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Textdaten
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Autor: Franz Adolph Schneidawind
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Titel: Über die Handelsmessen zu Bamberg
Untertitel: Ein Wort zur Beherzigung den Freunden ihres Vaterlandes vorgelegt
aus: Journal von und für Franken, Band 4, S. 628–642
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1792
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
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II.
Über die Handelsmessen zu Bamberg.
Ein Wort zur Beherzigung den Freunden ihres Vaterlandes vorgelegt
von
Schneidawind


Vorerinnerung.
Wenn ich hier einen öffentlichen Gegenstand zur Sprache bringe, so glaube ich den Dank jedes vernünftigen Mannes| zu verdienen, bey dem wahre Vaterlandsliebe im Busen flammt, nicht bloß auf dem Munde sitzt. Die offene Art, mit der ich meine Gedanken und Beobachtungen demselben vorlege, ist Bürge meiner reinen Absicht, und nur der kann sie unedel finden, dem eine leise Stimme seines Innern sagt: So unbefangen würdest du in ähnlichen Fällen nicht gehandelt haben. Gemeinnützig zu seyn, ist Pflicht jedes Staatsbürgers, wenn er im Staate keine Nulle seyn will; und um gemeinnützig seyn zu können, ist mir bey meinen Verhältnissen, in meiner eingeschränkten Lage, ein anderer Weg übrig, als Publicität? Nur der kann Publicität mißbilligen, der sich vor derselben scheuen muß. Dem vorurtheilsfreyen Manne, bey dem Patriotismus nicht zur Affenliebe ausgeartet ist, ist sie immer willkommen. Er freut sich ihrer, als eines Vehikels, durch welches er zur Bekanntschaft mit Sachen kommt, die er zuvor nicht kannte, oder die er sonst auf einer andern Seite betrachtete. Doch ich will keine Apologie für Publicität schreiben, nur dieß fand ich nöthig als Captationem beneuolentiae vorauszuschicken.
*               *
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|  Messen sind unstreitig von weisen Regenten zur Beförderung des Commerzes angelegt worden.[1] Das Wohl des Staates bestimmte sie zu diesem Schritte. In Messen gewinnt das landesherrliche Aerarium, durch die mancherley beträchtlichen Gefälle, die in dasselbe fließen. Es gewinnt das Land, da es seine Producte, seine Fabricate an Auswärtige absetzen kann, und dadurch ihr Geld bezieht. Es gewinnen Particuliers durch Miethzinse, Speditionen, Frachten, Victualienverkauf. Eine unmittelbare Folge davon ist größerer Geldumlauf, mehrere Thätigkeit, lebhafterer Handel, geschärfter Erfindungsgeist, gehemmter Müssiggang. Ich kenne diese wohlthätigen Absichten, und verehre sie. Allerdings eine Anstalt, an der, wenn sie dem hier gezeichneten Bilde entspricht,| der Nutzen nicht verkannt werden kann. Nun zur Anwendung!

 Entspricht unsere Messe diesem Bilde? Ist sie das, was sie seyn soll? Ist sie dem Staate nützlich? Diese Frage beherzigte ich oft in meinen einsamen Stunden, und ich wage das Resultat meiner Betrachtungen in gedrängter Kürze hier vorzulegen. Ob ich richtig beobachtet habe, muß der Erfolg zeigen.

 Alle Fremde, die unsere Messe besuchen, sind überhaupt nur Krämer, nicht eigentliche Kaufleute, die hier große Geschäffte machen wollen – können. Sie besuchen sie nicht, um inländische Manufacturwaaren und Fabricate einzukaufen. Was sollten sie von uns kaufen, die wir Manufacturen und Fabriken beynahe nur dem Namen nach und vom Hörensagen kennen? wenn man anders nicht ein paar unglückliche Versuche mit diesen prächtigen Namen stempeln will. Ihr ganzes Geschäfft ist, ihre Waaren abzusetzen, sogar lot- und ellenweis zu verkrämern, ihre Losung zusammenzuzählen, eine geringe Zeche zu bezahlen, und unser Geld ins Ausland zu schleppen, für Waaren fortzuschleppen, die wir entweder selbst verfertigen, oder im Falle, daß| wirs nicht können, in eben dem Preise und von eben der Güte, ohne Messe, hier haben können. Ob uns die Messe noch nütze? Ich glaube, die Frage ist schon beantwortet.
