühle, sowie aus 11 Häusleren schriftsässig zum Rittergute Leubnitz und ein fünfter endlich, von einem Dreiviertelshofe, einem halben und 2 Viertelshöfen, stand unmittelbar unter dem Amte Plauen.

Ausserdem hatte das Rittergut früher schönen Wildstand. Denn es übte die hohe, mittlere und niedere Jagd und hatte geschlossene und Koppeltrift. Bis auf die neueste Zeit ist es im Besitze von einem Stück wilder Fischerei im Goldbache geblieben. Jetzt gehört Kloschwitz das Dorf und Rittergut mit seinen 46 bewohnten Gebäuden, 58 Familienhaushaltungen 322 Einwohnern zum Bezirksgericht und Gerichtamte Plauen.

Kloschwitz ist ein von den alten Sorben-Wenden im 6. oder 7. Jahrhundert erbauter Ort und gehörte zu dem Gau, welcher die nachherige Ebersteinische Herrschaft, Dobena oder Dobenau begreift. Der Ort selbst war im Jahre 1314 daher Graf Ebersteinische Besitzung. In dieselbe Zeit fällt der Eintritt der deutschen Ortensritter in das Voigtland, mit welchen eine neue Epoche in der Landes-Kultur beginnt.

Um einen Schutz gegen die, immer überlegener werdenden Voigte zu erlangen, haben selbige zuerst die Grafen von Eberstein aufgenommen und alsbald auch in ihrem Gebiete ihnen das Patronat und die Lehen über die Kirchen zu Strassberg, Jössnitz, Oberlosa, Theuma, Altensalz, Rodersdorf, Schwand, Dröda, Würschniz, Planschwiz, Taltiz, Leubniz, Geilsdorf und Kloschwiz eingeräumt und abgetreten. Bis zum 15. Jahrhundert war Kloschwitz noch nicht zum Rittergute erhoben und gehörte nach den Grafen von Eberstein zu den Besitzungen der Voigte von Plauen. Erst nach der Reformation wurde die Familie von Reibold mit Kloschwitz belehnt. Philipp von Reibold auf Rössniz ist der Ahnherr dieser Familie. Ihm folgte im Jahr 1612 Hans von Reibold, fürstlich Brandenburgischer Hofrath zu Baireuth. Im Jahre 1633 wurde Joachim von Reibold auf Neundorf und Kloschwitz damit beliehen. Im Jahre 1688 war Hans Joachim von Reibold auf Rössnitz zuletzt Besitzer von Kloschwitz, Assessor des Oberhofgerichtes zu Leipzig. Hans Erdmann [124] von Reibold war 1710 beliehener Besitzer. Im Jahre 1713 Hans von Reibold auf Rössniz, Kammerjunker und Oberhofmeister.

Dann kam das Gut 1725 in die Hände des Herrn Alexander von Beulwiz, Amtshauptmann der beiden Aemter Plauen und Voigtsberg, wie auch Kammerjunker, Oberforst- und Wildmeister im Erzgebirge.

Im Jahr 1756 finden wir wieder die Familie von Beulwiz in Kloschwiz, Herr Christian August von Beulwiz Brandenburgischer Geheimerath und Ritter des Brandenburgischen rothen Adlerordens war damit in jener Zeit beliehen. Dann folgte von 1785–1818 Frau Louise Eleonore Caroline Dorothea von Naundorff geb. von Beulwiz, Gemahlin des Königl. Sächs. Kammerherrn Adolph Friedrich Wilhelm von Naundorff, pensionirten Königl. Sächs. Rittmeisters, welcher in der Schlacht bei Leipzig 1813 ein Bein verlor und im Jahr 1834 nach Amerika ging, wo er sich in dem Staate Arkansas unweit des Flusses Arkansas, niederliess und nicht unbedeutende Ländereien kaufte. Er lebte hier bis vor 3 Jahren, wo derselbe seinen körperlichen Leiden erlag und des zu erwartenden reichen Seegens seines neuen Anbaues sich nicht erfreuen sollte. Welchen Antheil derselbe bei Lebzeiten selbst in der Ferne an der dasigen Gemeinde und seinen früheren Unterthanen genommen beweiset der Umstand, dass er zur Restauration der hiesigen Kirche im Jahre 1838 ein Geschenk von 100 ℛthl bestimmte.

