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Artikel „Odothaeus“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 154, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Odothaeus&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 19:40 Uhr UTC)
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Odothaeus, vielleicht (s. jedoch Maskou, Geschichte der Teutschen, I S. 307. Leipzig 1727; Bessel, „Gothen“ in der Encyclopädie von Ersch und Gruber) identisch mit Alatheus (vgl. über diesen Namen J. Grimm in Haupt’s Zeitschrift VII), ein Führer von Greuthungen (d. h. Ostgothen), der im Jahre 386 auf Schiffen über die Donau in römisches Gebiet dringen wollte, aber von dem Befehlshaber in Thrakien, Promotus (nicht von Kaiser Theodosius selbst), zurückgeschlagen und getödtet wurde, er war nicht König, obwohl ihn Claudian (ed. Jeep, Lipsiae 1876 ed. IV. consulatu Honorii V. 632) so nennt, der ihm auch, wohl in poetischer Uebertreibung, 3000 Kähne (V. 624 dux Odothaeus erat V. 626) zutheilt. Aus Zosimus (ed. Bonn. 1837. IV. 35–39 p. 214) erhellt, daß seine Haufen aus sehr verschiedenen Völkerschaften, wohl auch Hunnen und Alanen, zusammengeströmt waren. Die Ostgothen standen damals unter hunnischer Oberhoheit, ihr Königthum ruhte, da Thorismund, Ermanarich’s (s. den Artikel) Enkel vermuthlich schon gestorben war und (40 Jahre lang) kein Nachfoler gewählt wurde. O. sammelte, sei es mit sei es ohne Genehmigung der hunnischen Oberherrn, ein kleines Heer, dem Abenteurer ringsher zu eilten. An der Donau, auf deren linkem, hunnischem Ufer lagernd, raffte er Schiffe an sich, baute neue und verlangte von Promotus Verstattung freien Uebergangs. Dieser schlug die Forderung ab und plante die Vernichtung des Feindes. Gewandte, sprachkundige Sendlinge mußten sich für Ueberläufer ausgeben und gegen hohen Lohn den Barbaren die Stunde verrathen, da sie die Römer in tiefem Schlaf würden überraschen können. Zur verabredeten Nachtzeit nahen sich die Kähne dem römischen (rechten) Ufer, werden aber nun von der kaiserlichen Flotte mit der ganzen Ueberlegenheit besserer Ausrüstung, Bewaffnung und Kriegkunst angegriffen, während gleichzeitig schwere Schiffe den Strom hinab treibend, die leichten Nachen der Feinde übersegeln und versenken. Diejenigen Haufen der Bemannung, welche sich an das römische Ufer retten, werden von den dort aufgestellten Truppen niedergehauen. Wasser und Land ist von den Leichen und Waffen der Gefallenen bedeckt, auch O. fällt.

Dahn, die Könige der Germanen. II. München 1862. S. 96. V. Würzburg 1870. S. 15. – v. Wietersheim-Dahn, Geschichte der Völkerwanderung. II. Ausgabe. II. Leipzig 1881. S. 74.