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 Denn setzen die Meßfremden Waaren ab, die wir selbst verfertigen können, so ist die Folge, daß unser innerer Handel immer mehr fallen, unsere Betriebsamkeit immer mehr abnehmen, unser Commerz immer passiver, wir immer ärmer werden müssen. Wir verlieren ungeheure Summen ans Ausland, die wir hätten behalten, und die unsere Handwerker hätten verdienen können, wodurch sie emporgestiegen, und nützlichere Glieder in der großen Staatskette geworden wären, als sie nun sind, wo sie kaum wissen, ihr Bißchen Waare an den Mann zu bringen. Die fremden Wollenstrümpfhändler tragen gewiß verhältnißmäßig das meiste Geld aus dem Lande, indem das Strickershandwerk verarmet. Die fremden Lederhändler und Pfefferküchler finden guten Absatz, und profitiren ein schönes Sümmchen. Aber so verführt man lieber unsere rohen Häute, verarbeitet sie im Auslande, und gearbeitet verkauft man sie uns wieder. Gäbe es nicht Hände, die wir eben mit dem Verarbeiten beschäfftigen könnten? Lebküchner,| die für unsern naschhaften Gaumen eben solche unschmackhafte Pfefferkuchen backen könnten? Aber so schmeckt fremdes Brod besser, als was die Mutter backt; so haben kaum die wenigen Hände, die sich mit dem Verarbeiten beschäfftigen, Absatz genug; so ist das Geld in meiner Tasche, das ich gestern von einem fremden Lederhändler gelöst, und noch mehr, morgen in dem Beutel des fremden Lederhändlers wieder, weil ich heute eines Paars lederner Hosen oder eines Paars Stiefel bedarf. Wie viel verliert hiebey der Staat! Und man frage noch, woher die Armuth, die, ich sage nicht so viele Staatsbürger, sondern das ganze Land drückt?[2]
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 Sind aber die Waaren, mit welchen uns Meßfremde bedienen, von der Art, daß wir sie nicht verfertigen können, so können wir sie doch von unsern Krämern eben so gut und in eben dem Preise bekommen,| als von Fremden. Alle die Fremden, die unsere Messe besuchen, sind nur Krämer, die sie von eben dem Orte, aus eben der Hand beziehen, wie die unsrigen. Jene müssen noch überdieß ihre Meßkosten, Frachten, Zehrung, darauf schlagen, sie können sie also gewiß nicht wohlfeiler geben, als unsere Krämer, und geben sie’s, so muß die Waare viel schlechter seyn, und wir sind geschnellt. Warum wollen wir denn unser Geld eher Auswärtigen vergönnen, und unsere Mitbürger selbst ruiniren helfen?
