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Textdaten
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Autor: Emil Rittershaus
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Titel: Zu Hülfe!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 448
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: An alle deutschen Herzen
Blätter und Blüthen
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[448]
Zu Hülfe!


Es geht durch’s Land der Schrei der Noth; er will an jeden Busen klopfen.
Für heiße Wunden purpurroth – o, gebt der Liebe Balsamtropfen!
Für arme Kinder, blaß und krank – o, füllt die kleinen Kinderhände!
Dem Weib, dem der Ernährer sank – o, reicht des Goldes Segensspende!

5
Zum Himmel hallt ein Jammerschrei von Herzen, die in Schlachten brechen. – –

Nun schweigt die Stimme der Partei, nun hat das Herz ein Recht zu sprechen!

Im Land des Ziska, Land des Huß, am Fuß der Wartburg, an der Elbe
Kanonendonner, Flintenschuß, Schwarzweiße wider Schwarz und gelbe!
Dem Banner treu, der Krieger steht, Gewehr im Arm, im Land der Czechen,

10
Und hört ihn leise ein Gebet die mitternächt’ge Stunde sprechen,

Dann ist’s kein Fleh’n um’s eigne Ich und keines Feiglings heimlich Weinen,
Er spricht: „Der Himmel schütze dich, mein liebes Weib, und meine Kleinen!“

Dann seufzt der Mann in sich hinein: „Was frag’ ich nach des Feindes Schüssen!
Doch weh’, wenn Weib und Kinder mein daheim am Heerde darben müssen!“

15
O seht, in hellen Thränen schwimmt ein Männeraug’! Herbei, ihr Reichen!

Das Gold, zu eig’ner Lust bestimmt, o, gebt’s den Blassen, Kummerbleichen!
Hierher, die ihr beim Becher Wein noch fröhlich seid, daß euch’s erbarme!
Kein Becher Wein für euch allein, ein Tröpflein immer auch für Arme!

Und dunkler mal’ ich noch mein Bild und muß noch immer düst’rer malen!

20
Seht auf dem weiten Blutgefild den Krieger dort in Todesqualen.

Es steht im schwarzen Kleide nicht die Wittwe bei des Gatten Grabe;
Kein stammelnd Vaterunser spricht das Mägdlein und der kleine Knabe.
Kein Kranz, kein Todtendiadem! Kein Weihspruch, keine Trauerlieder! –
Auf’s Haupt der nasse, gelbe Lehm und auf den Lehm der Rasen wieder!

25
Und Reih’ an Reih’ verwundet liegt – im Lazareth ein Weinen, Aechzen.

Wie wild der Puls im Fieber fliegt! Nach Labung rings die Lippen lechzen.
Da ruh’n sie, die das Blei gemäht, der Lanzenstoß, die Kolbenschläge;
Nun thut die Arbeit früh und spät die Zange und die Knochensäge.
Sie ruh’n, verwundet und zerfleischt, die kühn gekämpft in wilden Schlachten.

30
Die Lippe, die nach Labung heischt, o, laßt sie nicht vergebens schmachten!


Ja, also ist’s und härter noch! – Noch weilen wir bei Weib und Kindern!
Doch wir, wir können Eines doch, das Eine: Noth und Leiden lindern!
Du Jungfrau mit der ros’gen Wang’, was frommt es, daß die Perlen gleißen?
Was soll die reiche, güld’ne Spang’ dem Arm, dem runden, schwanenweißen?

35
Und du, o Weib, das Kinder herzt, o denk’ an deine eig’nen Kleinen!

Denk’, wie der bitt’re Hunger schmerzt – und laß kein Aug’ vergebens weinen!

Zu Hülfe! Hier ist Hülfe Noth! – Die Herzen und die Säckel offen!
Die Wunden brennen blutig roth – laßt nicht umsonst auf Balsam hoffen!
Für arme Kinder, blaß und krank – o, füllt die kleinen Kinderhände!

40
Dem Weib, dem der Ernährer sank, – o, reicht des Goldes Segensspende!

Noch sät Verderben Blei und Erz beim Schmettern der Trompetentöne, –
Den Säckel auf und auf das Herz, für eure Brüder, eure Söhne!