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Artikel „Smalcius, Valentin“ von Paul Tschackert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 475–476, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Smalcius,_Valentin&oldid=- (Version vom 28. Februar 2020, 16:32 Uhr UTC)
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Smalcius: Valentin S. (Schmalz), socinianischer Theologe, † 1622. In der Blüthezeit des Socinianismus ragt unmittelbar nach dem Tode von Faustus Socinus in der älteren Generation der Socinianer Valentin Schmalz, lateinisch Smalcius, als Herausgeber (nicht Verfasser) des Racauer Katechismus und als polemisch-dogmatischer Schriftsteller hervor. S. war zu Gotha am 12. März 1572 als Sohn eines dortigen geachteten Rechtsgelehrten geboren. Auf der Schule zog er als Jüngling die Aufmerksamkeit seiner Lehrer in hohem Grade auf sich, fand von ihrer Seite aber eine recht verschiedene Beurtheilung; während der eine in ihm einen zweiten Luther vermuthete („tu evades alter Lutherus“), erklärte ihm (nach seinem eigenen Berichte) sein Rector, daß er einst eine Pest der Kirche sein werde („eris aliquando pestis ecclesiae“. Vgl. Zeltner s. U. S. 1160). Den Studien lag er an verschiedenen Universitäten ob, zu Leipzig, zu Wittenberg, Jena und Straßburg. Hier, wohin er sich 1591 von Jena begeben hatte, wurde er durch den dort weilenden Woidowski für den Unitarismus gewonnen und begab sich 1592 nach Schmiegel in Polen, wo er nicht blos Duldung für seine Ansichten erwarten, sondern auch auf amtliche Thätigkeit hoffen durfte. Dort wurde er auch bald Rector der Schule und trat durch die socinianische Taufe noch in demselben Jahre auch formell der socinianischen Gemeinde bei. Von da aus wurde er mit Faustus Socinus bekannt, dessen Gunst er erfuhr; wenigstens nennt dieser ihn gelegentlich „einen durch Frömmigkeit und Bildung ausgezeichneten jungen Mann“ (Fausti Socini epistolae, Bibliotheca Fratrum Polonorum P. I, p. 459). Im Jahre 1598 ward S. Prediger in Lublin, 1605 aber Geistlicher in Racau. In dieser Stellung hat er sich bis an seinen Tod als einer der eifrigsten Anhänger des Socinianismus gezeigt, hat im Interesse desselben zahlreiche Reisen nicht nur auf Synoden und Visitationen in Polen selbst, sondern auch nach Deutschland gemacht und durch seine Gabe, klar und überzeugend zu sprechen, der Partei viel neue Anhänger erworben. „Seine polemischen Schriften athmen aber meist einen heftigen Ton und zeigen eine beständige Neigung zu extremen Behauptungen“; sie sind – manche recht umfangreich – in lateinischer, polnischer, deutscher und holländischer Sprache geschrieben. Die meisten sind im Original lateinisch geschrieben und mehrere dann in Uebersetzungen erschienen. Aber sein uns erhaltenes Tagebuch zeigt „einen frommen Sinn und ein gottergebenes Gemüth“ (Fock s. u.). Er starb am 8. December 1622 (wie aus einem bei Sandius [s. unten] S. 100 abgedruckten Briefe Crell’s erhellt).

Unter seinen Schriften, deren Sandius (s. u.) mehr als ein halbes Hundert aufzählt, ragten hervor: „De Divinitate Jesu Christi“ 1608, 4°, und „De Christo vero et naturali Dei filio.“ Racoviae 1616. 4°. Die Titel aller anderen Schriften von S. stehen in Sandii (Christophori Chr.) Bibliotheca antitrinitariorum (Freistadii 1684) p. 100–105.

Bekannter als seine eigenen Schriften hat diesen Socinianer der Umstand gemacht, daß er den von Faustus Socinus verfaßten Racauer Katechismus 1605 herausgegeben hat. Er erschien zuerst polnisch unter dem Titel Katechizm in Racowie 1605 in 12°, während ihn in lateinischer Sprache erst Moscorovius 1609 als Catechesis ecclesiarum … in regno Poloniae etc. herausgab. In dieser Gestalt ist er allerdings bekannter als im polnischen Gewande, aber Schmalz’s Verdienst muß doch als das primäre anerkannt werden. Hauptquelle für das Leben von S. ist ein von ihm selbst verfaßtes lateinisches Tagebuch, welches sich bei G. G. Zeltner, Historia Crypto-Socinismi (1729) I, 1158–1218 findet. Es reicht bis nahe an den Tod des Autors heran und enthält eine Fülle interessanter Nachrichten über Thatsachen, Personen und Zustände des [476] Socinianismus der älteren Generation. Ueber Schmalz’s Stellung innerhalb der Geschichte des Socinianismus handelt Otto Fock, Der Socinianismus, 1. Abth. 1847, S. 188 ff.