ADB:Blomberg, Hugo Freiherr von

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Artikel „Blomberg, Hugo von“ von Carl August Hugo Burkhardt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 719–720, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Blomberg,_Hugo_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 12. Juli 2020, 00:30 Uhr UTC)
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Blomberg: Hugo v. B., Maler und Dichter, geb. 26. Sept. 1820 in Berlin, † 17. Juli 1871; entstammt einer neumärkischen Adelsfamilie. Obwol zum Studium der Rechte bestimmt, wandte er sich bald ausschließlich den bildenden Künsten zu, trat 1847 in Paris in Coignet’s Atelier, wurde aber durch die Militärpflicht 1848 in seiner künstlerischen Laufbahn unterbrochen und kam, nachdem er fast ein Jahr in Wetzlar und Braunfels gelegen, nach Berlin zurück, um seine Studien wieder aufzunehmen. Im J. 1867 siedelte er zu seiner weiteren Ausbildung nach Weimar über, starb aber daselbst leider zu früh, am Tage nach dem Siegeseinzuge der Truppen in Berlin. Blomberg’s Kunstwerke sind streng genommen dem großen Publicum unbekannt geblieben. Er war ein reich begabter Mann, productiv im höchsten Maße, er componirte mit Leichtigkeit und leistete in der Erfindung Außerordentliches. Seine classische Bildung, seine reiche Litteraturkenntniß und die bedeutende poetische Begabung boten ihm reichen Stoff. Die vorzüglichste Fundgrube blieb für ihn die Welt der Phantasie, wie seine zahlreichen cyklischen Darstellungen beweisen. Sein Hauptfeld war das Monumentale. Die Entwürfe zur Ausschmückung des Leipziger und Weimarischen Museums bekunden dies in reichem Maße. Von bedeutenden anderen Kunstwerken nennen wir die Skizzen zu Dante’s Göttlicher Comödie; „König Wilhelm als Sieger von Königgrätz“, „Othello’s Flotte“, „Die Drachenschlucht“, „Der Scheiterhaufen Sardanapal’s“. Nebenbei war er Dichter sowol wie Kunstforscher. Seine Gedichte gehörten meist der epischen Lyrik an und sind, wenn auch nicht vollständig, in einem Bande veröffentlicht. Vieles ist noch in Zeitungen zerstreut, namentlich seine patriotischen Gedichte, die von Vaterlandsliebe, besonders für sein preußisches Heimathland, erglühen, sowie sein „Prolog zur Wiedereröffnung des Weimarischen Theaters“ im December 1870. – Als bedeutende Arbeiten in der andern Richtung sind zu nennen seine Alben der niederländ. Genre- und Landschaftsmaler, die von ihm besorgte dritte Auflage von Kugler’s „Geschichte der Malerei“ (Leipzig 1869), „Der Teufel und seine Gesellen in der bildenden Kunst“. Vorzüglich verdient seine Arbeit über das Theatralische im französischen Volkscharakter hervorgehoben zu werden (veröffentlicht von Lazarus und Steinthal in der Zeitschrift für Völkerpsychologie). Leider ist seine Studie „Ueber alles Ungeheure und Fabelwesen in der Völkerkunst und Dichtung“ unvollendet geblieben. – Was B. als Künstler geleistet, wurde nach seinem Tode durch die Ausstellung in Berlin im März 1872 tief empfunden, wenn man auch leider bedauern muß, daß er es trotz seiner [720] Farbenempfindung selten zu einer adäquaten Vollendung seiner Compositionen brachte. Darin aber sind die Urtheile übereinstimmend, daß er trotz unvollendeter künstlerischer Durchbildung, einen Adel der Empfindung, ein Gefühl für harmonische Stimmung gezeigt, wie man eine solche nur bei den größten Meistern findet – aber es fehlte ihm zum Meister eben die Meisterschaft. In seiner Vielseitigkeit erblickt man wol nicht mit Unrecht das Hemmniß für seine gediegene künstlerische Durchbildung. Er starb zu früh, um das Uebermaß seiner Thatkraft auf die technische Ausbildung zu verwenden, mittelst deren er Außerordentliches hätte leisten können.

Berliner Zeitung 1871. Nr. 162 – Berliner Nachrichten 1872. Nr. 75–82 (von Friedrich Eggers). – Nr. 115. – Gedichte und sonstiges aus der Zeit nach 1867 in der Weimarischen Zeitung. – Nekrolog von W. Lübke in der Nationalztg. – Schasler’s Dioskuren 1872. Nr. 12.