Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section/H29

Heft 28 des Meissner Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.).
Heft 29 der Section Meissner Kreis
Heft 30 des Meissner Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Zöschau
  2. Naundorf bei Oschatz
  3. Promnitz
  4. Eckersdorf


Zöschau


auch Zeschau, in Urkunden Gerischo und Gzoisho mit Rechau, als Vorwerke ¾ Stunde südlich von der Stadt Oschatz entfernt, an der Strasse von Oschatz nach Lommatzsch, zwischen Lannewiz, Nassenberg, Kreina und Kreischa, in fruchtbarer obstreicher Gegend gelegen.

Diejenigen irren, welche den Namen des Orts von der wendischen Göttin Ciza herleiten wollen: Viel gewisser ist es, dass einer im 10. Jahrhundert seinen früheren Namen ablegte und dafür den Namen des Guts Zöschau annahm.

Blosse Vermuthung ist es, wenn Einige als beliehenen Besitzer im 10. Jahrhundert den Grafen von Esico nennen und ausserdem noch im Jahre 1004 der Bischoff von Meissen, Aegidius als solchen erwähnen, der Zöschau innen hatte.

So viel steht fest im Jahre 1501 wurde der Herzog Georg Wolf von Schleinitz mit dem Gute beliehen, von welchem es sein Sohn 1523 erbte, welcher Georg von Schleinitz hiess. Dieser verkaufte später die beiden Vorwerke, nebst Zöschau an Dietrich von Schleinitz. – Im Jahre 1637 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Wolf von Schleinitz, und im Jahre 1660 ein Hanns von Schleinitz, dann hatte es bis zum Jahre 1688 Hanns Georg von Schleinitz innen. Von diesem kam das Gut an Adam Heinrich Pflug, welcher dasselbe noch 1718 besass. Ueberhaupt blieb die Besitzung in den Händen dieser Familie bis 1789, wo Johann Gottfried Baron von Lorenz das Gut erkaufte.

Im Jahre 1779 ging es auf den Amtshauptmann August Heinrich von Boblick über, der sich mit der Tochter des vorigen Besitzers Josephe Mariä von Lorenz verehlichte. Später kam es in die Hände des Königl. Sächs. Geheimerath Consistorial-Präsidenten, Comthur des Königl. Sächs. Civilverdienstordens D. von Weber. Der jetzt damit beliehene Besitzer ist Herr Albert Theodor von Weber.

Das Rittergut wurde mit 2 Ritterpferden verdient, hat innerhalb der Hofrhede ein schönes massives Herrenhaus von 2 Stockwerken, das Erdgeschoss mit eingerechnet, nebst denen zur Oeconomie erforderlichen Gebäuden und Scheuern, ausserhalb der Hofrhede einen Lust- und Gemüsegarten, einen zweiten, wenig davon entfernt gelegenen Garten, das Pfarrbauergut im Dorfe und das schon genannte Vorwerk in Rechau.

Das Gut hat einen bedeutenden Viehbestand und besitzt an Flächenraum

420 Scheffel Acker-, 70 Scheffel Wiesen-, 15½ Scheffel Holzungs- und 46½ Scheffel Teichland.

Die Teiche sind gross und deren Karpfen und Hechte wenigstens in der Umgegend sehr geschätzt.

Zum Gute gehörten bis hierher auch die Ortschaften: Zöscha, Rechau, Kleingerzig und 60 Schocke von Salbitz, dann Pulsitz, Weichteritz und Rochzahn. Ueber die beiden letzten Orte hatte Zöschau nur die Erbgerichte, von Genzig gehörte ein Theil von 14 Häusern mit 60 Einwohnern zum Gute; von Wetzig 1½ Hufe.

