Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 41

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie herr Gotfridt Wernher freiherr von Zimbern zu marggraf Christoffen von Baden und nachgends zu herzog Ulrichen von Würtemberg an hove kommen und bei denen etliche jar zue hoff bliben.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 387–402
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie herr Gotfridt Wernher freiherr von Zimbern zu marggraf Christoffen von Baden und nachgends zu herzog Ulrichen von Würtemberg an hove kommen und bei denen etliche jar zue hoff bliben.

Nachdem nun der zug in Geldern sein endtschaft
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erraicht, auch grave Endris von Sonnenberg mit seinem teutschen kriegsvolk beurlaupt und wider haim zogen, kam auch herr Gotfridt Wernher wider zu seinem alten vettern, herr Gotfriden. Den fandt er damals mit aller haushaltung zu Wildenstain. So war sein junger brueder, herr Wilhelm
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Wernher, in ainer kürze darvor auch dahin kommen, also bliben sie bei ainem halben jar alda. Mitler weil sich bei und mit inen vil seltzamer hendel zutruegen. Es war vor ainem jar darvor ain hipscher jaghundt dahin kommen, war gar erwildet und im holz ufgefangen worden, der wolt nie
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zam werden oder sich angreifen lassen. Begab sich einsmals, das die baidt geprüeder, denen [508] die weil im schloß ganz lang war, den wilden hundt uf dem umlauf[1], der ringsweis umbgieng im schloß, antraffen. Wie sie nun vermainten, der alt herr were nit umb den weg, tailten sie
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sich und verstallten dem hundt baide stiegen, das er nit weichen konte; also zu welchem der hundt kam, von dem wardt er zum andern gejagt. Das triben sie so lang, das der alt herr letzstlich ungeferdt auch uf den umblauf kam; der wüst hierumb nichs. So dann der hundt so ernstlich
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gegen im lief, jagt er in widerumb hünder sich; so er dann zu den jungen herren kam, so kunt er nit fürüber, muest

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[388] wider zu dem alten herren. Das geschach so oft und vil, das der hundt, der sonst von natur ganz scheuch und wildt war, so gar geengstet wardt, das er zu letzst dem alten herren zwischen den bainen hindurch lief, stieß in zu haufen.
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Derhalben der alt herr zu ungedult bewegt, schlich hernach zu erkündigen, wer doch den hundt also gejagt het. Also ergrif er die jungen herren und so baldt er dero ansichtig, hat er sie beschrieen, das sie geflohen. Und wiewol er inen vast getrewet, iedoch als im der zorn vergangen, hat
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er die sach gericht sein lassen, das nichts weiters hernach gevolgt. Herr Gotfridt Wernher war ain unrüebiger junger, der het Mösskirch gern gesehen, war nie alda gewest. Nun het der alt herr ein diener zu Wildenstain, hieß Hanns Humel,
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war von Hewdorf gepürtig; den bat herr Gotfridt Wernher, er solt ine ainmal mit nemen ins feldt, dann die baidt gebrüeder sonst in großer huet zu Wildenstain warden gehalten. Also unerlaubt und ohne wissen des alten herrens waren sie ains morgens zu Wildenstain früe uf und verklaidet
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ritten sie durch die helzer mit ainandern, bei Schnerkingen über die Ablach[2] und bei unser Frawen durchs wasser. Hanns Humel[3] rit neben der stat hin durch den bach, dann er war zu Mösskirch wol erkannt, der jung herr aber rit durch den flecken hindurch und kamen er und der diener
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vor der stat widerumb zusamen und darnach den nechsten nach Wildenstain. Ich hab mehrmals von den alten gehört, das etliche Mösskircher am Markt gewesen, als der jung herr durchgeritten, die ine wol gekennt haben, aber doch dergleichen nit thuon dörfen oder sich merken lassen, das
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inen von erbermbde wegen die augen übergangen. Der alt herr zu Wildenstain, als er über etliche zeit solchs gewar worden, ist er über die masen übel zufriden gewest, dann er besorgen müeßen, das er von denen von Werdenberg oder iren amptleuten domals ufgehept, verstrickt oder
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villeucht gar hinweg het megen gefüert werden. Derhalben, solchs zu fürkommen, do schickt er ine geen Gailndorf zu seinem vetter, schenk Albrechten von Limpurg, als bei seinem nechsten freundt und verwandten ein zeitlang, biß man im wider an ein hof verhülfe, sich zu enthalten. In
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empfieng schenk Albrecht und sein gemahl, die grefin von

