Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H26

Heft 25 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.), Moritz Grimmel.
Heft 26 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 27 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Ober-Putzkau
  2. Mittel-Burkau
  3. Ober-Burkau
  4. Frankenthal


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Ober-Putzkau


Dieser uralte Ort, welcher schon in einer Grenzurkunde von 1213 genannt wird, ist 2. Stunden nördlich von Neustadt bei Stolpen an der Wesenitz gelegen.

Putzkau bedeutet so viel, als Burkhardtsdorf und der Ort muss früher auch bedeutender gewesen sein, als jetzt. Der Ort selbst wird in Ober- und Nieder-Putzkau eingetheilt. Das Rittergut steht in Oberdorf und daher Ober-Putzkau.

Die Herren von Haugwitz haben lange dieses Gut besessen und zwar bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts, wo es an die Familie der Herrn von Schleinitz kam. Von 1713 bis 1723 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Georg Curt von Haxthausen, 1751 aber der Minister Brühl, von 1752 kam es an die Grafenfamilie von Schall-Riaucour, welche sich noch jetzt des Besitzes von Putzkau erfreut und gehört somit zu der Fidei-Commiss-Herrschaft dieser Familie, welche aus den Ortschaften Crostau, Rodewitz, mit Sonneberg, Eulowitz, Bederwitz, Gaussig, Medewitz, Diehmen, Golenz Drauschkowitz, Malschwitz, Guttau, Brösa, Gleina, Werthau, Töbigau, Naundorf, Zockau, Günthersdorf und Putzkau besteht.

Der jetzige Besitzer ist Herr Karl Graf von Schall-Riaucour und dessen hochverehrte Frau Gemahlin Amalie Gräfin von Seinshain, welche nie ermangelt haben, ihr Wohlwollen, ihre Mildthätigkeit gegen ihre Gerichtsuntergebenen an den Tag zu legen.

Der Stifter dieser Fidei-Commiss-Herrschaft war Andreas, Reichsgraf von Riaucour kurf. sächs. Conferenz-Minister und wirkl. Geheime Rath, auch Gesandter an Churf. Pfalz-Bairischen und Trierischen Höfen, Reichsritter und Ritter des Königl. poln. weisen Adlerordens (der kathol. Confession zugethan).

Er starb 1794 zu München, nachdem ihm seine Frau Gemahlin Henriette geb. Freifrau von Wreden (evangel. Confession) im Jahre 1793 in die Ewigkeit voraus gegangen war.

Der Wohnsitz von dieser Fidei-Commiss-Herrschaft ist in Gaussig, wiewohl auch die andern Orte von der Herrschaft mit dem Besuche des Herrn Besitzers beehrt werden.

Das Rittergut in Ober-Putzkau steht in des Ortes Mitte, der sich von da an als Ober- und Neu-Putzkau östlich von der Wesenitz hinauf bis Neukirch in der Lausitz, und nordwestwärts als Nieder-Putzkau hinab erstreckt, so dass er nun 1¼ Stunde lang ist, von Bischoffswerda liegt das Rittergut nur eine Stunde südöstlich entfernt und von der dasigen Kirche ¼ Stunde.

Das Rittergut hat schöne comfortable eingerichtete Gebäude, Wirthschafts- und Hofräume sind nutzbar angelegt und überhaupt sieht man dem Ganzen den Reichthum des Besitzers an.

Im Westen von Putzkau liegt der Rehwald nahe, in Südwesten steigt der Riedenberg an, so wie in Norden die Kuh-, Schatz- und Heinberge, in Süden des Oberdorfs verbreitet sich die Waldung des Valten oder vulgo Falkenbergs.

Vom Fürstenhause im Klinkerthal an gerechnet gehet man bis zum Gipfel des Berges binnen ¾ Stunden; in diesem Fürstenhause, oder früher in Bethelsdorf ist es nöthig, um diese Parthie zu durch wandeln, einen Führer mitzunehmen.

Der Weg führt durch einen Theil des Putzkauer Waldes.

Sobald man der höchsten Höhe des Berges näher kommt, wird der Weg auf ein Mal sehr steil, jedoch ist man bald an der Stelle, wo die Königlichen, die Putzkauer und Neukircher Waldungen, folglich auch die Meissnische und Lausitzer Gränze zusammenlaufen, welche genau durch Steine bezeichnet sind.

