ADB:Reding von Biberegg, Augustin

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Artikel „Reding, Augustin“ von Gabriel Meier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 529–531, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reding_von_Biberegg,_Augustin&oldid=- (Version vom 9. August 2020, 18:19 Uhr UTC)
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Reding: Augustin R., Fürstabt von Einsiedeln 1670–92, war geboren am 10. August 1625 zu Lichtensteig, wo sein Vater Johann Rudolph von Reding-Biberegg Toggenburgischer Landvogt war, ein wegen seiner classischen Bildung gerühmter Mann, bald der schweizerische Seneca, bald der eidgenössische Cicero genannt. Er starb als ein sehr angesehener Mann 1658 zu Lichtensteig. Seine Gemahlin in zweiter Ehe war Margaretha Pfyffer von Altishofen, die Mutter unseres Augustin. Dieser machte seine Studien im Kloster Einsiedeln [530] und legte daselbst den 26. December 1641 die Klostergelübde ab. Erst 24 Jahre alt, konnte er schon als Professor der Philosophie auftreten, feierte den 13. September 1649 die erste heilige Messe und ward bald darauf auch Novizenmeister. Im October 1654 erlangte er an der Universität Freiburg alle philosophischen Grade und das Doctorat der Theologie. Gleich darauf ward er als Professor der Theologie an die Universität der Benedictiner in Salzburg berufen, wo er sich durch sein Wissen und seine Tugend allgemeine Achtung erwarb. Doch kehrte er schon anfangs 1658 wieder nach Einsiedeln zurück, wo er im folgenden Jahre zum Decan ernannt wurde. Als solcher spielte er eine Rolle im Streite des Abtes Placidus Reimann mit der Curie von Konstanz. Nach dessen Tode ward er am 17. Juli 1670 fast einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt, wegen des Konstanzer Streites aber erst ein Jahr später bestätigt. Als Abt übernahm er von den drei Urkantonen als Herren zu Bellenz 1675 das dortige Collegium, welches die Jesuiten 26 Jahre inne gehabt, aber wegen ungenügender Einkünfte wieder aufgegeben hatten. Es verblieb bei Einsiedeln bis zum Jahre 1852. 1678 erwarb er im Thurgau das Schloß und die Herrschaft Sonnenberg. 1674–84 erbaute er im Kloster den Chor, die Beichtkirche und die St. Magdalenencapelle, welche heute noch stehen. Auch war er 1684 bis 1687 thätig für den Neubau der Kirche und des Frauenklosters in der Au. 1684 machte er eine Romreise und fand bei Papst Innocenz XI. ehrenvolle Aufnahme. Er hatte einen Ruhm als eifriger Prediger und als Vater der Armen. Unter ihm stieg die Zahl der Conventualen von 53 auf 100. Er bereicherte die Bibliothek mit theologischen Werken und förderte auch sonst das Studium und die Bildung seiner Leute, deren eine Anzahl als Professoren auswärts berufen wurde. Unter den Theologen seiner Zeit nimmt R. einen hohen Rang ein, so daß ihn Papst Innocenz XI. mit Anspielung auf den großen Kirchenlehrer, dessen Namen er trug, den Augustin seiner Zeit nannte. Seine Schriften füllen mehr als 20 Folianten und viele kleinere Bände, die meistens aus der von seinem Vorgänger Abt Placidus gegründeten Druckerei des Klosters, nicht zu dessen ökonomischem Vortheil, hervorgingen. Sein Hauptwerk ist „Theologiae scholasticae in primam (secundam) partem Divi Thomae ad normam Theologorum Salisburgensium Tomi XIII. Fol. Typis Monasterii Einsidlensis 1687.“ Andere enthalten theologische Polemik im Stile jener fehdelustigen Zeit, eine Vertheidigung des Concils von Trient: „Oecumenici Tridentini concilii veritas“. 1677–1684. V vol. Fol. gegen Joh. Heinr. Heidegger (s. A. D. B. XI, 295); eine Vertheidigung des Baronius: „Vindex veritas Annalium ecclesiasticorum.“ 1680. Fol., gegen Joh. Heinrich Ott von Zürich. Mehreres ist noch handschriftlich vorhanden. Sein Todestag ist der 13. März 1692.

Augustin’s jüngerer Bruder war Jost Dietrich R. mit dem Klosternamen P. Placidus. Er war geboren 1652, studirte in Einsiedeln, trat daselbst 1668 ein, erhielt 1676 die Priesterweihe und lehrte Theologie und Philosophie in Einsiedeln, Pfävers und Gengenbach. Er überlebte seinen Bruder nur kurze Zeit, denn er starb schon am 31. Mai 1692. Als Mabillon 1683 Einsiedeln besuchte, begleitete er ihn auf der Reise von da nach St. Gallen, lieferte demselben Auszüge aus den Handschriften von Einsiedeln und stand später noch mit ihm in Correspondenz.

P. Gall Morel, Augustin Reding, Fürstabt von Einsiedeln, als Gelehrter und Schulmann. Programm von Einsiedeln 1861. – Ders., Geschichtliches über die Schule in Einsiedeln. Progr. das. 1855. – Hurter, Nomenclator literarius II, p. 315–318. – v. Mülinen, Prodromus einer schweizerischen [531] Historiographie, S. 89 (über Plac. R.). - P. Alb. Kuhn, Der jetzige Stiftsbau Maria-Einsiedeln, S. 35–39.