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Artikel „Magister Theophilus“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 722–724, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Theophilus&oldid=- (Version vom 13. November 2019, 12:46 Uhr UTC)
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Band 37 (1894), S. 722–724 (Quelle).
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Theophilus: Magister Theophilus war der erste Rector des Johanneums zu Hamburg, d. h. der von Bugenhagen am 24. Mai 1529 in den Räumen des Johannisklosters daselbst eröffneten lateinischen Schule. Er wird, so weit dem Schreiber dieser Zeilen bekannt, zuerst genannt gelegentlich des Colloquiums, das Bugenhagen am 8. April 1529 mit Melchior Hoffmann zu Flensburg hielt. In dem Bericht über diese Disputation wird erzählt, daß außer Johannes Aepin (s. A. D. B. I, 129) und Stephan Kempe (XV, 599) auch Magister Th. damals mit Bugenhagen von Hamburg nach Flensburg reisten; sie waren die Genossen, die mit ihm im Wagen waren, auf deren Zeugniß sich Bugenhagen später einmal beruft. Woher Th. nach Hamburg gekommen, wo Bugenhagen ihn kennen gelernt, ob schon früher oder erst in Hamburg, wo er studirt hat, das alles ist bisher nicht ermittelt. Es scheint, als wenn er nicht in Wittenberg gewesen ist; aus einem Briefe Melanchthon’s an ihn vom Januar [723] 1532 geht wenigstens hervor, daß Melanchthon ihn damals noch nicht persönlich kannte. Aus demselben Briefe aber und aus einem späteren aus dem März 1536 ist zu ersehen, daß Th. ein sehr geachteter und gelehrter Mann war; dasselbe ist auch anderen Zeugnissen zu entnehmen; namentlich wird ihm eine gute Kenntniß des Griechischen und Hebräischen nachgerühmt und die Kunst, geistreiche und elegante lateinische Verse zu machen. In seiner Privatbibliothek befanden sich die Complutensische Polyglotte, eine hebräische Bibelconcordanz, die Ausgabe der hebräischen Bibel von Sebastian Münster und ein hebräisches Wörterbuch. Als er wegen seines hohen Alters sein Amt nicht mehr völlig versehen konnte, wurde ihm im J. 1534 der bisherige Conrector Matthäus Delius (siehe A. D. B. V, 41 ff.) adjungirt; er muß also auch im J. 1529 schon nicht mehr jung gewesen sein. Im J. 1537 (wahrscheinlich um Ostern) ward er völlig pensionirt; er machte dann noch eine Reise nach Wittenberg, um seinen noch sehr jugendlichen Schüler Heinrich Knaustinus dorthin auf die Universität zu bringen, und starb sodann am 31. December 1537 in Hamburg. – Noch zu Theophilus’ Lebzeiten verfaßte Johannes Freder (s. A. D. B. VII, 327 ff.), der, als Delius nach Theophilus’ Emeritirung Rector geworden war, zu Delius’ Nachfolger im Conrectorat gewählt war, sein Gedicht zum Lobe Hamburgs (in laude clarissimae urbis Hamburgae carmen), das mit empfehlenden Vorworten von Melanchthon und Jonas Wittenberg 1537 erschien. Während Melanchthon in seinem Vorwort unsern Th. unter diesem Namen wegen seiner Verdienste um die Unterweisung der Jugend rühmt, nennt Freder ihn in dem Gedichte selbst „Gotfridus Hermelateus“; der Name Theophilus kommt bei ihm garnicht vor. In einer Urkunde aus dem Jahre 1546, in der erzählt wird, daß er die oben genannten Bücher seinem Schüler, dem Magister Joachim Moller (s. A. D. B. XXII, 125) in seinem Testamente vermacht habe, wird er „Godfridus Theophilus, wandages [früher] Scholmeister tho Hamborch“ genannt. Ritzenberg, der im J. 1555 seine Epitaphien herausgab, nennt ihn „Godfridus Harmelates Theophilus“. Seine Wittwe, die aus Brabant gebürtig und offenbar viel jünger war als er, und sich nach seinem Tode wieder mit Hans Kortsmits in Hamburg verheirathet hatte, nennt ihn in ihrem, nach dem Tode ihres zweiten Mannes am 2. April 1575 errichteten Testamente „Mag. Theophilus Frydag, etwan [vormals] Rector der Scholen alhir“. Hernach nennt ihn Hamelmann in seinen bekannten Opera genealog. hist. im J. 1586 „Theophilus Hollandus“. Die späteren Schriftsteller haben dann aus diesen verschiedenen Namen beliebige Zusammenstellungen gemacht, auch in verschiedener Anordnung der Namen; stellt man sie, wie auch geschehen, alle zusammen, so heißt er etwa Mag. Gottfried Theophilus Hermelates Freitag Holland. Wie unser Magister Th., der bis auf Freder’s Carmen und also, da dieses Gedicht kaum vor 1538 bekannt geworden sein kann, bis zu seinem Tode nur diesen einen Namen hatte, zu dieser Fülle von Namen gekommen ist, ist bisher nicht genügend erklärt. Frydag scheint sein Familienname zu sein, den seine Gattin doch gekannt haben muß. Theophilus könnte Uebersetzung von Gottfried sein, so daß der ursprünglich Gottfried Frydag (Freitag) heißende als Gelehrter zum Mag. Theophilus avancirte. Daß er aus Holland stammte, wie der gelehrte Hamelmann angibt, wird richtig sein; es stimmt dazu, daß seine Frau aus Brabant (zu „Acheln in Brabant“ lebten ihre Verwandten nach ihrem Testamente) stammt. Aber was ist Hermelateus, Harmelates oder Hermelates? Gibt dieser Name den Ort an, aus welchem Th. stammte – es gibt ein Harmelen bei Utrecht –, oder ist an das griechische Wort Harmelates, Wagenlenker, zu denken, was eine Bezeichnung eines Schulrectors sein könnte (?), wir wagen keine Vermuthung.

Acta der Disputation zu Flensburg, Wittenberg 1529. – Lappenberg, [724] Zur Geschichte der Buchdruckerkunst in Hamburg, S. 24. – Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte; 5. Jahrgang, S. 140; 9. Jahrgang, S. 70. – Corpus Reformatorum II, col. 564; III col. 50.Fabricius, Memoriae Hamburgenses, an den vol. II, pag. 1120 angeführten Stellen; hier auch Frederi carmen. – Beneke, Dat Slechtbok. Hamburg 1876, S. 115. – Hamelmann, Opera geneal. hist. p. 974. – Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller, IV, 85 (im Text u. Anm.). – Die Kölner Matrikel ist noch nicht so weit erschienen, daß man sehen könnte, ob Th. in Köln studirt habe; wäre das der Fall, so würde aus ihr auch wohl sein Geburtsort zu ersehen sein. Weitere Nachforschungen über sein Leben vor 1529 werden vermuthlich nur in den Niederlanden mit Aussicht auf Erfolg anzustellen sein.