Vor seiner Abreise überlies er das Gut seiner Frau Gemahlin der Therese Caroline Christiane Louise, geborene von Beulwitz aus dem Hause Töpen, früher Hofdame bei Ihrer Durchlaucht der verwittweten Fürstin Reuss von Lobenstein, welche es in den vierziger Jahren an den früheren Rittergutspachter von Netzschkau, Herrn Koder verkaufte. Seit 2 Jahren besitzt es aber Herr Hager. –

Die Collatur über Kirche und Schule steht der jedesmaligen Gerichtsherrschaft von Kloschwitz zu, welches Recht man mit erkaufte, als Kloschwitz im 15. Jahrhundert zum Rittergute erhoben wurde.

Die Kirche, welche im Jahre 1612, sammt der Schule und dem grössten Theil des Dorfes abbrannte, hatte nach ihrer Erbauung durch die Länge der Zeit sehr gelitten und wurde deshalb im Jahre 1838 ganz restaurirt, mit Schiefer gedeckt und mit einer neuen Orgel versehen.

Das Aeussere und Innere der Kirche gewährt jetzt einen freundlichen Anblick. In dieselbe ist das benachbarte Dorf Kröstau eingepfarrt.

Die Pfarrwohnung von Kloschwiz war durch das Alter sehr baufällig geworden und wurde zu verschiedenen Zeiten, besonders in den Jahren 1831, 1838 und 1841 so erneut und erweitert, dass nur noch der kleinere Theil des ursprünglichen Gebäudes stehen geblieben ist.

Die Erweiterung desselben geschah vorzüglich durch den im Jahre 1818 hier angestellten Pastor Grundmann aus Plauen, welcher sogleich nach seinem Amtsantritte mit hoher Genehmigung den Grund zu einem Knabeninstitute legte, welches in seiner Blüthe weit über 80 Zöglinge zählte. Durch dasselbe ist Kloschwiz im In- und Auslande viel genannt und berühmt geworden. Die Zöglinge verliessen meist mit einer tüchtigen Vorbildung dieses Institut und legten durch dasselbe den Grund zu ihrem ferneren Fortkommen und zu ihrem wahren Lebensglück.

Die hochgebildete Gattin des Pastor Grundmann, eine geborene Haussner aus Plauen unterstützte ihren vortrefflichen Gatten auf jegliche Weise in diesem Erziehungswerke. Leider ist dieses Institut durch den im Jahre 1850 erfolgten Tode des Pastor Grundmann eingegangen, was nur zu beklagen ist.

Der erste Zögling dieses Instituts war der nachherige Professor Heimbach in Leipzig, der Bruder des Herrn Professor Heimbach in Jena, Söhne des verstorbenen frühern Stadtschreibers, nachherigen Stadtgerichtsraths Heimbach in Leipzig.

Dieser erste Zögling machte seinem Lehrer und Erzieher grosse Ehre und berechtigte denselben ob seiner gründlichen Gelehrsamkeit zu grossen Erwartungen. Leider ereilte ihn der Tod in der Blüthe seiner Jahre und sein früherer Lehrer musste noch seinem Sarge folgen.

Nahe bei dem Dorfe Kloschwiz liegt ein kleiner Berg, die Weinleite genannt, welcher zu der Pfarrei gehört, in dem Jahre 1839 mit Laubholz und Obstbäumen bepflanzt und zu einem Uebungsplatze für die Zöglinge hergerichtet worden war.

Im Jahre 1840 wurde ein Haus mit einem kleinen Thurme darauf gebaut. Von dem Berge selbst hat man eine schöne Aussicht in die nahe liegenden Thäler.