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[389] Ötingen, ganz freuntlich. Sie hetten vil söne bei ainandern, die enthielten sich domals mehrtails bei irem herrn vatter, wiewol iren etlich tomherren waren, als namlich schenk Jeronimus und schenk Melchior. Diese alle bewisen herrn
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Gottfriden Wernhern, irem vettern, allen freuntlichen willen. Nun waren schenk Albrecht und seine söne alle guete waidleut, insonderhait mit dem baisen, damit sie vil weil vertriben. Begab sich ains mals, das sie wider samentlichen uf die baiß ritten. Der alt herr het inen allen befolchen,
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guet achtung zu geben, wohin die hüner fieln; gab inen darauf bevelch, wo ieder halten solt. Aber wie er von inen kompt, ritten sie wider zusamen und ersprachten sich von iren sachen, wie jung leut thuon. Es stand nit lang an, sie sahen den alten herren von weitem wider daher reiten. Sie
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schaidten eilends wider von ainandern, ieder an sein beschaiden ort, wiewol er das wol gesehen het. Er kam von aim zum andern, fragendt, wo die hüner hinauß weren. Im konte aber keiner beschaidt geben, dann sie geschwetzt und hierauf kein achtung geben hetten. Darauf wardt er
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wunderlich, wie dann der gueten waidtleut prauch und gewonhait, so es nit nach irem gefallen gat, und deut mit der rechten handt uf ir ieden und sagt: »Hie ain narr, dort ain narr, do aber ain narr, in somma alles narren; botz bluts (also schwur er)! bin ich mit narren so wol versehen?« 
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[509] und rit in ainem wunder wider heim. Er klagt seiner gemahl die liderlichkait von iren sönen und seinem jungen vettern mit großem ernst, aber sie versprach die jungen, so best sie möcht, sagendt: »Ach, mein lieber Albrecht, es sein jung leut, du kanst inen nit verargen.« »Botz bluets
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willen, Elsa!« sprach er, »schweig! schweig! du würst mir die sön gar verderben, du muest inen nit recht geben!« Also blib es domals darbei. Ich hab mancherlai gelesen und gehört, aber von keinem ehevolk deutscher nation under gepornnen leuten, so ir lebenlang also ainig und do eins
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dem andern was zu unguet sollte ufgenomen, oder ihe in ein beharrlichen stritt kommen sein. Er war uf ain zeit außgeritten. Wie er nun wider heim kompt, was im hiezwischen ein junge dochter und seiner liepsten falken einer gestorben. Der abgang des falken wardt im gleich eröffnet,
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darvon er etwas betrüebt ward. Wie nun baldt darnach sein gemahl kompt und im das absterben seiner lieben dochter fürbringt mit groser clag, ward er noch betrüepter.

1 [390] Damit er aber der clag ain ende machet, sprücht er: »Ach, mein liebe Elsa, schweig und laß es sein! wie künden wir im thuon? ist mir doch mein liebster falk gestorben!«

* [1403] Es gemanet mich schenk Albreht an grave
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Jacoben von Bitsch. Demselbigen ist das schloß Ochsenstain bei wenig jaren ußer hailoskait und verwarlosung des gesinds uf dem herdt, [1404] wie man sprücht, verbronnen, und wiewol im nit klainer schadt alda in söllicher brunst beschehen von wegen des schönen hausraths, vil gueter
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brief, auch ainer namhaftigen anzall früchten und wein, das alles verdorben und nichs außkommen, von wegen das gar nahe niemands domals im schloß gewest, das muest also, dieweil kain rettung vorhanden, auch hochgelegen im luft, verbrinnen, — wie nun etlich diener kammen und irem
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herren den grosen unfahl eröffnen muesten und er darbei vername, das im etlich jaghundt uf dem schloß waren verbronnen, da clagt er dieselbigen jaghundt am allermaisten und vil mehr, dann das alt, herrlich schloß und alles, was sonst darin war gewesen; kunt auch lang hernach derselbigen
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hundt nit vergessen. * Er [schenk Albrecht] het ain narren, war ain lauters kindt man nämpt in unsern Michel. Derselbig war etliche mal mit seinem herren, schenk Albrechten, uf hochzeiten gewesen und het gesehen, das vil gelts und silbergeschiers
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was geschenkt worden; darum, wie er wider heim kam und ab dem hochzeitschenken ain gefallens, wolt er auch heiraten, damit im vil gelts und anders uf die hochzeit würde geschenkt. Er zaigts schenk Albrechten an. Der nam ain groß wolgefallen darab und bewilliget dem narren, hochzeit
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zu halten. So saß dann der narr an den nechsten disch und rechnet mit ainer kreiden, wer im schenken würde, und so oft er ain nämpt, so macht er ain strich mit der kreiden, das solt ain rheinischen güldin bedeuten, und wann er solcher strich vil zaichnet, so macht er gern mit seinem rock,
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strich mit der handt ab dem disch, als ob gleich die güldin darauf legen, sprechendt: »Ach, ist aber das nit ein feins geltle!«  Mitler weil wardt herr Gotfridt Wernher zu marggraf Christoffen von Baden an hof befürdert, bei dem er zwai
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jhar lang gewesen und sich in mitler weil gegen dem marggrafen, seinem herren, auch dem hofgesündt gehalten, das er ein besondere gnad und gueten willen bei menigclichem

