ADB:Kindermann von Schulstein, Ferdinand

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Artikel „Kindermann von Schulstein, Ferdinand“ von Rudolf Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 758–762, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kindermann_von_Schulstein,_Ferdinand&oldid=- (Version vom 4. Juni 2023, 17:30 Uhr UTC)
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Kindermann: Ferdinand K. v. Schulstein, Bischof zu Leitmeritz, geb. am 27. September 1740 in Königswalde bei Schluckenau in Böhmen, † am 25. Mai 1801 zu Leitmeritz; Sohn des Häuslers Hans Balzer (Balthasar) K. und der Anna Sophia geb. Pohl, wurde in früher Jugend vor allem Anderen zum Miterwerbe für die Lebensbedürfnisse der Familie durch Spinnen angehalten, ihm deshalb auch – in merkwürdigem Gegensatze zu seiner späteren Berufsstellung – nur spärlich der Schulbesuch gestattet. Doch mächtiger noch als dieser ihm mitauferlegte Zwang der Noth war sein Lerntrieb, galt also dem Schulbuche sein erster Morgengruß, lag es neben dem Rocken und ging mit ihm zur Ruhe. Darüber allerdings vielfach ausgescholten, gelegentlich auch vom Vater ernst gefragt, wohin er mit diesem fortwährenden Lesen hinauswolle, antwortete der Knabe (wie die Tradition geht) ganz herzhaft: Bischof will ich werden! – Die Weise, wie jener kindliche Eigensinn zur Thatsache geworden, würde, wenn um einige Jahrhunderte früher, sich gewiß zur Legende gestaltet haben; so aber in einer der nüchternsten Zeitperioden vorgekommen, gilt sie als „ein glücklicher Zufall.“ – Ueber den Weg aus dem Vaterhause zur Vorstufe seines Zieles entbehren wir bestimmter Nachrichten. Auf Grund localen Brauches läßt sich jedoch mit ziemlicher Sicherheit schließen, K. habe, wie die meisten den Gymnasialstudien zustrebenden unbemittelten Jünglinge jener Gegend, Aufnahme im Prämonstratenserkloster Neuzell gefunden und dort das Gymnasium absolvirt. Die theologischen Studien vollendete er in Prag, erwarb sich überdies – 1766 – den Doctorgrad, denn es hinterblieben eigenhändige Unterschriften mit der Bezeichnung eines „Artium liberalis et Philosophie Magister et Theologie Baccalaureus“. Ueber seine nachherige Verwendung in der Seelsorge blieb nur bekannt, daß er bis 1771 als Katechet in der Klosterkirche der Ursulinerinnen in Prag wirkte, im selben Jahre aber von dort zum Pfarrer in Kaplitz – im Süden von Böhmen – befördert wurde. Für weiter liegen selbstredende Belege vor, welche darthun, daß der K. längst beseelende Gedanke, auf zeitgemäße Reform der Schule gerichtet, mit dem Eintritte in den nunmehr selbständigen Wirkungskreis, Schritt für Schritt festere und zielbewußtere Gestaltung gewann. – „Da ich die Reihe der Pflichten überdachte, die mir oblägen, so fiel mir unter den Grundlinien, die ich zu dem Plane meiner Seelsorge zog, jene von der Erziehung der Jugend und von der Verbesserung der Schulen vorzüglich in die Augen“ – lautet das eigene, in seinen später veröffentlichten Schulnachrichten niedergelegte Geständniß. Die geeignete Handhabe bot ihm zuvörderst die im [759] Umfange seiner Amtsthätigkeit gelegene Volksschule. „Der erste Tag, den ich der Seelsorge widmete, war auch der erste, den ich auf die Schule verwendete.