ADB:Sporschil, Johann Chrysostomus

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Artikel „Sporschil, Johann Chrysostomus“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 277–278, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sporschil,_Johann_Chrysostomus&oldid=- (Version vom 27. September 2020, 13:32 Uhr UTC)
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Sporschil: Johann Chrysostomus S., Schriftsteller. Geboren zu Brünn in Mähren am 23. Januar 1800, besuchte er das Gymnasium seiner Vaterstadt, weiterhin die Hochschule zu Wien, wo er im J. 1823 zunächst den Cursus der Rechtsstudien beendigte. Seine Neigung verwies ihn aber nicht auf die herkömmliche Beamtenlaufbahn, sondern führte ihn auf die gewagtere des Journalisten, Publicisten und Geschichtsschreibers. Auch damit jedoch ist die Arbeit seines Lebens nicht genügend bezeichnet, sie artete allmählich in die Thätigkeit des Polyhistors und Vielschreibers aus, ohne ihn, trotz ursprünglicher Begabung, über die mittlere Linie zu erheben. Im J. 1827 ging er nach Leipzig, wo er sich mit publicistischen und geschichtlichen Arbeiten und aber auch mit Uebersetzungen [278] beschäftigte, und diese Art Schriftstellerei füllt dann einen guten Theil seines Strebens aus. Als Publicist bezeigte er sich zuerst im J. 1831 durch eine Schrift über die Sächsische Verfassungsurkunde. Im J. 1832 siedelte er nach Braunschweig über, wo er an der von K. H. Hermes herausgegebenen „Deutschen Nationalzeitung aus Braunschweig und Hannover“ mitwirkte und das damit verbundene „Litterarische Wochenblatt“ redigirte. Aber schon das Jahr darauf kehrte er infolge eingetretener Zerwürfnisse mit Hermes nach Leipzig zurück und nahm die unterbrochene litterarische Thätigkeit in den verschiedensten Gestalten wieder auf. S. war trotz seiner Entfernung von Oesterreich ein guter Oesterreicher geblieben und hatte die Aufmerksamkeit des österreichischen Generalconsuls in Leipzig (Ritter v. Grün) auf sich gezogen, der seine Feder im Interesse des in Wien herrschenden Systems in jenen Jahren vielfach in Anspruch nahm. Diese Thätigkeit ist auch weiterhin nicht unbemerkt und unverdeckt geblieben. Im J. 1858 endlich kehrte S. angeblich von dem in Leipzig den Ton angehenden Liberalismus zurückgestoßen wieder nach Wien zurück und wurde dort als willkommenes Werkzeug aus dem Fonds des Preßbureaus mit einem Jahresgehalt ausgestattet und zu journalistischen Zwecken verwendet. Die litterarisch-publicistische Wirksamkeit Sporschil’s, umfassend genug, ließ ihm aber gleichwol Zeit, daneben eine nicht minder umfassende Arbeitsamkeit als Uebersetzer, wie bereits angedeutet, und vor allem auch als Geschichtsschreiber zu entwickeln. Der conservative Grundzug seiner Natur kam auch hier zur Erscheinung, von wissenschaftlichem Werthe ist jedoch keine Rede, sie alle verfolgen eine ausgesprochen populäre Tendenz. Wir erinnern beispielshalber an seine „Geschichte der Freiheitskriege“, „Geschichte der Kreuzzüge“, „Geschichte der österreichischen Monarchie“, „des 30jährigen Krieges, „Karls des Großen“, Geschichte der Deutschen, der Hohenstaufen, der Päpste, der katholischen Kirche u. s. w., die, wie das kaum anders sein konnte, sämmtlich binnen verhältnißmäßig kurzer Zeit der nicht ganz unverdienten Vergessenheit anheimgefallen sind. Die Uebersetzungen hatten verschiedene Schriften, in erster Linie Romane aus dem Englischen, zum geringeren aus dem Französischen zum Gegenstand, darunter aber auch noch Gibbon’s bekanntes großes geschichtliches Werk. Auch ein englisches Lexikon ist ziemlich früh aus seiner fruchtbaren Hand hervorgegangen. Die Erscheinung des Deutschkatholicismus hat seine besondere Aufmerksamkeit erregt und er ist s. Z. in mehreren Schriften gegen sie aufgetreten. Ermüdet ließ er endlich seine Feder sinken und starb am 16. December 1863 in Wien.

Vgl. C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 36. Theil S. 247–252, wo sich zugleich ein nahezu vollständiges Verzeichniß von Sporschil’s verschiedenen Schriften findet.