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[391] gehapt und erhalten. Es hat diser from, loblich fürst ein rechtgeschaffne hofhaltung gehapt von graven, herren und vom adel. Denen hat er alle zimliche frewd und kurzweil vergunt, inen auch, so vil müglich, darzu geholfen. Die
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momereien hat er sonderlichen gern zu seiner zeit gehapt. Im haben uf ain zeit seiner söne etlich zu Baden ein momerei gebracht, in welcher under anderm Philips vom Hirßhorn gewesen. Wie nun ain ieder sich beflissen, das er am unbekantesten (dem ainen hat man ain vergülts getter uf
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ain schwarz geferbts angesicht, dem andern ain andere seltzame manier gemacht), der Hirßhorn hat mit dem maler angeschlagen, so das malwerk an ine kom, soll er im lauter schupen, grün und gel, ins angesicht, doch mit unschedlichen farben malen. Das hat im der maler verhaisen,
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iedoch ist der maler von den jungen fürsten zuvor abgericht gewesen, wie er sich halten sölle. Der hat im keine farben angestrichen laut der abrede, sonder allain ain anziehends leimwasser, damit der Hirshorn vermaint, er sei nur ganz unkäntlich gemalet. Ist darauf mit den jungen marggrafen
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für den alten fürsten kommen. Sie haben all seltzame bossen und geberde getriben, als die, so wusten unbekannt sein, insonderhait aber der Philips vom Hirshorn, der trib wunder affenspil vor den andern, derhalben menigclich sein lachen muest, dann er war iederman bekannt. Derhalben
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der marggraf in anredt, sprechendt: »Botz veil, Hirßhorn! wie gestellest du dich so närrisch!« Der redt erschrack der Hirßhorn nit wenig, gieng eilends, besach sich in ainem [510] spiegel, so befindt er den trug. Erst war er übel zufriden, thet sich eilends von der gesellschaft und wolt den
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maler nur todt haben. Aber der marggraf, wie der aller sachen bericht, hett er ain besonders wolgefallen darab und verschafft dem maler ein friden. Gleichwol der Hirßhorn nach notturft derhalben gespait wurde. Uf das nechst österlich fest hernach sollt herr Gottfridt
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Wernher des marggrafen dochter, Sibilla, so hernach graf Philipsen von Hanow vermehelt worden, im ampt zum opfer fieren. Das beschach mit großer herligkait. Nit waiß ich, wie es gieng, es übersachs der guet herr villeucht vor großer scham oder engsten, es trat die jung marggrefin
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davornen uf den rock und fiel. Herr Gottfridt Wernher wolt sie erhalten und straucht, fielen also allernechst dem fronaltar baide zu haufen. Es halfen inen die vom adel und

1 [392] ander widerumb uf, und wardt ain groß gespai darauß. Der alt marggraf mochts wol lachen, sprach: »Botz veil (das war sein schwur)! das ist wol gefiert.«

Nachdem aber nun herr Gottfridt Wernher bei zwaien
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jaren am hof zu Baden gewesen und aber der zeit herzog Ulrich von Würtemberg ein ansehenliche und fürstliche hofhaltung, dergleichen wenig der oberlendischen fürsten, zudem alle ritterspill mit rennen und stechen, auch gemainlich sonst alle adenliche kurzweiln und iebungen mit jagen und
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andern sachen an solchem hove überflissigclichen gepflegen, wardt herr Gotfridt Wernher user besonderer gnediger wolmainung marggraf Christofs auch an söllichen hof befürdert. Nun waren an solchem hof vil statlicher grafen und herren, als namlich graf Ludwig von Gleichen, grave Ulrich von
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Helfenstain, grave Jörg von Hochenloe, graf Franz Wolf von Zoller, grave Ruedolf von Sulz, schenk Ernst von Tautenberg, herr Schweikart von Gundelfingen und ain merkliche anzall von der ritterschaft; zudem war am hof herzog Hainrich von Braunschweig, genannt der jünger, dem
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hernach herzog Ulrich sein schwester vermehelt. Marggraf Ernst von Baden, obgehörts margraf Christofs son, der domals von seiner basen, ainer marggrefin von Brandenburg, so vorhin herzog Eberharten von Würtemberg, den vertribnen, gehapt, zu Nürtingen erzogen wardt, der rit ab und
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zu. Neben denen allen herr Gotfridt von Zimbern sich dermasen mit rennen und stechen, auch sonst in anderweg gegen herzog Ulrichen, seinem herren, auch gegen dem hofgesindt und iederman erwisen und gehalten, darab der herzog ain besonders gnedigs gefallen, auch sonst
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menigclichen wol mit ime zufriden gewesen. An welchem hof er etliche jar, biß er sich verheirat, bliben ist. Was sorgclicher und gefärlicher rennen er die zeit, die er alda zu hof gewesen, mit dem herzogen selbs und andern[4] gethon, auch wie loblich er sich in gesellen- und andern stechen an
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sölchem hofe gehalten, das würde zu erzellen ein grose verlengerung bringen, aber gewisslich hat er hiemit nit die wenigest ursach gegeben, zu erwerben die jung fürstin von Hennenberg, wie gleich hernach gesagt würt. * [1421] Kainer under disen grafen oder herren allen
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hat sich weniger kinden mit dem herzogen vergleichen, als

