ADB:Jacobi, Heinrich Otto

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Artikel „Jacobi, Heinrich Otto“ von Martin Hertz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 585–586, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jacobi,_Heinrich_Otto&oldid=- (Version vom 23. September 2020, 23:42 Uhr UTC)
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Jacobi: Heinrich Otto J. (auch Jacoby), geb. am 28. Juli 1815 zu Tütz in Westpreußen, kam schon als Knabe nach Berlin, wo er seine Bildung zuerst in einem jüdischen Erziehungsinstitut, dann nach einjährigem Besuche des Friedrich Werder’schen Gymnasiums von Johannis 1831 an auf dem grauen Kloster erhielt. Von der Natur reich begabt, durchlief er trotz der Schwächlichkeit seines Körpers und seiner drückenden äußeren Verhältnisse die Klassen von Obertertia bis Prima so schnell, daß er nach nur einjährigem Besuche der Prima Ostern 1834 mit dem ersten Zeugnißgrade zur Universität entlassen werden konnte. Von Fr. Bellermann, Droysen und Pape, die damals an der vortrefflichen Anstalt wirkten, angeregt, widmete er sich der Philologie auf der Universität zu Berlin, hörte aber daneben auch nicht nur philosophische und historische, sondern auch germanistische, mathematische und naturwissenschaftliche Vorlesungen und eignete sich auch auf diesen Gebieten reiche Kenntnisse an. Vor allem war es neben Böckh und seinem früheren Lehrer Droysen, Lachmann, an den er sich näher anschloß. Auch den religiösen Fragen wendete er eingehende Aufmerksamkeit zu und trat, durch selbstgewonnene Ueberzeugung bestimmt, zuletzt von dem trefflichen Hoßbach vorbereitet, zum Christenthum über. Nach Vollendung der Universitätsjahre erwarb er sich eine Reihe von Jahren hindurch bei emsigem Fortarbeiten seinen Lebensunterhalt durch Ertheilung von Privatunterricht. Während er selbst mit glänzendem Lehrtalente begabt, die seinem Unterrichte Anvertrauten schnell zu fördern verstand, manchen jüngeren Fachgenossen mit Rath und That aufopfernd zur Seite stand, um sie zum Eintritt in amtliche und wissenschaftliche Bahnen zu befähigen, konnte er selbst, sich nimmer genugthuend, sich lange nicht entschließen, sich einem Examen zu unterwerfen und die Früchte seiner Studien, namentlich eine sorgfältig vorbereitete aristophanische Prosopographie, zu veröffentlichen. Als dann Meineke ihm die Anfertigung des Index Graecitatis zu den von ihm herausgegebenen Fragmenten der griechischen Komiker übertrug, wendete er mit einer Peinlichkeit, die selbst die weitgehendsten Ansprüche hinter sich ließ und den zum Abschluß drängenden Meineke nicht selten in helle Verzweiflung versetzte, dieser Aufgabe fast seine ganze Kraft zu. Daneben unterstützte er Meineke bei der kleineren Ausgabe der Fragmente (Berl. 1847); nicht nur bei der Correctur, sondern, wie Meineke am Schlusse der Vorrede rühmt, oft auch in wichtigeren Dingen hatte er dabei Jacobi’s Fleiß und Gelehrsamkeit erprobt. Noch vor Vollendung des Drucks jenes Index ertheilte ihm, nachdem Lehrs von der meisterhaften Arbeit nähere Kenntniß genommen hatte, am 10. März 1854 die philosophische Facultät der Universität Königsberg die Doctorwürde honoris causa als Graecae linguae peritissimo, lexico comico de studiis eius egregie merito“. Erst drei Jahre später konnte der Comicae dictionis index als fünfter Theil der genannten Sammlung in zwei starken Bänden (Berlin, G. Reimer) ausgegeben werden. Scheinbar nur ein Werk äußerlichen Fleißes und schon als solches anerkennenswerth, erhält es einen bedeutend höheren Werth durch die bis ins Einzelnste mit hohem Aufwande von Scharfsinn und Gelehrsamkeit unter unsäglicher Mühsal getroffene Anordnung, die dem Kenner bei manchen der umfassenderen Artikel als ein kleines Kunstwerk erscheinen muß. Dazu bot er hier umfassende und von ebenso gründlichem Eindringen in den Stoff, als von Gelehrsamkeit und Schärfe zeugende supplementa addendorum zu den gleichzeitig veröffentlichten addenda Meineke’s zu den Fragmenten. Inzwischen hatte er sich auch zur Ablegung der Prüfung für das höhere Lehramt entschlossen, die er glänzend bestand. Nachdem er vom Herbste 1854 an drei Jahre hindurch als außerordentlicher Hülfslehrer griechischen Unterricht in der Oberprima des Joachimsthal’schen Gymnasiums in Berlin ertheilt hatte, erhielt er zu Neujahr 1858 eine Lehrerstelle [586] am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Posen, wo er namentlich deutschen, hebräischen und griechischen Unterricht in den oberen und mittleren Klassen, letzteren auch in der Quarta ertheilte. Auch in dieser Stellung bewährte er den Adel seiner Natur und die anregende Kraft seines auf einer vielumfassenden Bildung beruhenden Unterrichts, wenn auch ein hoher, zum großen Theil auf seiner schwächlichen Constitution beruhender Grad von Reizbarkeit den vollen Eindruck seiner bedeutenden geistigen Persönlichkeit nicht überall zum Durchbruch kommen ließ. In Anbetracht dieser von der höchsten Behörde richtig erkannten Bedeutung, wurde er schon im Frühjahr 1860 völlig außer der Reihe zum Professor ernannt. Im folgenden Jahre veröffentlichte er in einem Schulprogramm eine neue Probe der fortgesetzten Beschäftigung mit den griechischen Komikern („In comicos Graecos adnotationum corollarium“). Weitere Früchte seiner umfassenden Studien und Sammlungen sind nicht mehr an das Tageslicht getreten. Von zunehmendem Siechthum entkräftet, starb er am 16. September 1864. Vielen ist er förderlich gewesen, die sein Bild in dankbarem Andenken halten, ihm selbst war es nicht vergönnt, die hohen Ziele, die er sich gesteckt hatte, völlig zu erreichen.