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Artikel „Lambeck, Peter“ von Karl Felix Halm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 533–536, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lambeck,_Peter&oldid=- (Version vom 8. Dezember 2019, 11:30 Uhr UTC)
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Band 17 (1883), S. 533–536 (Quelle).
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Lambeck: Peter L., Polyhistor, geb. zu Hamburg am 13. April 1628, † zu Wien am 4. April 1680. Sein Vater, Heino L., der Verfasser mehrerer mathematischer Schriften, war Schreib- und Rechnenlehrer an der St. Jacobsschule zu Hamburg, seine Mutter eine Schwester des berühmten Lucas Holste (Holstenius), der auf die geistige Entwickelung und den künftigen Lebensgang seines Neffen von großem Einfluß geworden ist. Den ersten wissenschaftlichen Unterricht erhielt der junge L. bei einem Privatlehrer; im Mai 1644 wurde er [534] in das akademische Gymnasium seiner Vaterstadt aufgenommen, das er bis zum December 1645 besuchte. Da sein Oheim nicht wünschte, daß er seine Studien auf deutschen Universitäten, die durch den 30jährigen Krieg in starken Verfall gerathen waren, fortsetze, begab er sich auf Reisen, um auf ausländischen hohen Schulen sich weiter auszubilden und insbesondere juristische Studien zu betreiben. Zuerst besuchte er das Gymnasium zu Amsterdam, wo er Casp. Barlaeus und Gerh. J. Vossius hörte; von dort aus begab er sich über Leyden nach Paris, wo er bei dem Cardinal Barberini sehr freundliche Aufnahme fand und fast zwei Jahre verblieb. Da er von der Heimath die besten Empfehlungen mitgebracht hatte und auch sich selbst durch seltenen Wissensdurst überall empfahl, wurde er sowol in Holland als in Frankreich mit den gelehrtesten Männern seiner Zeit näher bekannt, durch welchen Verkehr sein Ehrgeiz nicht wenig gehoben wurde. In Paris gab er 1647 im Alter von 19 Jahren seine erste gelehrte Arbeit „Prodromus lucubrationum criticarum in A. Gellii Noctes Atticas“ heraus, schon früher hatte er einen Commentar zu den Briefen des Sophisten Aristänetos ausgearbeitet, dessen Manuscript (es trägt das Datum 1646 Kal. Febr. Amstelodami) erst Boissonade (1822) benutzt, aber freilich nur „propria pauca, bona paucissima“ in ihm gefunden hat. Von Frankreich aus begab sich L. 1647 nach Italien und verlebte fast zwei Jahre bei seinem Oheim in Rom; ob immer im guten Einvernehmen scheint zweifelhaft, wie daraus zu schließen ist, daß der früher so lebhafte Briefwechsel später verstummte und L. im Testamente seines Oheims nicht bedacht war. Daß er jedoch schon damals in Rom die katholische Religion angenommen habe, scheint ein unbegründeter Vorwurf, wie Räß, Die Convertiten seit der Reformation, VII. S. 159 ff. zu beweisen versucht hat. Gegen Ende des Jahres 1649 verließ L. Italien und begab sich nach Toulouse, wo er bei einem Aufenthalt von acht Monaten seine juristischen Studien vollendete und sich das Licentiat der Rechte erwarb. Von Toulouse vertrieb ihn die Furcht vor dem Bürgerkrieg; er besuchte dann nochmals Paris und kehrte endlich über Holland in seine Vaterstadt zurück, wie es scheint auf das dringende Verlangen seiner Eltern. Er traf in Hamburg ein, als der Senat eben mit einer Reform des Gymnasiums beschäftigt war; da wurde L., der sich längst durch seine Gelehrsamkeit einen guten Namen gemacht hatte, vom Scholarchat mit der Professur der Geschichte am 2. December 1651 betraut; der große Eifer, den er in diesem Lehramt entfaltete, wurde nach dem 1659 erfolgten Tode des berühmten Joachim Jungius dadurch belohnt, daß er zu seinem Nachfolger als Rector perpetuus gymnasii ernannt wurde, welche Stelle er im Januar 1660 mit einer Rede antrat, in der er die vielen Verdrüßlichkeiten beklagte, mit denen er als Professor