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[393] grave Ludwig von Gleichen. Der hat nun nit künden oder wellen übersehen, gleichwol der herzog im vil unwillens zu zeiten erzaigt, darnach aber der graf nit gefragt, zu zeiten auch (das er den herzogen angelangt) sagen dörfen, seie
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doch der herzog seiner gepurt nach nit mer, dann ain graf, so wiß er auch, das[5] die grafen von Gleichen nit wenigers herkommens, dann die von Würtenberg. Es ist den ander herren oft angst darbei gewest, und hat menigclich darzu geraten, das graf Ludwig mit gnaden vom hof abgefertigt
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worden. Er hat sich hernach verheurat, und als herzog Ulrich in etlichen zeiten in Sachsen und durch Düringen geraist, do hat in der herzog von alter kundtschaft wegen haimgesucht und ist vom grafen ganz fürstlich und wol gehalten worden. Gedenk, man si der alten hendel nit zu
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rede worden. Hernach, acht ich, seien sie nit mer zusamen kommen, haben sie deste ehe ainig und on zank bleiben kenden. * Zu der zeit, als herr Gotfridt Wernher am würtenbergischen hof, do prediget ain Barfüeßermünch zu Stutgarten
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vorm herzogen und allem hofgesündt. Der kam under anderm an die straßenräuber, sprechendt: »Es sein leut, haißen die straßenräuber, wellen bösser sein, dann die dieb; wie soll man aber mit denselbigen umbgeen? Man soll sie fahen, gerichtlich fürstellen und peinlich beclagen; findt
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man sie nit recht, in stiffel und sporen an liechten galgen [511] henken und wol lassen verzablen; ho, ho, do wer lustig zuzusehen.« Dieses alles sagt der münch mit ainer sonderlichen pronunciatz und aussprechen[6], also das der accent der stim ihe lenger ie höcher stig und ain sondere gratiam
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het. Nun het der herzog vil seltzams gesünds am hof und sonst insonderhait vil Franken, die dann auser aim alten, vermainten privilegio inen achten zugelassen sein, uf den straßen unstrefflichen zu rauben und aim andern das sein zu nemen, wiewol die von Nürmberg ein freihait dargegen
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und die gesellen gleich für recht stellen und mit inen fürfaren. Dieselbigen Franken waren über den münch übel zufriden, insonderhait aber schenk Ernst von Tautenberg, der[7] wolt den[8] münch nur todt haben und wolt seltzam mit ime umbgeen. Ain sölliche unchristenliche und ungepür-

1 [394] liche mainung des raubens halb ist dozumal auch bei den hochen Hannsen und geschlechtern in dem tenebroso seculo von vilen vermaintlichen verthedingt worden.

* [1408] Man findt, das sich vor vil jaren die sechsischen
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bischöf und stendt, als Madenburg, Halberstat und andere, auch die grafen am Harz, als Mansfeldt, Honstain, Stolburg, Regenstain und Wernigerod, mit ainandern verglichen, welcher in der plackerei ergriffen oder dessen werde überwisen, der solle ohne alle erbärmbdt mit dem strang gericht
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werden. Bald hernach wardt graf Dietrich von Wernigerod des raubens in pleno concilio und versamlung der stendt durch grave Bosso von Regenstain überwisen, das er nit mehr läugnen oder sich entschiten kunt. Do ward grafe Dieterrich von gemainer versamlung zum strangen
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verurthailt; iedoch ward ime uf sein embsigs und vilfeltigs bitt die gnad bewisen, das im sein diener mit seiner, des grafen, were ein wunden ins haupt geben und fellen sollt. Das beschach gleich, domit stachen sie alle uf ine. Wie er nun verschaiden, ward er an stat des strangs mit ainer
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rosshalfter ufgezogen und gericht, auch damit der urtheil statt beschehen. Gott wolt, das auch diser zeit so streng ob disem laster gehalten wurde. * Ich hab etwann gehört, das marggraf Friderich von Brandenburg, so zu Onspach[9] seßhaft gewesen, vilmals
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darumb seine junkern angeredt, sprechendt: »Es geet wol hin, den kaufleuten die deschen schütlen, aber allain am leben solt ir inen nichs thon.« Das war ain rechter preceptor für diese gesellen. Es war auch desshalben, und do im schon manichmal grose clag fürkam, kein straff von ime zu
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besorgen. Er ist sonst auserhalb dessen ain gotzförchtiger, gerechter fürst gewesen. Es ist aber zu gedenken, er hab mehrtails denen von Nürmberg zuwider und zu laidt gethon, dann, nachdem sie den brei uf der kirweihe mit ainandern gessen, ist wenig fridt, ruhe oder guets willens bei inen
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gewesen, wie zuvor auch beschehen. * [1501] Umb wievil aber loblicher hat der teur curfürst, herzog Hanns von Sachsen gehandelt! Als ain großer Federhanns, ainer vom adel, in seinem land ob dem schnappen und uf der that ward ergriffen, do ließ er in für recht stellen
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und one alle gnad enthaupten, und wiewol große bitt für

