ADB:Matthaei, Konrad

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Artikel „Matthäi, Konrad“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 609–610, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Matthaei,_Konrad&oldid=- (Version vom 24. September 2022, 18:47 Uhr UTC)
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Matthäi: Konrad M., zu Braunschweig geb., studirte anfänglich Jura, ging aber zur Musik über und wurde der Schüler Heinrich Grimm’s in Magdeburg. Da er in dem Vorwort eines seiner Werke den Rathsherren von Magdeburg dankt, was sie bei der Zerstörung Magdeburgs an ihm gethan haben, so führt dies für die Zeit seiner Musikstudien in das J. 1631. Da seine Kompositionen aber erst in die fünfziger Jahre fallen, so muß er damals noch sehr jung gewesen, mithin etwa um 1608 bis 1610 geboren sein. Um 1652 finden wir ihn als Cantor an der Altstädtischen Kirche zu Königsberg in Preußen und können ihn bis ins Jahr 1664 verfolgen. Von den Königsberger Componisten sind uns durchweg eine große Anzahl Gelegenheits-Compositionen erhalten, sei es nun, daß über der Aufbewahrung der Drucke dort ein besonders günstiger Stern gewaltet hat, oder daß die Königsberger Bürger im 17. Jahrhundert wirklich so besonders musikliebend waren, daß sie es liebten, für alle Gelegenheiten Festmusiken bei ihren ersten Meistern zu bestellen. Jedenfalls besitzen wir von allen bedeutenden Königsberger Musikern des 17. Jahrhunderts eine ganz bedeutende Anzahl Gelegenheits-Compositionen, die durch Inhalt und Form zum Besten gehören, was deutsche Meister im 17. Jahrhundert geleistet haben. So von Eccard, Stobäus, Heinrich Albert, Weichmann, Sebastiani und von Matthäi. Es sind fast durchweg geistliche Gesänge mit und ohne Instrumente in ein und mehreren Sätzen, die sich besonders in späterer Zeit der Cantate nähern. Da sie gewöhnlich eine Choral-Melodie der Composition zu Grunde legen, so bilden sie zugleich eine vorzügliche Quelle, um die Melodien in ihrer frühesten Fassung kennen zu lernen. v. Winterfeld äußert sich über M. in seinem evangel. Kirchengesange (II, 150) sehr günstig: „Er nähert sich in seiner Setzweise besonders Eccard und Stobäus und hat sich dieselbe auf das Vollkommenste zu eigen gemacht, übt sie dabei aber mit großer Leichtigkeit und Gewandtheit. Nicht selten bildet die Hauptstimme, indem sie ihren Gang ungestört und ohne zertrennende Einschaltungen fortsetzt, zugleich die Keime streng canonischer Nachahmung: so in einem Grabliede (von 1659) auf Georg Pöpping, das durch eine fünfstimmige Sinfonie eingeleitet und durch eine ähnliche beschlossen wird. Hier geht die Grundstimme der höchsten fast durchgängig in einem Canon in der Unteroctave nach, während auch die übrigen ihre Grundzüge aus deren Melodie schöpfen, und dennoch ein guter Fluß der Stimmen und eine wechselnde Harmonie erreicht ist. Wir sehen, daß die alten Meister es mit ihren Gelegenheitscompositionen sehr ernsthaft und gewissenhaft nahmen und nicht in den Fehler unserer neueren Meister fielen, die gewöhnlich kaum wiederzuerkennen sind. Außer diesen Gesängen gab er aber im J. 1652 noch ein kleines theoretisches Buch heraus, welches über die Tonarten handelt und von Nikolaus Forkel als ein sehr gutes Buch bezeichnet wird. In dem Vorwort „an den unpassionirten Leser“ verwahrt sich der Verfasser sehr kräftig dagegen, „daß sein Tractat nicht seine, sondern Grimmii Arbeit sei, wie ein Schandmaul und Verläumder behauptet habe“. Wie Forkel mittheilt, nennt sich M. auf dem Titel einen Doctor juris und Forkel glaubt, er sei wieder nach Braunschweig zurückgegangen, wo er als Jurist practicirt haben soll. Dies ist jedenfalls nur eine Annahme Forkel’s, der die übrigen Lebensumstände des [610] Verfassers nicht kannte. Maßgebend ist der um 1631 fallende theoretische Musikunterricht bei Grimm in Magdeburg, seine Anstellung in Königsberg als Cantor und sein Verbleiben bis zum Jahre 1664. Ob er in dem Jahre gestorben ist, oder seine weiteren Werke verloren gegangen, muß dahin gestellt sein.

Winterfeld, evangel. Kirchengesang III, VII; Müller, Katalog der Königsberger Bibliothek.