Mit dem Rittergute ist von jeher ein Bauergut, das ehemals ein gewisser Ulitzsch besass, verbunden gewesen. Das Pfarrbauergut war vormals die Pfarrwohnung, wurde aber mit dem dazugehörigen Feldgute, die Pfarrhufe genannt, im Jahre 1507 an einen Bauer, Caspar Lehmann, erblich verkauft. Der auf der südwestlichen Seite des Orts liegende Teich ist der grösste im ganzen Amte Oschatz.

Das Dorf Zöschau selbst enthält, ausser dem Rittergute, die Pfarre und Schulgebäude und noch 7 Wohnhäuser, darunter 1 Gasthof und 1 Schmiede. Nur einige 100 Schritt davon entfernt liegt das Dorf Rechau, was zu dem Rittergute gehört, mit 10 Feuerstätten, wobei 1 Wasser- und 1 Windmühle sich befindet.

Die Einwohner dieses Orts erwerben sich, mit wenig Ausnahmen ihren Unterhalt als Tagearbeiter auf dem Rittergute. Vorzüglich hat der Amtshauptmann von Boblik auf Verdienst seiner Unterthanen gesehen. Durch dessen rastlose Bemühungen wurde die Oeconomie des Guts sehr emporgebracht; die hier stehenden schönen italienischen Pappelalleen sind seine Pflanzung, die Einwohner von Zöschau bestehen aus einem Pferdner, 3 Viertel Hufegutsbesitzern und 4 Häuslern.

Der Besitzer des Gutes ist zugleich Collator über Kirche und Schule.

Von der Kirche geht die Sage, dass sie ursprünglich eine Kapelle des Bischoffs von Meissen gewesen sei und zu dessen Sommerresidenz Mügeln gehört habe.

Im Jahre 1437 wurde diese Kirche im Innern ganz erneuert, mit mehrern Pastoren versehen und mit einem neuen Orgelwerke von der Gerichtsherrschaft beschenkt. Die Kirche selbst gewährt jetzt einen recht freundlichen Anblick. Eingepfarrt sind Kreina und Rechau.

Kreina gehört zum Rittergute Hof, brannte im Jahre 1830 ganz ab und ist seitdem weit schöner wieder aufgebaut. Es enthält mehrere sehr bedeutende Güter und im Ganzen 12 Feuerstätte.

Die Einwohnerzahl der gesammten Parochie mit Kindern und Dienstboten beläuft sich ungefähr auf 300 Seelen.

Zöschau mit Kreina war im Jahre 1637 bis auf einen Menschen ausgestorben.

Erst im Jahre 1653 hatten sich wieder gegen 30 Einwohner von Neuem versammelt.

Seit dem Jahre 1837 ist in Zöschau ein ganz neues, stattliches Schulhaus errichtet, in welchem ungefähr 40 Kinder unterrichtet werden.

Der Gasthof im Orte heisst das Gasthaus „Zum weissen Ross“.

Zöschau mit Rechau gehört jetzt zum Gerichtsamte Oschatz.

(M. G.)     



Naundorf bei Oschatz.


Wenn man nicht annehmen will, dass dieser alte Ort, welcher eine Stunde südlich von Oschatz entfernt liegt, schon von den Sorben-Wenden erbaut worden ist, so steht so viel fest, dass solche sofort nach Vertreibung der Heiden und nach Einführung der christlichen Religion entstanden ist, und mag anfänglich dem Kloster vor Döbeln mit deren Erbgerichten im Dorfe und Felde, jedoch „ohne Mittel“ und wahrscheinlich noch zum Theil, gehörig gewesen sein, wobei die Collatur über die Kirche dem Kloster zu Sornzig zustand.

Das Rittergut finden wir aber sehr bald und sehr frühe in den Händen der Familie von Truchsess, welche auch mit Bornzig schon im 12. und 13. Jahrhundert beliehen war.

Elias von Truchsess lebte hier 1520. Mit Christoph von Truchses verglich sich im Jahre 1521 der Rath zu Oschatz über Abzugsfreiheit.