“ – In diese verpflanzte er allmählich seine Erfahrungen und verdrängte damit geräuschlos die Auswüchse der erbsässigen, veralteten Lehrmethode. Doch nicht zufrieden mit einem Erfolge auf kurze Sicht, vielmehr gewillt einer zeitgemäßen Unterrichtsreform auch die Zukunft zu sichern, suchte K. alsbald Verständigung über ein gleichmäßiges Vorgehen mit dem wegen seines Schuleifers bekannten Augustinerabt Felbiger (Bd. VI S. 610), unterzog er insbesondere die hier angewendete Hähn’sche Litteral- und Tabellarmethode (Bd. X S. 373) eingehender Prüfung, ohne sie aber gleich Felbiger strikte anzuwenden. – In Uebereinstimmung mit diesem didactischen Grundlegen stand sein Bemühen, die Schule in ihrem materiellen Bestande zu heben, bessere Locale für sie zu beschaffen, zweckentsprechendere Lehrmittel ihr zuzueignen und hauptsächlich eine bessere Dotirung der Lehrer durchzusetzen. Verschweigen läßt sich freilich nicht, daß K., so edlen Eifers gedrängt und drängend, nur zu bald den Weg von scheinbar unübersteiglichen Hindernissen verlegt fand. In erster Reihe durch die in der bisherigen Praxis mit sammt ihren Vorurtheilen gegen Neuerungen alt und hart gewordenen Lehrer; in zweiter durch die von diesen mißtrauisch gemachten, nun zu größeren Leistungen herangezogenen Gemeinden. Und dennoch, wahrhaft heroisch, überwand er einerseits die Gegner, wußte andererseits auch die Mittel zu erkämpfen und sich Weg zu bahnen für den Beizug tüchtiger, in seinem Geiste wirkender Lehrer. K. gab in einer für die österreichische Schulgeschichte werthvoll bleibenden Broschüre: „Nachricht von der Landschule zu Kaplitz in Böhmen unter dem Schutze Sr. Excellenz des Herrn Grafen Bouquoi“, offene Rechenschaft über sein Vorhaben und die Durchführungsmethode. In Folge solcher Beharrlichkeit, zugleich unter dem Beistande einflußreicher, für sein Unternehmen gewonnener Cavaliere und Gemeindevorsteher geschah es denn, daß die Kaplitzer Schule schon nach wenig Jahren den Ruf einer „Musteranstalt“ gewonnen hatte: die näher kennen zu lernen und auf ihren Erfolg zu prüfen, stetig weltliche wie auch geistliche Lehrer herbeizogen. Solchen Weges kam die Lehrmethode Kindermann’s allmählich zu immer weiterer Ausbreitung und wurde thatsächlich zum Fundamente für die nächster Zeit von Maria Theresia und Kaiser Joseph II. allgemein in Oesterreich durchgeführte Schulreform. – Betrachten wir nun den K. für seine Reform leitenden Gedanken näher, dann ist sofort zu erkennen, daß er von vornherein nicht allein über die bis dahin der Volksschule gezogenen Grenzen hinausstrebte, sondern eine möglichst directe Verbindung der Schule mit dem praktischen Leben anzubahnen suchte. Sei es bewußt oder unbewußt, legte er damit den Grund, schuf wenigstens schon das Prinzip für die später für nothwendig erkannten Industrial- und Gewerbeschulen. – Die nach dieser Richtung bestehende Lücke bereits jener Zeit erkennend, unterzog sich K. selber der Aufgabe, die Kinder der Bauern und Häusler im Ackerbau, im Spinnen, Klöppeln, Stricken, in der Gartenarbeit und dem Anpflanzen von Küchengewächsen zu unterrichten. Die ihn für diese Verbindung der Volks- mit der Industrialschule leitende Idee hinterlegte er in einer heute noch interessanten Schrift: „Kurze Beschreibung des Propstes v. Schulstein, von der Entstehungs- und Verbreitungsart der Industrialklassen in den Volksschulen des Königreichs Böhmen“, abgedruckt im Archiv der Geschichte und Statistik insbesondere für Böhmen, Dresden 1792, welcher auch zu entnehmen ist, ein wie großes Gewicht er auf eine schöne Handschrift und den Musikunterricht legte. „Der Musik sind Eltern immer geneigt.“ … „Diese Neigung zur Tonkunst wandte ich zu meiner Absicht und zu ihrem Nutzen an.