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Titel: Zwei Denkmale deutscher Dichter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 647
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[647] Zwei Denkmale deutscher Dichter. (Mit Illustrationen.) Den zahlreichen Denkmalen, welche das deutsche Volk seinen Dichtern gesetzt hat, haben sich wieder zwei neue gesellt, das eine in Neiße (Schlesien) und das andere zu Plauen im Vogtlande. Beide gelten echten Poeten, welche sich sowohl als Lyriker, wie als Erzähler und Dramatiker einen Ruf erworben haben: das Denkmal zu Neiße dem Dichter der allbekannten Lieder „In einem kühlen Grunde“, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, „O Thäler weit, o Höhen“, „Wer hat dich, du schöner Wald“ etc.: Joseph Freiherrn von Eichendorff (1788 bis 1857), und dasjenige zu Plauen Julius Mosen (1803 bis 1867), dessen „Andreas Hofer“, „Die letzten Zehn vom vierten Regiment“, „Der Trompeter an der Katzbach“ u. a. wahre Volksthümlichkeit erlangt haben.

Das Denkmal Eichendorffs in Neiße sollte bereits am 10. März, dem Tage der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages des Dichters, enthüllt werden. Als aber am Tage vorher der erste deutsche Kaiser die Augen im Tode schloß, wurde die Enthüllung bis Anfang Mai verschoben und ging dann in schlichter würdiger Feier vor sich.
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Das Eichendorff-Denkmal in Neiße.
Nach einer Photographie von Ernst Jentsch in Neiße.

Es befindet sich in der Friedrichstadt auf dem von Linden und Akazien beschatteten Eichendorff-Platz. Im Hintergrunde auf unserem Bilde sieht man das Sterbehaus des Dichters, an welchem schon seit 1861 eine einfache Gedenktafel sich befindet. Nur wenige Schritte vom Denkmal aus – und wir sind auf dem Friedhof St. Jerusalem, woselbst Eichendorff neben seiner Gemahlin bestattet liegt.

Das Denkmal, welches mit einem zierlichen Eisengitter eingefriedigt ist, besteht aus zwei Staffeln von schlesischem Granit, worauf sich ein viereckiges, nach oben sich verjüngendes Postament erhebt. Dasselbe besteht aus geschliffenem und poliertem Syenit aus dem Fichtelgebirge und ist auf der Vorderseite mit allegorischen Verzierungen von Bronze versehen. Auf einer breiten Volute befindet sich das Eichendorffsche Familienwappen (Ritterharnisch, Freiherrnkrone und Eichenzweig), dahinter erkennt man Schriftrollen, Feder und Sängerharfe. Ein Eichenzweig strebt zur Höhe und umrankt die Inschrift: „Joseph Freih. v. Eichendorff. 1788/1857.“ Die bronzene Büste des Dichters ist nach einem jüngeren Vorbilde vom Breslauer Bildhauer Seeger, einem geborenen Neißer, entworfen und krönt das Postament in schönster Weise.

Die Feier der Denkmalsenthüllung in Plauen, wo Julius Mosen das Gymnasium besucht und den ersten Grund zu seiner Bildung gelegt hatte, fand im Juli dieses Jahres statt. Das Monument erhebt sich auf dem Postplatze an der Bahnhofstraße inmitten der städtischen Anlagen. Der Unterbau desselben besteht aus polirtem rothen Granit, der Sockel aus Syenit, die Büste, in anderthalbfacher Lebensgröße nach einem Entwurfe von Dr. Kietz-Dresden ausgeführt, aus Bronzeguß. Eine besondere Weihe erhielt die Feier in Plauen durch die Anwesenheit mehrerer Angehörigen des Dichters: seines einzigen noch lebenden Sohnes Dr. Reinhard Mosen, eines Bruders und zweier Neffen, und einen erhebenden Eindruck machte es, als von den Stufen des Denkmals der Sohn des Verewigten in kurzen, markigen, bewegten Worten seinen und der Familie Dank zum Ausdruck brachte.

Die ehemalige fürstbischöfliche Residenz und berühmte schlesische Festung Neiße und die schöngelegene Hauptstadt des Vogtlandes mit dem hoch über die Stadt sich erhebenden alten Schlosse Hradschin haben beide in den Denkmälern einen neuen würdigen Schmuck erhalten, der zugleich in schöner Weise von der pietätvollen Dankbarkeit der Bevölkerung für die Söhne ihrer Heimath Zeugniß ablegt.
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Die Gartenlaube (1888) b 647 2.jpg

Das Mosen-Denkmal in Plauen.
Nach einer Photographie von H. Axtmann in Plauen.