Die Aussicht, welche man von hier aus geniesst, ist eine der weitesten und reizendsten.

Sie reicht nicht nur bis über den Unger (bei Sebniz) sondern selbst über den Winterberg (oberhalb Schandau) hinaus und vom Riesengebirge bis zum Colmberge hin.

Ziehet man von jenem zu diesem eine gerade Linie und dann wieder von jenem eine Bogenlinie über Lowositz und Bilin zwischen Annaberg und Freiberg bis zu diesem hinab, so umschreibt man hiermit den Gesichtskreis dieser Aussicht, der in Entfernungen von 10 bis 12 Meilen [202] sich herum kreiset, und 250 Quadrat-Meilen in sich enthält, deren verschiedene Flächen und Berghöhen das Auge von hier aus erreichen kann.

Dies ist aber nicht die einzige schöne Aussicht, es giebt deren noch andere.

Wenn man hinter den Grenzzeichen hin und linker Hand den Fusssteig durch das Holz gegen Abend immer gerade fortgehet bis dahin, wo ein Baum in dem grossen Haufen von Granittrümmern steht und einige Bänke und ein Granittisch angebracht sind, so hat man eine eben so herrliche Aussicht vor sich.

Von den böhmischen Gebirgen, neben der sächsischen Schweiz an bis über das sächsische Gebirge über Dresden hinab, wo Altenberg und Frauenstein am Horizonte sich deutlich darstellen, von da bis in die Meissner Anhöhen, hinter welchen sich, neben Stolpen hin der Colmberg bei Oschatz an heiteren Tagen sehen lässt.

Wieder über das mit seinem grossen Teiche und seinen Giebeln sichtbare Moritzburg und Radeberg hin, die Lausitzer- und die Königsbrücker Gebirge mit dem runden Eierberge: näher her über das nahe Bischoffswerda wieder über die Burkauer und Pulsnizer Gebirge gerade in Nord in die Hoyerswerdaer, Ruhlandes und Kamenzer Gegend. Fast der ganze Meissnische Kreis und ein grosser Theil des Erzgebirgischen und der Oberlausitz liegen hier also im Gesichtskreise.

Gehet man wieder zurück, von der oberen Spitze, an den Grenzzeichen vorbei auf die nördliche Seite, so breitet durch eine grosse Oeffnung des Waldes wieder eine reizende ebene Fläche der Hälfte der Oberlausitz von Camenz über Bautzen herauf und fast bis zur schlesischen Grenze hinauf sich aus.

Bautzen, das man hier ganz übersehen und in dessen Strassen und Fenster man blicken kann, ist mit unzähligen Dörfern, schönen Schlössern und Vorwerken überall umgeben.

Das ganz am Fusse des Falkenberges liegende, fast eine Meile lange, volkreiche Dorf Neukirch mit seinen lieblichen Umgebungen, giebt dieser Aussicht einen schönen, gleichsam lebendigen Vordergrund. Die Tradition erzählt von der Geschichte dieses Berges, dass zwei Brüder, Valentin und Rupprecht, 2 Ritter, sich in alten Zeiten in den Besitz des Ritterguts Neukirch so getheilt hätten, dass Valentin die südliche, Rupprecht aber die nördliche Seite erhalten, jener auf diesem Berge sich eine Burg erbauet und sie die Valentinsburg genannt habe, woraus Valkeburg und endlich Falkenberg entstanden sei; dieser aber auf dem entgegengesetzten Berge eine Burg erbaut, und sie die Ruprechtsburg genannt, welcher Berg auch immer noch der Rupprechtsberg genannt wird und auch noch einige Ruinen aufzuweisen hat.

Ihre Nachfolger sollen in Unfrieden gerathen und in der darüber entstandenen Fehde die Zerstörung der Valkenburg herbei geführt worden sein.

Auf der nördlichen Seite dieses Bergs findet man noch Spuren alten Gemäuers und alter Keller.

Das Hauptgestein des Gebirges ist Granit, doch enthält der Berg auch mehrere Basaltarten.

Am nördlichen Fusse wird dieser Berg an dem in die Wesenitz am obern Ende des Dorfs Putzkau fliessende grössern Rothflösschen, berührt das in der Grenzurkunde von 1313 selbst nebst Putzkau vorkommt.

