ADB:Zaupser, Andreas Dominikus

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Zaupser, Andreas Dominikus“ von Karl von Reinhardstoettner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 731–733, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zaupser,_Andreas_Dominikus&oldid=- (Version vom 27. September 2020, 05:14 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 44 (1898), S. 731–733 (Quelle).
Wikisource-logo.png Andreas Dominikus Zaupser bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Andreas Dominikus Zaupser in der Wikipedia
GND-Nummer 11916227X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|44|731|733|Zaupser, Andreas Dominikus|Karl von Reinhardstoettner|ADB:Zaupser, Andreas Dominikus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11916227X}}    

Zaupser: Andreas Dominikus Z., einer der hervorragendsten Aufklärer Baierns, ist am 28. December 1748 zu München geboren, wo sein Vater (Johann Heinrich) Kammerschreiber des Freiherrn von Rosenbusch war. In zweiter Ehe heirathete seine Mutter (Anna Margareta, 1752) den Hof- und Landschaftskupferstecher Joseph Anton Zimmermann, der sich des Stiefsohnes treulich annahm. Zum geistlichen Stande bestimmt, trat Z. in das Benedictinerstift Oberaltaich, vollendete jedoch sein Noviziat nicht, sondern verließ das Kloster aus Gesundheitsrücksichten bald wieder. Nach München zurückgekehrt, studirte er bei dem Hofgerichtsadvocaten Jos. Claudius Destouches Rechtswissenschaften, und bald treffen wir den mit gründlicher theologischer, juristischer und sprachlicher Kenntniß ausgestatteten jungen Mann in den ersten Reihen der Kämpfer für die Aufklärung Baierns, welche die Regierung Maximilian’s III. Joseph in so erfreulicher Weise zu fördern bestrebt war. Im J. 1770 erschien sein Erstlingswerk „Briefe eines Baiern an seinen Freund, über die Macht der Kirche und des Pabstes“, in welchem der Nachweis geliefert wird, daß der Papst nicht über der Kirche stehe, sondern dem allgemeinen Concil unterworfen sei, da er „nicht unser Meister, nicht unser Vater, sondern nur unser Bruder“ ist. Der Kampf blieb nicht aus; so folgten (1772) die: „Zusätze eines katholischen Franken zu den Briefen über die Macht der Kirche und des Pabstes. Nebst einer Abhandlung von Ordensgelübden, und einer anderen von der wahren Andacht eines Christen“. Während der erste Theil die früheren Briefe ergänzt und gegen allerlei Einwürfe vertheidigt, werden im weiteren die Klostergelübde, besonders die „goldene“ Armuth und der Gehorsam, gegeißelt und Eltern gewarnt, ihre Kinder in den Klöstern zu „versorgen“. Z. wünscht als Zeit der Ablegung der Gelübde erst das vierundzwanzigste Lebensjahr festgestellt, diese selbst aber „auf Gutbefinden des Bischofs wiederruflich“. Die zweite Abhandlung über die Andacht bekämpft das Wortmachen und zur Schautragen des Gebets und verlangt eine bessere Unterweisung in religiösen Dingen. Im folgenden Jahre (1773) gab Z. die Briefe des spanischen Bischofs Juan de Palafox (1600–1659) heraus, in welchen das Treiben der Jesuiten in Nordamerika geschildert wird, eine Arbeit, welcher er noch im gleichen Jahre „Neue Gedanken über Palafox Briefe“ folgen ließ. Der siegreiche Kampf gegen die Jesuiten gewann unterdessen von Tag zu Tag an Umfang, und Z. gibt in [732] seiner Schrift: „Der Jesuit in der Apokalypsis: oder die Plage der ausserordentlichen Gattung von Heuschrecken in der Offenbarung Johannis IX. Kapitel“ der Hoffnung Ausdruck, daß sie bald überwunden sein würden. In der That durfte er wenige Monate später das Breve Clemens’ XIV. – die Aufhebung des Ordens – in deutscher Uebersetzung veröffentlichen. In das gleiche Jahr (1773) fallen zwei Schriftchen „Genaue Prüfung der Lehre von den Ablässen“ und „Ist das Band der Ehe sogar ohne Ausnahme unauflöslich, als es die Kanonisten vorgeben?