ADB:Karl Joseph von Lothringen

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Artikel „Karl Joseph, Erzbischof und Kurfürst von Trier“ von Bernhard Endrulat in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 365–366, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Karl_Joseph_von_Lothringen&oldid=- (Version vom 2. Dezember 2020, 00:52 Uhr UTC)
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Karl Joseph, Erzbischof und Kurfürst von Trier 1711–15, zweiter Sohn des Herzogs Karl V. von Lothringen, war bereits Bischof von Osnabrück und von Olmütz, als er am 24. Sept. 1710 von dem damals in Coblenz residirenden Trierer Domcapitel zum Coadjutor und Nachfolger des Erzbischofs Johann VIII. Hugo gewählt wurde. Er hielt am 20. November seinen Einzug in das von den Franzosen besetzte Trier mit Genehmigung Ludwigs XIV. und begab sich von da nach Lothringen, wo ihn die Nachricht von dem am 6. Jan. 1711 [366] erfolgten Tode Johann Hugo’s traf, die ihn zu schleuniger und wegen der Gefahr, von den Franzosen aufgefangen zu werden, heimlicher Rückkehr nach Coblenz veranlaßte. Nachdem Kaiser Joseph I. am 17. April gestorben war, begab sich der neue Erzbischof und Kurfürst nach Frankfurt a/M., um dort an der Wahl seines Nachfolgers, Karl VI., theilzunehmen. Er entfaltete bei dieser Gelegenheit eine höchst überflüssige Pracht, die seinem durch die Kriege ausgesogenen Lande einen Kostenaufwand von 40 000 Thalern verursachte. Bei den behufs Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges geführten Verhandlungen bemühte sich Kurfürst K. J., zu Gunsten seines Erzstiftes zu wirken und er erlangte endlich im Herbste 1714 die Räumung Triers von Seiten der Franzosen, die von dem nach so langer Zeit wieder aufathmenden Volke durch einen Dankgottesdienst und ein Freudenfest gefeiert wurde. Zwei Tage später hielt der Kurfürst in Begleitung seines Bruders, des Herzogs Franz von Lothringen und des Abtes von Stablo, einen prunklosen Einzug in seine Hauptstadt. Im November des genannten Jahres kam endlich ein Vergleich zwischen den geistlichen und den weltlichen Ständen des Erzstifts zum Abschlusse, durch welchen die lange streitigen, beiderseitigen Leistungen zu den Provinzialbeisteuern festgesetzt wurden. K. J., der nach der mißbräuchlichen Gewohnheit jener Zeiten neben dem Trierer Erzbisthum stets die Bisthümer Osnabrück und Olmütz beibehalten hatte, wurde während eines Aufenthaltes in Wien von den Blattern ergriffen und starb an dieser Krankheit daselbst am 4. Decbr. 1715.

Leonardy, Geschichte des trierischen Landes und Volkes. Trier u. Saarlouis 1870.