Das Rittergut besitzt auch 1 Hufe von der Bischoffswerdaer Wüstung, Hungerau als Ersatz für die Bennoteichstätte und ausserdem ungemein grosse Waldungen, auch Zinsen hatte es von den eingegangenen Dörfern Auerwiz und Wheriz bei Putzkau.

Ober-Putzkau war im 15. Jahrhundert ein Mal getheilt, so dass 4 Bauern, 3 Mühlen u. s. w. zu einem besonderen mit Wilthau combinirten Gute gehörten.

Das Forsthaus steht südlich vom Dorfe im Klinkerthale, am Putzkauer Walde.

Die Hübelschenke ist südlich von Oberdorf, am Neukirch-Neustädter Wege. Die Kirche ist mehrmals in neueren Zeiten reparirt, den Kirchthurm baute man im Jahre 1710.

Pfarr - und Schulwohnung ist ebenfalls bequem und wohnlich eingerichtet.

Mit Einschluss dieser Gebäude zählt man hier 350 Wohnungen, in welchen über 1300 Seelen leben, die dem Gerichtsamte Bischofswerda zugewiesen sind.

M. G.

[203]
Mittel-Burkau


Dieses Mittel-Burkau, welches sehr häufig mit Klein-Burkau verwechselt wird, war eigentlich das Hauptgut von den übrigen Gütern in Burkau.

Dazu gehörte im Oberdorfe ein bedeutendes Areal und hatte schon in früher Zeit eine wohleingerichtete Wirthschaft.

Die Ritter von Kuntzsch waren damit beliehen und es blühte dieses Geschlecht bis ins 16. Jahrhundert hier in diesem Orte.

Erst im Jahre 1517 Sonnabend nach Martini verkaufte Christoph von Kuntzsch seine Besitzung zu Mittel-Burkau der Aebtissin des Klosters Marienstern für 2000 Mark böhm. Groschen und seit diesem Tage gehört Mittel-Burkau zu denjenigen Gütern, die Marienstern bis heutigen Tages besesen hat.

Einen bedeutenden Theil der klösterlichen Besitzungen macht der sogenannte Eigensche Kreis aus. Aber ausser denen „auf dem Eigen“ besitzt Marienstern folgende Orte:

Nebelschützen, Tesau, Wendischbassliz, Dürrwickniz, Schmeckniz, Hasslein, Koseriz, Parostensa, Krostitz, Schweinerden, Kukau, Panschwitz, Kriepitz, Jaube, Konnewiz, Kaschwitz, Wittigenau, Türkenhausen, Neudorf, Dubring, Horke, Ketten, Zollsdorf, Saalau, Glaubitz, Idlitz, Keule, Libon, Loske, Lautwitz, Ostro, Prieschwiz, Prausdorf, Prowotiz, Seauriz, Schiedel, Schönbach, Tschaschwiz, Tschischkowiz, Rosenthal, Ralbiz, Nausliz, Niesendorf, Wedro, Hausdorf, Neustädtel, Bernbruch, Weisnausliz, Spittel, Spittwiz und Mittelburkau.

Ueber die Kirchen in diesen Orten hat das Kloster, wie über die evangelisch-protestantischen Ortschaften des Eigenschen Kreises die Collatur, jedoch in Burkau nur abwechselnd mit der Herrschaft von Niederburkau.

Der Kauf von Mittelburkau ist von der damaligen Aebtissin Elisabeth von Schreibersdorf abgeschlossen worden und so wie alle die Orte, die Eigenthum des Klosters nach und nach geworden sind, sich vieler Vorzüge und Wohlthaten zu erfreuen hatten, so war es auch von jeher mit Mittel-Burkau der Fall.

Da wir einmal bei Gelegenheit über das Kloster Marienstern ein Wort zu sprechen haben, so wollen wir vorzüglich der Sage gedenken, welcher dieses Kloster seine Entstehung verdanken soll:

Der jüngste Sohn Bernhards II. von Camenz und dessen Gemahlin Manilia, Bernhardt, welcher, so erzählt man, von Jugend auf grosse Neigung zu ernster Beschäftigung und Lust zum geistlichen Stande hatte, sei einst bei einer Jagd durch Zufall vom grossen Haufen getrennt worden, habe sich verirrt und die Nacht sei hereingebrochen.