Im Jahre 1535 besass das Gut Heinrich von Truchsess, gegen das Jahr 1586 Hans von Truchsess und nach ihm Dietrich von Truchsess, welcher auch Wellerswalde besass.

Im Jahre 1608 folgte Georg von Truchsess und dann kamen 1614 Elias und Georg von Truchsess.

Im Jahre 1630 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Hans Rudolph von Truchsess, dem Christian von Truchsess bis 1642 succedirte.

In den Drangsalen des 30jährigen Krieges verarmte dieses berühmte Geschlecht und war gezwungen, Naundorf zu verkaufen.

Jetzt ging es auf den Rittmeister Johann von Schrodt[VL 1] über, dessen Erben es noch 1691 besassen, die es aber um diese Zeit an Johann Daniel von Coseritz, Stiftsrath zu Wurzen, der ein Schwiegersohn des von Schrodt war, verkaufte.

Um das Jahr 1731 wurde das Gut ein Eigenthum des Hofrath Hohmann Freiherrn von Hohenthal, von welchem es an Friederike Sophie verw. Rittmeisterin von Metzsch, geb. Schubert und später wieder vermählte Kammer Assistens-Räthin von Ernest kam.

Die Tochter derselben 2. Ehe vermählte sich mit dem Oberst-Lieutenannt Carl Gottlob Edler von der Planitz, deren Sohn Carl Ferdinand Leopold Edler von der Planitz, Grossherzog. Weimar. Kammerherr bis zu seinem Todte das Gut zugleich mit Tennschütz[VL 2] besass.

Der derzeitige Besitzer ist Herr Bernhardt Edler von der Planitz.

Das Erb-Allodial-Rittergut Naundorf wurde mit einem Ritterpferd verdient.

Es hat an Flächenraum 41/5 Acker Gärten, 329 Acker Feld, 30 Acker Wiesen, 60 Acker Holz, 2½ Acker Torfgrubenboden und besitzt ein herrschaftliches Bauergut von 58 Acker Landes.

Es gehören auch zu demselben 3 Halbhufengüter zu Niedergoseln und 7 Häusser zu Zeicha.

Die Gebäude des Ritterguts sind grösstentheils neu und massiv gebaut; unter ihnen zeichnet sich das Herrenhaus durch Grösse und alterthümliche Bauart vor vielen hiesiger Gegend aus.

Die mitternächtliche Seite desselben umgiebt ein durch Anlage verschönerter ziemlich grosser Garten, von welchem früher eine, gegen ¼ Stunde lange Linden-Alle nach Zöschau zuführte, die später durch Ausgrabung von Torf unterbrochen worden ist.

Das Dorf Naundorf, welches in einer freundlichen und fruchtbaren Ebne liegt, gehört zu den grösseren und schöneren hiesiger Gegend.

Der Ort zählt 57 Feuerstätte excl. der geistlichen Gebäude und des Ritterguts mit 400 Einwohnern, welche in 5 Pferdner, 11½ Hufe, 1⅓ Hufen, 1¼ Hufen, 71/6 Hufengütern, 1 Gasthof, 1 Schmiede, 1 Windmühle und 24 Häussern bestehen.

Die Erbgerichtsbarkeit über dieselben, stand bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation dem hiesigen Rittergute zu, welches blos über den Gasthof und seine eignen Fluren auch die Obergerichte hatte.

Diese gehörten im Dorfe früher zum Theil unter das Kreisamt Meisen und das Amt Oschatz. Jetzt ist Naundorf ganz dem Gerichtsamte Oschatz zugetheilt.

Der Erwerb der Einwohner wird durch den beträchtlichen Feldbau und durch die Torfgräbereien erhöht, welche einen nicht unbedeutenden Theil des Brennmaterials für den Ort und die Umgegend liefern.

