ADB:Herman, Nikolaus

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Artikel „Herman, Nicolaus“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 186–188, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herman,_Nikolaus&oldid=- (Version vom 29. März 2020, 10:20 Uhr UTC)
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Band 12 (1880), S. 186–188 (Quelle).
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Herman: Nicolaus H., der fromme Cantor zu Joachimsthal, als Liederdichter der Reformationszeit noch heute allgemein beannt. Aus seinem Leben wissen wir wenig. Da er am 3. Mai 1561 in hohem Alter gestorben ist, so mag er noch im 15. Jahrhundert geboren sein; ob die Angabe, daß er 1480 geboren sei, sich genügend beweisen läßt, scheint fraglich zu sein. Sein Geburtsort ist unbekannt. Auch wann er sein Amt in Joachimsthal angetreten habe, [187] läßt sich wol nicht sicher feststellen; vielleicht 1518; jedenfalls vor dem Jahre 1524, denn vom 6. Novbr. 1524 ist ein noch vorhandener Brief Luther’s an ihn datirt, in welchem derselbe ihm den Rath ertheilt, in seiner Stellung zu Joachimsthal auszuhalten; H. hatte nämlich dort Unannehmlichkeiten gehabt und Luther durch einen Mag. Stephan fragen lassen, ob er von Joachimsthal fortgehen solle; nicht unwahrscheinlich ist es, daß der derzeitige Rector in Joachimsthal, Philipp Eberbach, ihm irgendwie seine Stellung verleidet hatte. Wie Eberbach, hatte sich H. damals schon entschieden der Reformation zugewandt; gerade im J. 1524 hatte er auch seinen Aufruf zum Kampf wider Rom, wie man mit Recht seine Schrift „Ein Mandat Jesu Christi an alle seine getreuen Christen“ genannt hat, zum ersten Male ausgehen lassen. Dieses Büchlein, welches zuerst anonym, dann aber bald unter Herman’s Namen erschien, und allein im J. 1524 wenigstens acht mal, hernach wieder 1525, 1546 (zwei mal), 1547, 1556, 1613 und vielleicht noch öfter gedruckt ist, auch 1530 in niedersächsischem Dialect herauskam, enthält ein Aufgebot, das der Herr Christus, dem es persönlich in den Mund gelegt wird, an alle seine Getreuen ergehen läßt, die starke Veste, sein heilig Wort, die der Teufel jetzt eingenommen habe, nun wieder zu erobern. Das „Mandat“ hat sicher seinen Zweck erreicht, Christen zum Kampfe für das Evangelium zu ermuntern; daß es Beifall gefunden, zeigen die wiederholten Auflagen. – Vom J. 1532 an wirkte in Joachimsthal neben unserm H., erst als Rector der Schule und hernach als Prediger, Johannes Mathesius. Mit diesem ward H. eng befreundet; die Predigten desselben begeisterten ihn zu geistlichen Liedern. Seine Gedichte zeichnen sich durch Einfachheit und Innigkeit aus; in ihrer Naivität erinnern sie, namentlich diejenigen, in welchen er biblische Geschichten erzählt, an Hans Sachs; er selbst wollte sie nur für Kinder- und Hauslieder ausgeben und meinte, daß wer sie in die Kirchen einführe, das auf eigene Gefahr hin thue. Die meisten seiner Lieder verfertigte er in seinem Alter, nachdem er sich wegen Podagra[WS 1] hatte pensioniren lassen müssen. Zu manchen Liedern hat er auch die Melodien selbst gemacht. Seine Lieder, die zuerst einzeln erschienen, liegen dann besonders in zwei Sammlungen vor, deren erste „Die Sonntags-Evangelia … in Gesänge verfasset für die Kinder und christliche Hausväter“ zuerst 1560 mit einer Vorrede von Paul Eber erschien: die andere, „Die Historien von der Sündfluth, Joseph, Mose, Elia, Elisa und der Susanne sammt etlichen Historien aus den Evangelisten … für christliche Hausväter und ihre Kinder“, erschien erst nach seinem Tode im J. 1562; beide sind dann oft wieder gedruckt. Wackernagel hat seinem großen Werke 103 Lieder Herman’s einverleibt. Die zwei noch bekanntesten sind das Weihnachtslied: „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ und das Sterbelied: „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“, Lieder, welche die deutsche evangelische Kirche sich wol nicht aus ihren Gesangbüchern wird rauben lassen. Früher war eine weit größere Anzahl seiner Lieder in den Gemeindegesangbüchern verbreitet; im J. 1587 wurden „seine Lieder aus den Evangelien sehr fleißig von den Schulknaben zu Leipzig auf der Gasse gesungen“.

Vgl. De Wette, Luther’s Briefe, II. Bd. S. 561 (und dazu: Corpus Reformatorum vol. I. Spalte 698). – Ueber das Mandat Jesu Christi: Doedes in den theolog. Studien und Kritiken, 1878, S. 303–313; ferner Emil Weller, Repertorium, Nr. 2909 ff. – K. Ledderhose, Nikolaus Herman’s und Johannes Mathesius’ geistliche Lieder, Halle 1855 (das 4. Heft von Schircks’ geistlichen Sängern). – Goedeke, S. 165 ff. – Koch, Geschichte des Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl. Bd. I. S. 390 ff. – Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied, Bd. III. S. 1161 ff. – Wangemann in Herzog und Plitt, Theol. Realencyklopädie, Bd. VI. S. 6 f. – Im Jahre [188] 1857 erschien in Berlin (bei Wiegandt und Grieben) ein Lebensbild Herman’s von E. Pfeifer. Außerdem ist in den Lebensbeschreibungen des Mathesius auch von Herman’s Wirksamkeit in Joachimsthal die Rede. Vgl. auch G. Döring, Choralkunde, an vielen Stellen, besonders S. 43 f.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Podogra