Plötzlich und zwar am Abhange des Kunigundenberges, sei nun diesem vorweg auf sumphigem Boden des moorreichen Wiesengrundes das Pferd unter ihm eingesunken, und er habe die ganze Nacht im Sumphe aushalten müssen.

Da nahm er in seiner grossen Noth seine Zuflucht zu inbrünstigem Gebet an die heilige Jungfrau Maria und gelobte, wo ihn Gott der Allmächtige [204] aus dieser Gefahr retten und fürs Leben erhalten wolle, an derselben Stelle, wo er eingesunken, eine fromme Stiftung zu gründen.

In diesem Augenblicke zerriss das schwarze Nachtgewölk und leuchtend mit hellen Strahlen stand vor seinen Augen der Morgenstern und heller erscheint der dunkle Pfad, der ihn dem drohenden Untergange nahe geführt. In demselben Augenblick fand nun der Fuss seines Pferdes einen Boden, die Gefahr ist überwunden und während er nun mit dem Gefühl des heissesten Dankes Gott, seinem Retter in grosser Todesnoth und die heilige Jungfrau anbetend preiset, erscheint ihm in der Gegend des Morgensterns zwischen den dahin eilenden Wolken das hohe Bild der hohen Himmelskönigin, mit verhülltem Haupt und weissem und schwarzem Gewande.

Dies war ihm ein Wink von oben, welcher das abgelegte Gelübde ihm vor die Seele zurückführt.

Und was er gelobt in der Stunde der Gefahr hat er treulich gehalten nach der Stunde der Erlösung.

Bald darauf begann auf der Stelle wo sein Pferd eingesunken, der Bau des Klosters und kein Wunder war es, dass er dasselbe für geistliche Jungfrauen desselben Ortens bestimmte, welchen er bereits mit seiner Mutter Manilia und seinen Brüdern Wittich und Burchard in seiner Geburtsstadt Camenz ein Kloster erbaut hatte.

Das zu erbauende Kloster nannte er Marienstern, weil in der Nähe des Morgensterns das Bild der heiligen Jungfrau ihm seine Rettung verkündigt hatte.

Weil aber dem nächtlichen Reiter zuerst der Morgenstern erschien, und beide Namen einander sehr ähnlich sind, erhielt nun auch wohl besonders durch den Mund des Volkes das Kloster den Namen Morgenstern einen Namen, welchen dasselbe neben jenem noch bis auf den heutigen Tag führt.

Manchem im Unglücke Verlassenen ist der Morgenstern als Engel der Rettung erschienen und so mag dieser Morgenstern fortleuchten als Tröster als Helfer der leidenden Menschheit.

Nun noch einen kurzen Rückblick auf Mittelburkau.

Die Wiesen und Felder des Guts sind schon seit einigen Jahren an einzelne Pächter gegeben, die zum Gute gehörigen Gebäude verkauft und besitzt diese Herr Hickel.

M. G.     
[205]
Ober-Burkau


Der Ort Burkau liegt 4 Stunden von Bautzen, aber nur 1 Stunde von Bischofswerda, 21/2 Stunde von Kamenz und zieht sich ungefähr 1 Stunde von Westen nach Osten hin, weshalb es auch 3 Rittergüter hat und in Ober-, Mittel- und Unter-Burkau eingetheilt ist.

Burkau hat seinen Namen wahrscheinlich daher, dass es die Aue an der Burg war. Es soll nämlich auf demjenigen der südlichen Berge, welche im Munde des Volks Gnass’s Kessel genannt wird, eine Burg gestanden haben, welche das Thal beherrschte. Auch findet man dort wirklich noch Spuren von Gemäuer.

In Communalangelegenheiten macht dieser grosse Ort mit seinen 3 Collatoren blos eine Gemeinde aus und hat daher nur einen Gemeinderath.

Die von Stauchnizsche Familie war lange Zeit im Besitze des Gutes. Unter den nachherigen Besitzern von Ober-Burkau ist vorzüglich Carl Friedrich Wilhelm Freiherr von Braun und Wartenberg zu erwähnen. Derselbe hat nämlich im Jahre 1754 ein auf den Rittergütern Ober- und Nieder-Burkau als eiserner Stamm haftendes, zu 2 und resp. 5 Proc. zu verzinsendes Kapital von 300 Thlr. dergestalt legirt, dass ein Theil der jährlichen Zinsen bei einen zu Ehren seiner im Jahre 1753 verstorbenen Gattin jedesmal am Feste der Reinigung Mariä als an ihrem Geburtstage abzuhaltenden Trauergottesdienst, der andere zu Unterstützung der hiesigen, allerdings sehr armen Kirchkasse, und der dritte zu Vertheilung an 9 arme alte Weiber verwendet wird.

