Hauptmenü öffnen

ADB:Radziwill, Anton Heinrich Fürst von

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Radziwill, Anton Heinrich Fürst v.“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 154–155, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Radziwill,_Anton_Heinrich_F%C3%BCrst_von&oldid=- (Version vom 12. Dezember 2019, 08:31 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Radulph von Tongern
Band 27 (1888), S. 154–155 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Anton Radziwiłł in der Wikipedia
GND-Nummer 115548149
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|27|154|155|Radziwill, Anton Heinrich Fürst v.|Robert Eitner|ADB:Radziwill, Anton Heinrich Fürst von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=115548149}}    

Radziwill: Anton Heinrich Fürst v. R., zwölfter Ordinat von Nieswicz und seit 1813 elfter von Olyka, geboren am 13. Juni 1775, gestorben am 7. April 1833 zu Berlin. Durch seine Verheirathung mit der Prinzessin Louise von Preußen, Tochter des Prinzen Ferdinand von Preußen 1796 (s. u.), wurde er mit dem preußischen Königshause verwandt. Seit 1815 bekleidete er den Statthalterposten im Großherzogthum Posen und war Mitglied des preußischen Staatsrathes. Neben seiner Fachbildung betrieb er mit Vorliebe Mathematik und Musik. In Letzterer zeichnete er sich soweit aus, daß man ihn unter die Künstler rechnen durfte. Er besaß eine vortreffliche Tenorstimme, spielte das Violoncell in meisterhafter Weise und schuf Compositionen, die sich neben diejenigen unserer Meister stellen konnten. Sein bedeutendstes Werk ist die Musik zu Goethe’s Faust, theils für Solo, Chor und Orchester, theils als melodramatische Begleitung des Textes. Ueber ihre Entstehung finden sich Mittheilungen in Zelter’s Briefwechsel mit Goethe, die auch mit Rücksicht auf den Dichter von Interesse sind. Am 18. November 1810 schreibt Goethe an Zelter, es stehe in Weimar „ein feltsames Unternehmen“ bevor, nämlich eine Aufführung des Faust; er bittet um Musik dazu, namentlich zum Ostergesang und dem Einschläferungslied. Erst am 16. Februar 1811 erwidert Zelter, er habe zwar gleich damit angefangen, es sei aber nichts geworden; Goethe müsse sich an einen andern wenden. Der Dichter ließ den Plan fallen. Möglich indessen, daß jene Goethe’sche Anregung den Fürsten R., in dessen Hause Zelter ein gerne gesehener Gast war, wie denn der Fürst auch Mitglied der Zelter’schen Liedertafel ward, zum ersten Versuch seiner Faustcomposition angeregt hat. Der Osterchor scheint in der That schon 1810 in der Singakademie gesungen zu sein. Der Fürst trat dann auch mit Goethe in Verbindung, der ihm die neuen Zusätze zum Faust handschriftlich mittheilte. Am 18. Februar 1816 meldet Zelter: die königlichen Prinzen hätten beschlossen, den Faust mit der Musik des Fürsten unter sich aufzuführen; den Mephisto werde Prinz Karl von Mecklenburg spielen, den Faust der Hofschauspieler Lemm, das Gretchen Madame Stich. Die Proben begannen auch sofort im Familienkreise des Fürsten; Zelter, der das Musikalische leitete, schreibt von den bis dahin fertigen Musikstücken (Christ ist erstanden, Spaziergänger vor dem Thor, Der Schäfer putzte sich zum Tanz, Drinnen gefangen ist Einer, Schwindet ihr dunkeln, Du hast sie zerstört) im ganzen mit höchster Anerkennung; was verfehlt sei, bestehe darin, daß der Fürst, wie alle angehenden Artisten, in Nebendingen hauptsächlich sei. Die Sache rückte doch aber recht langsam vorwärts. Am 2. Juli 1819 konnte Zelter erst von der versuchsweisen Aufführung zweier Scenen melden. Nun folgten weitere Proben mit neuen Theilen der Musik, darunter die Scene in Gretchens Stube; die Decorationen ordnete Schinkel an. So erfolgte denn endlich die erste Aufführung am Geburtstage der Fürstin den 24. Mai 1820 in Gegenwart des ganzen Hofes und am 7. Juni fand eine Wiederholung im Schloß Monbijou statt. Erst 1830 hatte der Fürst drei neue Scenen fertig: den Spaziergang mit Wagner, die Gartenscene und die Kirchenscene. So ward das Lebenswerk des Dichters auch dem Componisten zur Lebensarbeit. „Der edle Componist“, schreibt Zelter am 11. März 1832, „hat sich Jahre hindurch so in das Werk seines Dichters versponnen, wie ein Seidenwurm; jeder Faden hält ihn fest.“ Später erschien das ganze Werk in Partitur und Clavierauszug bei Trautwein in Berlin. Die Singakademie in Berlin führte es bis weit in die fünfziger Jahre fast alle Jahre [155] auf. Auch außerhalb Berlins ist es vielfach zur Aufführung gebracht worden trotz der nicht unerheblichen Schwierigkeiten. Die Leipziger Allgemeine Musikzeitung widmet ihm im Jahrgange 1836 S. 601 eine sehr ausführliche und lobende Besprechung. Das Werk ist im edlen Stile gehalten, zeigt nichts von dilettantenhafter Halbheit und erhält sich trotz seines großen Umfanges auf gleicher Höhe. Von Radziwill’s übrigen Compositionen sind nur 2 Romanzen in Leipzig bei Kühnel 1802 und Duettinen für 2 Singstimmen mit Pianoforte in Oranienburg bei Werkmeister 1804 gedruckt. Alle übrigen Werke sind Manuscript geblieben. R. genoß durch sein leutseliges Wesen und seine stets bereite Hilfe, besonders aufstrebenden Talenten gegenüber die allgemeinste Liebe und Verehrung und sein Tod wurde aufrichtig betrauert und in Berlin in der solennesten Weise gefeiert.

Schilling’s Musik-Lexikon und v. Ledebur’s[WS 1] Berlin. Tonkünstler-Lexikon.


Anmerkungen (Wikisource)Bearbeiten

  1. Carl Friedrich Heinrich Wilhelm Philipp Justus Freiherr von Ledebur (1806–1872), Kavallerieoffizier, Musikschriftsteller.