Hauptmenü öffnen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Klee, Kaspar“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 71–72, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klee,_Kaspar&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 19:59 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Klee, Julius Ludwig
Nächster>>>
Kleberger, Hans
Band 16 (1882), S. 71–72 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 12177628X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|71|72|Klee, Kaspar|Jakob Franck|ADB:Klee, Kaspar}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=12177628X}}    

Klee: Kaspar K., evangelischer Geistlicher im Elsaß. Geboren den 10. März 1555 von katholischen Eltern zu Gerolshofen in Franken, verlor er diese frühe durch den Tod und war genöthigt, nach Art der damaligen terminirenden Schüler, zehn Jahre lang sein Brot vor fremden Thüren zu suchen, wobei er jedoch Gelegenheit fand, hier und da auch längere Zeit zu verweilen, um, wie in Schweinfurt und Koburg die lateinische Schule zu besuchen. Weil er aber der ihm aufgebürdeten Arbeiten wegen seinen Studien nicht so, wie er wünschte, obliegen konnte, durchzog er in der früheren Weise das Elsaß und einen Theil der Schweiz und fand endlich zu Straßburg nachhaltige Unterstützung und Hülfe, sowie Muße zur geistigen Arbeit. Hier studirte er nun unter Johann Pappus Theologie, wurde in das Seminarium aufgenommen und im J. 1590 auf die damalige evangelische Pfarrei Schnersheim, am Fuße des Kochersberges, befördert. Allein es war ihm das traurige Loos beschieden, als Geistlicher nicht nur in dieser, sondern auch noch in einer zweiten elsässischen Gemeinde, nach einander der letzte evangelische Pfarrer zu sein. In dem Kriege, der 1592 in Folge einer streitigen Bischofswahl zwischen Kardinal Karl von Lothringen, Bischof zu Metz, und dem Markgrafen Georg von Brandenburg ausgebrochen war (Bd. XV S. 300), wurde 1595 das genannte Dorf, wo über 36 Jahre das Evangelium gepredigt worden war, metzisches Lehen und die Einwohner auf „gütliche Weise“ vermittelst bischöflicher Soldaten zur katholischen Kirche zurückgeführt. K. wurde hierauf 1596 zu Fegersheim in der Nähe Straßburgs wieder angestellt. Allein auch dieses Dorf, in welchem bereits seit 1576 ein evangelischer Geistlicher gewirkt hatte, wurde während des erwähnten bischöfl. Krieges gleichfalls katholisch gemacht und am 3. Mai 1600 wieder katholischer Gottesdienst und Prozession gehalten. K. aber sah sich in Folge öfterer Lebensgefahr, in die er durch die Soldatesca gerieth (er selbst nennt diese Zeit seines Lebens sein „Fegersheim’sches Fegefeuer“) genöthigt, nach Straßburg zurückzuflüchten und fand eine neue Anstellung 1603 als Pfarrer der Ruprechtsau bei Straßburg. In dieser Landgemeinde, in welcher schon zu derselben Zeit wie in Straßburg die Reformation eingeführt worden war, gestaltete sich endlich dem vielgeprüften [72] Manne das Leben freundlicher. Er wohnte zu Straßburg und half den Stadtgeistlichen öffentlich in Nothfällen mit Predigen aus. Als Pfarrer zu Ruprechtsau starb er daselbst am 13. Januar 1651 (nicht 1652) hochbetagt. K. sammelte seine bei verschiedenen Anlässen verfaßten Gebete und gab dieselben mit kurzen Erläuterungen von Stellen der hl. Schrift unter dem Titel „Wegweiser zu dem ewigen seligen Leben“, 1603 in Druck. Das Buch wurde viel und gern gebraucht, denn im J. 1619 erschien eine neue und vermehrte Ausgabe dieses beliebten Andachtsbuches (bei Joh. Karolus). Was die Zeitgenossen an diesem Buche aber besonders ansprechen mochte, das ist die gemüthliche, frische, gewandte und blumenreiche Darstellung und vor allem das geschickte Einweben historischer Thatsachen aus der Kirchen- und Profangeschichte und aus der selbsteigenen Erfahrung. Als „Beschluß“ desselben ist eine Selbstbiographie beigefügt, welche in ihrer naiven Erzählung des Armenschülerwesens (Bachanten) lebhaft an jene des Thomas Platter erinnert. Daß aber das herumziehende Wesen solcher fahrender Schüler, eines Uebelstandes in den Schulen des 15. und 16. Jahrhunderts, welchen freilich die Reformation zu beschränken und ihn allmählich zu beseitigen suchte, noch längere Zeit fortdauerte, lernen wir eben aus Platter’s und Klee’s Jugendschicksalen kennen. Indessen finden sich bereits in Urkunden des 13. Jahrhunderts (vgl. Mone, Zeitschrift, II, 137) Klagen über die fahrenden Schüler am Oberrhein. Ob K. nach Witte’s Diar. biograph. (bei Jöcher) auch Verfasser einer Schrift „Apis spiritualis“ sei, muß dahingestellt bleiben, denn eine Bestätigung dieser Angabe bietet kein Bibliograph und auf größeren öffentlichen Bibliotheken hat sich dieses Buch nicht auffinden lassen.

Autobiographie Klee’s in seinem Wegweiser, S. 394–408. Röhrich, Mittheilg. aus d. Gesch. d. evangel. Kirche des Elsasses, III, 298–320, und dessen Gesch. d. Reformation im Elsaß, III, 205. Jöcher, II, 2112 (unrichtige Angaben).