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 Man überdenke nun, welche Summen in der Messe aus dem Lande gehen, man berechne den Schaden, den sowohl der Inhandel, die inländischen Gewerbe, innere Betriebsamkeit, als einzelne Staatsbürger erleiden, und das Resultat ist Verlust, Verlust mit mehr Gewißheit berechnet, als der speculirende Kaufmann seine Procente berechnet, und dem ich eben so, wie der bedächtige Mathematiker, das Quod erat demonstrandum anheften möchte. Man wende mir nicht ein, was Herrschaft, Wirthe, Fuhrleute, Victualienverkäufer gewännen. Ist das wahrer Gewinn für den Staat, wenn Einzelne Vortheil haben, und das Ganze leidet? Soll den elenden Accidentien| einiger Subalternen, deren Erhebung oft einer erniedrigenden Betteley ähnlich sieht, das gemeine Beste aufgeopfert werden? Das Bißchen, was Meßfremde hier verzehren, ist vielleicht kaum der Zehend, den sie von ihrem Gewinnste dem Lande zollen, von dem sie gewannen. Der Überrest des Gewinnstes und die Hauptsumme geht für das Land verloren, unwiderbringlich verloren. Denn was können wir dem Ausländer geben, um die Bilanz zu erhalten? Nichts als unsere Victualien,[3] die wir unserem Munde abkargen, und eben deswegen selbst theurer bezahlen müssen. Und da wir jährlich vorzüglich in beyden Messen so gewaltig um unser Geld geschröpft werden, so müssen wir, um nur etwas wieder von unserm Gelde vom Auslande zu erhalten, immer mehr Victualien verkaufen, wodurch die Preise immer steigen, bis zur Bedrückung steigen – steigen müssen. Und gewännen| Herrschaft, Wirthe und Fuhrleute nicht mehr auch ohne Messe, wenn durch Abschaffung derselben unsere inländischen Gewerbe mehr Verdienst, unser Inhandel mehr Lebhaftigkeit bekämen, und unser Activhandel gegründeter würde? Man zeige mir auch nicht auf Frankfurt oder Leipzig. Wer nur ein wenig in die Geschäffte, die da zur Meßzeit gemacht werden, eindringt, wird die Lage der Dinge ganz anders, als bey uns, antreffen. Die Messe macht Frankfurt und Leipzig blühend, uns ruinirt sie. Nach Frankfurt kommen Fremde zum Verkaufen, und Fremde kommen die Waaren abzunehmen. Nach Leipzig geht man, um das einzukaufen, was Sachsen fabricirt. Werden auch im Auslande fabricirte Artikel, z. B. Pelz, dahin geführt, so werden sie wieder von Ausländern gekauft; und kaufen sie auch Einheimische, so erhalten sie die Bilanz zu ihrem Vortheile durch den Verschluß ihrer Fabricate und Erzeugnisse ins Ausland. Beyde Städte gewinnen bey diesem für das Land unschädlichen Handel, an Spesen, Wechselgebühren, Zöllen, Miethen, Kostgeben. Auf unsere Messe hingegen kommen einige Dutzend kleine Krämer von benachbarten Ländern, die uns ihre Waare verkaufen,| selten ein fremder Kaufmann, der da käme, eine große, uns noch dazu vortheilhafte Speculation zu machen, leben so sparsam, als sie können, nehmen unsern Handwerkern, Krämern das Brod vom Munde, ersticken das Bißchen Betriebsamkeit, das man noch bey uns antrifft, zählen ihr Geld richtig zusammen, und gehen. Dieß ist der ganze kleinlichte Meßhandel. Käme es auf Beyspiele an, so könnte ich entgegen setzen: So lange Östreichs inländischer und Activhandel noch nicht zu der Größe gestiegen war, auf die ihn Josephs Anstalten emporhoben, blühte die Messe zu Botzen. Östreichs inländischer und Activhandel bekam den neuen Umschwung, und die Botzner Messe ward sehr erschüttert.
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 Jetzt aber noch eine Frage: Sollten wir das, was uns fremde Krämer in der Messe darbieten, und wir nicht haben, nicht billig selbst verfertigen können? – Zu was aber selbst verfertigen können? In der Messe kann man ja alles haben! – Eine Sprache, die ich schon oft mit Unwillen gehört habe. Die Artikel, die uns zum Bedürfnisse geworden sind, ich will noch nichts von den Waaren der Mode, des Luxus und der Galanterie sagen, können wir nicht selbst| verfertigen, man geduldet sich also bis zur Messe. Weiter ist man noch nicht gekommen. Man ist noch nicht darauf gekommen, daß auch wir es könnten, wenn wir wollten, warum? die Messe kommt jährlich unsern Bedürfnissen zweymahl periodisch zuvor. Man geduldet sich also bis dahin. Könnte und dürfte aber keine Messe, kein Fremder zuvor kommen, entweder würden wir entbehren, und glücklich seyn, oder wenn wir nicht entbehren könnten, unsern Geist, unsere Kräfte anstrengen, und das selbst verfertigen, mit dem wir befriediget seyn wollen.