Die Kirche des Dorfes, in den Zeiten des Pabstthums der heil. Catharina geweiht, gehört gewiss zu den ältesten der Gegend. Beim Anfange der Reformation hatte sie, ihrer geringen Einkünfte wegen, keinen eignen Geistlichen, wahrscheinlich besorgte den Gottesdienst in derselben wie zu Merkwitz, Wellerswalde und in mehreren Kirchen in der Nähe von Oschatz, einer der zahlreichen Altaristen von St. Aegidius in dieser Stadt.

Auch nach den Zeiten der Kirchenvereinigung konnten die Visitatoren keinen Pfarrer nach Naundorf setzen , sondern sahen sich genöthigt, die Parochie mit Zöschau zu verbinden, in welchem Verhältniss sie blieb, bis 1555 der Pfarrer zu Jahna unter Begünstigung des Bischofs Johann von Haugwiz, sein zeitheriges Filial Hohenwussen abgab. Dadurch wurden die Visitatoren bewogen, Naundorf und Hohenwussen zu vereinigen und mit einem besondern Pfarrer zu versehen.

Kurze Zeit nach dieser Vereinigung im Jahre 1579, wurde nun auch die vielleicht zu kleine Kirche eingerissen und an ihre Stelle eine neue gebaut.

Aber 1714 wurde noch ein Mal eine Reparatur vorgenommen.

Die 3 eingepfarrten Gerichtsherrschaften zu Casabra, Naundorff und Leuben bauten sich ihre Emporkirchen in die Mauer nach Mitternacht, so dass sie von Altarplatze bis zum Chore die ganze Seite der Kirche einnehmen. Durch Anbringung mehrerer Fenster erhielt die Kirche ein schönes Licht und ist hell und geräumig.

Unter den Pastoren ist vorzüglich M. Friedrich Heinrich Starke berühmt als Schriftsteller, vorzüglich schrieb er mehrere Abhandlungen über das Kirchenrecht.

Die Schicksale des Orts anlangend, so hat Naundorf im 30jährigen Kriege vorzüglich viel gelitten und im 19. Jahrhundert ist es von vielen Feuersbrünsten heimgesucht worden. Der letzte Brand war im Jahre 1838, wo der Gasthof und mehrere Häuser ein Raub der Flammen wurde.

Möge der Himmel seine schützende Hand über Naundorf bewahren und solches vor neuen Unglücksfällen bewahren.

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Promnitz


auf dem rechten Ufer der Elbe, Riesa gegenüber, 3 Stunden westlich von Grossenhain liegt der alte merkwürdige Ort.

Schon im 13. Jahrhundert kommt das Geschlecht vor, welches sich nach diesem Gut nannte. Ein Herrmann von Promnitz lebte 1275 in Meissen. Aus diesem Geschlechte sind bekanntlich die Dynasten von Sorau hervorgegangen.

Rittergut und Dorf liegen ganz nahe an der Elbe, weshalb die Elbüberschwemmungen dem Ort von jeher gefährlich wurden. Erst durch den Bau der Eisenbahn ist ein höherer Damm errichtet worden, wodurch die grössere Gefahr abgewendet ist.

Sonst war Promnitz bei bedeutenden Ueberschwemmungen ganz von Wasser umringt und durch Eismassen bisweilen wochenlang von jeder Verbindung abgeschnitten.

Die meisten Einwohner nähren sich von Schiffahrt, zwei Hausbesitzer haben das Recht einer Kahnfuhre und von Handwerkern ist ein Schneider, ein Fleischer und ein Maurer vorhanden.

Das alte schriftsässige Rittergut, welches 87 Schock hatte, besitzt, sehr fruchtbare Felder in geschlossener Flur, Wiesen, aber kein Holzland, die Schäferei ist in gutem Zustande, auch eine Branntweinbrennerei existirt hier.

Die Wirthschaftsgebäude sind wohlerhalten und recht zweckmässig eingerichtet.