“ Wird in dem einen der Mißbrauch der Ablässe bekämpft, so sucht das zweite eine Möglichkeit der Ehelösung unter gewissen Umständen zu befürworten. Immer eifriger wurde Zaupser’s Bemühen, die katholische Kirche von dem Einflusse der römischen Curie zu befreien, je heftiger er sich angegriffen sah. Neben der Unfehlbarkeit des Papstes beschäftigte ihn stets die Inquisition. Gleichfalls im J. 1773 erschien seine „Erinnerung eines spanischen Ministers an seinen Monarchen, über die Inquisition“, ferner seine „Bedenken über einige Punkte des Criminalrechts“, drei Abhandlungen, deren erste sich gegen die Folter kehrt, deren zweite eine bedeutende Verminderung der Todesstrafe empfiehlt, deren dritte endlich die Asyle oder „Freyungen“ bekämpft, ein Recht, das er so, wie die Mönche es ausüben, für „staatsgefährlich“ erklärt. In demselben Jahre wurde Z., der schon lange functionirender Registrator gewesen war, zum Hofkriegsrathssecretär ernannt; 1775 verheirathete er sich mit Katharina v. Jörg, aus welcher Ehe ein Sohn Ludwig Edmund (1778 geb.) entsproß. Mehr und mehr trat Z. nun mit Dichtungen an die Oeffentlichkeit, die gesammelt (1818) zum großen Theil erst sein Sohn herausgab. Der Geist des Aufklärers athmet auch in seinen Gedichten; was er in seinen Abhandlungen wissenschaftlich vertritt, das tönt getreulich aus seinen Oden wieder, deren eine, die „Ode auf die Inquisition“, ihm verhängnißvoll wurde. Max III. Joseph war todt und an seine Stelle Karl Theodor getreten, dessen Regierung alle Segnungen der Aufklärung in Baiern jäh zu vernichten bestrebt war. Die überaus harmlose Ode Zaupser’s erschien drei Mal „mit Erlaubniß der Zensurbehörde“, endlich aber gelang es den Gegnern, welche durch eine im gleichen Jahre (1780), wie der dritte Abdruck der Ode, erschienene Schrift Zaupser’s „Ueber den falschen Religionseifer“ noch mehr erregt waren, erfolgreich gegen den Aufklärer vorzugehen. Das Büchercensurcollegium erhielt von höchster Stelle einen scharfen Verweis, daß es solche Bücher ungeahndet zum Drucke bestätige, Z. aber hatte am 16. October 1780 sein Glaubensbekenntniß abzulegen, wobei ihm eröffnet wurde, daß er künftighin ähnliche Schriften nicht mehr schreiben dürfe, da er „weder den Beruf, noch aus Mangel der erforderlichen Wissenschaft und Prudenz die geringste Anlage dafür habe“. Das Hofkriegsrathsdirectorium aber hatte schon sechs Tage vorher Befehl erhalten, Z. „mit der Kanzleiarbeit so weit zu beschäftigen, damit ihm zu theologischen und anderen ausschweifenden Schreibereien keine Zeit übrig verbleibe“. Z. lebte von nun an der Dichtkunst und schrieb außerdem seinen „Versuch eines bayerischen und oberpfälzischen Idiotikons“ (1789), sowie eine „Nachlese zum baierischen und oberpfälzischen Idiotikon“ (1789), die beide noch Schmeller benutzte. Seit 1784 war Z. zum Lehrfache übergetreten, indem er an der herzoglich-marianischen Landesakademie, dann der Militärakademie als Professor der Philosophie beinahe bis zu seinem Lebensende wirkte. Leider zwang ihn seine Kränklichkeit, im J. 1794 dem Lehrberufe zu entsagen. Erst neunundvierzig Jahre alt erlag Z. am 1. Juli 1795, von seinem Freunde Westenrieder mit geistlichem Troste gestärkt, einem schweren Brustleiden. Westenrieder schildert ihn als einen Mann „von mittelmäßiger Größe, wohl und schlank gebaut“; er „vereint im sanft blauen Auge, und im stets raschen Gang einen zartfühlenden und zugleich nach [733] seinem Ziel mit Kraft hinstrebenden Mann“. Z. zählt zu Baierns verdientesten Aufklärern, der als Jurist, Philosoph, Theologe und Dichter alle seine Kräfte in patriotischem Sinne dem Vaterlande lieh. Z. gehörte der bairischen Akademie der Wissenschaften als überaus thätiges Mitglied an; auch die sittlich-ökonomische Gesellschaft zu Burghausen hatte ihn unter die ihrigen aufgenommen.

Andreas Zaupser von Karl von Reinhardstöttner. Forschungen zur Kultur- und Litteraturgeschichte Bayerns. Band I (1893), S. 121–226. Ebenda II, 251. III, 92, 147, 148, 246. V, 204.