ADB:Friedrich August (Herzog von Württemberg)

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Artikel „Friedrich August“ von Bernhard Kugler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 49–50, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_August_(Herzog_von_W%C3%BCrttemberg)&oldid=- (Version vom 3. Dezember 2020, 02:02 Uhr UTC)
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Friedrich August, ältester Sohn des Herzogs Friedrich von Würtemberg-Neuenstadt, wurde geboren am 12. März 1654 und starb am 6. August 1716. Dank der sorgfältigen Bemühung seines Vaters empfing er eine tüchtige wissenschaftliche und ritterliche Erziehung und wurde zu schließlicher Vollendung derselben mit seinem Bruder Ferdinand Wilhelm 1672 auf Reisen geschickt. Zunächst gingen die beiden Prinzen nach Genf, um dort bei dem angesehenen Publicisten Philipp Andreas Oldenburger einige Vorlesungen zu hören. Darnach wollten sie durch Südfrankreich nach Paris reisen, mußten aber, nachdem sie diese Absicht erst zu kleinem Theile ausgeführt hatten, wegen des inzwischen ausgebrochenen deutsch-französischen Krieges nach Würtemberg zurückkehren. Nicht lange darauf trat F. A. als Rittmeister in ein braunschweig-lüneburgisches Regiment ein, um am Kampfe gegen Ludwig XIV. Theil zu nehmen; und er hatte auch sogleich Gelegenheit in dem Treffen bei Ensisheim (4. October 1674) dieselbe Tapferkeit zu beweisen, durch die in früheren Jahren sein Vater sich ausgezeichnet hatte und die späterhin seinen Brüdern Ferdinand Wilhelm und Karl Rudolf zu hohen Ehren verhelfen sollte. Am 11. August 1675 focht er in der Schlacht bei Trier so ausdauernd im dichtesten Kampfgetümmel, daß ihm drei Pferde unter dem Leibe erschossen wurden. Auch im Treffen bei Saarbrücken und bei der Belagerung von Stade im Sommer 1676 that er sich rühmlich vor. Doch war es ihm nicht beschieden, die kriegerischen Lorbeeren, welche die Familie der Herzoge von Würtemberg-Neuenstadt im siebzehnten Jahrhundert sammelte, noch weiter zu vermehren. Der Vater wollte ihn, den ältesten Sohn und präsumtiven Nachfolger in der Regierung der Apanageterritorien der Familie nicht länger den Gefahren des Kampfes ausgesetzt sehen und rief ihn schon vor dem Abschluß des Nimweger Friedens vom Heere ab. In die Heimath zurückgekehrt hat sich F. A. am 9. Februar 1679 mit der [50] einzigen Tochter des letzten Grafen von Eberstein, Albertine Sophie Esther, „der letztblühenden Eberstein’schen Rose“, vermählt, welche ihm das Städtchen Gochsheim und einige Güter an der Grenze von Lothringen zubrachte. In glücklicher siebenunddreißigjähriger Ehe hat F. A. vierzehn Kinder erzeugt, von denen ihn jedoch nur drei Töchter überlebten. Im März 1682 verlor F. A. seinen Vater Herzog Friedrich. Seitdem verwaltete er die ererbten und erheiratheten Gebiete von Neuenstadt und Gochsheim, auch hierin den Spuren des Vaters folgend, mit Thatkraft und mit Güte. Die Leiden, welche Ludwigs XIV. Mordbrennerschaaren mehrfach über seine Unterthanen brachten, suchte er durch persönliches Einschreiten bei den feindlichen Feldherren zu mildern; und nachdem die Franzosen im August 1689 Gochsheim bis auf ein einziges Haus eingeäschert hatten, hat er mit beträchtlichen Opfern dafür gesorgt, daß das Städtchen schöner als zuvor wieder aus der Asche erstand. Die gelehrten Liebhabereien seines Vaters, die sich in Sammeln von Büchern, Münzen und Kunstgegenständen kundgegeben hatten, pflegte er ebenfalls und vermehrte namentlich das ererbte Münzcabinet. Dieses und die Kunstkammer des Vaters gingen im J. 1728 in den Besitz des Herzogs Eberhard Ludwig von Würtemberg über. F. A. war ein liebevoller Gatte und Vater, in stetem herzlichem Verkehr mit seinen ruhmgekrönten Brüdern, leutselig gegen jeden Untergebenen und voll echter Frömmigkeit. Es folgte ihm tiefe Trauer ins Grab, als er am 6. August 1716 von einem Ruhranfall im 63. Jahre seines Lebens dahingerafft wurde.

Vgl. die Leichenpredigten, die zum Andenken an F. A. und seine 1728 gestorbene Gattin zu Stuttgart 1728 gedruckt worden sind, und Pfaff, Würtembergisches Heldenbuch, S. 24 ff.