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 Wenn ich so vor den Boutiken wandelte, und die manchfaltigen Artikel zur Schau ausgekramt, und zuvor nie gefühlte Bedürfnisse erregend, betrachtete, und in mir der Gedanke emporstieg: sieh, um wie viel bringt man dadurch dein Vaterland, auch das könnte es selbst verfertigen; dann ward ich unmuthig und bitter. Wenn ich den Nürnberger Tand ansah, und mich an unsere Waldgegenden ob Kronach erinnerte, wo noch so viel Holz ungenützt fault,[4] und wo die Jugend mit der Peitsche in der| Hand oder dem Floßhacken auf der Schulter ihre Zeit mit Herumlaufen zubringt; wenn mir die leinenen Strümpfe, ich will nicht Spitzen, weder Bänder noch Zitze sagen, zu Gesichte kamen, und mir dann die unverschämten Jungen und Mädchen einfielen, die einen, trotz des Verbotes, bey jedem Schritte auf öffentlichen Spaziergängen ungestümm anfallen, und um einen Heller zu Näschereyen anschreyen; wenn ich dann meinen Blick auf meinen Körper zurückzog, und die kränkende Beobachtung machen mußte, daß ich alles, was ich zu meiner Bekleidung wirklich oder eingebildet bedarf, dem Ausländer abkaufen muß, daß wir keine Tuch- oder Zeuchmacher haben, die diesen Namen verdienen,[5] dagegen aber Müssiggänger genug; keinen, der ein seidnes Halstuch fabriciren kann, wohl aber leere Räume die| Menge zu Maulbeerbäumen,[6] keine einzige Bandmühle, keine Band- oder erhebliche Tuchfärberey, hingegen genug ungebrauchte Farberde; keinen, der mir diese metallenen Knöpfe, diesen Hosenzeug, diese schlechten Hornknöpfe verfertigen kann; und wenn ich dann, den Contrast anschaulicher zu machen, die träge Unthätigkeit der arbeitenden Classe, und ihr Wohlleben dazu; das ungenützte Geld in den Kisten der Unthätigen,[7] und| die wenigen Fabriken; die vielen spielenden Kinder auf der Gasse, und z. B. die Nürnberger Kinder dagegen halte, die den so genannten Tand verfertigen, den die Bamberger großen Kinder ihren kleinen Kindern zum Spielzeuge kaufen, und die Küpferchen illuminiren, die so manches Bamberger Gebetbuch oder Zimmer schmücken: so könnte ich, wäre es nicht mein Vaterland, über das Land unwillig werden, dem die Natur eine so schöne Anlage zur Handlung sowohl, als zum Gewerbsfleisse gegeben; ich könnte wünschen, sie wäre stiefmütterlicher mit uns umgegangen, damit unser Erfindungsgeist angefeuert, und unsere Industrie reger würde. Das sind üble Folgen, wozu auch die Messe das ihrige beyträgt, Quellen der Armuth, die vom Grunde aus geheilt, nicht mit Pflastern überklebet werden muß; Übel, denen zwar abgeholfen werden muß, die aber desto bedenklicher sind, weil die Absichten des besten Regenten, wenn sie bloß in Cabinettsordern oder Rescripten liegen, ihre Wirkungen verfehlen müssen, und weder das Volk thätiger, noch das Commerz lebhafter | machen. Ein träges Volk aus seinem Schlummer zu ermuntern, dazu gehören Generationen. Beyspiele, Unterstützung könnten das Beste thun, aber auch Kammerfabriken würden es nicht erzielen: denn diese gehen meistens wegen Anstellung der vielen sich in so vielen Puncten, und aus so manchen Absichten widersprechenden, nicht selten eigennützigen Subjecte zu Ober- und Unteraufsehern, Controlleuren etc. rückgängig, geben dem Pöbel Stoff zum Lachen, und bestärken ihn in seinem Vorurtheile, als thäte nichts bey uns gut. Sollte man aber nicht solche Leute ins Land zu ziehen suchen, die das arbeiten könnten, was wir bisher nicht konnten? Hätte man nicht von einwandernden Fremden schon manchmahl mehr Vortheile ziehen können – sollen? Die einzigen Privilegien und Vortheile, die man ihnen in diesem Falle hätte geben können oder müssen, wären in einem Jahrzehende dreyfach ersetzt gewesen. Ich lege hier diese Gedanken vor, nicht um gelesen, sondern geprüft zu werden. Vielleicht daß man nun die Messe aus einem andern Standpuncte betrachtet, aus dem ich sie schon länger beobachtete! Vielleicht auch daß mein Seheglas schief repräsentirte!



