ADB:Völkel, Johann

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Völkel, Johann“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 232–233, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:V%C3%B6lkel,_Johann&oldid=- (Version vom 30. November 2020, 12:24 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Völk, Josef
Nächster>>>
Völkel, Ludwig
Band 40 (1896), S. 232–233 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Völkel in der Wikipedia
GND-Nummer 137956746
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|40|232|233|Völkel, Johann|Paul Tschackert|ADB:Völkel, Johann}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137956746}}    

Völkel: Johann V., Socinianer, † 1618. Zu den socinianischen Gelehrten der älteren Generation gehört Joh. V., unter ihnen neben Schmalz, Ostorodt, Moskorzowski und anderen hervorragend hauptsächlich als Systematiker. Von seinem Jugendleben ist wenig mehr bekannt, als daß er in Grimma im Stift Meißen geboren wurde und zu Wittenberg studirt hat. Im J. 1585 trat er auf einer Synode zu Chmielmik nach Empfang der Taufe in die unitarische Gemeinde ein und erhielt Anstellung als Rector an der Schule zu Wengrow und nicht lange darauf als Prediger der Gemeinde zu Philippow in Littauen. Nach dem Tagebuche von Schmalz zum Jahre 1605 war V. um diese Zeit an der Abfassung des Rakower Katechismus betheiligt. Seit 1611 oder 1612 Prediger zu Szmigel, ward er im J. 1613 wegen Widersetzlichkeit von der Synode zu Rakow suspendirt. Doch unterwarf er sich und erscheint im folgenden Jahre wieder in Function. 1618 ereilte ihn der Tod. Zu Socinus hat V. ein sehr nahes Verhältniß gehabt; eine Zeit lang war er Amanuensis bei dem geistigen Haupte der Socinianer gewesen und auch nach seiner Entfernung von seinem Meister blieb das innige Verhältniß beider zu einander bestehen, wie die Briefe Socin’s an V. bezeugen (Bibl. Fratr. Pol. I, p. 451 sqq.) Nach dem Berichte Otto Fock’s, des geschätzten Kenners des Socinianismus, stand V. an Schärfe des Urtheils und Klarheit hinter Schmalz zurück, übertraf diesen aber [233] an besonnener Haltung und Eleganz der Diction. Sein Hauptwerk „De vera religione“ hat unter den Socinianern ein fast symbolisches Ansehen erlangt. Es ist nach Völkel’s Tode von Crell herausgegeben, der die noch fehlende Lehre von Gott und seinen Eigenschaften in der Abhandlung de deo et ejus attributis hinzufügte, welche als das erste Buch des Werkes de vera religione gilt, das zweite Buch handelt de dei operibus (Schöpfung, Erhaltung, vorchristliche Religion), das dritte de religione christiana (Person und Amt Christi), das vierte de praeceptis Christi (christliche Moral), das fünfte de adjumentis ad perseverantiam in fide ac pietate necessariis (mit verschiedenen ziemlich willkürlich ausgewählten Lehrstücken), das sechste de Christi ecclesia (Lehre von der Kirche und praktische Theologie). Von V. „Johannis Volkelii Misnici de vera religione libri quinque. Quibus praefixus est Johannis Crellii Franci liber de dei et ejus attributis, ita ut unum cum illis opus constituat“ (Rac. 1630). – Das Werk wurde widerlegt von Sam. Maresius in der Hydra Socinianismi expugnata, Groning. 1651, 54, 62, worin es zugleich ganz abgedruckt ist.

Vgl. Otto Fock, Der Socinianismus u. s. w. 1. Abth. Kiel 1847, S. 189 f.