ADB:Spörlin, Margareta

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Artikel „Spörlin, Margareta“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 277, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sp%C3%B6rlin,_Margareta&oldid=- (Version vom 19. September 2020, 11:26 Uhr UTC)
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Band 35 (1893), S. 277 (Quelle).
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Spörlin: Margareta S., eine hervorragende Volkserzählerin, wurde am 19. Juli 1800 zu Mülhausen im Elsaß geboren, wo ihr Vater, Johannes S., Pfarrer an der St. Stephanskirche war. Da der letztere schon nach drei Jahren starb, so wurde die Erziehung der Tochter ausschließlich von der Mutter geleitet; ein Aufenthalt im Töchterinstitut zu St. Immer im Kanton Bern brachte dieselbe zum Abschluß, und Margareta kehrte darauf nach Mülhausen zurück, wo sie bald ein reiches Arbeitsfeld fand. Neben der Pflege ihrer durch viele Jahre kranken Mutter widmete sie sich der christlichen Unterweisung einer Anzahl Töchter aus gebildeten Familien, wirkte auch an einer für die Volksclassen bestimmten Sonntagsschule Jahre lang in großem Segen. Den Sommer verlebte sie größtentheils auf dem Lande, bald in Langenbruck (Basel-Land), bald in Badenweiler. Nach dem Tode ihrer Mutter (1852) fand sie Aufnahme in die Familie ihrer Halbschwester in Mülhausen, und hier starb sie hochbetagt am 15. September 1882. – Margareta Spörlin’s Erstlingsschriften erschienen im Verlag der Straßburger „Evangelischen Gesellschaft“ als einzelne Tractate, die dann mit andern Erzählungen gesammelt und unter dem Titel „Elsässische Lebensbilder“ (1872–1875) in 4 Bändchen herausgegeben wurden. Erst im Vorwort zur 4. Aufl. nannte sich die bisher anonyme Schriftstellerin mit ihrer Namensunterschrift. In diesen Erzählungen, die übrigens durch französische und englische Uebersetzungen auch einen weiteren Leserkreis gefunden haben, gewährt uns die Verfasserin einen Blick in die Geschichte ihres heimathlichen Elsaß, dessen Natur sie mit warmer Liebe und schönen Farben zu malen versteht. „Die historischen Thatsachen bilden freilich nur die Rahmen, in welche ihre Künstlerhand, durch erfinderische Phantasie und tiefblickende Herzens- und Menschenkenntniß geleitet, gar fein gestickte, farbige Bilder einzufügen weiß.“ Ebensoweit entfernt vom verknöcherten Kopfglauben, wie von confessioneller Engherzigkeit, will sie mit ihren Lebensbildern dem praktischen Christenthum das Wort reden, wie es sich in kindlicher Gottesliebe und brüderlicher Nächstenliebe gegen Freund und Feind offenbart. Den „Lebensbildern“ ließ die Verfasserin noch folgen „Der alte Eli. Eine einfache Geschichte aus dem elsässischen Volksleben“ (3. Aufl. 1879), ein wahres Meisterstück nach Inhalt und Form, dem wirkliche Begebenheiten zu Grunde liegen, wie denn die Verfasserin ihren Erzählungen viel Selbsterlebtes eingewoben hat. Ihre letzte Schrift war eine Erinnerung aus Badenweiler: „Vater Jung-Stilling und Fräulein Katharina“ (1877).

Adolf Stöber, Margareta S. Eine biogr.-litterar. Skizze. Mülhausen 1882.