Seit dem Erlöschen des Grundmann’schen Instituts ist es auch hier öde und ruhig und bisweilen nur an schönen Morgen und Abenden sieht man einsam die bejahrte, jedoch noch rüstige Wittwe des Pastor Grundmann darinnen auf und abgehen und die Lieblingsplätze aufsuchen [125] wo sie einst neben ihrem Gatten weilte und unter traulichen bisweilen gelehrten Gesprächen die Stunden schnell und angenehm dahin schwanden.

Das Ganze aber erinnert uns recht lebhaft an das Vergängliche der Zeit, an das Erlöschen alles Irdischen, wenn es auch noch so gut, noch so vortrefflich ist. Nur der Gedanke, dass hier meist vortreffliche Menschen gelebt und gewirkt haben, dass solche von Kindes und Kindeskindern mit Achtung und Verehrung genannt werden, ist erhebend und ermundert Aehnliches zu thun und zu schaffen.

M. G.     




Schönbrunn.


König Heinrich I. unterjochte zu Anfang des zehnten Jahrhunderts die Sorben und der Name des Sorbenlandes hiesiger Gegend verliert sich von nun an und die Benennung des Voigtlandes kommt für solche dagegen auf. Um diese besiegten Sorben besser im Zaume zu halten wurden jetzt, ausser den Burgwarten, welche von der hier bestandenen Marg und deren Vergrösserung noch herrührten, noch mehrere dergleichen angelegt und damit diejenigen höheren militärischen Personen beliehen, welche zur Unterdrückung der Sorben hilfreiche Hand geleistet hatten.

Den übrigen Theil des Landes, der nicht an diese graduirten Herren verlehnt wurde, behielten König Heinrich I. und seine Nachfolger, als Domainengüter der Krone für sich, welche sie durch ihre Voigte verwalten liessen, daher der Ursprung der hiesigen Voigte.

Auch diese Voigte bedurften zu ihrer Sicherheit fester Burgen und es entstand in der Voigtei Voigtsberg mit Oelsnitz das Schloss Voigtsberg. In dieser Voigtei entstanden nun auch neue Ansiedelungen und zu diesen neuen Ansiedelungen gehört auch das Dorf Schönbrunn, sogenannt theils von den herrlichen, guten Brunnen, theils von der herrlichen Aussicht, die man in das Elsterthal hin geniesst.

Schönbrunn war ursprünglich blos ein Vorwerk von Oelsniz und wurde erst im 15. Jahrhundert zum Rittergute erhoben, und gehörte auch im 17. Jahrhunderte noch der Stand Oelsniz, sowie diese Stadt noch bis zum Jahre 1609 ebenfalls Lauterbach obern und untern Theils, beide Theile von Marxgrün, die Grafschaft Gölnitzhof inne hatte. Erst durch die Drangsale des 30jährigen Krieges wurde der Rath zu Oelsniz gezwungen, seine schönen Besitzungen zu verkaufen und Schönbrunn kam an die Familie von Reizenstein, welche es in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts veräusserte.

Von nun an finden wir hier die Familie Stengel. Der jetzige Besitzer ist Herr Johann David Stengel und ist mit dem Gute seit dem Jahre 1814 beliehen.

Ein Mann von ausgezeichneter Humanität, von grosser Mildthätigkeit und Herzensgüte, dem seine vortreffliche Gattin eine geb. Schenkel aus einem Hause einer alten Patricier-Familie von Oelsnitz in seinen Werken des Wohlthuns stets würdig zur Seite steht.

Die Gebäude des Gutes sind nicht imponirend, sondern zum grossen Theile sehr alt, aber einmal eingetreten in die Wohnung des Eigenthümers kann der Einsprechende nur schwer sich wieder trennen: Denn [126] ein so harmloses, gemüthliches Familienleben wie hier man es findet, wird man selten wieder Gelegenheit haben anzutreffen.

Wahrhaft gute Menschen leben hier, und damit ist Alles gesagt.

Das Areal des Gutes hält 142 Acker, 227 □ R. Feld, 61 Acker Wiese, 12 Acker, 293 □ R. Huth, 2 Acker, 189 □ R. Gartenland, 163 Acker, 85 □ R. Holz, zu seinen 381 Acker, 256 □ R. mit 4181 Steuereinheiten.

