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Titel: Zwei neue interessante Werke
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aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 112
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[112] Zwei neue interessante Werke der musikalischen Literatur wollen wir der Beachtung unserer Leser empfehlen. Das erste sind „Zwei Clavierstücke“ von Mendelssohn-Bartholdy, die erst jetzt in Deutschland (Leipzig, Bartholf Senff) veröffentlicht wurden, obwohl sie in England längst populär waren: ein „Andante cantabile“ in B dur und „Preso agiato in G moll. Zwei werthvolle Reliquien des unvergeßlichen Meistern, in der Weise seiner Lieder ohne Worte, werden sie allen Clavierspielern um so willkommener sein, als es heute wenige Tondichtungen geben möchte, welche so natürlich dem Geiste wie der Technik sich anschmiegen.

Das zweite Werk, von welchem wir reden, ist speciell den jugendlichen Spielern gewidmet: „Der erste Fortschritt, 24 kleine Vorspielstücke für jeden Clavierschüler zur Uebung und Unterhaltung von Louis Köhler, Op. 79“. Es sind dies allerliebste Stücke von leichtem Claviersatz, doch dabei von übender Structur. Die Melodien sind so kindlich gegeben, daß sie schnell im Gehör und im Gefühl Wurzel fassen, dabei charakteristisch genug, damit selbst der jüngste Spieler, mit Befolgung der sehr genau bezeichneten Spielart von innen heraus zu eigenem und Anderer Vergnügen sie wird vortragen können. Alle Gattungen sind vertreten, Tanz und Marsch, Lied, Charakterstück, Variation, Etüde, Rondo etc., und der Verfasser hat es sehr glücklich getroffen, all den kleinen Compositionen ein kindlich verständliches Gefühl einzuhauchen, wodurch dem Kinde die Melodie so klar wie ein gemaltes Bild wird. Wenn wir vor länger als Jahresfrist Louis Köhler’s „erste Etüden für jeden Clavierschüler, Op. 50“, als eines der besten Studienwerke der neueren Zeit anführten, so haben wir die Genugthuung, daß dieselben sich seitdem allenthalben demgemäß bewährten und erst vor Kurzem noch die ehrenvolle Anerkennung fanden, vom Conservatorium der Musik zu Leipzig angenommen zu werden. Die oben genannten „Vorspielstücke“ schließen sich diesen „ersten Etüden“ in überaus gelungener Weise an und werden nicht minder nutzenbringend beim Unterricht eingeführt werden als jene Etüden, die damit eine schöne Vervollständigung erhalten.