Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Bolko I.“ von Colmar Grünhagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 105–106, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bolko_I.&oldid=- (Version vom 24. September 2021, 09:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Bolko II.
Band 3 (1876), S. 105–106 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Bolko I. (Schweidnitz) in der Wikipedia
GND-Nummer 140129227
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|105|106|Bolko I.|Colmar Grünhagen|ADB:Bolko I.}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=140129227}}    

Bolko I., Herzog von Schweidnitz-Jauer, † 9. Nov. 1301, der zweite oder dritte Sohn Herzog Boleslaws des Kahlen, nach dessen Tode 1278 er zunächst nur Jauer und erst nach dem Tode seines Bruders Bernhard (etwa 1286) die Gebirgsdistricte Löwenberg, Hirschberg und Landshut erhielt. 1285 erhielt B. von [106] dem Markgrafen Dietrich von Landsberg die Hand seiner Tochter Gertrud zugesagt, doch ward die Ehe nicht geschlossen, da Gertrud fest darauf beharrte, Nonne zu werden, worauf B. etwa 1287 Beatrix, Tochter Otto des Langen von Brandenburg, heimführte. Aus der Erbschaft des kinderlosen Heinrich IV. (starb 1290), die an dessen Brudersöhne Heinrich und B. kam, fielen dem letzteren die Gebiete von Frankenstein, Reichenbach, Schweidnitz, Münsterberg und Strehlen zu, so daß die breite Zone von Berg- und Hügelland, zu dem im Südwesten das Flachland der Oder aufsteigt, von den Grenzen der Oberlausitz an bis zu denen des Neißer Bischoflandes, ihm gehörte. Das etwa in der Mitte der Längenausdehnung gelegene, vom hohen Fels in die Ebene niederschauende Fürstensteiner Schloß ward seit etwa 1292 seine Residenz, nach welcher er sich auch in den Urkunden Herr von Fürstenberg zu nennen pflegte. Als im J. 1296 sein Bruder Heinrich von Liegnitz-Breslau auf dem Todtenbette lag, ließ sich B. zur Uebernahme der Vormundschaft über desselben unmündige Söhne nur durch Abtretung des Zobtenschlosses mit dem dazu gehörigen Gebiete bewegen. Dann aber hat er die Regentschaft mit starker Hand geführt, auch dem Glogauer Herzog von den Landen, die derselbe dem Verstorbenen abgepreßt, die Gebiete von Bunzlau und Haynau wieder abgenommen und das erstere zu seinem, das andere zu dem Lande seiner Mündel geschlagen und zur Vertheidigung dieser Gebiete in Klitschdorf und Kotzenau Burgen erbaut. Auch Brieg, Nimptsch, Grottkau, Landeshut soll er neu befestigt und auf den Schlössern Bolkenhain (wahrscheinlich einer Gründung von ihm) und Liegnitz reiche Schätze angehäuft haben, zusammengebracht durch eine verständige und geordnete Regierung, die auch den Adel zu den Lasten heranzuziehen wußte. Ein Geltendmachen der Ansprüche, welche König Wenzel auf das Erbe Heinrichs IV. kraft einer kaiserlichen Schenkung gemacht zu haben scheint, hat seine streitbare Haltung verhindert. Für das Emporkommen der Städte Brieg, Strehlen, Frankenstein sorgte er durch Ertheilung von Privilegien, und einer ganz besonderen Fürsorge hatte sich Schweidnitz zu erfreuen. An diesem Orte hat er auch ein Dominicanerkloster, zu Schweidnitz und zu Strehlen ein Stift der Clarissinnen gegründet, in das dann seine eigene Tochter Beatrix eintrat. Seine Hauptschöpfung ist aber das Stift Grüssau bei Landeshut, wo sich schon früher böhmische Benedictiner angesiedelt, die B. 1292 durch Cistercienser aus Heinrichau ersetzte, und für welche er 1296 ein steinernes Haus erbaute. In dessen Kirche hat er dann nach seinem am 9. Nov. 1301 erfolgten Tode die letzte Ruhestätte und ein noch gut erhaltenes Denkmal gefunden.

Hauptquellen die Chron. princ Poloniae in Band I von Stenzel’s Scriptores rerum Silesiacarum und dazu Luchs, Schlesische Fürstenbilder, Bog. 28. Die Abweichungen vorstehender Darstellung von der überlieferten Erzählung gründen sich auf Stenzel’s Gründungsbuch von Heinrichau, S. 98 und Grotefend, Zur Geneal. der Bresl. Piasten, S. 85.