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Autor: F. A. Bacciocco
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Titel: Abrichtung der Vögel
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aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 874–876
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[874]
Abrichtung der Vögel.
Von F. A. Bacciocco.


Leider ist es den Menschen nicht möglich, das Seelenleben der Thiere anders, als aus dem menschlichen Gesichtswinkel zu betrachten, und deshalb nennt er vorzüglich jene Thiere gelehrig und anstellig, welche sich, wirklich oder scheinbar, dem menschlichen Verständniß am innigsten und offenkundigsten anzuschließen vermögen. Man staunt zum Beispiel auch über die fremdartige, eigenabgeschlossene Arbeitslust und complicirte Thätigkeit der Bienen und Ameisen, aber fremd steht immer der Mensch, und wäre es der beste Bienenvater, dem inneren Wesen der Arbeit und der Arbeitenden gegenüber. Einen Schritt weiter hat uns endlich Darwin gebracht, der edle und entsagungsstarke Mann, dessen Ruhm und Verständniß mit jedem Jahre wächst und dessen Verständniß – auf den Ruhm leistet er ja gerne Verzicht – von Generation zu Generation steigen wird. Er hat uns die Wege gezeigt, und zwar mehr als ahnungsvolle Wege, auf welchen man dem eigen construirten Seelenleben einiger Thierarten näher treten kann. Der Hund, der Affe, der Elephant sind uns bei weitem nicht mehr die fremden Geschöpfe, welche sie unseren Vorfahren noch waren, und die Sprache des Hundes ist durch ihn sogar in die menschliche Sprache übersetzt worden. Der große Unterschied der Arten und der Abzweigung bringt es mit sich, daß das Seelenleben der Vögel uns fremder ist und wahrscheinlich noch länger bleiben wird, als jenes gewisser Vierfüßler.

Der langen Reihe von Vierfüßlern, welche sich der menschlichen Lebensweise und Dressur anbequemt haben, kann man eine entsprechende Zahl von Vogelarten nicht entgegensetzen.

Wir hören zwar von ausgezeichnet dressirten Papageien, von weisen Raben, von klugen Staaren etc., indessen ist man niemals zu einer rechten Erkenntniß gekommen über die Tiefe und die Grenze ihrer Beziehungen zum menschlichen Geistesleben, und noch immer haben wir es hier mit einer versiegelten Seite der Thier-Psychologie zu thun. Trotzdem hat der Mensch eine hübsch lange Reihe von Vögeln seinem Eigenwillen unterworfen, nämlich er hat dieselben „in seiner Art“ zu dressiren verstanden, vom klein-winzigen Zeisig bis zum gewaltigen Vogel Strauß; nur bleibt noch immer die Frage eine offene, ob wir damit der Vogelseele näher getreten sind und ob wir einen eigenartigen Eindruck auf dieselbe hervorgebracht haben. Noch ist auch die Wissenschaft nicht so weit gelangt, daß sie auf diesem Gebiete die Gesetze des Atavismus verfolgt und beobachtet hätte, und wir wissen, um es deutlich zu sagen, noch nicht, ob ein gelehriger Staarmatz auch einen gelehrigen Sohn oder Enkel in die Welt setzen kann.

Es ist schon der Unterschied in der Befähigung (in unserem Sinne) bei den Arten und Abarten und Familien ein sehr großer, und jedenfalls ist ebenfalls ein großer Unterschied bei den einzelnen Individuen vorhanden. Man kann bei fünf Vögeln aus ein und demselben Neste oft nur Einen mit großer Mühe für die Dressur gewinnen. Wenn man einen Vogelfänger fragt, welche von den verschiedenen Finkenarten er für die gelehrigste und anstelligste hält, dann antwortet er: der Distelfink, der Stieglitz.

