ADB:Hessel, Friedrich Christian

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Artikel „Hessel, Johann Friedrich Christian“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 307–308, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hessel,_Friedrich_Christian&oldid=- (Version vom 10. Juli 2020, 23:54 Uhr UTC)
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Hessel: Johann Friedrich Christian H., Dr. der Philosophie, Professor der Mineralogie, der Berg- und Hüttenkunde zu Marburg, geboren am 27. April 1796 als der Sohn eines Kaufmanns und Siegellackfabrikanten zu Nürnberg. H. verlebte seine erste Jugendzeit bei einem Onkel, einem Pfarrer auf dem Lande bei Nürnberg, besuchte dann die Industrieschule seiner Vaterstadt, wo ihn, obwohl für den Kaufmannsstand bestimmt, die Vorträge über Naturgeschichte und Geometrie besonders fesselten. Die später aus dieser Schule hervorgegangene Realstudienanstalt wurde gleichfalls H. von besucht und mit der Berechtigung zum Uebertritt an eine Universität absolvirt. An dieser Anstalt waren es G. H. Schubert, Hermann, Schweigger, welche die großen Fähigkeiten Hessel’s weckten und ihn namentlich in der Mathematik und Naturgeschichte sehr förderten. Im Jahre 1813 bezog er die Universität Erlangen, um sich der Medicin zu widmen, siedelte ein Jahr darauf nach Würzburg über und promovirte hier 1817 als Doctor der Medicin. Während seiner medicinischen Studien hatte H. auch Mathematik, Physik, Chemie und die neueren Sprachen fleißig betrieben. Da es ihm nicht glückte, in Nürnberg sein biennium practicum zu machen, ging er nach München, wo er sich nothdürftig durch Unterricht in Mathematik und den neuern Sprachen durchhelfen mußte. Hier lernte er zufällig den damals auf kurze Zeit nach München berufenen Mineralogen C. v. Leonhard kennen, der ihm zuerst Uebersetzungen für sein mineralogisches Taschenbuch übertrug und ihn 1818 aufforderte, mit ihm nach Heidelberg überzusiedeln, als v. Leonhard dorthin zur Uebernahme der Professur der Mineralogie berufen worden war. In Heidelberg setzte H. zunächst seine medicinischen [308] Studien fort, hörte aber zugleich bei v. Leonhard Mineralogie und bei Gmelin Chemie, insbesondere vertiefte er sich in Hauy’s krystallographische Schriften und faßte endlich, nachdem er 1821 auch die philosophische Doctorwürde erlangt hatte, den Entschluß, ganz der Mineralogie sich zuzuwenden. Schon 1821 als Privatdocent in Heidelberg ernannt, wurde er in demselben Jahre noch als außerordentlicher Professor der Mineralogie und Technologie nach Marburg berufen und 1825 daselbst zum ordentlichen Professor befördert. Von dieser Zeit an wirkte H. an der Universität Marburg bis zu seinem Tode als vorzüglicher Lehrer. Seine wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich hauptsächlich auf den mathematischen Theil der Mineralogie, besonders auf Krystallographie. Seine erste Publication ist die Habilitationsschrift: „Parallelepipedum rectangulum ejusdemque sectiones in usum crystallographiae“, Heidelb. 1821; ihr folgte eine mathematische Arbeit: „Ueber die positiven und negativen Permutationen“, 1824; ferner: „Einfluß des organischen Körpers auf den unorganischen bei Versteinerungen etc.“, 1826. „Wohlfeiles Löthrohr für Chemiker und Mineralogen“ (Karsten’s Archiv IX., 1816). „Ueber die Farbenwandlung im Labrador“ (Karsten’s Archiv X., 1827) und dann seine bedeutendste Leistung: „Krystallonomie“ in Gehler’s N. phys. Wörterbuch, Bd. V, 1830 (auch selbstständig erschienen), in welcher er die Grundlage für ein allgemeines Gesetz der Körpergestaltung zu finden suchte und sich als tüchtiger Mathematiker bewährte, indem er die von Hauy geschaffene Grundlage mit der neuen Weiß’schen Zonen- und Achsenlehre und dessen Zusammenfassung von zusammengehörigen Krystallreihen in bestimmten Ordnungen oder Systemen zu verbinden bestrebt war. In einer weitern Publication in Schweigger’s Journal Bd. LXVII, 1833 behandelte H. die Krystallform des Antimon’s. Seit dieser Zeit trat er nur selten mehr als Schriftsteller auf. Eine Arbeit über ein Bimssteinlager bei Marburg in Pogg. Ann. Bd. 79, 1850 und eine seiner letzten Publicationen „Ueber dem Buntsandstein angehörige Gebilde der Umgegend von Marburg“, 1868, sind nicht von großer Bedeutung, wie denn H. überhaupt mehr Mathematiker, als Mineralog und Geolog war. H. erlebte das Glück, im Jahre 1871 sein 50jähriges Dienstjubiläum zu begehen und erhielt bei dieser Gelegenheit den rothen Adlerorden III. Cl. mit der Schleife. Uebrigens war H. Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften.

Justi, Grundl. zu e. Hess. Gel. Gesch. – v. Kobell. Gesch. der Min.