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[395] ine beschach, so wollt doch sollichs alles beim curfürsten nit erschießen. Es zaichten letstlichs die ret an, es were ain beherzter und waidlicher man und schad, das er so ellendclichen sollte umbkommen, wer vil weger, man ließ in sein
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leben wagen wider die ungleubigen zu errettung des cristenlichen glaubens und des vatterlands. Der curfürst sprach: »Das soll nit sein, das der cristenglaub und unser vatterland durch besswicht und die ir leben verwürkt, soll beschürmpt werden, sonder durch erlich und from kriegsleut.«
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Darauf must auch der schnaphan sein recht erstehn und darob leiden. Ist fürwar ain lobliche rede gewest und die dem curfürstlichen haus Saxen wol angestanden; dann wo die straßen nit sauber und rain gehalten, ligen alle handtwerker und gewerb, auch alle pollicei darnider. Es haben
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auch ainest die barbari ainstails ernstlicher darob gehalten, dann bei unser vorder, do sein zu zeiten weder edel oder unedel sicher gewest, hat alles gleich golten, wo man nur hat gelt oder gelts wert getrawen zu finden. Dess künt ich allerlai beispil erzelen, will mich noch ains landtsmans
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und wolbekannten benügen lassen. Das was herr Christof von Hausen, [1502] ain domherr zu Speir, ain wolgelerter, beretter und weltweiser man. Derselbig, als er noch in seinen besten jaren, hat er ime fürgenomen, in Italiam zu raisen, auch ain zeitlang zu Rom die pratik in rota zu sehen
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und nach ainer faisten prelatur, so es die gelegenheit geb, zu fischen. Hierauf macht er sich mit ainer namhaften summa gelts uf ain jar oder zwai gefasst, damit wolt er sein fürnemen volstrecken. Nun het er aber wol studirt, sonderlichen in der astronomei und den ander künsten, die
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man ciclicas nempt. Do erkündiget er sich in der kunst, uf welche zeit er die rais anfahen müst, das er sicher und glicklichen raist, auch sein fürnemen nach willen verrichten möcht. Und als er denselben puncten seines erachtens ergriffen, macht er sich ganz frölichen dieselbig zeit uf die
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rais. Er kam über vier oder fünf meilen nit von Speur, es hetten die schnapphanen von weitem erschmäckt, das er etliche hundert güldin bei ime fürt. Was sollt beschehen? Sie warfen in nider, besuchten ine und namen ime das gelt und das ross darzu. Über das must er inen schweren, sich
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widerum zuruck uf sein prebenda zu begeben. Damit ritten sie darvon und ließen den guten jungen domherren und astronomum, der sein astrolabium hievor nit fermlich het

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[396] geruckt, zu fuß und one gelt im feldt. Er war, wie billich, ganz kumerhaft umb den eingenommen spott, auch erlittnen schaden, gieng zu aim wolbekannten vom adl, seiner schweger ainem, unfer darvon gesessen. Dem clagt er all sein
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nott und wie es ime ergangen were, rüft in an umb hilf und rat, fürnemlich aber sträckte sich sein begeren dohin, das man den räuber one verzug nacheilen sollte. Derselbig aber widerriet ime das mit allem ernst, sprechendt, da sie schon angetroffen, würde es ainer großen beweissung und
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fürnemlich siben taugenlicher zeigen bedürfen, erzellt ime darneben sovil gravamina, das der gut domherr wol märkte, das sein schwager nit großen lust hette, inen nach zu jagen. Villeucht möcht er auch ain tail bei der beut haben, darum die alten Deutschen gesagt, das best[10] si füchs mit füchsen
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fahen, beißt kainer den andern. Derhalben name er ußer dem bericht sovil, das er kain glückhaftige stund zu seiner fürgenommen rais ergriffen het, und als er von Speir wolberitten abgeschaiden, do raist er per pedes wider dohin, und, wie man sagt, so ist er die übrig zeit seins lebens
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hernach den merertail zu Speir bliben und weiter in die frembde nit begert. * Aber schenk Ernst von Tautenberg kam uf ain zeit in ain banket zu Stutgarten, do vil grafen und herren waren, under denen auch herr Gotfridt Wernher. Von der iedem
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erbat er ain rock und, als sie im bewilliget, ließ er derselbigen schauben und seidine röck haimtragen, dann sie die abgezogen; also wolt keiner sein, der seiner rede zuruck wolt geen, und blib im alles. Wolten die herrn wider in ire herbirgen, muesten sie nach andern klaidern schicken.
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Mitlerweil und herr Gotfridt Wernher bei herzog Ulrichen zu hof, haben sich mancherlai und seltzame handlungen begeben. Es het die herzogin von Nürtingen, sie war ain geporne marggrefin von Brandenburg und het vorhin den vertribnen herzog Eberharten von Würtemberg
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vermehelt gehapt, ires brueders, marggraf Friderichs dochter, fraw Elsen, von kindsweis uferzogen, dergleichen auch marggraf Ernsten von Baden, des alten marggraf Christofs son, und hett ir basen dem selbigen vermehelt. Nun war aber herzog Hainrich von Braunsweig der jünger bei herzog
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Ulrichen zu hof, das war ain junger Saxenkerle und het ain

