ADB:Sporleder, Friedrich Wilhelm

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sporleder, Friedrich“ von Eduard Jacobs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 275–277, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sporleder,_Friedrich_Wilhelm&oldid=- (Version vom 26. September 2020, 00:21 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 35 (1893), S. 275–277 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Sporleder in der Wikipedia
GND-Nummer 122031733
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|35|275|277|Sporleder, Friedrich|Eduard Jacobs|ADB:Sporleder, Friedrich Wilhelm}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=122031733}}    

Sporleder: Friedrich Wilhelm S., botanischer Schriftsteller, geboren zu Wernigerode am 10. April 1787, † daselbst am 28. März 1875. Als der zweite Sohn des gräfl. Amtsverwalters G. Chr. S. und einer Tochter des Neustädter Pastors Böttcher besuchte er die Oberschule seiner Vaterstadt bis zum Jahre 1806, in welchem er mit einem rühmlichen Zeugnisse über seinen Fleiß und seine Befähigung entlassen wurde. Er widmete sich nun in Göttingen drei Jahre lang dem Studium der Rechte, hörte aber daneben auch naturwissenschaftliche, besonders pflanzenkundliche Vorlesungen bei Blumenbach. Letzterer hatte seine Freude an der Begabung und dem regen Streben des jungen Mannes und empfahl dann den Geförderten zum Lehrer der Naturwissenschaft am Fellenberg’schen Institut in Hofwyl. Seinen Neigungen hätte es wohl entsprochen, in einem solchen Beruf sich ganz den Naturwissenschaften, besonders der von Jugend auf mit Vorliebe gepflegten Pflanzenkunde widmen zu können, aber seine innige Liebe gegen seine Eltern, Mutter und Stiefvater – seinen rechten Vater hatte er schon als achtjähriger Knabe verloren – vermochten ihn, in seiner engeren Heimath zu bleiben und die juristische Laufbahn zu verfolgen. Er begann dieselbe im Dienste der westfälischen Regierung ale Gehülfe seines damals als Kantonsnotar angestellten Stiefvaters Warneck. Erst nach den Freiheitskriegen konnte er den angestammten Herren der engeren Geburtsheimath, den Grafen zu Stolberg, dienen, zuerst als Amtsgerichtsassessor, seit 1815 als Regierungsecretär, 1819 Regierungsassessor, 1828 Regierungsrath, endlich seit dem Ableben seines Freundes Delius in seiner Eigenschaft als Regierungsdirector. Der Treue und peinlichen Gewissenhaftigkeit, mit welcher er seinen Herren diente, entsprach das unbedingte Vertrauen und die hohe Anerkennung, welche diese ihm zollten. Aber wenn auch noch heute manche schriftlichen Sammlungen und Auszüge von dem Eifer zeugen, mit welchem er die Fragen seines öffentlichen Berufs verfolgte, so war doch seine innere Neigung bis ans Ziel seiner Tage der Naturwissenschaft, zumeist der Botanik zugewandt. Dieser allermeist dienten die häufigen Ausflüge und Reisen, die der sonst überaus zurückgezogene bescheidene Mann theils in der Nähe seiner Vaterstadt, theils durch einen großen Theil [276] Deutschlands unternahm, sowie auch der Inhalt des ausgedehnten Briefwechsels mit den Botanikern Kunze in Leipzig, Sprengel und v. Schlechtendal in Halle, Rammelsberg und von Hanstein in Berlin, Schleiden in Jena, Meyer in Göttingen, Wigand in Marburg, Lampe in Braunschweig, Irmisch in Sondershausen u. a. m., der meist pflanzenkundliche Fragen betraf. Um ihretwillen besuchte er auch wohl die Versammlungen deutscher Naturforscher und Aerzte 1839 in Pyrmont, 1841 in Braunschweig, 1854 in Göttingen. Auch der naturwissenschaftliche Verein des Harzes hatte an ihm ein reges thätiges Mitglied. In Schriften trat S. weniger an die Oeffentlichkeit, als