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Artikel „Hedenus, August Wilhelm“ von Ernst Gurlt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 220–221, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hedenus,_August_Wilhelm&oldid=- (Version vom 13. November 2019, 09:07 Uhr UTC)
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Hedenus: August Wilhelm H., Arzt und Aesthetiker zu Dresden, wurde daselbst am 27. December 1797 geboren. Sein Vater war der nachmalige königlich sächsische Leibarzt und Leibchirurg Joh. Wilh. Aug. H. Der junge H. besuchte in Dresden die Kreuzschule, von 1811 ab die Landesschule Pforta, in welcher er namentlich das Studium der römischen Dichter mit dem größten Eifer trieb, so daß er sich schon damals durch eine seltene formelle Fertigkeit in der lateinischen Verskunst auszeichnete; in ihr hatte er sich für sein ganzes Leben ein veredelndes Mittel geistiger Erholung und Erhebung gewonnen. – 1816 verließ er Schulpforta, begann seine medicinischen Studien in Leipzig, setzte sie 1818 in Dresden bei der chirurgisch-medicinischen Akademie und 1819 und 1820 auf den Universitäten Göttingen und Berlin fort. An letzterem Orte schloß er sich besonders an die berühmten Universitätslehrer der Chirurgie und Augenheilkunde, Graefe und Jüngken, an und kehrte 1821 nach Leipzig zurück, woselbst er sich vorzugsweise der Anerkennung der Professoren der Medicin, Kühn, und der Chirurgie, Kuhl, zu erfreuen hatte. Er veröffentlichte auch, noch ehe er (1824) zum Doctor promovirt wurde, zwei werthvolle chirurgische Abhandlungen, nämlich „Ueber die Schilddrüse, ihre Kropferkrankung und deren Heilung“ (1822) und „Ueber die Ablösung des Oberschenkels im Hüftgelenk“ (1823). Seinen Phihellenismus bei dem damaligen Befreiungskampfe der Griechen bethätigte er durch die zur Unterstützung derselben herausgegebene Gedicht-Sammlung unter dem Titel: „Graeciae antiquam gloriam vindicanti sacrum“ (1824), deren Verkauf 1200 Thaler eintrug. Ihrerseits gaben ihm die in Leipzig anwesenden Griechen bei seiner in demselben Jahre erfolgenden Promotion Beweise ihrer Dankbarkeit. Bald darauf begab er sich auf eine wissenschaftliche Reise durch Frankreich, Großbritannien, Holland, Belgien, West- und Süddeutschland und kehrte 1826 nach Dresden zurück, um sich daselbst dem ärztlichen Berufe zu widmen. In einer mehr als 36jährigen Praxis ist er nun seinem gleich bei Beginn derselben ausgesprochenen Grundsatze „als Arzt und Mensch mitzuhelfen, wo und wie er nur könne, um zu ermuntern, zu retten und zu bessern“ keinen [221] Augenblick untreu geworden. Obgleich ein in den höheren Klassen der Gesellschaft gesuchter Arzt, war er auch in den Hütten der Armen nicht nur ein unverdrossener ärztlicher Berather, sondern auch ein unermüdlicher Wohlthäter. Um andererseits seine Stellung in und zu der Medicin als Wissenschaft zu bezeichnen, sei an das oft von ihm gehörte Loosungswort erinnert: „Die Medicin ist die centralste Naturwissenschaft“. Gleichwol erheben sich seine meistens in Zeitschriften enthaltenen, ziemlich zahlreichen medicinischen Publicationen nicht über das Niveau des beschäftigten praktischen Arztes. In noch reicherer Zahl aber finden sich, in der von ihm so geliebten lateinischen Sprache verfaßt, als Zeichen seiner Freundschaft oder Hochschätzung, im Leben und im Tode gewidmet: Votivtafeln, Epigramme, Elegien, Oden, Beglückwünschungen, Epinicien oder Epicedien bei Gelegenheit von Jubelfesten, Todesfällen etc. Es befinden sich unter den Gefeierten nicht nur medicinische Größen, sondern auch andere Koryphäen der Kunst und Wissenschaft. – Erwähnt sei noch, daß, als er mit der ihm eigenthümlichen Humanität, nach der großartigen Auswanderung des polnischen Volkes vom Jahre 1831 sich der körperlich und geistig unglücklichen Exilirten mit allen seinen Kräften annahm, ihm schon im J. 1832 im Namen des polnischen Volkes ein großer silberner, mit allen Insignien Polens und Litthauens verzierter Pokal mit einer entsprechenden Inschrift durch eine aus polnischen Senatoren, Generalen, Soldaten und den vier ersten Dichtern der Nation bestehende Deputation überreicht wurde und daß sich noch 9 Jahre später (1841) alle in Dresden anwesenden polnischen und litthauischen Familien zu einem Festmahle vereinigten, um ihrem in großem Unglück bewährten Freunde und Arzte herzliche Worte des Dankes in Bezug auf die ältere und neueste Zeit darzubringen. – Als Arzt widmete H., zum Theil vielleicht in Folge des äußerlichen Umstandes, daß er in seiner 1827 geschlossenen ersten Ehe der Schwiegersohn des berühmten Erfinders der künstlichen Mineralwässer Dr. F. A. Struve in Dresden geworden war, den Heilquellen aller Art eine ganz vorzügliche und lebhafte Aufmerksamkeit und ein tiefer gehendes Studium. So wurde von der herzoglich braunschweigischen Staatsregierung für das in Harzburg zu begründende Soolbad Julius-Hall sein Rath (1850–52) eingeholt und beifällig aufgenommen; so wurden ihm von der Stadt Carlsbad, als sie 1858 ihre 500jährige Jubelfeier beging, hohe Ehrenbezeugungen für seine Verdienste um die Stadt und die Quellen derselben zu Theil. – Nach längerem Leiden erfolgte am 6. November 1862 an einem organischen Herzübel der Tod dieses wahrhaft edlen Mannes.

Maximil. Leop. Löwe, Rede zur Erinnerung an August Wilhelm Hedenus etc. in der gemeinschaftlichen Versammlung der Gesellschaften für Natur- und Heilkunde, Flora und Isis, gehalten am 7. November 1863. Nebst einem Verzeichniß der im Druck erschienenen medicinischen Schriften und römischen Poesieen des Dr. Hedenus. Dresden 1864, 8.