Das herrschaftliche Wohnhaus besteht eigentlich aus zwei Gebäuden, welche erst später durch einen Zwischenraum mit einander verbunden worden sind, bildet aber ein sehr wohnliches räumliches Ganze und gewährt an der Elbseite einen vortheilhaften Anblick. Die Aussicht aus denselben und von der vor ihm befindlichen Gartenterrasse auf die hart vorüberfliessende Elbe, das gegenüberliegende Riesa und die neue Elbbrücke sind besonders im Sommer sehr anziehend und erheiternd.

Das Rittergut hatte die Ober- und Erbgerichte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation über das Dorf und über 5 Angesessene des Orts, und über Klein-Thiemig bei Grossenhein, zu ihm gehörten 9 Zehntengüter in Promnitz.

Das Armenhaus ist ein gemeinschaftliches Eigenthum des Ritterguts und der Gemeinde.

In den ältern Zeiten war das Rittergut viele Jahre hindurch zwischen zwei Besitzern getheilt und daher gab es auch sonst zwei besondere Wohngebäude und wohl auch 2 Wirthschaften.

Der eine unterhalbgelegene Theil hiess Gross- oder auch Nieder-Promnitz, der oberhalbgelegene Theil Klein- oder Ober-Promnitz.

Zuerst kommen uns als bekannte Besitzer die Herren von Kökeritz vor. Im Jahre 1517 hatte Gross-Promnitz Rudolph von Köckeritz; dann dessen Sohn gleiches Namens, dann folgte Gottlob von Köckeritz, letztrer kam in Besitz von Klein-Promnitz, welches früher einem Balthasar von Köckeritz gehört hatte.

Zwar wird auch zu Ober-Promnitz öfter eine Familie von Taupadel genannt z. B. ein Hans von Taupadel 1567, Balthasar Abraham von Taupadel 1618 und ein Herr Heinrich von Taupadel und zwar bald zu Ober-, bald zu Nieder-Promnitz, wo ihm mehre Kinder in der Zeit von 1620–1626 daselbst geboren wurden.

Aber schwerlich hat diese Familie Antheil am Besitze gehabt.

Unter den oben erwähnten Gottlob von Köckeritz wurden beide Rittergutstheile vereinigt und sind bis jetzt unter den Namen Promnitz ungetrennt geblieben.

Von Gottlob von Köckritz ging der Besitz des gesammten Rittergutes auf dessen Tochter Maria Magdalena von Lüttichau über, und von dieser auf ihren Schwiegersohn Friedrich Albrecht Wolfersdorf, sächs. Generalmajor, von diesem auf den Gemahl seiner Tochter, Wilhelmine Eleonore, dem Generalmajor Carl Gottlieb von Thielau, zugleich Besitzer von Lampertswalde, Sörnewitz und Leuben.

Nach dem Tode desselben 1755 besass es dessen Wittwe bis zu ihrem Todte 1784. Dann succedirte im Besitz ihr Sohn, der Major Rudolph Traugott von Thielau, zugleich Besitzer von Leuben bei Oschatz dann von 1618 an, dessen Sohn Curt Wilhelm von Thielau. Nach dessen Ableben im Jahre 1832 verkauften es die Erben an die Herrn Rittner auf Merzdorf, Starke auf Quanitz und Schönberg auf Koselitz. Jetzt besitzt es Herr Julius Maxmilian Starke allein.

Promnitz und das durch einen Elbdamm mit demselben verbundene ¼ Stunde entfernte Dörfchen Morig waren ehedem nach Riesa gepfarrt wurde aber bei der Kirchen-Visitation 1755 zur Parochie Röderau gewiesen.

Das Patronat der Kirche Röderau ist mit dem Rittergute Tiefenau verbunden.

Die Kirche selbst zu Röderau ist die Tochterkirche von Zeitheyn.

Die Hauptschule der ganzen Parochie ist in Zeitheyn, die Nebenschule in Röderau, wohin Promnitz 20 schulpflichtige Kinder schickt.

