ADB:Kalckhoven, Jost

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kalcoven, Jodocus“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 19–20, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kalckhoven,_Jost&oldid=- (Version vom 1. Dezember 2020, 09:42 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 15 (1882), S. 19–20 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Jost Kalckhoven in der Wikipedia
GND-Nummer 137706588
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|19|20|Kalcoven, Jodocus|Jakob Franck|ADB:Kalckhoven, Jost}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=137706588}}    

Kalcoven: Jodocus K. (Calcoven, Jodocus Calcovius: Jost), kölnischer Buchhändler und Buchdrucker im 17. Jahrhundert. Sein Geburtsjahr sowie sein Vorleben sind unbekannt, als Ort seiner Geburt darf aber unbeanstandet Köln angenommen werden. Sein Name galt lange Zeit, und noch Adelung in seinem Gelehrten-Lexikon II, 32 theilt diesen Irrthum, als ein fingirter, als welcher er lediglich für niederländische Buchdrucker und Buchhändler den Vertrieb katholischer Artikel in Deutschland besorgt habe. Neuere Forschungen haben das Gegentheil gelehrt und so wie von 1622–1655 Cornelius von Egmond in Köln eine Art von Verlags-Commanditgeschäft für die Amsterdamer Elzevirs, so führte K. in Köln von 1641–1666 ein ähnliches für die beiden Amsterdamer Wilhelm und Johannes Blaeu (Blaeuw). Allerdings gab es bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts in Köln einige in der That fingirte Firmen, wie „Cologne chez Pierre Marteau“ und in „Köln bei Peter Hammer“, aber auch diese verdanken, wie die ächte des K. nicht einem reinen Zufall ihre Entstehung, sondern haben einen historischen Hintergrund. Manche Autoren nämlich, deren Werke in Belgien von der spanischen Censur beanstandet wurden, wandten sich mit ihnen nach Köln und es geht dies ziemlich deutlich aus einem Briefe des Moretus (Balthasar Moerentorff) an Justus Lipsius vom J. 1605 hervor. Moretus schreibt ihm über den beanstandeten Druck eines Theils der Annalen des Cardinal Baronius und er habe diesem mitgetheilt: Coloniensem editionem Plantinianae haud convenire, utpote alterius formae et characteris; atque illam ipsam publico Principum decreto (nam jam ante ita voluerunt) interdici. Porro de fide et diligentia, qua in libris sacris excudendis utimur, nullius nos censuram subterfugere etc. (Sylloges epistol. tomi V collecti per P. Burmannum. V. I, 739 bis 740). Die Geschäftsverbindung des K. aber als Buchhändler mit den beiden [20] Blaeu war eine sehr lebhafte und eigenthümliche. Johannes Blaeu nämlich, dessen Vater Wilhelm Janson Blaeu († 18. Octbr. 1638) sowohl als Buchdrucker durch seine eleganten Typen, wie als gelehrter geographischer Schriftsteller (er war ein Schüler und Freund des Tycho de Brahe) bekannt geworden war, hatte das väterliche Geschäft übernommen und führte dasselbe, weil „opulentissimus“, noch weit glänzender fort, war aber, obgleich öffentlich Protestant, doch im Geheimen ein eifriger Katholik und hatte K. zum Vertrauten dieser seiner Gesinnung gemacht. Unter seinen zahlreichen anderweitigen Druckwerken war er ganz besonders mit der Herstellung von römischen Missalen und Breviarien jeder Art beschäftigt, die er jedoch sämmtlich unter dem Namen seines Kölner Geschäftsfreundes K. ausgehen ließ. Den Untergang seiner Werkstätte mit zehn Pressen, im J. 1673 durch eine Feuersbrunst verursacht, verfehlten dann freilich nicht die Protestanten als eine wohlverdiente Strafe dafür zu erklären, daß er, obgleich ihres Glaubens, so viele papistische Bücher gedruckt und der Abgötterei der Messe Vorschub geleistet habe. Aber auch mit anderen Kölnischen Buchdruckern und Verlegern außer K. stand Joh. Blaeu in Verbindung, so in den Jahren 1641–1644 mit dem erwähnten Corn. von Egmond und dem Heinrich Hond. Nach Blaeu’s Tode, aber auch schon während dessen Lebzeit war K. als selbständiger Kölnischer Drucker aufgetreten. Auf der Nürnberger Stadtbibliothek befindet sich ein Sammelband mit neun kleinen katholischen Streitschriften, deren Typen und Papier so greulich schlecht sind, daß sie nimmermehr als Amsterdamer zu jener Zeit durch seine Eleganz sich auszeichnender Verlag sondern als das Produkt der Presse des K. selbst zu erklären sind; unter diesen Schriften befinden sich u. A. „Valeriani Magni fratris Capucini Principia et specimen philosophiae“, 1652; „Ant. Vehoff handgreiffl. Kenzeichen der Seeligmachenden Kirchen“, 1652 und Ernesti, Hassiae Landgravii ad G. Calixtum epist. peremtoria“, 1654. Im J. 1649 erscheint K. auch (Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein XXX, 32) in Verbindung mit dem letzten Sprößling der berühmten Joh. Gymnischen Firma zu Köln (Bd. X, 244), Gerwin G. als „G. G. et Jodocus Kalcovius“ und für das J. 1663 erwähnt seiner auch Geßner in seiner Buchdruckergesch. IV, 100. Aber nicht nur in Köln sondern auch in Hildesheim besaß K. eine Buchhandlung. Hier hatten nämlich seit 1618 die Jesuiten durch einen Buchdruckergehilfen, Johann Blankenberg aus Köln eine bischöfliche Druckerei mit einem den Interessen des Katholicismus dienenden Buchladen angelegt, welche aber 1634 durch die Bürger der Stadt zerstört wurde. Darauf ertheilte der Fürstbischof Ferdinand dem K. unter dem 16. Mai 1646 ein Privilegium zur Errichtung einer neuen Buchhandlung in Hildesheim, welche von einem Factor, Hermann Cramer aus Köln administrirt wurde. K. aber trat in der Folge an diesen seine Rechte auf die Handlung ab, welcher sodann und nach ihm seine Erben von 1651–1670 auch eine Druckerei daselbst besaßen. In welchem Jahre K. gestorben ist, hat sich nicht ermitteln lassen. Ein Johann Christian Kalchof aus Cassel, Medicus, lebte nach Moller’s Cimbria II, 404 im J. 1680 in Eiderstedt.

Foppens, Biblioth. belg. I, 408. 582. Beitr. zur Hildesheim. Gesch. III, 89 ff. Serapeum 1867, 303–304.