ADB:Seelmann, Andreas

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Seelmann, Andreas“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 580–581, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Seelmann,_Andreas&oldid=- (Version vom 24. September 2020, 12:26 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Seemann, Berthold
Band 33 (1891), S. 580–581 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand September 2014, suchen)
GND-Nummer 104321628
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|580|581|Seelmann, Andreas|Franz Heinrich Reusch|ADB:Seelmann, Andreas}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104321628}}    

Seelmann: Johannes Andreas S., Weihbischof zu Speier, geb. 1731 zu Ebensfeld im Fürstbisthum Bamberg, † am 8. October 1789 zu Speier. Er machte seine Studien zu Bamberg, wurde dort schon 1750 Doctor der Philosophie und, nachdem er zum Priester geweiht worden, Stiftsherr bei St. Gangolph, Hofmeister der fürstbischöflichen Edelknaben und Official. 1768 ernannte ihn der Fürstbischof von Speier, Cardinal Franz Christoph von Hutten zum Director des Seminars zu Bruchsal und des dort 1757 von ihm gegründeten Gymnasiums, zugleich zum Geistlichen Rath und Stiftsherrn bei St. German in Speier. S. bewirkte die Entfernung der Jesuiten von beiden Anstalten und bemühte sich, [581] dieselben zu reformiren, war auch selbst fleißig als Lehrer thätig. Der Bischof Joseph Anton Gall von Linz (s. A. D. B. VIII, 317) gehörte zu seinen Schülern. Am 10. Mai 1770 hielt er die Trauerrede auf den Cardinal (sie ist gedruckt). Dessen Nachfolger, August Graf von Limburg-Styrum (s. A. D. B. XVIII, 655) ernannte ihn im October 1770 zum Weihbischof und Director des bischöflichen Vicariats zu Speier. Nachdem er sich über seine von den Jesuiten verdächtigte Orthodoxie ausgewiesen, wurde er in Rom als Titularbischof von Tremitusa präconisirt. Er gerieth aber bald mit dem Fürstbischof, einem sehr autokratisch regierenden Herrn, in Conflicte, die mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode fortdauerten und den Fürstbischof veranlaßten, seinen Weihbischof bei dem Papste und bei dem Nuncius in Köln zu verklagen und sogar einmal von der Quiescirung Seelmann’s und der Ernennung eines neuen Weihbischofs (Ph. A. Schmidt, der 1789 sein Nachfolger wurde, s. A. D. B. XXXII, 12) zu sprechen. 1778 wollte der Fürstbischof von Bamberg S. zu seinem Weihbischof machen; das Speier’sche Domcapitel bat ihn aber zu bleiben. Bei diesen Conflicten handelte es sich um Verwaltungsangelegenheiten, um die fortwährenden Streitigkeiten des Fürstbischofs mit seinem Domcapitel, 1778 um das Buch des Mainzer Professors Isenbiehl (s. A. D. B. XIV, 618), welches S. milder beurtheilte als der Fürstbischof, und 1781 um die Thesen des Professors M. Wiehrl in Baden-Baden, die S. gleichfalls milder beurtheilte, während der Fürstbischof mit einem Eifer ihre Verdammung betrieb, der zu der Bedeutung der Sache in gar keinem Verhältnisse stand. – Nach dem Tode Seelmann’s verlangte der Fürstbischof die Auslieferung seiner Briefschaften, da das Gerücht ging, es werde eine Schrift „Die Leiden des Weihbischofs Seelmann“ (von Ph. Brunner, s. A. D. B. III, 447) vorbereitet, die indeß nicht erschienen ist. – S. war nicht nur ein aufgeklärter, sondern auch ein gelehrter Geistlicher. Gedruckt sind von ihm außer Aufsätzen über seine Conflicte nur einige Trauerreden. Mit dem Mainzer Geistlichen R. Schuhmann übersetzte er einige kirchengeschichtliche Abhandlungen von Ch. Fleury aus dem Französischen ins Lateinische: Dissertationes VIII in historiam ecclessiasticam, Bamberg 1765.

Jäck, Pantheon, Sp. 1065. – Allg. Lit. Anz. 1792 Nr. 6. – Oberdeutsche Lit.-Ztg. 1789, II, 107. 975 (Epitaphien in Versen). – Remling, Gesch. der Bischöfe zu Speyer II, 680, 704, 718, 750 ff.