Ackerbau und Viehzucht sind die hauptsächlichen Nahrungsquellen der Bewohner. Früher wurde auch hier bedeutender Bergbau auf Eisenstein getrieben, welcher sich bis Bösenbrunn und weiter noch erstreckte. Die Spuren davon sind noch allenthalben auf dem alten Wege von Oelsniz nach Hof über die Dörfer Schönbrunn und Bösenbrunn zu finden. Von Schönbrunn geniesst man eine herrliche Aussicht auf das Elsterthal, auf das über der Elster liegende mit Oelsniz zusammenhängende Raschau, bekannt durch Herrn von Osten, und dessen milde Stiftungen, dessen Andenken bis in die späte Nachwelt von dankbaren Herzen gefeiert werden wird.

Schönbrunn ist mit Voigtsberg, Hartmannsgrün, Zaulsdorf, einem Hause von Rasdorf, der Tanzermühle, der Araunmühle, mit Hundsgrün, Ebersbach, Ober- und Unterhermsgrün, den Schafhäussern mit Süssenbach und Trübelbach, mit Lauterbach, Raschau, der Steinmühle, der Walkmühle, und mit Untermarxgrün nach Oelsniz eingepfarrt und die frühere Schicksale dieses Ortes widerfuhren auch Schönbrunn.

Besonders traurig war das Loos, welches General Holk bei seinem Streifzuge von Hof nach Oelsniz dieser Gegend bereitete. Alles Vieh wurde mit fortgenommen, viele Menschen niedergestochen und die welche mit dem nakten Leben davon gekommen waren, mussten ihre rauchenden Wohnungen bejammern und beweinen.

Der 13. Aug. 1632 war ein Tag des Schreckens für Schönbrunn. Noch mehr aber für das benachbarte Oelsniz. Die Stadt wurde mit Sturm genommen und Menschen, die man auf der Strasse traf, niedergehauen, gleich denen, welche sich in die Kirche geflüchtet hatten.

Damit aber ja keine Schlachtopfer entgehen möchten wurde die Stadt angezündet, so dass die übrigen Einwohner, welche sich in die Keller geflüchtet hatten, darinnen verbrennen mussten. Aus einem einzigen Keller wurden fünfzig Leichen herausgezogen. Damals wurde auch das prächtige Rathhaus mit zerstört, welches man in der Folge wieder herstellte, aber nichts mehr von seinem alten Glanze, von seiner Herrlichkeit behalten hatte.

Zu dem Rittergute Schönbrunn gehörte auch die dabei liegende Fuchsmühle (oder Fuchspol) und das abgebrannte Haus Kulben.

Schönbrunn gehört zu denjenigen 8 Rittergütern, welche man auf einer Viertheil-Quadratmeile in der Taltizer Gegend ohnweit Plauen auf einer Anhöhe erblickt und die Rittersitze und Dorfschaften Taltiz, Eilenstein, Dobeneck, Planschwiz, Stein, Magwiz, Tirbel und Schönbrunn umschliesst. Man fand aber im Voigtlande noch viel kleinere adliche Lehen, die blos in einzelnen Gasthöfen und Mühlen bestanden, auf diese Weise wurden auch von den Grafen von Eberstein zu Plauen die beiden Elster-Mühlen daselbst verlehnt, welche bis in die neuste Zeit als schriftsässige Rittergüter galten und als solche, ihre eigenen Patrimonial-Gerichte innerhalb ihrer Einzäunung hatten.

Nur die Fruchtbarkeit des Landes jener obberegten 8 Rittersitze vermochte früher ihre Besitzer zu ernähren, sowie der Fleiss und die Betriebsamkeit des Voigtländers es dahinbrachte auf seinen ländlichen Besitzungen sich wohl zu befinden und sogar Reichthümer zu sammeln.

Die Güter selbst dieser Gegend sind jetzt in einem solchen vortrefflichen Zustand, dass selten andere in viel fruchtbareren Gegenden und von grösserem Complex mit denselben bezüglich ihrer Rentabilität wetteifern können.