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[397] sondere affection und liebe zu der jungen fürstin zu Nürtingen, ehe dann sie marggraf Ernsten wardt vermehelt. Aber es lüfen andere bedenken in der sachen umb, das man im sie nit geben wolt, sonder der marggraf muest sie
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haben. So het herzog Ulrich selbs den heirat mit herzog Hainrichen auch gern gesehen, aber er megt es nit erhalten, es muest den weg haben, und, wie man sagt, so würd der heirat mit herzog Hainrichen an der jungen fürstin auch nit erwunden haben. Ußer disem allem ervolgt vil gespais und
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allerlai reden. Es warde marggraf Ernst nur der schneiderknecht genannt, die herzogen baidt machten lieder, sprüch und anders alles in verachtung und, wie die Walhen sprechen, in despetto des marggrafen Ernsten. Was reputation und liebe das alles bei der marggrefin von Brandenburg
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gegen irem herrn gemahel kunte gepären, das ist leuchtlich zu bedenken. So kunt die alt herzogin zu Nürtingen auch nit alles, was krum, geradt machen [512] oder erhalten. Es kam uf ain zeit bemelter marggraf Ernst geen Stutgarten zu herzog Ulrichen, gleichwol er sich von der compania,
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die er wol wiste ime zuwider sein, sovil im müglich, absentirte. Die selbig gesellschaft aber saßen uf ein zeit bei ainandern im dampf, darunder auch baid herzogen. Man bracht die rede uf die ban von dem marggrafen; do wardt beim wein uf der taffel zusamen gestupft und beschlossen,
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das sie jaghundt sein und den schneiderknecht von Baden fahen und fressen wolten. Indess geht herr Gotfridt Wernher von Zimbern, der auch bei der compania, zum gemach hinauß; so ersicht er den marggraf Ernsten ohne geferdt gegen ime geen, sprücht herr Gotfridt Wernher: »Herr, hept
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euch geschwindt und macht euch hinwegk!« Der marggraf sprücht: »Botz flam (also war sein schwuer)! was ists?« Antwurt herr Gotfridt Wernher: »Flux hinweg!« Indess so gat oben der bill an, die herzogen sampt der vollen rot lüffen zum gemach herauß und schrieen: »Wo ist der
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schneiderknecht?« Allererst märkt der guet marggraf, was die kreiden, und ohne lengers parlamentiern packet er sich geschwindt die stegen hinab in sein gewarsame, biß den vollen, dollen leuten die furia vergangen. Und ist kein zweifel zu haben, waver sie den marggrafen antrofen, oder
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wissens gehapt, das der von herr Gotfridt Wernhern were gewarnet worden, sie hetten also in voller weis aim itwedern ein grose schmach gelegt, wie dann kurzlich davor auch

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[398] beschehen, das die herzogen baid mit irer gesellschaft ein alten pfaffen zu Stutgarten, hieß pfaff Prasser und war ain gueter fatzman, dermaßen hetten gewüst und hetten ine in voller weis ufgefangen und in ine bissen, das der arm pfaff
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schier in solchem scherz umb das ain ohr wär kommen und ersteckt worden. In somma, wie der herr, also war auch das hofgesündt, und wie das regiment, also het es auch ein bestandt oder nam zu letzst ein endt. Dieser handlung oder des warnens, wie oblaut, hat marggraf Ernst herr
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Gotfridt Wernhern hernach die zeit seins lebens in guetem nie vergessen, ist ime auch in seiner heiratshandlung mit der grefin von Hennenberg in kürze hernach zu grosen statten kommen, das ime der margraf ganz gnedig und getrewlichen widergolten. Solliche sachen haben hernach vil
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zerrüttlichait gebracht, dann es haben marggraf Ernst und sein gmahl, die marggrefin von Brandenburg, wenig ainigkait oder rechts vertrawen mehr zusamen gehapt. Got waist, wie sie gestorben, wiewol die gemain sag, es sei ir in ainer küntbett misslungen; die andern sprechen, sie sei
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vom frawenzimmer ainstails verwarlost worden. Nach irem absterben hat marggraf Ernst ein edle von Rosenfeldt[11], so bei seinem gemahl selligen im frawenzimmer zuvor gewesen, vermehelt, von dero er vil künder bekommen. Aber herzog Hainrich von Brunsweig, als er an dem ort, wie gehört,
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durch den korb gefallen, do gab ime herzog Ulrich sein schwester. Man sagt seltzame ding von söllicher hochzeit. Wie man sie nachts baide zugelegt, do ist der hochzeiterna so wehe beschehen, das sie ain lauten furz gelassen, und als sie das gegen dem herzogen entschuldiget, soll er sie
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mit denen worten getröstet haben, so man ime ain söllich instrument in leib stieße, würd er sich gar bethon haben, wie dann bewist, das die herzogen von Braunschweig in söllichem handel supra modum viriles sein, also auch das ain gemaine sag von inen entsprungen, es hab iren ieder
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drei zeuglin.