Später kam das Gut an Carl August Brückner und Consorten zu Pulsnitz[WS 1]. Und dann an Carl August Menzner. Nach dessen Tode es von seinen Erben übernommen wurde.

Der derzeitige Besitzer ist Herr Kielau.

Das Rittergut Ober-Burkau ist von mittlerer Grösse, hat aber schöne Gebäude und wohleingerichtete Wirthschaftsräume, die Fluren sind nicht unfruchtbar, obschon sie nicht der besten Bodenclasse angehören.

Zum Rittergute gehört auch eine starke Brauerei und Branntweinbrennerei, auch eine Ziegelei ist eingerichtet.

Zu den grössern Besitzungen in Burkau gehört aber das Lehngericht, welches ebenfalls die Menznersche Familie mit dem Gute besass und jetzt noch besitzt.

Ziemlich in der Mitte des Dorfes, doch etwas weiter nach oben steht auf dem Kirchhofe die Kirche, deren Inneres geräumig und hell ist.

Das Collaturrecht über diese Kirche so wie über die Schule steht wechselweise dem Kloster Marienstern und dem Besitzer des Rittergutes Nieder-Burkau zu.

Die südlich an der Kirche ganz in der Nähe derselben befindliche und an dem Eingange in den Kirchhof nur durch die Dorfstrasse getrennte [206] Pfarrwohnung, ist zwar schon im Jahre 1687 erbaut, hat aber seitdem manche Veränderungen erlitten, namentlich im Jahre 1824 durch einen neuen Anbau.

Die im Jahre 1823 erbauten Wirthschaftsgebäude sind massiv und geräumig. Unmittelbar an den bei der Pfarrwohnung befindlichen Garten stossen nach Süden sich hinziehend, die zum Pfarrlehn gehörenden Fluren, deren pflugbares Land früher von einem Pfarrbauer bestellt werden musste.

Seit dem Jahre 1837 sind diese Dienste abgelöst und in eine Geldrente verwandelt.

Sehr schön präsentirt sich das ebenfalls der Kirche ganz nahe gelegene und in Westen derselben mit seinen Nebengebäuden an die Kirchhofmauer anstossende Schulgebäude.

Es ist erst im Jahre 1823 massiv gebaut und enthält ausser den Wohnungen für 2 Lehrer 2 grosse Schulstuben, deren jede durch 9 hohe Fenster ihr Licht empfängt.

Links an der Kirche steht ein zum Rittergute Ober-Burkau gehörender Schuppen, der mit einer Pforte zusammenhängt, von wo herab Stufen auf den Fussweg leiten, welcher nach der Dorfstrasse hinüberführt.

Burkau stand, wie oben schon erwähnt worden, vor Einführung der neuen Gerichtsorganisation unter 3 Gerichtsbarkeiten, unter der des Rittergutes Ober-Burkau, der des Rittergutes Nieder-Burkau und der des Klosters Marienstern oder Mittel-Burkau.

Doch waren die unter diese 3 Herrschaften gehörigen Besitzungen, nicht der Localität nach von einander geschieden, sie lagen vielmehr unter- und durcheinander.

Das Kloster Marienstern zählte die meisten zugehörigen 21 Bauern 10 Gärtner, 124 Häusler. Weniger das Rittergut Nieder-Burkau 4 Bauern 15 Gärtner, 36 Häusler. Das Rittergut Ober-Burkau 13 Bauern 9 Gärtner, 44 Häusler.

Ausser diesen Rittergütern giebt es in Burkau noch eins, Klein-Burkau genannt, dessen, auf der nördlichen Seite Burkaus in das Feld hinausgesetzte, Gebäude in der Mitte zwischen Ober- und Nieder-Burkau gelegen sind.

Es hat gar keine Gerichtsuntergebene mehr gehabt und ist seit dem Tode Herrn Leskes parcellirt worden.