Der Wiesenbau ist hier unübertrefflich. Ja sogar die in früherer Zeit versäumte Forstculur ist in den letzten Jahrzehnten so nachgeholt [127] worden, dass unsere Nachkommen in hiesiger Gegend um Brenn- und Nutzholz nie in Verlegenheit kommen werden.

Schönbrunn hat 60 bewohnte Gebäude mit 73 Haushaltungen und 367 Einwohnern und gehört jetzt zum Gerichtsamte Oelsniz, zum Bezirksgerichte Plauen, wie zur Amthauptmannschaft daselbst und zum Regierungsbezirk Zwickau.

Hier in Schönbrunn ist ebenso wie in der umliegenden Gegend eine Hauptbeschäftigung der jüngeren Frauenzimmer das Nähen der sogenannten Plau’schen Waare geworden, und man kann behaupten, dass gerade hier und in der Umgegend nach dieser Seite hin die feinsten Stickereien geliefert werden.

M. G.     




Bösenbrunn


1 Stunde südwestlich von der Stadt Oelsniz, auf der linken Seite der Elster gelegen. Die Entstehung des Ortes fällt ebenfalls in die Zeit nach der Besiegung und Vertreibung der Sorben-Wenden aus dem Voigtlande.

Undurchdringliches Dunkel der Wälder in hiesiger Gegend unterstützte hier Wegelagerer und Feinde der neuen Ordnung. Der alte Landweg von Oelsniz nach Hof führte hier durch und manches Opfer der früheren Raublust soll hier gefallen sein. An der Stelle wo jetzt das schöne stattliche Schloss steht, befand sich der Sage nach ein ausgezeichneter Brunnen, welcher als Sammelplatz der sich zusammengefundenen Raufhelden gedient hat, um von hier aus sicher ihre Beute zu erwarten.

Daher soll auch die Benenung entstanden sein „der Bösen Brunnen“ d. i. Bösenbrunn. Nach einer andern Version soll der Ort seine Benennung daher haben, weil bei Regenwetter durch die vielen Quellen und Gewässer die Wege in hiesiger Gegend zerissen wurden und das Fortkommen dadurch erschwert war.

Der eigentliche Erbauer des früheren Schlosses, welches mit Wall und Gräben umgeben war, ist unbekannt. Auf alle Fälle haben die Voigte von Plauen und Oelsniz, die erste Veranlassung dazu gegeben und zum Schutze für die hiesige Gegend einen ihrer Getreuen hierher gesetzt.

Die ersten bekannten Besitzer von Bösenbrunn sind die Edlen von Tettau. Diese Familie besass im Jahre 1586 einen ansehnlichen Distrikt, nämlich Planschwiz, Dobenek, Taltitz, Unterlosa, Stöckigt, Bösenbrunn u. s. w.

Nach der Familie von Tettau wird uns das Geschlecht derer von Neidberg als mit Bösenbrunn beliehen genannt. In dem Besitze dieses Geschlechts blieb das Gut über 150 Jahre. Dann kam Bösenbrunn an Ferdinand von Reibold, von welchem es seine Tochter, Erdmuthe Christiane früher eine verheirathete von Brandenstein auf Posiz und Oppurg, später eine verwittw. Freyin von Fletscher erbte, die es im Jahre 1723 ihrem Sohne Heinrich August von Brandenstein abtrat. Derselbe lies den alten Rittersitz zu Bösenbrunn abbrechen und einen modernen Landsitz aufführen, wie wir solchen in der Abbildung sehen. Im Jahr 1802 übernahm des Letztern jüngster Sohn Wihelm Ernst von [128] Brandenstein, nachmals Domherr des Stifts Merseburg des Vaters Güter. Bald nachher acquirirte aber Bösenbrunn die Familie Seidel, in deren Verwandschaft es bis heutigen Tages geblieben ist. Ein Schwager von des Erwerbers Familie, Herr Schaumburg war der Nachfolger im Besitze. Letztrer, welcher mit einer geb. Stengel aus dem Hause Troschenreuth verheirathet war, gab, da seine Ehe kinderlos war, noch bei Lebzeiten das Gut dem Manne seiner Pflegetochter, Herrn Wauer, dem Sohne des früheren Rittergutsbesitzers von Rodersdorf obern Theils, welcher seine Bildung auf dem Gymnasium zu Plauen genossen hat und ein vortrefflicher Landwirth, ein guter Familienvater und mildthädiger Herr seinen Untergebenen ist. Möge derselbe mit seiner Familie sich noch lange dafür des Himmels reicher Segnungen erfreuen.