es wohl bei seinem gediegenen Wissen wünschenswerth gewesen wäre. Als größere, auch besonders gedruckte Vorträge im naturwissenschaftlichen Verein des Harzes sind zu erwähnen der „Ueber merkwürdige Bäume des Harzes“, 1862, 4° und „Zur Flora des Harzes mit besonderer Berücksichtigung der Litteratur dieser Flora“, 1864, 4°. Als treues Mitglied und Mitstifter des wissenschaftlichen Vereins in Wernigerode gab er zu dessen 25jährigem Stiftungsfeste als größere Schrift heraus ein: „Verzeichniß der in der Grafschaft Wernigerode und der nächsten Umgegend wildwachsenden Phanerogamen und Gefäß-Cryptogamen“, mit einer Steindrucktafel, Wernigerode 1868, 227 Seiten 8°. Im Jahre 1882 besorgte Herr Apotheker Forcke in kleinerem Formate eine zweite Auflage, welche durch ein Verzeichniß der im Gebiet der Grafschaft bis dahin aufgefundenen Laubmoose vermehrt ist, und eine abermalige neue Bearbeitung wird vorbereitet. Es ist zu bemerken, daß schon bei dem ersten und mehr noch bei dem zweiten Druck viele Ausführungen des Verfassers über frühere Verwendung und einheimische Namen der Pflanzen, sowie über daran geknüpfte Volksvorstellungen gestrichen sind. Noch nach Vollendung jener Schrift wandte sich S. mit Eifer einer Untersuchung der Laubmoose zu, eine Arbeit, die er, ohne sie ganz zum Abschluß gebracht zu haben, in drei Bänden hinterließ. Wenn von ihm 1852 in der Linnaea Bd. XXV, S. 333 bis 366 ein „Beitrag zur Flora der Insel Portorico“ erschien, so erinnert dies an die Bemühungen, welche er öfter in der Bestimmung von Pflanzensammlungen Anderer übernahm, so des Gärtners und Reisenden Karl Beyrich (s. A. D. B. II, 605) auf seinen Reisen nach Italien 1819 und nach Brasilien und Nordamerika 1833 und 1834 und Karl Schwannecke’s von seiner Reise nach Portorico. Endlich bestimmte er auch die Pflanzen, welche evangelische Missionare von Grönland nach Wernigerode sandten und erwarb sich durch Bereicherung des gräflichen Lustgartens und Bestimmung der darin gehegten Pflanzen ein großes Verdienst. Eine längere Mittheilung über den Pastor Keßler und dessen Stiftungen im Jahrg. 1832 des Wernigeröder Intelligenzblatts zeugt neben manchen handschriftlichen Aufzeichnungen von Sporleder’s geschichtlichem Sinne. Von seinem ansehnlichen Bücherschatze vermachte er die botanischen und naturwissenschaftlichen Schriften der nunmehr fürstlichen Bibliothek, seinen Vorrath an Conchylien und Mineralien, sowie das in etwa zweihundert Mappen niedergelegte musterhaft geordnete Herbarium den fürstlichen Sammlungen zu Wernigerode. S. lebte mit der Tochter seines Lehrers, des Rectors Kallenbach seit 1821 in kinderloser aber überaus glücklicher Ehe. Bei überaus vorsichtiger, mäßiger Lebensweise und treuer Pflege bewahrte der von Kindesbeinen auf schwächliche Mann bis in ein hohes Lebensalter eine solche geistige Kraft und Frische, daß noch der 87jährige im October 1874 eine das Schälen der Fichtenbestände durch das Wild betreffende Frage nicht nur mit Gründlichkeit und Umsicht, sondern auch mit der ihm bis ans Ende eigenen heiteren Laune beantworten konnte. Jener frohe Zug seines Wesens hatte seinen festen Grund in dem frommen kindlichen Glauben, der den bescheidenen Mann durch sein ganzes Leben begleitete. Von seiner äußeren Erscheinung gibt eine Photographie, welche der [277] zweiten Auflage seiner Schrift über die Pflanzen der Grafschaft Wernigerode beigegeben ist, eine durchaus lebenswahre Vorstellung.

Vgl. besonders die dem Andenken Sporleder’s gewidmete, von Herrn Apotheker Forcke in Wernigerode herrührende Mittheilung vor der 2. Auflage von Sporleder’s oben angeführter Hauptschrift S. III bis XIV.