Bei einem französischen Vogelhändler sah ich einmal ein halbes Dutzend „Chardonnerets“, sämmtlich wohldressirt an einer Wand und zum Verkaufe ausgeboten. Die Dressur bestand darin, daß die Thierchen ihre Frucht- und Wassereimer selbst ziehen mußten. Diese Spielerei ist in Frankreich, in Belgien und am Niederrheine eine sehr verbreitete. Man dressirt in dieser Art [875] den Distelfink und den kleinen Zeisig. Der Vogel sitzt auf einem kleinen Gerüste, welches einem Diminutivschaffot nicht unähnlich sieht; in der Tiefe befinden sich auf einem leichten Geleise der Fruchtbehälter und der Trinknapf, oft der letztere auch allein. Das Vögelein, welches durch einen Hamen auf seiner Stange festgehalten wird, muß, wenn es trinken will, die Schnur mit dem Schnabel erfassen und so das Gefäß zu sich heraufziehen. Anfänglich bereitet ihm die Arbeit jedenfalls viel Anstrengung und Qual, bald aber gewöhnt es sich an die Situation und arbeitet und sitzt oben, so lustig wie nur immer ein gefangener Vogel sitzen kann. Noch gelehrigen als der Stieglitz erweist sich der Zeisig, welcher wahrscheinlich vermöge seines sanften Naturells sich überraschend schnell dem Zwange bequemt. Die Lehrmeister bezeichnen ihn deshalb als einen überaus gescheidten und anstelligen Vogel. Man kann auch bemerken, daß der Zeisig in dieser Lage nach gethaner Arbeit ganz munter singt und zwitschert; bei dem Stieglitz habe ich wenigstens das nicht beobachtet. Man kann jetzt von jedem dieser Abrichter hören, daß ein ähnlicher Versuch mit einem Buchfinken oder mit einem Gelbfinken zu keinem Resultate führt. Der Buchfink geht bei den Versuchen zu Grunde; er sieht den Wasserbehälter, aber er denkt nicht daran ihn emporzuheben, auch wenn man ihm die Sache hundertmal vormacht. Ganz vergeblich sind ferner die Versuche mit der gewöhnlichen Kohlmeise; sie ist derart wild und unbändig, daß sie sich würgt oder die Beine zerbricht, sobald sie nur auf dem Stabe losgelassen wird. Die Versuche, welche mit vielen anderen Singvögeln angestellt wurden, waren ebenfalls vergeblich. Selbst der Spatz will nichts von einer derartigen Dressur wissen, und er würde lieber verhungern, als sein Brod bei harter Arbeit verdienen. Wollte man den Grad der Intelligenz, der solcher Weise bei den Arten zur Erscheinung kommt, untersuchen, so müßte man (von unserem Standpunkte) zugeben, daß er bei jenen ein bedeutender ist und jedenfalls größer als bei den anderen Arten. Indessen zeigt sich bei anderen Gelegenheiten wieder, wo es sich um Sein oder Nichtsein handelt, der Stieglitz keineswegs so klug, wie etwa der Buchfink.

Der Stieglitz fällt dem Vogelsteller nur zu leicht in das verrätherische Garn, während der Buchfink, selbst wenn ein Lockvogel vorhanden ist, oft plötzlich Halt macht und die Gegend recognoscirt. Der Zeisig wiederum erweist sich unter allen Umständen als ein überaus intelligentes Vögelein; er wird auch im Zimmer schneller heimisch und sucht förmlich den Umgang mit Menschen. Die wilde, trotzige Meise ist ebenso klug wie gewandt, nur ihre Freßgier und ihre Neugierde können sie leichter in die Falle bringen, als irgend einen anderen Vogel. Das Kunststück des Futterholens erlernt übrigens ein solider Papagei schier ohne Bemühung und ganz auf eigene Faust. Wenn man diesen „Menschenvogel“ auf seiner Stange beobachtet, wie er die Gegenstände mit Kralle und Schnabel bearbeitet, wird man unwillkürlich an einen ungelenken Affen erinnert. Daher ist der Papagei vor allen Anderen berufen, unsere Kenntniß der Vogelseele zu erweitern und zu vertiefen.

