ADB:Münchhausen, Hilmar Freiherr von

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Artikel „Münchhausen, Hilmar Freiherr von“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 5–6, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCnchhausen,_Hilmar_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 3. Dezember 2020, 00:58 Uhr UTC)
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Münchhausen: Hilmar von M., von der schwarzen Linie des Geschlechtes, neben seinem „Oheim“ Georg von Holle (A. D. B. XII, 755) und Christoph von Wrisberg der größte und bedeutendste Söldnerführer in Norddeutschland und dadurch fast von fürstlichem Ansehen und bedeutender Macht, war 1512 geboren, † am 19. April 1573. Sein Vater, Stacius v. M., wurde kurz vor der Hildesheimer Stiftsfehde wegen der von ihm erkauften Domäne Ertzen schon 1517 von Heinrich von Hardenberg erschlagen; seiner Mutter, Margarethe von Oberg, und seinen älteren Brüdern dankt er seine Erziehung, von denen Jobst und Johann im Dienste Heinrichs des Jüngern von Braunschweig am 9. Juli 1553 in der Schlacht bei Sievershausen fielen. Anfangs diente er für Jülich gegen den Kaiser und wurde gefangen, aber schon vor 1539 war er dem Kaiser zugezogen, 1542–45 ist er der bedeutendste Feldhauptmann Heinrichs des Jüngeren; als dieser sich 1545 an Philipp von Hessen bei Northeim ergab, hatten M. und Speth zu vermitteln gesucht. Kurz vorher, 1545, war M. für Heinrichs Bruder, Erzbischof Christoph von Bremen, mit Wrisberg in die Länder Wursten und Hadeln eingefallen. 1547 führte er zur Schlacht bei Mühlberg dem Kaiser als Obrister 12 Fähnlein Fußvolk (meist Protestanten) zu. Ihm waren von den Söldnern, die Christoph von Oldenburg bei Wildeshausen für den Pfalzgrafen geworben und die nachher Philipp von Hessen übernehmen wollte, im Vertragsbruch seine Gevattern Johann und Liborius v. M. mit 900 Reitern zugezogen; der erstere, Nicolaus’ Sohn, fiel tödtlich verwundet 1547 in der Schlacht bei Drakenborg den Mansfeldern in die Hände und starb alsbald zu Loccum. 1545 hatte der Bischof Johann von Osnabrück, Graf von Hoya, M. die ganze Herrschaft Stolzenau und Nienburg für 10 000 fl. verpfändet und ihn zu seinem geheimen Rath und Drost ernannt. 1554 wurde er und Georg von Holle von der Statthalterin Königin Maria und von den fränkischen Ständen aufgefordert, Truppen gegen Albrecht von Culmbach zu werben, [6] während der Schlacht bei Sievershausen lagen dieselben noch um Verden; er zog dann die Reiter seines Bruders Jobst noch an sich, preßte Herzog Heinrich deren Sold ab und warf sich dann aussaugend in das Alte Land, Hamburg gegenüber. Hier warb zwischendurch das Heer Herzog Ulrich von Mecklenburg, um seinen Bruder Johann Albrecht zur Theilung des Landes zu zwingen, was auch durch den raschen Anmarsch über Artlenburg nach Boizenburg und Wittenburg schnell und ohne Schwertstreich gelang. Die gütliche Verhandlung wurde durch v. M., Georg von Holle, Hilmar von Querenheim und Liborius (Börries) v. M. auf Apeler besorgt. Ein Anerbieten Adolfs von Holstein, gegen die Dithmarschen zu ziehen, lehnten die beiden Hauptführer ab und legten sich mit ihren Fähnlein nach Wildeshausen, das gründlich verdorben wurde. Da nun die fränkischen Stände, nachdem Albrecht von Culmbach unschädlich gemacht worden, den Sold nicht zahlen wollten, zogen Holle und v. M. eilends durch Thüringen gegen sie heran, zwangen Mühlhausen die Thore zu öffnen, verheerten das Gebiet von Erfurt und schreckten so Franken zu reichlicher Zahlung. Am 23. Febr. 1556 erhielt M. von Philipp II. das Patent als spanischer Oberst über 10 Fähnlein à 300 Mann zu werbende deutsche Knechte auf 6 Jahr, was nachher noch auf 4 Jahr, für jährlich 1200 Thaler für ihn selber verlängert wurde. Ob er schon an der Erstürmung St. Quentins 1556 Theil nahm, steht dahin, im Winter lag er in Gravelingen und commandirte unter Graf Egmont dort am 13. Juli 1557 die deutschen Regimenter, welche ihm den gefangenen französischen Feldherrn auslieferten. Egmont verlangte den letzteren vergebens und fügte sich endlich darein, daß M. ihn nach Deutschland führen ließ, wo er schweres Lösegeld zahlen mußte. Als dann die Truppen entlassen waren, blieb er im spanischen Wartegelde, nahm solches auch mit 500 Thlrn. jährlich vom Markgrafen Johann von Brandenburg-Küstrin. Seit 1561 hat er auch Bestallung für 1, dann 2 deutsche Regimenter, 8000 Mann, vom Könige Friedrich II. von Dänemark gegen Erich XIV. von Schweden für jährlich 1400, dann 2000 Thlr. übernommen; marschirte über Fünen, Seeland und Schonen nach Halland, stürmte Elfsborg mit und machte, als er entlassen wurde, noch eine Rechnung von 14870 Thalern auf. Nachher lebte er auf seinen großen Gütern, doch ging er 1566 in Vertretung des Herzogs Erich von Göttingen nach Wien, da jener die Klagen über den großen Raubzug von 1563/65 durch Norddeutschland nach Preußen und die drohende Acht abzuwenden suchte. Mit Graf Otto von Schaumburg und Jobst von Waldhausen vollzog er dort die Entschädigungsurkunde für Erich vor dem Kaiser. Als Drost des Bischofs Otto von Osnabrück war er 1570 im Geleite der Tochter Kaiser Maximilians II., Anna, die als Braut Philipps II. nach Nymwegen den Spaniern zugeführt wurde. Die Reihe Güter, welche er, weit über Norddeutschland zerstreut, zu eigen oder pfandweise erwarb, ist ganz bedeutend. Von ersteren ist das vom Markgrafen Johann als völlig frei erlangte frühere Kloster Leitzkau (Litzke) das bedeutendste; darnach nannten sich seine Nachkommen Freiherren. Von letzteren heißt Stolzenau mit Steyerberg und Schinna geradezu sein „Gouvernement“. Hier starb er und wurde fürstlich in Nienburg begraben, 200 Kürassiere geleiteten seine Leiche. – 1539 hatte er sich mit Lucia von Reden († am 21. Novbr. 1583) vermählt, die ihm 6 Söhne und 2 Töchter gebar. – In Rinteln errichtete M. ein bis jetzt gut conservirtes Familienarchiv.

Treuer, Gründl. Geschlechtshistorie etc. der Herren von Münchhausen, 99 bis 111; Anhang Einl. S. 10 und Anhang S. 429 ff. A. F. v. Münchhausen, Geschlechtshistorie des Hauses derer von Münchhausen, Hannover 1872, S. 46; 95–98; 149–150. Spangenberg, N. Vaterl. Archiv 1822, II, 322 ff. M. Lenz in v. Sybel, Histor. Zeitschr. XIII (49), S. 398. 430.