“ Die Kaiserin Maria Theresia, in liebreichster Besorgniß um die Bildung des Volkes und bekannt geworden mit den Schulerfolgen [760] Kindermann’s, berief diesen 1774 nach Wien, bestellte ihn zum Organisator der Schulen in Böhmen und betraute ihn 1775 mit der Oberaufsicht über das gesammte deutsche Schulwesen in Böhmen, indem sie ihn zugleich zum referirenden Rathe bei der in diesem Jahre eingesetzten Schulcommission ernannte. Durch die Uebernahme der genannten Aemter seinem zeitherigen Wirkungskreise entzogen, besonders dann, als er außerdem (Juni 1775) an die in Prag am Kleinseitner Gymnasium neu errichtete Lehrkanzel für Pädagogik berufen wurde, sorgte K. doch für den ehrenvollen Fortbestand der Kaplitzer Schule. Auf seine Bitte wurde der mit seinen Intentionen wohlvertraute P. Ign. Mödes zum Administrator der Pfarre und Schule aufgestellt. Uebte schon sein erstes öffentliches Auftreten in der Landeshauptstadt mittels der am Eröffnungstage der Normalschule auf der Kleinseite Prag (15. November 1775) als Schulrath gehaltenen Inauguralrede „Ueber den Einfluß der minderen Schulen auf das gemeine Leben, auf die mittleren und hohen Schulen“ (1776) zündende Wirkung, so gewannen die hier gesprochenen Worte desto nachhaltigeren Werth durch die bald ersichtliche Werkthätigkeit des für die Hebung des Unterrichts begeisterten Schulmannes. Denn bereits 1777 waren auf seinen Betrieb in mehr als 500 Orten nach seiner Lehrart herangebildete Lehrer thätig und herrschte allenthalben ein wahrer Wetteifer für weitere Ausbreitung der überall sich fruchtbar erweisenden Methode. – In Anbetracht eines solchen Erfolges der Amtswirksamkeit Kindermann’s mehrte die umsichtige Kaiserin Maria Theresia neuerlich die Zeichen ihrer Anerkennung, indem sie ihm noch im genannten Jahre die Capitulardechantei der Collegiatkirche und königlichen Landkapelle bei Allerheiligen ob dem Prager Schlosse und die insulirte Abtei von Petur in Ungarn verlieh, ihn überdies in den Ritterstand mit dem bezeichnenden Prädikate „v. Schulstein“ erhob. Eine weitere Vermehrung an Ehren ließ sie ihm 1779 zukommen durch die Ernennung zum Propst und Obervorsteher der Wallfahrtskirche Maria-Schein bei Teplitz, wo er sich, wie es im Handbillet an die böhmisch-österreichische Hofkanzlei vom 1. März 1779 hieß, „besonders im Sommer, wo vieler Concurs ist“, aufhalten und auch das dortige Normalschulwesen sich angelegen sein lassen solle, „dessen Besorgung er überhaupt zu meiner Zufriedenheit auf allen Dominien mit vielem Eifer mitführet.“ – Es ist hier zur Stelle bemerkbar zu machen, wodurch der schöpferische Geist Kindermann’s Allem, was in den österreichischen Erblanden und außerhalb dieser auf dem Gebiete des öffentlichen Schulwesens bis dahin geschehen war, weit vorauseilte. Denn nahe 10 Jahre bevor in den Fachzeitungen Deutschlands die Idee davon angeregt wurde und Professor Sextroh in Göttingen mit den gefeierten Pädagogen Joach. Heinr. Campe in Hamburg um die Priorität der Erfindung stritt, hatte K. in Böhmen schon den thatsächlichen Anstoß zu einer Einrichtung gegeben, die sich in ihm allmählich zu einem System entwickelte und durch deren fortgesetzte Verbreitung über das ganze Land er die Volksschule noch in anderer Weise als man bisher daran gedacht hatte, der künftigen Generation heilbringend zu machen suchte. Es war dies eine organische Verbindung der Volks- mit der Industrieschule. Daß die Ueberzeugung dessen auch in Deutschland Platz griff, bestätigt eine Stelle in Krünitz’ Encyklopädie LXII, S. 129 bis 145, wo ausführlich die „auf Industriebildung abzweckenden wohlthätigen Pläne des Herrn v. Schulstein von dem Jahre 1776 als dem Anfange der Ausführung derselben“ auseinander gesetzt werden. – Wahre Funken geistiger Erleuchtung blitzen in dieser Richtung aus der schon erwähnten „Kurzen Beschreibung … von der Entstehungs- und Verbreitungsart der Industrialklasse in den Volksschulen.