Im Ganzen besteht das Dorf also aus 3 Rittergütern, 1 Lehngericht, Pfarre und Schule, 28 Bauergütern, 31 Gartenwohnungen und 204 Häuslerwohnungen.

Die Einwohnerzahl beträgt an 1600 Seelen, welche zusammen jetzt dem Gerichtsamte Bischofswerda zugewiesen sind.

Die Beschäftigung der Bewohner ist zum grössten Theil Leinwandweberei, sie stehen deshalb mit den benachbarten Dorfschaften, namentlich aber mit Budissin in einem bedeutenden Verkehr.

M. G.     
[207]
Frankenthal.


1 Stunde von Bischofswerda, 2 Stunden von Pulsniz, 3 Stunden von Radeberg und 2 Stunden von Stolpen entfernt. In diesem Orte befindet sich ein Rittergut, 1 Kirche, 1 Pfarre, 1 Schule, 1 Erbgericht, 3 Erbmühlen, 39 Ganz- und Halbbauern, 10 Gross- und 11 Kleingärtner, 84 Häusler, 39 Freihäusler mit 1070 Einwohnern.

Das Rittergut, welches die Collatur über hiesige Kirche und Schule hat und dem die Gerichtsbarkeit über den Ort bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation davon zustand, ist schön gelegen und blickt, weil es auf einer Anhöhe liegt, weit von Morgen und Mittag in das Land hinaus: Daran stösst ein prächtiger Lustgarten und eine grosse Linden-Allee.

Das Rittergut ist erst in späterer Zeit entstanden, wie dies der Name besagt. Die ersten Besitzer, die uns bekannt geworden sind, waren die Herren von Ponikau.

Wolf von Ponikau starb hier 1612, dem sein Sohn Wolf von Ponikau folgte, dessen Gemahlin Barbara von Schellendorf aus dem Hause Königsbrück war.

Dann kam das Gut an den General Dietrich von Taube, von welchem es Clauss, Freiherr von Taube, Commandant von Dresden übernahm. Dann folgten Reinhardt von Taube, Oberstallmeister und dann der Churfürstl. Canzler und Kammerherr Reinhardt Dietrich Freiherr von Taube und Ernst Dietrich Graf von Taube, welcher 1699 starb.

Ihn beerbte Otto Reinhold Freiherr von Taube, Churfürstl. Rittmeister, welcher am 4. März 1793 mit Tode abging und in der Familiengruft hiesiger Kirche beigesetzt wurde.

Dann wurde der Churfürstl. Oberst Freiherr von Taube, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Frankenthal, welcher mit Eva Maria geb. Freiin von Mäusebach vermählt war. Der letzte Taube war Ernst Dietrich, dem der Rittmeister Heinrich von Bünau im Besitze folgte.

Nach dessen Tode im Jahre 1792 kaufte ein Pirnaischer Schiffsherr Johann Christoph Willkommen das Gut und nach dessen im Jahre 1753 erfolgten Ableben übernahm der Kaufmann Andreas Gläser zu Pirna diese Besitzung. Von ihm erbte dessen Schwester Frau Christiane Friederike verehl. Adv. Hering in Bautzen das Gut und nach deren Tode 1744 die Ehefrau des Bürgermeisters Clauswitzs zu Bautzen, Caroline geb. Gläser. Ihr Gemahl starb 1793 zu Bautzen und wurde in die hiesige herrschaftliche Gruft gebracht.

Die Wittwe verkaufte 1798 das hiesige Rittergut an Herrn Johann Gottfried von Hartmann. Sie behielt sich blos einen Theil der herrschaftlichen Wohnung und des Gartens auf Lebenszeit vor.

Sie starb zu Bautzen am 19. October 1802. Im Jahre 1800 den 8. Mai verlor Herr von Hartmann durch einen frühen Tod seine Frau Gemahlin, Eve Rosine geb. Frömmel.

[208] Im Jahre 1803 den 7. März vermählte sich derselbe anderweit mit Frau Johanne Amalie Friederike Sernau geb. Meister, weil. Gotthelf Lebrecht Sernau, Regiments-Quartiermeisters beim Regiment Husaren, hinterlassenen Wittwe. Derselbe überliess das Rittergut käuflich seinem Sohne, Herrn Gustav Adolph von Hartmann, welcher sich am 29. September 1840 mit Fräulein Laura Händel, Herrn Johann Gottlob Händels, Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Langhennersdorf und Boden älterer Tochter ehelich verband.