In einigen Gegenden verwendet man gewisse Vogelarten zum Kartenschlagen. Vagirende Vogelhändler bringen dieselben auf den Jahrmärkten zur Schau und zum Verkauf. Ich habe solche Leute in Deutschland, in Belgien, in Frankreich und in Oesterreich gesehen, und sie besaßen immer die folgenden Arten: Canarienvögel, Zeisige, Kreuzschnäbel, Distelfinken und Staare. Ein Theil dieser Vögel ist „in der Freiheit“ dressirt. Jüngst zog ein solcher Kartenschläger in Wien auf der Elisabethbrücke die Aufmerksamkeit des Publicums auf sich. Er hatte in seinem Bauer mehr als ein Dutzend dressirter Thiere: Canarienvögel, Zeisige und deren Bastarde. Die Vögel mußten Nummern ziehen und das war eine neue Errungenschaft für das unheimliche Geschlecht der Lottoschwestern, die in Wien in gewissen Kreisen ihren Einfluß haben. Ein Vogel wurde hervorgeholt und mußte aus einem Behälter Karten hervorziehen und vor sich hinschleudern. Jede Karte zeigte eine Zahl, welche von den Weibern eifrig notirt wurde. Der Eigenthümer konnte einen Vogel veranlassen, zehn Mal Karten zu ziehen; das Thierchen war unermüdlich. Er konnte ihn auch durch kurzen Zuruf bewegen, den Schnabel von einer Karte zu entfernen und eine andere zu nehmen. Die Dressur ließ nichts zu wünschen übrig. Außerdem waren die Thiere so zahm, daß sie nicht einmal die Gelegenheit benutzten, um davon zu fliegen; der Künstler war seiner Gesellschaft so sicher, daß er es verschmäht hatte, ihr die Flügel zu stutzen. Es ist möglich, daß der Kreuzschnabel noch zugänglicher für die Dressur ist. Auf der Brücke von Notre Dame in Paris konnte man vor einigen Jahren einen alten Invaliden sehen, der eine Anzahl Kreuzschnäbel in ganz raffinirter Weise abgerichtet hatte. Er zählte un, deux, trois etc. und bei jeder Nummer, bei welcher er Halt machte, mußte der arme Kreuzschnabel den Kopf hervorstrecken und die Ziehung bewerkstelligen. Das war denn ganz komisch anzusehen, und die braven Kreuzschnäbel irrten selten. Da der Künstler mit seinen Zöglingen mörderlich schimpfte und fluchte, so vermuthete ich, daß er es mit dieser Methode so glücklich weit gebracht hätte, eine Methode, die sich auch zuweilen bei anderen Kreuzköpfen bewähren soll. In Berlin machte vor etwa zehn Jahren ein „auf das Kartenschlagen dressirter Canarienvogel“ Aufsehen und es wurden von seiner Anstelligkeit Wunderdinge erzählt. Er soll leider, als er einmal seinem Käfig entschlüpfte, ein trauriges Ende unter dem Fuße einer vornehmen Dame gefunden haben. Wenn uns der Canarienvogel immer wieder als einer der dressurfähigsten Vögel begegnet, so dürften wir wohl nicht fehl gehen in der Annahme, daß die lange Gefangenschaft und die Fortpflanzung in der Gefangenschaft ihn dem Menschen vertrauter und zugänglicher gemacht hat.

Freilich kann man wiederum nicht dasselbe sagen von den verschiedenen Vögeln, die wir als Hausthiere hegen. Das Huhn erweist sich ganz unzugänglich für alle „Bildung“ und Cultur, ebenso die Ente; die sogenannte „dumme Gans“ dagegen zeigt entschiedene Anlagen. In jedem Dorfe, welches seine Gänseheerde hat, weiß man daß die Gans, wenn sie von der Weide herein kommt, auf dem gehörigen Punkte sich absondert und vor ihre Hausthür hintritt, um mit lautem Geschrei Einlaß zu begehren. In den langgestreckten ungarischen Dörfern geht es allabendlich wie bei einer Procession, wo Stück um Stück, oder auch die Paare, sich absondern, um ihr Heimwesen zu erreichen. In der Frühe erfolgt in derselben Weise die Sammlung und der Abmarsch. Dieselbe „dumme Gans“ hat entschieden Anlage zur militärischen Disciplin. Ueberdies erzählt man noch da und dort ganz interessante Geschichten über die Gelehrigkeit der Gänse, wobei man nicht einmal bis auf das römische Capitol zurückzusteigen braucht, Geschichten, welche die immerhin erfreuliche Andeutung liefern könnten von den tiefinnerlichen Beziehungen zwischen der Menschen- und Gänseseele, doch möchte ich ausdrücklich die schönere Hälfte unseres Geschlechtes, welche mitunter von solchen Anspielungen heimgesucht werden soll, ausgenommen wissen.

Zu den dressurfähigsten unserer Vögel gehört gewiß in erster Linie die Taube. Dabei muß aber wieder so wie bei den Finken nach den Arten unterschieden werden: Die gemeine Feldtaube, die Kropftaube, der Pfauenschwanz werden nicht als besonders gelehrig bezeichnet. Dagegen die Reisetaube und der Tummler, und die Reisetaube um so mehr, je besser und feiner die Race ist. Bekanntlich beruht der vielbewunderte Heimflug der Reisetaube auf Dressur. Die Taube wird in immer weiteren Distancen von ihrem Standorte aufgelassen. Nur ist ganz wunderbar und dem menschlichen Vermögen völlig unfaßbar die Schnelligkeit, mit welcher die Brieftaube sich orientirt und „instinctmäßig“ die Richtung findet. Da redet der Mensch oft von der „einfältigen Taube“ und hat keine Ahnung, wie hundertfach sie ihm überlegen ist an gewisser Sinnesschärfe. Die edlere Brieftaube ist auch dieselbe, welche sich im häuslichen Kreise, im Taubenschlage, am gründlichsten dressiren läßt. Sie lernt und ist gefügig, wo bei anderen Racen Hopfen und Malz verloren ist.

