ADB:Mentzer, Balthasar (lutherischer Theologe)

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Artikel „Mentzer, Balthasar IV.“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 375–376, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mentzer,_Balthasar_(lutherischer_Theologe)&oldid=- (Version vom 11. Juli 2020, 22:02 Uhr UTC)
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Mentzer: Balthasar M. IV., geb. zu Gießen am 12. Januar 1679, wo sein Vater damals Professor der Mathematik war. Sein Vater († 1727), sein Großvater († 1679) und sein Urgroßvater († 1627) hießen alle, wie er, Balthasar M.; der Vater des letzten war der Brunnenmeister Justus M. in Allendorf. Unser Balthasar M. kam im J. 1696 mit seinem Vater nach Hamburg und lernte hier bei dem berühmten Esdras Edzardi (vgl. A. D. B. Bd. V S. 650) Hebräisch, bezog dann vom Jahre 1698 an die Universitäten Wittenberg und Leipzig und machte am 8. December 1702 zu Hamburg sein theologisches Candidatenexamen. Im J. 1703 machte er in Begleitung eines jungen Kaufmanns eine Reise an den Rhein und nach Holland. Nach seiner Rückkehr ward er im J. 1704 während der Vacanz des dritten Diakonates auf ein halbes Jahr unordinirter Montagsprediger zu St. Katharinen in Hamburg; darauf nahm er im J. 1705 die Stelle eines Hofmeisters bei zwei jungen holsteinischen Adligen an. Im J. 1707 ging er über Holland nach England, wo er mehrere Jahre in Angelegenheiten von Verwandten mit einem Processe zu thun hatte. In London verkehrte er mit den angesehensten Theologen und predigte auch anfänglich vielfach für die deutsche lutherische Gemeinde. Im J. 1710 erkrankte er schwer und war so gelähmt, daß er mehrere Monate nur mit Krücken gehen konnte. Als im November 1713 der lutherische Prediger an der Trinitatiskirche in London, Johann Esdras Edzardi (Sohn des Ezdras Edzardi), starb, hielt M. ihm die Leichenpredigt und ward dann zu seinem Nachfolger gewählt. Nachdem er am 29. Juli 1714 zu Hamburg ordinirt war, trat M. dieses Amt an. Am 12. August 1717 verheirathete er sich zu Hamburg mit Johanna Hedwig Winckler (geb. am 26. December 1695, Tochter des schon 1705 gestorbenen Hauptpastors Johann Winckler in Hamburg). Während er sich wegen seines alten Leidens im J. 1722 im Bade zu Wiesbaden befand, erging an ihn ein Ruf als Consistorialrath und Hofprediger in Hannover; obschon man ihm sodann von London die glänzendsten Anerbietungen machte, um ihn zu halten, – er sollte mit seiner bisherigen Stelle die eines Predigers an der Hofkapelle verbinden und dabei ein Canonicat in Canterbury erhalten, was zusammen eine Einnahme von etwa 800 Pfund Sterling ausmachte, – nahm er doch das Amt in Hannover an; das Schiff, auf welchem er doch zunächst wieder von Hamburg nach London fuhr, um dort seine Verhältnisse zu ordnen, ward in einem heftigen Sturm verschlagen und litt so sehr, daß M. längere Zeit in äußerster Lebensgefahr war und schon sich und die Mannschaft auf den gewissen Tod vorbereitete. Im J. 1726 ward er auch Generalsuperintendent für das Fürstenthum Calenberg, als welcher er im J. 1737 bei der Eröffnung der Universität Göttingen die Einweihungspredigt hielt. Er starb am 20. December 1741 zu Hannover. – M. hatte vor, eine großbritannische Kirchengeschichte herauszugeben, schon Johann Esdras Edzardi hatte die Arbeit vorbereitet; dann hat M. jahrelang in London dafür gesammelt und gearbeitet, konnte aber schließlich für das bis zur Reformation [376] auf zwei Bände in Folio berechnete Werk keinen Verleger finden. In dem Gesangbuch von Peter Busch (Bd. III S. 642), das im J. 1737 unter dem Titel „Evangelische Liedertheologie“ erschien und zu welchem M. eine Vorrede schrieb, befindet sich auch ein Lied von ihm: „Wer bin ich, was ist mein Leben“, welches hernach auch ins hannöversche Gesangbuch von 1740 aufgenommen ist. An der Bearbeitung des letztgenannten Gesangbuches, namentlich an den Vorarbeiten für dasselbe, war M. auch als Mitglied des Consistoriums betheiligt. – Sein ältester Sohn, Balthasar M. V., geb. zu London am 27. August 1718, starb als Pastor zu Hattorf am 12. December 1753.

Jöcher III, Sp. 445 f. Rotermund zum Jöcher IV, Sp. 1461 ff. Moser, Lexikon der jetztlebenden Theologen, Züllichau 1741, 2. Theil, S. 493 ff. Bode, Quellennachweis, S. 114. – Geffcken, Johann Winckler, S. 240.