ADB:Benzenberg, Johann Friedrich

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Benzenberg, Johann Friedrich“ von Karl Christian Bruhns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 348–349, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Benzenberg,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 15. August 2020, 11:39 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 2 (1875), S. 348–349 (Quelle).
Wikisource-logo.png Johann Friedrich Benzenberg bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Friedrich Benzenberg in der Wikipedia
GND-Nummer 119019930
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|348|349|Benzenberg, Johann Friedrich|Karl Christian Bruhns|ADB:Benzenberg, Johann Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119019930}}    

Benzenberg: Johann Friedrich B., geb. am 5. Mai 1777 zu Schöller bei Elberfeld, † am 8. Juni 1846 in Bilk bei Düsseldorf. Er war der einzige Sohn eines Landpredigers, studirte zuerst in Marburg Theologie, widmete sich aber dann in Göttingen unter Lichtenberg und Kästner der Physik und Mathematik. Mit einem Studienfreund H. W. Brandes beobachtete er zuerst auf [349] wissenschaftlichem Wege die Sternschnuppen und bestimmte Zahl, Entfernung, Geschwindigkeit derselben, gab auch die Methode an, die geographische Länge eines Ortes durch Beobachtungen von Sternschnuppen zu bestimmen. Als er sich 1804 in Hamburg aufhielt, stellte er auf dem hohen Michaelisthurm Versuche mit fallenden Bleikugeln an, um daraus die Gesetze des Falles, den Widerstand der Luft und die Umdrehung der Erde zu beweisen. Dann begab er sich nach Paris und nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich in einem Kohlenschachte zu Schlebusch von neuem mit Fallversuchen. Im Jahre 1805 ernannte ihn der Kurfürst von Baiern zum Professor der Physik und Astronomie am Lyceum zu Düsseldorf und da seit 1801 eine neue Catastrirung Baierns unternommen, wurde ihm die Leitung der Landesvermessung übertragen, welche Stellung ihn zu der Herausgabe einiger Werke über Visiren, Höhenmessen und angewandte Geometrie für Feldmesser veranlaßte. Als Feind Napoleons und der Franzosen gab er in Folge der Regierungsveränderung im Bergischen sein Amt auf, ging 1810 nach der Schweiz, wo er sich als Privatmann hauptsächlich mit Höhenmessungen vermittelst des Barometers beschäftigte. Nach dem Frieden ging er nochmals nach Paris und gab seine erste politische Schrift heraus: „Wünsche und Hoffnungen eines Rheinländers“, der später noch andere über „Provinzialverfassung mit besonderer Rücksicht auf Jülich, Cleve, Berg und Mark“ (2 Bde. 1819–22), über „Preußens Geldhaushalt und neues Steuersystem“ (1822), „Ueber die Staatsverwaltung des Fürsten von Hardenberg“ (1821), „Friedrich Wilhelm III.“ (1821) etc. folgten, wodurch er sich die Ungunst der preußischen Regierung zuzog. Er kehrte zu wissenschaftlichen Arbeiten zurück, schrieb 1830 über die Dalton’sche Theorie, das Höhenmessen mit der Quecksilberwaage, hielt die Sternschnuppen für Steine aus den Mondvulkanen, worüber noch 1834 in Bonn eine eigene Schrift erschien. Er publicirte noch andere Arbeiten über Sternschnuppen (1839), Versuche über die Umdrehung der Erde neu berechnet (1845). Eine kleine Besitzung in Bilk bei Düsseldorf richtete er 1844 zu einer Sternwarte ein, die er Charlottenruhe nannte, erbaute eine auf Kugeln sich bewegende Drehkuppel, stattete die Warte mit einem nicht unbedeutenden Instrumentenvorrath aus, dessen Werth er auf 3000 Thlr. angab und legte bei der Stadt Düsseldorf eine Capital von 5000 Thalern nieder, von dessen Zinsen ein junger Astronom besoldet werden sollte. Noch während B. lebte, war Julius Schmidt (geb. in Eutin, gegenwärtig in Athen) sein Observator, dessen Nachfolger 1848 Brünnow wurde, dem 1851 Dr. Robert Luther folgte, der die Sternwarte zu Bilk durch Entdeckung einer großen Anzahl kleiner Planeten (20 bis 1875) zu einer Berühmtheit gebracht hat.