  1. Gegenwärtiger Aufsatz ward von mir schon im May 1790 verfertiget. Wann unsere Messen, deren wir jährlich 2, jederzeit nach den Messen zu Frankfurt am Maine, haben, entstanden seyen, kann ich nicht angeben. Nur ein historisches Datum will ich aus Cygneus annalium bambergensium prodromus. Moguntiae 1603. Seite 12. anführen, der vom Dionysius-Tage erzählt: quo die quotannis ex priuilegio Leonis noni Bambergensibus nundinas celebrare permissum est. Ist diese Angabe, ist Leos Privilegium gegründet, schon wo abgedruckt?
  2. Wem diese Behauptung von Bamberg, als einem von Mutter Natur so reichlich bedachten Lande, zu paradox vorkommt, dem lege ich dieß Problem zur Beherzigung vor: Wer ist reicher, Spanien bey seinen Goldgruben und seiner Unthätigkeit, oder England bey seinen vielen Schulden, aber ungeheuern Handel, verbunden mit unbeschreiblicher Industrie?
  3. Zur mehreren Aufklärung dieses Worts bemerke ich, daß ich darunter auch Holz, Vieh, Getraid u. dgl. verstehe. Unsere Wolle, Steinkohlen, und die Metalle, die wir zur Zeit erhalten, reichen nicht zu, unsere inländischen Bedürfnisse zu befriedigen, und das, was davon ins Ausland abgesetzt wird, wiegt das nicht auf, was wir von eben diesen Artikeln auswärts her beziehen.
  4. In diesen Gegenden ist man noch nicht gewohnt, die abgehauenen Äste zu benützen. Wie viel liesse sich Stammholz ersparen, wenn man diese, wenn [639] auch zu nichts anders, nur zur Feurung nützte? Dem Unfuge, die Stöcke von beträchtlicher Größe und ausserordentlich lange in den Wäldern stehen zu lassen, wird eine 1790 publicirte Kammerverordnung Einhalt thun.
  5. Dies gilt nur unter einiger Einschränkung. Die Wollenmanufacturen zu Weißmain sind nicht unbeträchtlich. Zu Herzogenaurach wird viel Wolle, meist ausländische, nämlich Nürnberger und Anspacher, verarbeitet. Auch zu Staffelstein, Stadtsteinach werden viele, z. B. Damast und andere Wollenzeuche verarbeitet.
  6. Die Seidenwürmerzucht hat bey uns schon Liebhaber gefunden, die aber, aus Mangel der Maulbeerblätter, nicht ins Große gehen können. Unter ihnen nehmen den ersten Platz ein, unser Herr Vicedom Freyh. von Künsberg, und der Herr Stadtvogt Günther zu Weißmain, der in der Gegend um Weißmain schon eine beträchtliche Anzahl Maulbeerbäume setzte. Um den Seidenbau, als einen Zweig von Erwerbsart, emporzubringen, könnte man nicht die Chausseen in unsern wärmern Gegenden mit Maulbeerbäumen besetzen? Man verzeihe meinem Patriotismus diese Idee, die ich hier, wiewohl unberufen, äussere.
  7. Aus Sprichwörtern, gemeingebrauchten Redensarten, läßt sich gewiß der Genius der Nationen errathen. Zum Beweise dessen, was ich hier sage, füge ich eine solche bey: Leute, die sich einige Tausend erworben, anstatt damit Speculationen ins Große zu treiben, raisonniren vielmehr so: Itzt will ich mein Geld auf Capital legen, mich in die Ruhe setzen, und meinem Gott dienen. Die gewöhnliche Antwort darauf ist: da thut er (oder sie) wohl daran, da kann man Leib und Seel Guts thun. Die Quellen so schädlicher Grundsätze überlasse ich [641] jedem einsichtsvollen wahrheitsliebenden Manne anzugeben.