seit acht Jahren zu kämpfen gehabt, und sich über Verleumdungen, die man über ihn ausgestreut habe, zu vertheidigen suchte. Von diesen war ohne Zweifel die wichtigste die Anfechtung seiner Orthodoxie, wenn sich auch die Behörden, wie seine Beförderung gezeigt hatte, durch solche Gerüchte nicht bestimmen ließen. Auch als Rector fühlte sich L. nicht glücklich, zumal als auch unter den Lehrern Uneinigkeit herrschte. Verwöhnt durch den vieljährigen Umgang mit großen Gelehrten und hochstehenden Persönlichkeiten scheint er überhaupt seiner Stellung überdrüssig geworden und in ihm der Wunsch entstanden zu sein, sie mit einer glänzenderen zu vertauschen. Solche Gedanken waren wol auch der Anlaß zu einer neuen Reise nach Frankreich, auf der L. im August 1660 den Doctorgrad der Rechte in Bourges erwarb, welche damals so hoch gehaltene Würde am leichtesten den Weg zu einem höheren Amte zu bahnen schien. Noch ungünstiger gestaltete sich Lambeck’s Lage durch einen unseligen Schritt, den er im Februar 1662 unternommen hat. Da er durch seine lange Reisen und durch Ankäufe von kostbaren Büchern und anderen Gegenständen [535] in Schulden gerathen war, suchte er seine ökonomischen Verhältnisse durch die Heirath einer wohlhabenden älteren Jungfrau, Anna v. Hemmert, zu verbessern. Aber die Hoffnung, über ihr Vermögen verfügen zu können, ging nicht in Erfüllung; schon vier Wochen nach der Hochzeit bezog er eine kleinere Wohnung, in die ihm die Frau nicht folgen wollte. Um so mehr reifte in L. der Entschluß, die Bande, durch die er sich in Hamburg gefesselt fühlte, gänzlich zu brechen. Hierin bekräftigte ihn die Königin Christina von Schweden, die sich damals zufällig in Hamburg aufhielt; sie scheint ihm den Rath ertheilt zu haben, seine Religion zu ändern und eine seinen Verdiensten und Wünschen angemessenere Stellung in einem katholischen Lande zu suchen. L. hatte noch am Abend des 24. April 1662 eine Unterredung mit der Königin; am nächsten Morgen verließ er, Amt und Frau im Stiche lassend, heimlich Hamburg und trat, mit Empfehlungen des Jesuiten W. Gothofredi versehen, zunächst eine Reise nach Wien an. Als Grund seiner Flucht gab er später die Mißheirath an, eine Entschuldigung, die seinem Charakter keine Ehre macht. In Wien am 13. Mai angelangt, meldete er sich bei dem Beichtvater des Kaisers Leopold, dem Jesuiten Phil. Miller, und erhielt durch dessen Vermittlung schon nach wenigen Tagen eine Audienz beim Kaiser, dem er 1659 seinen „Prodromus historiae literariae“ gewidmet hatte. Leopold nahm ihn gnädig auf und versicherte ihn seines kaiserlichen Schutzes, von einer Anstellung jedoch war vorläufig keine Rede. Das bestimmte L. eine neue Reise nach Italien anzutreten, deren Zielpunkt wieder Rom war. Von Venedig aus schrieb er nach Hamburg und erbat sich vom Senat Entlassung aus seinem Dienste, die ihm ohne Anstand gewährt wurde. In Rom trat er öffentlich zur katholischen Religion über, ein Schritt, den man wol mit Recht auf Rechnung seiner ehrgeizigen Absichten gesetzt hat. Das zeigte auch der Erfolg. Denn bald nach seiner Zurückkunft nach Wien, die Ende September stattfand, wurde L. zum kaiserlichen Historiographen und Vicebibliothekar ernannt. Ein halbes Jahr später erhielt der bisherige Vorstand der Bibliothek, Matthäus Mauchter, eine andere Verwendung und L. wurde am 26. Mai 1663 sein glücklicher Nachfolger. Im August 1665 begleitete er den Kaiser, der ihn oft in der Bibliothek besuchte und stets durch besondere Huld auszeichnete, auf einer Wallfahrt nach Maria Zell in Steiermark, die L. ausführlich beschrieben hat („Diarium sacri itineris Cellensis“, Wien 1660, 270 S. 4°), dann wieder auf einer Reise nach Innsbruck, bei welcher Gelegenheit er die Bibliothek auf Schloß Ambras untersuchte und die Ueberführung ihrer Handschriften