“ Liegt doch schon in den Eingangsworten der Schrift der eigentliche Motivenbericht der unternommenen Reform: „Bei näherer Betrachtung der Volksschulen nahm ich wahr, daß man in selbigen die Jugend gerade mit [761] dem, was sie zeitlebens am meisten bedurfte und brauchte, am wenigsten beschäftigte, daß man darin viel Unnützes und beinahe Alles auf eine verkehrte Art lernte. Ich sah hierin die Quelle des Müßigganges, der Bettelei, der seichten Religionskenntniß, der Lauigkeit in der Ausübung ihrer Gebote und mehreren Untugenden.“ … Ich benutzte die erwähnten Fehler und dachte daher die Industrieschulen gleich mit der Normalschule anzulegen und sie dadurch aufs Land zu verbreiten … Allein auf dem Lande war es noch finster. „Der Industrie muß unstreitig ein verhältnißmäßiges Licht vorausgehen; in der Finsterniß hat sie sich entweder nirgends niedergelassen, oder wenn sie doch durch einen Zufall gleichsam hin verschlagen wurde, hat selbige dort sich nicht lange erhalten.“ … „Ich richtete deswegen mein ganzes Augenmerk auf die Jugendjahre, ja auf Kinder richtete ich es. Die Meinung, daß man aus der Jugend Alles machen kann, stärkte mich in meinem Vorsatze und unterstützte alle meine Gründe.“ … „Ich hatte es nur dahin zu bringen, daß es die Jugend vergnügte und die Eltern interessirte, frühzeitig arbeitsam zu sein. Das Vergnügen entstand aber für die Jugend a) aus der Abwechslung der Lehr- und Arbeitsstunden; b) aus der Gesellschaft, in welcher sie, sich selbst zur Arbeit überlassen, sich auch mit Gesprächen und anmuthigen Gesängen unterhalten; c) aus dem Gewinn, den sie wöchentlich aus ihrer Arbeit ziehen konnten.“ Ich hatte nun meinen Vorschlag nur noch interessant zu machen für die Lehrer und Eltern. Die Wahrheit, daß die belohnte oder bestrafte Eigenliebe die ganze Maschine der Nation in Bewegung setzt, gab mir viel Licht und leistete mir vortreffliche Dienste.“ Gleich leuchtende Gedanken finden sich in der obenerwähnten Inauguralrede Kindermann’s. So z. B. „der Nutzen der niederen Schulen verbreitet sich auf alle Stände; Akademien und hohe Schulen haben daher ihre Nahrung, denn die höhere Gelehrsamkeit hat ihre Grundlage in dem ersten Unterrichte.“ … Wir graben und ebnen den Grund zur Glückseligkeit des gemeinen Lebens, zur Vollkommenheit der Akademien und Universitäten, wenn wir die niederen Schulen verbessern.“ … „Trockene, unfruchtbare Lehren, gekünstelte Beweise, metaphysische Demonstrationen, schwere Theorien, welche die jungen, zarten Seelen nicht befruchten, weder das unerfahrene Alter klüger machen, noch im gemeinen Leben nützen können, schließt man aus der Reihe der nützlichen Kenntnisse gänzlich aus.“ – Bezeichnend für die der Schule gegebene Richtung ist ferner: „das Vornehmste, was man in den Schulen lehrt, ist und muß unstreitig die Religion sein.“ … „Die erste Tugend, die man den Kindern in Schulen einschärft, ist der Gehorsam.“ … Mit der in der Schule eingehaltenen Ordnung wird das Kind geneigt gemacht einst seine Haushaltung ebenfalls ordentlich einzurichten.“ … „Sich selbst kennen lernen, je früher es geschieht, desto größer der für die Kinder daraus erwachsende Vortheil.