Bösenbrunn das Rittergut und Dorf liegt angenehm an den Pfaffenbergen und der Triebel, ein südwestlich von Adorf im Schirningwald entspringender in die Elster sich ergiessender Bach. Die Einwohner selbst gehören nicht zu den wohlhabenden; die meisten sind Häusler, welche im Rittergute und in der benachbarten Stadt Oelsnitz vom Tagelohn sich ernähren, viele von den Frauenzimmern nähen für Fabrikanten in Plauen. Ausserdem ist hier ein Gasthof, und ein Huthhaus; auch zwei Mühlen findet man im Ort.

Bisher war auch der Gerichtsbarkeit vom neuschriftsässigen Rittergute, ein Theil von Obertriebel, ein Theil von Untertriebel, das Oertchen Triebelbach und die Culmhäuser unterworfen.

Der jedesmalige Rittergutsbesitzer von Bösenbrunn ist Collator über Kirche und Schule daselbst, sowie ihm auch das Besetzungsrecht des geistlichen Amtes und der Schule zu Untertriebel zusteht.

Die Kirche zu Bösenbrunn ist erneut und hat ein freundliches Ansehen. Bis ins 16. Jahrhundert war Bösenbrunn nach Oelsniz gepfarrt und musste deshalb bis auf die neuesten Zeiten dorthin Zins und Zehnten bezahlen.

Die Pfarrstelle ist deshalb sehr gering und die hiesigen Pfarrer betrachteten daher auch stets ihr Amt blos als einen Uebergangposten. Der Pfarrer ist zugleich Schullehrer.

Eingepfarrt sind blos die sogenannten 6 Culmhäuser.

Untertriebel mag noch später entstanden sein, wie Bösenbrunn und ein grosser Theil des Grundes und Bodens dahin gehört haben. Der erste Anbau im 13. oder 14. Jahrhundert soll ein Eisenhammer gewesen sein, welcher auf Bösenbrunner Grund und Boden stand.

Die dasige Kirche liegt auf einem ziemlich hohen mit Birken und Kirschenbäumen angepflanzten Berge. Von Innen ist sie geräumig, hell und einfach ausgeschmückt.

Eingepfarrt ist hieher Obertriebel, Süssenbach und Neubrambach.

Unter den hiesigen Schullehrern ist vorzüglich nennenswerth Johann Traugott Gemeinhardt, welcher 46 Jahre als Cantor und Schulmeister hier fungirte und während seiner Amtszeit ein Institut von 30 Zöglingen errichtet hatte, davon jährlich mehrere auf höhere Bildungsanstalten abgiengen.

Untertriebel, wie Bösenbrunn stehen unter der Inspection Oelsniz.

Das obenerwähnte Huthaus (zur grünen Tanne genannt) war dem früheren Amte Voigtsberg unterworfen sowie auch die Zechenhäuser, aus der Zeit herrühren, wo früher hier noch Bergbau auf Eisenstein getrieben wurde.

Im Jahr 1823 baute man nicht nur den bis zu 10 Ellen mächtigen Eisensteingang der grünen Tanne ab, sondern auch die junge, die kleine grüne Tanne, endlich die neue Hoffnung als ein Beilehn des Burghards zu Schönbrunn.

Bösenbrunn Dorf und Rittergut mit seinen frühern Gerichtsuntergebnen gehört jetzt zum Gerichtsamte Oelsniz, dem Bezirksgerichte Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirk Zwickau und hat nach der letzten Volkszählung 88 bewohnte Gebäude, 122 Familienhaushaltungen und 526 Einwohner.

M. G.     




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