in die Hofbibliothek in Wien veranlaßte. Wie durch diese und andere Vermehrungen, so hat sich L. durch bessere Ordnung der Bibliothek, durch genauere Beschreibung ihrer Schätze und durch die Beseitigung mancher Mißstände unstreitig sehr bedeutende Verdienste erworben. Einen ausführlichen, mit großer Selbstgefälligkeit abgefaßten Bericht über seine bibliothekarische Thätigkeit überreichte er am 21. Februar 1676 dem Kaiser, der in dem Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 1858, Notizenblatt Nr. 20, abgedruckt ist. Ein litterarisches Denkmal seiner Wirksamkeit als Bibliothekar sind die „Commentarii de bibliotheca Caesarea Vindobonensi“, von denen die ersten acht Bücher in acht Foliobänden von 1665 bis 1679 erschienen sind. Wie Lambeck’s übrige selbständige Schriften, so leidet besonders dieses Werk an dem Grundfehler, daß es zu großartig angelegt und in der Ausführung mit Abschweifungen aller Art und ungehörigen Zusätzen überladen ist. Die Folge war, daß von den 25 Büchern, die es umfassen sollte, nur die ersten acht zu Stande gekommen sind, von den übrigen ist nur der beabsichtigte Inhalt bekannt geworden. Ebenso sind auch die auf sieben Bücher berechneten „Rerum Hamburgensium libri“, deren zwei erste 1653 und 1661 erschienen sind, ein Torso geblieben. Ein großartiges Werk sollte seine „Historia literaria[536] werden, der erste Versuch einer allgemeinen Litterärgeschichte, die eine Geschichte und Bibliographie aller Wissenschaften und ihrer Vertreter bei allen Nationen umfassen sollte; von diesem Riesenwerk ist nur der erste Theil eines Prodromus 1659 zu Hamburg in Folio erschienen. Außerdem verdankt man ihm eine Ausgabe von Georgii Cedreni Excerpta de originibus Constantinopolitanis mit anderen analogen Schriften (in dem Catalogus scriptorum Lambecii ist die Ausgabe mit dem Titel Syntagma antiquitatum Constantinopolitanarum aufgeführt), die in einem Prachtdruck typis regiis zu Paris 1655 erschienen ist, ferner „Tabulae synopticae in Phil. Cluverii Introductionem geographicam“, Hamburg 1660, eine Ausgabe von „Bapt. Platinae historia urbis Mantuae“ (Wien 1675, 4°) mit Anmerkungen und Zusätzen, die mit dem Ende des ersten Buches abbrechen, und einige andere kleinere Schriften. Daß L. auf seine litterarischen Arbeiten sehr eitel war, beweist am besten der Umstand, daß er wiederholt einen Katalog seiner eigenen Werke herausgegeben hat. Ein erstes Verzeichniß der Art, das dem Verfasser dieser Skizze vorliegt, hat den Titel: „Petri Lambecii Hamburgensis scripta hactenus in lucem edita ab anno aetatis XIX. usque ad annum XXXIV.“; eine zweite vermehrte Ausgabe erschien nach einer Angabe Kollar’s zu Wien ohne Jahr, eine dritte sehr erweiterte 1673, die J. Alb. Fabricius in der neuen Ausgabe der Origines Hamburgenses (Hamb. 1706) S. 2–28 wieder abdrucken ließ. Diese Verzeichnisse enthalten die Schriften Lambeck’s in drei Gruppen; die erste führt die bereits gedruckten auf, die zweite die vollendeten, aber noch nicht herausgegebenen, die dritte die scripta iam affecta, d. h. begonnenen, et brevi volente Deo absolvenda. Er hat nicht weniger als gegen 40 Werke des buntesten Inhalts in Angriff genommen oder in Aussicht gestellt, ein vergebliches geistiges Ringen mit physischer Unmöglichkeit! Lambeck’s litterarischen Nachlaß bewahrt die kais. Hofbibliothek in Wien, s. Tabulae codd. mss. in bibl. Vindob. asserv. V. p. 359 s., VI. p. 392 sqq., VII. p. 331.

(Nik. Wilkens), Leben des Gelehrten Petri Lambecii. Hamburg 1724. J. Molleri Cimbria literata III. p. 391–414. Fr. Lor. Hoffmann, Peter Lambeck als bibliographisch-literarhistorischer Schriftsteller und Bibliothekar. Soest 1864. Schröder’s Lexikon der hamburgischen Schriftsteller, IV. 276 ff. (1866). A. Räß, Die Convertiten seit der Reformation, VII. S. 156 ff.