ADB:Bretislav I.

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Artikel „Bretislav I.“ von Gottlieb Biermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 317–318, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bretislav_I.&oldid=- (Version vom 26. September 2022, 09:29 Uhr UTC)
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Bretislaw I. Die Machtstellung Böhmens war unter Boleslaw III. tief gesunken, Schlesien, Chorwatien, Mähren waren an den Polenherzog Boleslaw I. [318] verloren gegangen, der sich auch in den Besitz Böhmens setzte, das die Premysliden nur mit Hülfe der Deutschen wieder erlangten, welche denn auch treu zu Deutschland hielten; an der Königswahl Konrads II. nahm auch Udalrich, König der Böhmen, Theil. Sein tapferer Sohn B., mit Judith, Tochter Heinrichs, Markgrafen des Nordgaus, vermählt, erobert um 1028 Mähren, das er durch Castelle sichert und welches seitdem mit Böhmen in steter Verbindung blieb. Nach seines Vaters Tode bestieg im Jahre 1037 er, der Liebling des Volks, „der neue Achilles“, den Herzogsstuhl. Die Wirren in Polen benützend, dringt er in dieses Reich ein, zerstört Krakau, zieht in Gnesen ein, gibt hier seinem Volke die bekannten Decrete und zieht mit der Leiche des heil. Adalberts und reicher Beute unter dem Jubel der Menge den 1. September 1039 in Prag ein. Wol mochte der thatkräftige Herzog die kühne Hoffnung gehegt haben, ein mächtiges, selbständiges Reich an Deutschlands Ostgrenzen errichten zu können, eine Idee, die seit des großmährischen Swatopluks Zeiten immer wieder auftauchte, die vielleicht unbewußt die zwei ersten Boleslawe Böhmens, die mit weitaus größerer Bestimmtheit Boleslaw Chrobry von Polen verfolgte. Schon dachte man in Rom an die Erhebung Prags zu einem Metropolitansitze und mithin an die Zerreißung des kirchlichen Bandes mit Deutschland. Da erhob sich Heinrich III. gegen das mächtig gewordene Böhmen; er fordert Rechenschaft für den Krieg des Herzogs gegen Polen. Anfänglich unglücklich, dringt 1041 der König bis Prag vor; B. sieht sich genöthigt, gehorsam zu loben, Geiseln zu stellen, den rückständigen Tribut zu zahlen, er erscheint bald darauf zu Regensburg um neuerdings Treue zu geloben und auf Polen zu verzichten, worauf er mit seinem Herzogthum belehnt wird. Seine auf die volle Selbständigkeit zielenden Pläne waren vereitelt, B. mußte gleichfalls Deutschlands Oberherrlichkeit anerkennen und treulich hielt er bis zu seinem 1055 erfolgten Tode die eingegangenen Verpflichtungen.