ADB:Karoline Luise

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Artikel „Karoline Luise, Fürstin zu Schwarzburg-Rudolstadt“ von Bernhard Anemüller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 415–416, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Karoline_Luise&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2020, 06:47 Uhr UTC)
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Karoline Luise, Fürstin zu Schwarzburg-Rudolstadt, – Tochter des Landgrafen von Hessen-Homburg Friedrich V. Ludwig Wilhelm Christian und dessen Gemahlin K., einer Tochter des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt –, wurde den 26. August 1771 in Homburg v. d. H. geboren, † am 20. Juni 1854. Sie genoß eine einfache, aber gründliche, fromme Erziehung und zeigte schon früh eine große Charakterfestigkeit, wie einen tief religiösen Sinn. 1791 vermählte sie sich mit dem Erbprinzen und nachmaligen Fürsten Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt. An der Seite dieses ihres vielseitig gebildeten, kunstsinnigen, seinem fürstlichen Berufe mit großer Liebe und Treue ergebenen Gemahls fand sie bald Gelegenheit, als eine mit hohem Geiste und tiefem Gemüthe begabte Frau ihre Pflichten gegen Land und Familie in seltener Weise zu erfüllen. Mit um so tieferem Ernste mußte sie daher die politische Constellation der Jahre 1806 und 1807, die für das Fürstenthum verhängnißvoll zu werden drohte, erfüllen und ihre Thätigkeit um so mehr in Anspruch nehmen, als des Fürsten Gesundheit in bedenklicher Weise wankend [416] zu werden begann. Hier verdient aus dem Jahre 1806, in welchem die Kriegsunruhen, vor und nach dem Treffen bei Saalfeld, auch Rudolstadt empfindlich trafen, erwähnt zu werden, daß Prinz Louis Ferdinand von Preußen den Abend vor dem 10. October in der fürstlichen Familie zubrachte, worüber die Fürstin schätzenswerthe Aufzeichnungen in ihrem Tagebuche hinterließ. Die von jener Zeit an immer steigenden Lasten, welche die französische Administration dem kleinen Lande brachte, ruhten fast allein auf ihren Schultern, da des Fürsten Krankheit ihn jetzt von allen Geschäften zurückhielt. Den rastlosen Bemühungen der Fürstin war es daher zuzuschreiben, daß Villain, du Moulart u. A. ihre maßlosen Forderungen milderten, bis mit dem Eintritt der schwarzburgischen Fürstenthümer in den Rheinbund weitere Besorgnisse um das Land theilweise gehoben wurden. Als 1807 der Fürst gestorben war, führte sie während der Minderjährigkeit des Erbprinzen auch die obervormundschaftliche Regierung während Deutschlands tiefster Erniedrigung 1807–1813. Eine deutsche Fürstin durch und durch, wußte sie, ohne ihrer Würde etwas zu vergeben, sich der eisernen Nothwendigkeit zu beugen und unermüdlich alle nur mögliche Erleichterung für das Haus und Land Schwarzburg in jener schweren Zeit zu erzielen. 1813 den 17. November entsagte auch sie dem Rheinbunde und wirkte für die gemeinsame Sache der Unabhängigkeit Deutschlands im kleinen Kreise nach Kräften, bis sie 1814 die Regierung in die Hände ihres nunmehr volljährigen Sohnes, des jungen Fürsten Friedrich Günther nach dessen Rückkehr aus dem Feldzuge niederlegte. Trotz der politischen Unruhen hatte sie während ihrer Regierung dennoch Zeit gefunden, Werke des Friedens zu fördern. Das bezeugt ihre Fürsorge für Schule und Kirche, für Hebung des kirchlichen und sittlichen Lebens, für Ausbildung der Volksschullehrer durch Hebung des Seminars, für das Gymnasium, für Unterstützung talentvoller, junger Leute jeglichen Standes und Geschlechts, für Vergrößerung und zweckmäßige Benutzung der verhältnißmäßig nicht unbedeutenden öffentlichen fürstlichen Bibliothek. Sie war sprichwörtlich „die Landesmutter“. Während ihres Stilllebens widmete sie sich wissenschaftlichen Studien. Mit den Heroen ihrer Zeit, mit Schiller, Goethe, Wilhelm von Humboldt (der sie eine Frau nennt, „wie man sie selten findet“), H. Voß, Abeken, Luden und vielen anderen war sie persönlich bekannt und blieb mit vielen derselben in fortwährendem Verkehr. Sie war ein würdiges Glied der Homburger Familie, deren Söhne und Töchter sich einen bleibenden Namen in der deutschen Geschichte gesichert haben, eine ebenbürtige Schwester der Prinzessin Wilhelm von Preußen. Bis in ihr Greisenalter bewahrte sie trotz der schweren Prüfungen, welche ihr nicht erspart blieben, geistige Frische und Elasticität und starb nach kurzer Krankheit den 20. Juni 1854.

Außer der Biographie von B. Anemüller: Karoline Louise, Fürstin zu Schwarzburg-Rudolstadt, geb. Prinzessin v. Hessen-Homburg; nach ihren eigenen Aufzeichnungen etc. Rudolst. 1869 u. einer solchen von K. Schwartz in dessen: Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg etc. Rudolstadt 1878, 3. Bd. S. 244 f. – vgl. noch Schiller’s Leben, verfaßt aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner. 1. Thl. Stuttgart 1829, S. 229; Charlotte v. Schiller und ihre Freunde. 2. Bd. Stuttgart 1862, S. 35 ff.; W. v. Humboldt in den Briefen an eine Freundin, 4. Aufl., 1. Thl. Leipzig 1850, S. 266 ff.; L. F. Hesse, Rudolstadt und Schwarzburg nebst ihren Umgebungen, histor. u. topograph. dargestellt. Rudolstadt 1816, S. 83 ff.