“ … „Die aufgeklärtesten Länder überzeugen uns von der Wahrheit, daß, je aufgeklärter die Nation, je arbeitsamer sie sei.“ „Ueberzeugt, daß der Reichthum, der Ueberfluß des Staates sowol als der einzelnen Bürger nur aus der Emsigkeit und Arbeitsamkeit entstehe, wird er auch in seinen Verrichtungen emsiger und in der Werkstätte arbeitsamer sein.“ Mit Bezug auf den Landmann hieß es: „Nur ein guter Unterricht kann ihn aus seinem Elend reißen und seinen Augen die Blindheit abstreifen.“ … „Er muß erst arbeitsam, mäßig, häuslich, klug werden, ehe er wirthschaftlich wird.“ … „Die Hände und den Geschmack haben sich die Schüler durch das Zeichnen auszubilden.“ … Weiter folgt eine besondere Betonung des Unterrichts in der Vaterlandsgeschichte wie der Belehrung über die Bedeutung des „edlen Wehrstandes“. Der übrige Theil der Rede commentirt in gleich geistvoller Weise die Lehrzweige des Gymnasiums. Folgen wir nun dem weiteren Emporsteigen des durch die voranstehenden Citate nach seinem Wesen und Streben uns näher gerückten [762] Mannes, so gelangen wir auch zur Ueberzeugung, daß es zeitweise doch einzelnen „Stürmern“ gegen althergebrachte und in der Gewohnheit festgewurzelte Kulturhemmnisse gelingt, schon unmittelbar bei den Zeitgenossen jene Anerkennung zu finden, in welcher die Gewährschaft liegt, daß sie sich mit seinem Wollen und Wirken identificirten. Es fällt dieses allerdings in eine Periode, in der auch vom Throne aus die Initiative für Volksbildung und Volksaufklärung ergriffen, aber auch noch nicht alle die bösen Geister in Action waren, welche der humane Kaiser Joseph II. durch seine, die natürlichen socialen Schranken überschreitenden Anordnungen zu seinem eigenen Verderben entfesselte. Mit der Action jener Geister hatte K., wie wol deutlich genug die ihn leitenden Principien darthun, nichts gemein. Spätere, ihn dessen beinzichtigende Anklagen sind tendenziöse Verleumdungen. – Am Wege der Ehren, den ihm die große Kaiserin eröffnete, geleitete ihn auch die Gunst ihres erhabenen Sohnes, der ihn gleich im ersten Jahre seiner Regierung (1781) zum Propst von Wyschehrad ernannte; 1786 als Oberdirector des neuorganisirten Prager Armeninstitutes bestätigte; unter dem 27. April 1788 zum Scholasticus im Prager Metropolitan-Domcapitel bestellte, mit der decretirten Bestimmung, „daß er an den geistlichen Officiis der übrigen Capitularen nicht zu participiren habe.“ Unter dem 29. Jänner 1790 erfolgte endlich die Ernennung Kindermann’s zum Bischofe von Leitmeritz mit Beibehaltung der Würde eines kaiserlich königlichen Schulenvisitators. Am 4. Juli 1790 zum Bischof geweiht, erfolgte die Inthronisation am 10. October d. J. – Obschon kaum länger als ein Jahrzehnt in dieser neuen Berufsstellung, wirkte K., den einmal betretenen Weg der Reform beharrlich verfolgend, zu unvergeßlichem Danke seiner neuen Gemeinde, war allenthalben zur Hand, wo es fehlte und quälte, mit besonderem Augenmerke auf die Hebung und Sicherung der Schulen. Seine erste Fürsorge nach dieser Richtung galt – 1791 – dem ins Leben rufen der Leitmeritzer Dompfarrschule nach dem Muster der Kaplitzer, die wieder zur Musteranstalt wurde für die übrigen Diöcesanschulen. – Sein am 25. Mai 1801 erfolgter Tod war, wie übereinstimmende Belege bestätigen, eine Trauerbotschaft nicht allein für die Stadt und das Land, sondern für das ganze Reich.

Oesterr. Volksschule v. A. Frh. v. Helfert, Prag 1860, 1. Bd. Jahrbuch f. Lehrer, Eltern u. Erzieher, 23. Jahrg., Prag bei Credner. Bischof Ferd. Kindermann v. Jos. Aigner, Wien 1867.