Das ich aber wider uf die angefengte historias kom, so ist zu wissen, das im jhar nach Christi gepurt 1504[12] ist der bayrisch krieg entstanden, in welchem kaiser Maximi-

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[399] lian herzog Albrechten von Bayrn, sein schwager, wider pfalzgraf Philipsen, churfürsten und sein son, herzog Ruprechten, beschützte. Bemelter kaiser hetzt wider die pfalzgraven [513] mertails nachpaurn, nemlich herzog Ulrichen
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von Würtemberg, landtgraf Wilhelmen von Hessen, herzog Alexander von Zweibrucken, marggraf Friderichen von Brandenburg und bevorab herzog Albrechten von München, ohne die reichsstett. Domals wardt dem[13] pfalzgraf vil an landt und leuten abgetrungen. Hernach anno domini 15[04][14]
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wardt durch unnachlesliche und getrewe underhandlung marggraf Christofs von Baden der krieg bei kaiser Maximiliano angestellt und die declaration ufgehehept, auch ward die ganz vedt durch bemelten kaiser uf hernachvolgendem reichstag zu Cöln gericht und vertragen. Und würt dieser
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bayrisch krieg allain der ursach alhie eingefiert, seitmals herzog Ulrich von Würtemberg domaln die Pfalz auch angrifen, die mit aim gewaltigen höre überzogen. Er hat bei sich den bössern und höchern tail der schwebischen graven und herren sampt der ritterschaft gehapt, auch ist darbei
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und mit gezogen herr Gotfridt Wernher von Zimbern. Insonderhait hat sich begeben, als bemelter herzog Ulrich die stat Bretten[15], uf dem Chreigow gelegen, belegert, ist herr Gotfridt Wernher mit graf Hessen von Leiningen etlicher speireden zu unfriden worden, darauß gevolgt, das
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sie über aindern gezuckt. Also ist durch schickung des glücks die sach also gerathen, das herr Gotfridt Wernhern ain straich dermasen angangen, das er graf Hessen zu boden geschlagen. Dieweil er aber gar hart darzu in das haupt verwundt, also das menigclichen achten thette, er würde
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mit dem leben nit darvon kommen, hat herr Gotfridt Wernher sich in die flucht begeben müeßen, derhalben er zu Dieterich Spetten, auch Conradten Dreuschen, die baide hernach den ritterstandt erlangt, in ir zeit geflohen. Die haben getrewlichen an ime gehandelt, ine also in der flucht
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und in seinen höchsten nöten enthalten; dann als das geschrai ußgangen, wie graf Hess entleibt, hat der oberst...[16]

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[400] gleich bevolchen, dem theter nachzusetzen. Als sie in aber zu Dieterich Speten losament verkuntschaft und in daselbs auch fleißig gesucht, sein sie doch mit großer geschwindigkait abgewisen worden. Hernach ist graf Hess, wiewol
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beschwerlichen, iedoch mit großem fleiß und müeh des herzogen leibarzeten und chirurgen bei dem leben erhalten worden. Graf Endres von Sonnenberg sampt herr Dieterich Spetten und herr Conradt Dreischen haben den widerwillen zwischen herr Gotfriden Wernhern und vilbenanntem
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grafe Hessen in volgender zeit genzlichen hingelegt und allerdings vertragen, und ist grafe Hess in kürze hernach auch gestorben. Dem und uns allen Got gnedig sei! Anno 1509[17] haben kaiser Maximilian, könig Ludwig von Frankreich der 12, sampt bapst Julio und andern
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italianisehen fürsten und potentaten in ain pündtnus und verainigung wider die Venediger sich versprochen, darauf sie an allen orten den venedischen Marcum angriffen und im die flügel wol berupft. Kaiser Maximilian zoch mit starker macht durch Tirol und das Etschlandt biß an Galion[18], er
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erobert die schlacht, also daz die Venediger sich in iren mösern enthalten muesten und über die lachen nit mehr dörften; Reif, Roffereit und anders wardt domaln den Venedigern abgewonnen. In diesem zug ist herzog Ulrich von Würtemberg auch
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gewesen, der hat nun mertails seiner grafen und herren, auch ain ansehenliche anzal von der ritterschaft mit gefiert, under denen herr Gotfridt Wernher an den feinden, das im sonder lob zugemessen, sich gehalten. * [1352] Es sein in diser schlacht vil gueter leut zu
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baiden thailn umbkommen. Es hett der kaiser ain Ilsing bei sich zu hof, war ain fürnem, reuterisch man und hoch bei allen adelsstenden angesehen, der gieng domals auch zu grundt und wardt von den feinden ellengclichen, seitmals sein pferdt mit im gefallen, er sich auch nit weren konte,
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erstochen. Er war dermaßen von feinden umbgeben, das im niemands mögt zu hilf kommen. In seinen höchsten netten, do schrie er herr Gottfridt Wernhern umb hilf an, aber es war im unmüglich, von ains tiefen und weiten