Für die hiesige Umgegend ist noch im Gedächtniss die glückliche und gewinnreiche Zeit, in welcher das so bekannte und oft beschriebene Lustlager, das Zeithainer Campement stattfand. Es dauerte vom 20. Mai bis 29. Juni 1730 und bot zugleich einen Beweis der grossen Prachtliebe des Churfürsten und Königs von Polen, Friedrich August II.

Auf dem Rittergute Tiefenau lagen die Kronprinzen von Polen und Preussen.

Dagegen ist das Kriegsjahr 1813 nicht so erfreulich für hiesige Gegend gewesen.

Am 29. September lagerte sich die Avantgarde des preussischen vom Blücherschen Corps zwischen Zeithain und Röderau und es wurde Zeithain nicht nur fouragirt, sondern dabei auch häufig geplündert.

Das obenerwähnte Dorf Morig aus 3 Gütern 5 Häusern bestehend ist ebenfalls den Elbüberschwemmungen sehr ausgesetzt, ist aber in neuerer Zeit ebenfalls durch Weichen und Dämme geschützt worden. Morig gehörte nicht zur Gerichtsbarkeit von Promnitz, sondern stets zu Riesa.

Promnitz gehört jetzt ebenfalls zum Gerichtsamte Riesa.

(M. G.)     



Eckersdorf


unweit des Zusammenflusses der rothen und weissen Weisseritz, 2 Stunden nördlich von Dippoldiswalde auf der Strasse nach Dresden gelegen.

Die rothe Weisseritz, welche sich zwischen den äusserst coupirten Höhen von Liebau, Somsdorf und Eckersdorf hindurch nach dem untern Ende von Cosmannsdorf drängt, trifft nahe von Eckersdorf in das Thal der wilden Weisseritz und nach einer kurzen Strecke, wo erstere mit letzterer fortfliesst, vereinigen sich Beide und deshalb die obige Bezeichnung der Lage des Ortes Eckersdorf.

Der schöne Bergkessel von Eckersdorf und Heilsberg gehört zu den lieblichsten Partien des Plauen’schen Grundes. Noch 4 enge, felsige, steil abfallende Seitenthäler verbinden sich demselben zur linken und erhöhen das Romantische, Schauerlich-Schöne der Gegend, welche nur zu wenig bekannt ist, um als Nebenbuhlerin der Partie von Tharandt aufzutreten.

Eckersdorf gehörte in der frühesten Zeit als Gut zur Herrschaft Rabenau, welche anfangs eigne Besitzer hatte, im Jahre 1300 aber an die Burggrafen von Dohna kam, indem Burggraf Otto sie durch seine Gemahlin Gertrud als Mitgift erhielt.

Bekanntlich verwirkte sein Nachkomme Burggraf Jeschke oder Jesky seine Güter und so fiel auch Rabenau 1402 an den Land- und Markgrafen Wilhelm, der es an das Amt Pirna wies.

So blieb es 99 Jahre lang, als ein böhmisches Lehen, ein Eigenthum oder Kammergut der Markgrafen und Kurfürsten, bis Herzog Georg es 1500 an Georg Siegismund von Miltitz verlieh.

Damals begriff die Herrschaft ausser dem Städtchen Eckersdorf, Ober-Naundorf, Börnichen, Wilmsdorf, Tossendorf, Oelsa, Haynichen und einen Weinberg bei Sörnewitz unter Dresden: Denn ein Weinberg gehörte zum Besitze eines grossen Gutes.

Die von Miltitz verkauften jedoch 1569 die Herrschaft an den Kurfürst August um die geringe Summe von 39,375 Thlr. August schlug nun die Herrschaft zum neu gebildeten Amte Dippoldiswalde, dismembrirte sie grösstentheils und wurde mit dem Vorwerke Eckersdorf, welches nun zu einem amtsässigen Gute erhoben worden war, ein Matthias Hopfenberger beliehen. Im 17. Jahrhundert kam das Gut an die Familie Krauss, aber im 18. Jahrhundert war das Geschlecht derer von Miltitz wieder damit beliehen.