Frankenthal vereint mit Goldbach und auf der anderen Seite mit Gross-Röhrsdorf. Berühmt ist dieser Ort durch die grosse Bandwirkerei und Leinwandweberei, doch wird der Landbau dabei nicht vernachlässigt. Vorzüglich wird viel Flachs gebaut, welcher im Winter von Kindern und Gesinde gesponnen wird.

Die Schicksale des Orts anlangend, so sind viele Drangsale hier zu überstehen gewesen.

Verhängnissvoll waren für Frankenthal die Jahre 1633 bis 1636, wo die Pest über 500 Bewohner wegraffte. Im Jahre 1758 kam die grosse preussische Armee auf hiesige Fluren längere Zeit zu stehen.

Der rechte Flügel zog sich von Oberbreting bis nach Goldbach, der linke Flügel von Goldbach bis nach Bischofswerda.

Die grosse österreichische Armee stand bei Drebniz, Lauterbach und Schmiedefeld. Obschon ein Blutbad selbst hier nicht stattfand, so wurden dennoch die armen Einwohner schrecklich ruinirt.

Das für Sachsen verhängnissvolle Kriegsjahr 1813 war für die hiesige Parochie besonders wegen der Nähe der Heerstrasse sehr unheilbringend.

Die Noth, welche zur Zeit des Bischofswerdaer und Schmiedefelder Brandes den höchsten Grad erreichte und Misshandlungen an denen verübt, welchen nichts mehr abzupressen war, nöthigten zur Flucht. Frankenthal war fast des gänzlichen Viehes beraubt, nur Weniges fand auf dem bei Rammenau gelegenen Hochsteine ein rettendes Asyl.

Keine Kuh war im Stalle, keine Garbe in der Scheune zu finden. Viele Häuser, besonders in der Niedergemeinde wurden geplündert und viele behielten an Kleidungsstücken nur diejenigen, welche eben den Leib bedeckten.

Die hiesige Kirche, in welche blos derjenige Theil vom Dorfe Bretniz eingepfarrt ist, der ausserhalb des der Länge nach durch das Dorf gezogenen Zauns und zwar auf der Frankenthaler Seite desselben liegt, war ursprünglich eine kleine Kapelle und ist erst im Jahre 1607 durch Wolf von Ponikau vergrössert worden.

Die Kirchengemeinde erfreut sich eines Legats von 6000 Thlr. vom Vice-Canzler Clauswitz zu Bautzen, dessen Zinsen nach dem Ermessen des Pfarrers allsonntäglich und am 8. März als am Stiftungstag unter hiesige Ortsarmen vertheilt werden.

Ferner eines Legats von Gottlieb Beyer, Häusler allhier – eben so eines von 10 Thlr. von Johann Gottlob Thalheim, Gutsbesitzers allhier und eines von 10 Thlr. von dessen Ehefrau Anna Dorothea Thalheim, dessen Zinsen wie der 3 zuletzt genannten Legaten alljährlich zur Anschaffung von Schulbüchern verwendet werden, um am Oster-Examen, arme aber fleissige und gesittete Schulkinder nach dem Ermessen des Pfarrers damit zu beschenken.

Nach Mittag zu in der Kirche, wo keine Emporkirche ist, befindet sich die herrschaftliche Loge nebst Sacristei, welche von Heinrich von Bünau im Jahre 1729 auf eigne Kosten erbaut worden ist.

Die Kirche besitzt silberne und stark vergoldete Sacra vasa und ausserdem eine Altarbekleidung von grauem Plüsch welche von Frau Johanna Amalia Friederike Hartmann am Tauftage ihres erstgebornen Sohnes, der Kirche zum Geschenk gemacht wurde.

Der Kirchhof, welcher durch eine gute Mauer und hohe Linden umschlossen ist, hat viel an Schönheit erst in der neuern Zeit gewonnen, indem die Gräber mit Blumen und Rosensträuchern bepflanzt und mit Epithaphien geschmückt sind. Die hiesige Schule wird von 230 Kindern besucht.

M. G.


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Ober - Putzkau
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Mittel - Burkau
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Ober - Burkau
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Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III b 308.jpg

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Puslnitz
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