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Artikel „Pape, Ambrosius“ von Hugo Holstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 134–135, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pape,_Ambrosius&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 20:49 Uhr UTC)
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Pape: Ambrosius P., deutscher Dramatiker, geb. 1553 zu Magdeburg, Schüler Georg Rollenhagen’s in dem altstädtischen Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte in Wittenberg, war seit 1577 Pfarrer in Klein-Ammensleben im Magdeburgischen, trat um 1608 in den Ruhestand, lebte in Magdeburg, wo er nach 1612 als verstorben bezeichnet wird. Seine Dramen behandeln meist biblische Stoffe: Kampf zwischen David und Goliath (Magd. 1575), ein Weihnachtsspiel von der gnadenreichen Menschwerdung und frölichen Geburt Christi [135] (Magd. 1582), das Laster des Ehebruchs, das an dem Beispiele David’s sehr ernsthaft gezeigt wird (Magd. 1602), der Prophet Jonas (Magd. 1605, in 2. Auflage 1612). Das Spiel vom Glück und Zustand eines rechten Christen (Magd. 1612) gehört zur Everyman-Gruppe. Zwei andere „Mundus immundus, eine Action, wie die jetzige Welt gesinnt ist“ und ein Drama von der Tyrannei des Herodes sind verloren gegangen. In allen Dramen ist die Handlung in ermüdender Breite ausgesponnen; das Laster des Ehebruchs ist in zwei Spielen dargestellt, von denen das erste für große Schulen und vornehme Städte, „da die Jugend und Bürgerschaft in vielen Sachen sich üben und eine bequeme Ergötzlichkeit haben kann“, das zweite für ein geringeres Bühnenpersonal bestimmt war. Die Sprache ist belebt und nicht ungeschickt, einige Chorlieder zeugen von nicht gewöhnlicher dichterischer Begabung. Sein mit Teufelsscenen ausgestattetes Weihnachtsspiel, das ursprünglich auf zwei Theile berechnet war und das bis zur Anbetung der Hirten reicht, wurde 1585 von Georg Pfund (Pondo) benutzt. Im Jonas erhält der sonst etwas spröde Stoff durch die malerische Schilderung eines Seesturmes und das Auftreten des Neptun, Aeolus und Vulcan antiken Anstrich, Leben und Bewegung, während anderseits die Einführung witziger und humoristischer Partien namentlich in dem allegorischen Drama vom rechten Christen dem sonst ernst gerichteten Verfasser nicht gelungen ist. Gegen die Anklage, daß er als Geistlicher mit seinem Spiel vom Ehebruch das Laster statt ihm zu wehren vielmehr befördern werde, wußte er sich tapfer zu vertheidigen. „Aliud est praescribere, aliud describere.“ Er habe keine Form oder Modell vorgeschrieben, wie ein Meister seinem Schüler zu thun pflege, sondern er habe den Lauf der Welt beschrieben zur Warnung und nicht zur Befolgung. Dies könne auch aus der Erwähnung des Teufels gefolgert werden, aus dessen Reden man ersehe, daß solch Wesen ihm mißfalle und in keinem Wege gebilligt werde, sondern jeder gottlosen Person werde eine namhafte Strafe angehängt. P. ist auch in der Teufelslitteratur mit einer Schrift vom Bettel- oder Gartteufel (Magd. 1586) aufgetreten, und als theologischen Schriftsteller lernen wir ihn durch einen Tractat von der Vergebung der Sünden (1600), einen Bericht von den schwangeren und gebärenden Weibern (1586, 1587) und von den Kindelbieren (1588) kennen. Die Absicht, eine Sprichwörtersammlung zu liefern, kam nicht zur Ausführung.

Goedeke 2, 367. – Bolte, Märkische Forschungen 18, 214. – Jahrb. d. Ver. f. niederd. Sprachforschung 9, 97.