Jetzt besitzt das Gut ein Herr Merbitz. Eckersdorf das Gut ist bloss nach 3 Magazinhufen und 9 Ruthen berechnet, hat aber schöne Wohngebäude und gute wohleingerichtete Wirthschaftsräume. Die herrschaftliche Wohnung besteht aus 2 Stocken und hat 17 Fenster Fronte.

Die Felder und Wiesen sind gut und üppig und die dazugehörige Waldung wohlbestanden.

Es hatte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation die Ober- und Erbgerichte und die Einwohner von Eckersdorf, deren Wohnungen auf Ritterguts Grund und Boden erbaut waren, gehörten unter die dasigen Gerichte.

Dagegen ist das Gut mit seinen Gerichtsuntergebenen von jeher nach Somsdorf eingepfarrt gewesen. An der 1736 gebauten Pfarrwohnung in Somsdorf liesst man einen ziemlich bescheidenen Wunsch: sie solle so lange stehen, als eine Schnecke die Erde umkreisen oder eine Ameise den Ocean austrinken könne.

Bemerkung verdient die durch Somsdorf seiner Länge nach ehemalige Butterstrasse, so benannt, weil man die meiste erzgebirgische Butter, die in Dresden consumirt wurde, auf derselben herbrachte. Die Strasse führte über Somsdorf, Höckendorf und die Bretmühle an der Weisseritz nach dem Pretzschendorfer Gasthof.

Durch die Eisenbahnverbindungen hat sich dieser Verkehr allerdings vermindert und die Gasthöfe zu Höckendorf und Somsdorf sind zwar immer noch frequent, aber der Erwerb derselben gegen früher doch sehr gesunken.

Uebrigens enthält der Ort Somsdorf mehre wohlgebaute Sommerwohnungen mit schönen Gärten für Dresdner Familien.

Der Ort zeichnet sich für den, welcher aus dem Gebirge kommt, durch seine enge und vollkommen niederländische Bauart auf eine recht hervorstechende Weise aus.

Sowohl das Vorgebirge, als die sanft ansteigende Höhe in Süd, welche den grossen Windberg noch übersteigt, zeigen herrliche Aussichten und den Weg nach Tharandt kann man keck einen der schönsten Spaziergänge Sachsens nennen.

Mit Somsdorf hängt Klein-Cossmannsdorf eng zusammen. Die Hinterseite der Dächer von den Häusern in Klein-Cossmannsdorf ruhen auf dem Berge, indem die Häuser an der Höhe des linken Ufer des Somsdorfer Dorfwasser liegen. An dieser Höhe hinaus, welche ein schmales 80 bis 100 Ellen hohes Vorgebirge bildet, liegen die Obstgärten und die wenigen Acker von Klein-Cossmannsdorf, welche letzterem blos durch Handarbeit nutzbar sind und auf welche man den Dünger in Körben schafft.

Die Höhe am rechten Ufer steigt fast eben so hoch in die Höhe und ist mit Schwarzholz bedeckt; an derselben giebt es viele Bergkeller, und gegenüber der Eingang eines Schachtes. In Somsdorf wurde in früheren Zeiten bedeutender Bergbau getrieben.

Die Anbauer hiesiger Gegend, vorzüglich von Somsdorf und Eckersdorf kamen auf alle Fälle aus Böhmen.

Woher aber eigentlich der Name Eckersdorf stammt, ist eben so wenig zu ermitteln gewesen, wie der Ursprung des Namens von Somsdorf.

Eckersdorf und Somsdorf, ersteres mit seinen 130 Einwohnern, welche in 20 Wohnungen leben, sind dem Gerichtsamte Tharandt zugewiesen, wogegen sie früher, wie schon erwähnt, zum Amte Dippoldiswalde gehörten.

(M. G.)     





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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Schardt
  2. handschriftliche Korrektur: Stennschütz
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