Man weiß, daß ägyptische und indische Taubenzüchter auf offenem Markt ihre Thiere auslassen und ihnen mit einem Stabe die Touren vorzeichnen, welche sie in den Lüften zu machen haben. Dasselbe bringt jeder ordentliche Taubenzüchter in Lüttich oder Brüssel zuwege. Er kann, wenn er die Tauben ausgelassen hat, durch die Bewegungen des Armes ihren Flug dirigiren, oder durch Pfeifen, indem er bald in diese, bald in jene Richtung lockt, je nachdem er den Schwarm haben will. Eine gute Sorte hockt auch niemals stundenlang auf dem Dache. Nach vollendetem Fluge fällt sie auf den bestimmten Dachvorsprung und von dort direct in den Schlag. Nur die geringeren Sorten bummeln auf den Dächern herum.

[876] Ob die Dressur noch bei anderen Vögeln so große Resultate aufweisen kann, ist zweifelhaft. Zwar sind die Stücke, welche der Edelfalke leistet, auch nicht zu verachten, doch treten hier immer die niederen Leidenschaften, Mord- und Blutdurst, in ihr Recht. Der Edelfalke, welcher auf der Hand der Edelfrau oder des Falkoniers auf die Jagd auszog und der noch heute in den Sandsteppen Arabiens und in den Hochgebirgen Persiens von den ritterlichen Nomaden zur Jagd verwendet wird, hat eine sorgfältige Schule durchzumachen. Im Jardin d’Acclimatation zu Paris kann man solchen Uebungen zuweilen beiwohnen; der Sport wird dort betrieben, um das Publicum anzuziehen. Ein Falke, der aber durch eine dünne Schnur am Davonfliegen behindert wird, holt mit großer Schnelligkeit die Spatzen aus der Luft, die man in seiner Nähe fliegen läßt. Er denkt jedoch nicht daran, sie seinem Herrn zu bringen, sondern er macht sich gleich an Ort und Stelle darüber her, sie zu verspeisen. So machte er es auf der Falkenbeize ebenfalls und bemerkenswerth war vielleicht nur seine Zahmheit und Zutraulichkeit dem Herrn gegenüber. Ob ein Vogel so weit gebracht werden kann, wie der nächstbeste Hund, daß er ein Stück Wild oder irgend eine Sache apportirt, ist wohl sehr fraglich. Mir ist kein derartiger Fall bekannt. In meiner Vaterstadt besaß ein Mann einen sehr gelehrigen Raben; der Kerl war ein Schimpfirer, wie er im Buche steht; er unterhielt sich mit seinem Herrn und mit allen Leuten und stahl wie ein „gelernter Spitzbube“, wie man in Wien sagt. Aber obgleich er eine wahre Passion hatte allerhand Gegenstände hin und her zu schleppen, konnte ihn sein Herr doch nicht dazu bewegen, daß er ihm irgend eine Sache apportirte. Ich habe als kleiner Knabe solchen Versuchen oft zugesehen und mußte immer laut lachen, wenn der schwarze Knabe sich davon machte, sobald sein Herr Miene zeigte, „ihm Etwas beizubringen“. Die Zahl der Singvögel, welchen durch die Dressur fremde Melodien beigebracht werden könnnen, ist nicht besonders groß. Es sind fast alle Amselarten, ferner der Staar, der Canarienvogel, der Spötter. Man nennt auch das Schwarzblättchen. In den Arten erscheinen wieder einige Individuen als besonders begabt. Manchem Individuum kann man ein Lied hundert Mal vorpfeifen, es acceptirt nichts. Andere dagegen haben eine rechte Freude am Erlernen; sie neigen lauschend den Kopf und werden nicht müde im Nachsingen. Brehm bezeichnet die nordamerikanische Spottdrossel als die höchstbegabte. Selten lernt ein Vogel mehr als zwei Melodien. Eine Amsel, die drei Melodien pfeift, wie eine Schwarzamsel auf der letzten Vogelausstellung in Wien, ist eine wahre Rarität. Wahrscheinlich weil es eine sehr harte und hartnäckige Arbeit ist, sagen die Züchter: es sei „mechanische Dressur“. Inwiefern das „Sprechen“ der Raben, der Papageien, der Staare und Elstern zur „mechanischen Dressur“ gehört, läßt sich nicht so leicht bestimmen. Es giebt Vögel, so namentlich Papageien, die wirklich „mit Verstand“ reden. Sie wissen, daß sie etwas ungewöhnliches thun und daß sie in eine Wechselbeziehung zum Menschen treten. Sie stutzen und erschrecken förmlich über sich selbst, wenn sie sich zu weit oder zu laut ausgelassen haben. Man ist dann kaum noch berechtigt, bei dem „Menschenvogel“ das Wort Dressur anzuwenden. Es ist nichts Angelerntes, sondern schon selbstständige Aeußerung.

Trotzalledem gähnt eine tiefe Kluft zwischen der Befähigung der Vögel und gewisser Vierfüßler und eine noch tiefere zwischen dem Verständniß des Menschen für den Vogel und die Vogelseele.