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Artikel „Jahn, Gustav Adolf“ von Karl Christian Bruhns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 664–665, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jahn,_Gustav_Adolf&oldid=- (Version vom 23. Januar 2020, 22:51 Uhr UTC)
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Band 13 (1881), S. 664–665 (Quelle).
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Jahn: Gustav Adolf J., geb. in Leipzig am 25. Oktober 1804, † daselbst am 5. Januar 1857. Er besuchte zuerst die Bürgerschule, nachher die Thomasschule und mußte, da seine Eltern mittellos waren, die praktische Mechanik erlernen, wozu er aber weder Lust noch Neigung hatte. Nach vollendeter Lehrzeit ging er 1825 nach Wien, wo er sich dem Studium der Mathematik und Astronomie unter Leitung des Professors J. J. Littrow widmete und auch eine Zeit lang an der Wiener Sternwarte arbeitete. Er kehrte nach Leipzig zurück, hörte noch die Vorlesungen der Professoren Brandes, Möbius, Drobisch und wurde 1831 in Jena auf eine lateinische Abhandlung, „De calculo eclipsium Besseliano commentatio“, promovirt, erhielt von der philosophischen Facultät der Leipziger Universität das Kregel-Sternbach’sche Reisestipendium, wofür er die Sternwarten zu Jena, Göttingen und Hamburg, sowie 1833 die zu Berlin besuchte. – Die Jablonowsky’sche Gesellschaft hatte eine Preisaufgabe über die Geschichte der Witterung des Jahres 1828 und Januar und Februar 1829 gestellt, welche J. zu lösen versuchte, doch nicht den Preis, sondern für enormen Fleiß und Aufwand von Kräften eine ansehnliche Gratification erhielt. Das lateinische Manuscript ist nach Utrecht verkauft. Er ließ sich darauf in Leipzig nieder, verehelichte sich am 21. September 1834 mit Fräulein Auguste Teucher aus Pegau, an der er eine treue, liebevolle Lebensgefährtin fand und die ihn in seinen litterarischen Arbeiten vielfach unterstützte. – Da er schon als Kind durch Krankheit schwerhörig geworden, so daß er nicht einmal die Schläge einer Pendeluhr hören konnte, war ihm die Aussicht auf eine Stelle als praktischer Astronom verschlossen und er mußte als Privatgelehrter, Lehrer der Mathematik und Schriftsteller seinen Unterhalt verdienen. Groß ist daher die Zahl der publicirten kleinen Aufsätze in Zeitungen, populären Zeitschriften u. s. w. An selbständigen Werken erschienen außer kleinen mathematischen Lehrbüchern, Broschüren über Finsternisse, Kometen u. s. w. 1832 hypsometrische Tafeln; 1834 und 1835 eine praktische Astronomie in 2 Bänden; 1837 sechsstellige Logarithmentafeln; 1839 Tafeln der Quadrat- und Kubikwurzeln; 1843 eine populäre Sternkunde; 1844 eine Geschichte der Astronomie von 1801–1842 in 2 Bänden; 1845 Wörterbuch der angewandten Mathematik, 2 Bände; 1847 ein Verzeichniß aller bis 1847 berechneten Kometenbahnen; 1848 eine populäre Astrognosie; 1851 ein Katechismus der Astronomie; 1854 die Astronomie und die Astronomen seit 1845 (anonym). Ein Versuch, ein Register zu Zach’s monatlicher Correspondenz und der Zeitschrift von Bohnenberger und Lindenau herauszugeben, mißlang, dagegen fertigte er zu den Astronomischen Nachrichten, Band 1–40, zwei Bände Generalregister, die in Hamburg 1851 und 1856 erschienen. Er gründete 1847 eine populäre Zeitschrift, „Unterhaltungen im Gebiete der Astronomie, Geographie und Meteorologie“, von der unter seiner Leitung zehn Jahrgänge erschienen und die Heis fortsetzte. Er erfand ein Instrument, Toposkop, um von einem Thurme die Richtung und Entfernung von [665] Feuer anzuzeigen, welches Instrument er im Auftrage des Stadtrathes in Leipzig im J. 1844 auf zwei Thürmen einrichtete. – Mit Leib und Seele widmete er sich der Astronomie, hielt nicht nur in Leipzig, sondern auch in anderen Städten populäre Vorträge und suchte das Interesse für Astronomie überall zu erwecken und eine Anzahl von Schülern um sich zu sammeln, die er zur Beobachtung von Sternschnuppen, Finsternissen, Sternbedeckungen u. s. w. anleitete, zu welchem Zwecke er sich selbst eine Anzahl kleiner astronomischer Instrumente anschaffte. Er gründete in Leipzig eine astronomische Gesellschaft, deren Director er war und als deren Organ die oben erwähnte Zeitschrift galt. – Seine letzten Lebensjahre waren durch schmerzhafte hämorrhoidale Blasenleiden und ein heftiges krampfhaftes Husten getrübt, davon und von zunehmender Entkräftung erlöste ihn der Tod am 5. Januar 1857 früh 6 Uhr. – Die astronomische Gesellschaft bestand nach seinem Tode noch einige Jahre fort, ging aber später von selbst ein. Sein thätiges Leben, sein großer Fleiß und sein Eifer für die Wissenschaft waren für seine äußeren Verhältnisse wenig ergiebig, so daß er seine Familie in bedrängter Lage zurückließ.

Biographische Notiz siehe: Unterhaltungen im Gebiete der Astronomie, Geographie und Meteorologie, 11. Jahrg., 1857.