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[401] graben wegen, ainige hilf zu beweisen. Man sagt vil lecherlicher und gueter schwenk von ime. Er ist ainsmals geen Tonowwerdt kommen, in ain scherhaus gangen und ime lassen balbiern. Nun hat ine aber der barbierer wol kennet
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und verhoffet, ain statliche verehrung von ime erlangen. Darumb, dieweil er ime strelet und das har trucknet, do sprach er zu sich selbs, das es doch der Ilsung wol hören mocht: »Es ist ain großer herr, hat vil gelts.« Über ain weil sprach er: »Er hat schöne ross,« und dann: »Es ist
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warlich ain ansehenlicher herr.« Deren lobreden trib er vil. Der Ilsing hört diese wort alle, verstundt auch wol, warumb es beschach, wiewol er nit dergleichen thette. Darumb, wie das balbieren ein ende, do gab er dem maister nur ain halben batzen. Der het nur vil ain mehrers, bevorab aber
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von deren hof- und lobreden wegen, sich selbs vertröst. Wie er aber nichs weiters kunt verhoffen und den Ilsung sahe darvon geen, sprücht er in ainer ungedult und seins vermainens dem Ilsung zu ainer schmach oder verklainerung: »Es ist warlich nur ain großer dreck von Straubingen.«
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Der Ilsung der lacht und zoch darvon. Dieser groß dreck von Straubingen ist hernacher ain lange zeit ein sprüchwort am hof gewesen. * Hernach anno 1513 hat kaiser Maximilian mit den Aidtgnossen wider den künig Ludovicum von Frankreich sich
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verbunden, darauf ein ansehenlichen raisigen zeug den Aidtgnossen zu hilf in das Burgund geschickt. Über die ist herzog Ulrich von Würtemberg ein obrister gewesen. Der ist sampt den Aidtgnossen für Dision geruckt, das belegert, [514] aber der Franzosen list und practiken machten, das
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der herzog und die Schweizer abzogen. Hernach wolt der künig von Frankreich den bericht, so seine hauptleut und obersten mit herzog Ulrichen abgeredt, nit annemen oder halten. Damit zog iederman wider haim, und wardt nichs außgericht. Hiebei ist herr Gotfridt Wernher auch gewesen
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und mit herzog Ulrichen für Dision zogen, mit im auch wider heim kommen. Man sagt für gewiss, kaiser Maximilian hab herzog Ulrichen allain diese hauptmanschaft wider die Franzosen angehenkt, damit er umb den pronnen gienge, ußblib und nit wider zu landt keme, auch dem reich ain
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bestendige rhue geschafft würde, dann er gesehen, was unruhe durch in künftigclichen megte erregt werden; zu dem, ob sich begeben het, das herzog Ulrich domaln ohne mann-

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[402] lich leibserben abgestorben were, das ganz fürstenthumb aim römischen kaiser als ain cammerguet haimgefallen gewesen, dann also hats der erst herzog, Eberhart, genannt der Bartman, in erhöchung des stands bewilliget und
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angenommen. * [1381] Als kaiser Maximilian grave Eberharten von Würtemberg, im part genannt, zu aim herzogen erhöcht, do hat er ime und seim geschlecht des römischen reichs sturmfanen[19] geben, das sie den hinfüro füeren megen, wie
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sie denn auch im wappen quartiert fieren. Ist beschehen zu Wormbs uf aim reichstag anno 1495. *



  1. umlauf] hs. unlauf; s. unten z. 33.
  2. Ablach hs. Albach.
  3. Humel] hs. Hymel.
  4. andern] hs. anderm.
  5. das] hs. da.
  6. aussprechen] hs. ausprechen; s. oben 322, 17.
  7. der] hs. den.
  8. den] hs. der.
  9. Onspach] d. i. Ansbach, Onoldsbach.
  10. best] hs. beß.
  11. ein edle von Rosenfeldt] sie hieß Ursula und war die tochter des Georg von Rosenfeld; s. Föhr, Beschreibung der Stadt Rosenfeld (1868) s. 5.
  12. 1504] schon 1503.
  13. dem] hs. der.
  14. 15[04] die minderzahl ergänzt, vgL Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz I, 486.
  15. Bretten] s. Gehres, Brettens kleine Chronik s. 39; Häusser a. a. o. I, 473.
  16. ... ] Heyd, Ulrich Herzog von Württemberg I, 99, sagt: »Wer den Oberbefehl führte, wird mit Bestimmtheit nicht erwähnt; doch scheint es Graf Wolfgang v. Fürstenberg gewesen zu seyn, schon im Schweizer-Kriege des schwäbischen Bundes Kriegs-Oberster, mehr als Andere, tüchtig im Feld.«; WS: die auf der nächsten Seite fortgeführte Fußnote von Barrack wurde auf dieser Seite vervollständigt.
  17. Anno 1509] schon am 10 December 1508 zu Cambray; s. Klüpfel, Kaiser Maximilian I, s. 151.
  18. Galion] d. i. Calliano; vgl. Forschungen zur deutschen Geschichte I, 371.
  19. sturmfanen] hs. steurfanen; vgl. hierüber Zeichen, Fahnen und Farben des deutschen Reichs (1848) s. 10, und Stälin a. a. o. III, 638.